Black History Month: Was du als Tourist dazu wissen solltest

Der Februar gilt im nordamerikanischen Raum als "Black History Month". Durch Veranstaltungen und Innehalten soll an Orte, Menschen und Meilensteine Schwarzer Geschichte erinnert werden. Auch im Jahr 2021 ist hierfür noch ein Anlass notwendig - wie wir bei Demonstrationen durch "Black Lives Matter" und Co sehen. Die Geschichtsbetrachtung fand jeher nur von weißer Seite aus statt, selbst die Schwarze Geschichte wurde von Weißen erzählt. Dadurch wird Geschichte verzerrt. Es ist wichtig, einen Perspektivwechsel zu erreichen - damit wir Weißen unser auch ungewollt rassistisches Verhalten ändern können. Reisende haben hierbei eine besondere Verantwortung.


Black History Month: Was ist das und warum gibt es das?

Der Black History Month wird in den USA und in Kanada jedes Jahr im Februar gefeiert. Seit einigen Jahren gibt es auch in Deutschland Veranstaltungen rund um den Black History Month. 

 

Beim Black History Month geht es, wie der Name schon sagt, um die Schwarze Geschichte - also die Geschichte Schwarzer Menschen. Im Zentrum steht die Schwarze Bewegung in den USA - wo nahezu alle Schwarzen Menschen von einstigen Sklaven abstammen, die zu Millionen aus Afrika verschleppt und entwurzelt wurden, um am neuen Wohnort misshandelt und gefoltert zu werden.

 

Der Black History Month hat in den USA und in Kanada eine lange Tradition. Initiiert wurde er bereits im Jahr 1926 durch den US-Amerikaner Carter G. Woodson. Er wollte damit das Bewusstsein auf die Beteiligung Schwarzer Menschen in der Geschichte der USA schaffen. Denn die Geschichtsschreibung erfolgt, wie auch in Europa, oft durch weiße Menschen, die Schicksale, aber auch Errungenschaften von schwarzen Menschen ausklammern. Im Jahr 1926 waren die verbreiteten Stereotype und das Ausgrenzen von Afroamerikanern noch viel stärker als heute - doch leider ist es auch im Jahr 2021 noch notwendig, speziell an Schwarze Geschichte zu erinnern. Der omnipräsente Rassismus und die "Black Lives Matter"-Bewegungen tragen ihren Teil dazu bei. 


Black History Month: Schwarze Geschichte sichtbar machen

In der Wissenschaft spricht man von "white history" und "black history". Das liegt daran, dass die Geschichtsbetrachtung von jeher weiß geprägt war - Weiße haben die Geschichtsbücher geschrieben und vielleicht Schwarze Stimmen einfließen lassen - aber die Perspektive blieb die Gleiche.

 

Selbst auf dem afrikanischen Kontinent war diese Differenz omnipräsent - denn die Schulbücher, auch die Geschichtsbücher, sind teilweise heute noch von Europäern und Amerikanern geschrieben - also aus weißer Sicht. Der kamerunische Historiker und Politikwissenschaftler Achille Mbembe forderte deshalb bereits mehrfach eine "Dekolonialisierung von Wissen" - also eine neue Perspektive in den Geschