Rote Elefanten im Tsavo East Nationalpark in Kenia

Der Tsavo ist der größte Nationalpark in Kenia und wird in zwei Gebiete unterteilt: Tsavo East und Tsavo West. Tsavo East ist der deutlich populärere Teil, auch weil er nahe an der Küste liegt und sich für kurze Safaris im Badeurlaub eignet. Er ist bekannt für seine große Population an Elefanten. Davon abgesehen, dass man nahezu immer irgendwo in der Ferne in einer Ecke einen Elefanten sieht, sind diese Tiere auch besonders: Der rote Sand hat ihre Haut rot gefärbt. Auch ansonsten finden sich in Tsavo East nahezu alle Wildtiere, die in Kenia vorkommen: Löwen, Leoparde, Flusspferde, Hyänen, Wildhunde, Zebras, Giraffen, Antilopen - und mit viel Glück entdeckt der Safari-Gänger sogar ein Nashorn.



Für eine Safari sollte man eigentlich - außer vielleicht im Nairobi oder Arusha Nationalpark - mehr als einen Tag einplanen. Das würde ich jedem so raten. Allerdings gibt es Situationen, in denen man seinen eigenen Rat nicht befolgt. So ging es mir im März 2020.

 

Auf einer viertägigen Safari im Schutzgebiet Ol Pejeta und in den Reservaten Samburu und Buffalo Springs waren meine Freundin, die zu Besuch war, und ich ein wenig enttäuscht. Wir hatten einen lustlosen Guide und so kam überhaupt keine gute Stimmung auf - obwohl wir ein paar tolle Nashorn-, Büffel-, Hyänen- und Elefanten-Sichtungen hatten. Bei einer Safari hängt leider viel vom Guide ab und irgendwann haben wir uns nur noch übereinander geärgert und die Laune war im Keller. Außerdem hatten wir in den gesamten vier Tagen nur eine Löwin gesehen - das ist für Kenia eine sehr magere Ausbeute, was Großkatzen angeht.

 

Wir haben kurz überlegt, ob wir den freien Reisetag für eine Tour in den Nairobi Nationalpark nutzen, oder ob wir unseren Flug von der Küste zurück nach Nairobi ausfallen lassen und stattdessen noch einen Tag und eine Nacht im Tsavo East einlegen und dort eine Safari starten.

 

Die Entscheidung fiel auf Tsavo East: Zwei Fahrstunden von Watamu aus, wo wir am Strand entspannt hatten, ist ein Gate zum Park.

 

Eigentlich wären wir donnerstagsabends vom Strand zurück nach Nairobi geflogen, nun fuhren wir donnerstagmorgens um 4.30 Uhr los Richtung Nationalpark. Wir hatten uns für den Abend eine Unterkunft in Voi gebucht, einer Stadt direkt am Park, nur 4 Kilometer vom Gate entfernt, und hatten uns zudem ein Zugticket für den nächsten Morgen von Voi nach Nairobi gebucht. Die Fahrt führt auch eine Stunde lang zwischen den Tsavos hindurch und unterwegs kann man auch nochmal Kenias Wildlife gucken!

 

Ich bin überhaupt kein Morgenmensch und so früh aufzustehen war schon schwer für mich. Aber ich hatte den Tsavo East eh schon länger auf meinem Zettel, auch aufgrund seiner Größe und Artenvielfalt. Und während unser Fahrer und unser Guide (die Agentur, die wir für diese kurze Tour wählten, hat uns gleich beide mitgeschickt, der Guide war auch der Agentur-Inhaber) schon auf der zweistündigen Fahrt hellwach waren, schliefen wir friedlich im hinteren Teil des Jeeps.

 

Um kurz nach 6 Uhr begann es langsam hell zu werden und wir fuhren eh nahezu die komplette Zeit durch menschenleere Landschaften. Mit dem ersten Licht entdeckten wir daher auch gleich die ersten Tiere: Als erstes lief uns ein Schakal über den Weg! Diese kleinen Hunde finde ich total süß, sie sind eigentlich immer als Paar unterwegs, dieses Exemplar jedoch war alleine unterwegs - und hatte ein blutverschmiertes Maul.

 

Kurz danach stoppten wir, weil Zebras und Antilopen uns die Straße versperrten, auch Giraffen und Paviane sahen wir am Straßenrand. So viele Tiere - obwohl wir noch nicht einmal im Park waren - nun waren auch meine Freundin und ich hellwach und freuten uns auf das, was der Tag so bringen würde. Wir hofften natürlich auf Katzen - denn davon hatten wir ja kaum welche gesehen und die Chance, im Tsavo Löwen zu sehen, ist recht hoch.

 

Ein paar Meter vom dem Sala-Gate, durch das wir in den Park fuhren, gibt es einen Souvenier-Shop mit Café und Toiletten und das ist offenbar für alle, die über dieses Gate kommen, ein Muss-Pausenort. Der Grund ist recht einfach: Die Anlage liegt direkt am Sabaki-Fluss und auf der Sandbank tümmeln sich Krokodile. Drei Stück sahen wir und waren erstaunt, wie nahe die Leute teilweise heran gingen.

 

Ich habe zwar nicht gefragt, aber es sah mir ganz danach aus, als würden die Krokodile von dem Laden angefüttert werden - denn mit Sicherheitsabstand war da nicht viel. So nahe war ich jedenfalls noch keinem Krokodil und ich war noch eine derjenigen, die am meisten Abstand hielt. Ich mag es generell aber auch nicht, wenn Tiere angefüttert werden und versuche, solche Orte zu meiden. In Kenia sieht man an soooo vielen Ecken Tiere, die ohne den Einfluss des Menschen leben, sodass das wirklich nicht notwendig ist. Wir haben auch später noch Krokodile gesehen, aus dem Auto heraus und natürlich viel weiter weg. Dafür aber in der richtigen Natur.

 


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Leider hatten wir dann nach der Einfahrt in den Park wieder eine Durststrecke, was tolle Sichtungen angeht. Es gab zwar immer mal wieder Herden von Impalas und Zebras und hin und wieder zeigten sich Flusspferde, andere Antilopen und Gazellen oder bunte Vögel, aber es zog sich doch etwas.

 

Über Funk hörten wir von den anderen Safari-Jeeps: Die meisten Tiere waren derzeit in anderen Teilen des riesigen Parks unterwegs und auch alle Löwen- und Leoparden-Sichtungen an diesem Morgen waren ganz am anderen Ende. Und wir reden hier nicht von ein paar Minuten Fahrt - der Park ist fast 22.000 Quadratkilometer groß: Vom Sala Gate, was den südöstlichen Abschluss bildet, zur Voi Wildlife Lodge am nordwestlichen Ende, sind es fast 200 Kilometer!

 

Dennoch haben wir die Zeit natürlich genossen - und uns immer gefreut, wenn wir ein paar Tiere entdeckt haben. So hatten wir tolle Giraffen-Sichtungen (mit Nachwuchs). Aber natürlich waren vor allem solche toll, die wir bisher noch nicht gesehen hatten. So spazierte eine männliche Riesentrappe (auf Englisch: Kori Bustard) am Auto vorbei - und sie sehen sehr spektakulär aus, wie ihr auf dem Bild sehen könnt.

 

Irgendwann roch es ziemlich dolle nach Tier und auf der Straße mehrten sich die frischen Elefanten-Haufen. Gerade als ich mich zu meiner Freundin umdrehte und sagte, dass wir mal nach Elefanten schauen sollte, stand in der nächsten Kurve einer vor unserem Auto! Und er war nicht alleine, sondern hatte seine Herde dabei.

 

Ab diesem Moment haben wir quasi an jeder Ecke permanent Elefanten gesehen. Einmal herum gedreht und irgendwo am Horizont stand quasi immer ein Elefant - oder unter einem Baum. Das Besondere an den Elefanten hier im Tsavo ist, dass sie rot sind: Weil sie sich mit der roten Erde bewerfen und darin wälzen, nimmt die Haut die Farbe an. Bei einigen sieht man es noch nicht so dolle, etwa kurz nach dem Bad im Wasser - andere hingegen leuchteten fast zwischen den grünen Bäumen und Sträuchern.

 

Wir begegneten dann auch noch einer Herde, die etwas ruhiger war - und sehr entspannt, als wir hielten, um Fotos zu machen. Unser Guide erklärte uns, dass es sich dabei um Tiere handelt, die ausgewildert wurden: die Sheldrick-Elefanten, wie man sie nennt. Der Sheldrick Wildlife Trust Kenia päppelt verwaiste und verletzte Elefantenbabys auf und sorgt so lange für sie, bis sie ausgewildert werden können - das dauert mindestens zehn Jahre! Die Babys hatte ich auch schon im Sheldrick Elephant Orphanage in Nairobi gesehen.

 

Generell hatten auch hier, wie zuvor in Samburu, die Elefantenherden viele kleine Elefanten dabei. Einige waren noch kein Jahr alt, was man gut daran erkennen kann, dass sie bis zu einem Jahr unter dem Bauch der Mutter gehen können - danach werden sie zu groß.

 

Auch nach so vielen Safaris verliere ich einfach nie die Lust daran, diesen grauen Wesen zuzusehen. Die Babys sind auch einfach zu knuffig, wenn sie beispielsweise gerade ihren Rüssel entdecken und ihn wild hin- und herschleudern oder versuchen, sich mit Wasser oder Staub zu bespritzen, aber der Rüssel nicht lange genug ist, um damit auch tatsächlich den eigenen Rücken zu erreichen.

 

Doch man merkte auch den Tieren langsam die große Hitze an, es war fast 12 Uhr und die Sonne scheinte. Viele Elefanten hatten sich unter Bäumen versteckt und so war es auch für uns Zeit, eine Lunch-Pause einzulegen. Da unser Guide aus Voi stammt, fuhren wir aus dem Park hinaus und aßen bei einem seiner Freunde, der das Restaurant und Hotel African Smile betreibt. Angeschlossen an die Lokalität ist auch eine Hilfsorganisation für Kinder, weshalb man mit dem Mittagessen gleich noch was Gutes tut.

 

Um 15.30 Uhr fuhren wir wieder in den Park und versuchten unser Glück noch einmal. Wir fuhren unter anderem in ein Gebiet, in dem am Morgen Löwen gesehen wurden - aber wir hatten Pech. Zumindest, was die Katzen angeht - denn ansonsten hatten wir ein paar richtig tolle Sichtungen! Dik Diks, Somali-Strauße, Gazellen und Antilopen, Hunderte Elefanten, Zebras, Giraffen und mehr sahen wir. Teilweise standen die Tiere so nah beieinander, dass wir vier oder fünf verschiedene Tierarten auf einem Foto hatten!

 

Mein guter Freund George, der ebenfalls als Guide arbeitet, sagt immer zu mir: "Every safari ends with a surprise" - und auch wenn das die letzten Tage nicht so war, war es an diesem Abend so: Als wir schon fast am Gate waren, lief uns erst eine Hyäne über den Weg. Und im Anschluss saßen im Straßengraben noch Zebra-Mangusten, ebenfalls mit Nachwuchs. Das war dann doch - obwohl kein Löwe in Sicht - ein sehr versöhnlicher Abschluss der Safari Tour in Kenia.

 

Übernachtet haben wir übrigens auch in Voi, in der Impala Safari Lodge. Es handelt sich um eine preiswerte Unterkunft, es gibt Zimmer und Zelte. Wir hatten ein Zelt mit Badezimmer und waren mehr als positiv überrascht. Das Abendessen und Frühstück war auch lecker - und günstig - und den Pool konnten wir auch nutzen. Bis zum Bahnhof waren es rund 20 Minuten Fahrt.

 

Tsavo East: Wissenswertes zum größten Nationalpark in Kenia

Mit 52 US-Dollar Eintritt ist der Tsavo East einer der günstigeren Nationalparks in Kenia. Er ist außerdem nicht nur der größte, sondern auch der am meisten besuchte: Denn viele Urlauber in Kenia fahren vor allem an die Küste und machen von dort aus für ein, zwei, drei Nächte eine Safari. Der einzige Nationalpark, der von dort aus gut erreichbar ist bei wenig Zeit sind die beiden Tsavos.

 

Aufgrund der Größe - 22.000 Quadratkilometer - sollte man allerdings mehr Zeit einplanen als wir es getan haben. Gut, bei uns war es ja auch nur ein Notfall-Plan. Aber schon allein durch die unterschiedlichen Landschaften ist der Park mega abwechslungsreich. Und wer Elefanten mag, kommt hier definitiv auf seine Kosten. Ich hatte schon oft sehr schöne Elefanten-Sichtungen, etwa im Chobe-Nationalpark in Botswana oder in der Masai Mara in Kenia, aber so viele Tiere in so kurzer Zeit habe ich noch nirgendwo sonst gesehen.

 


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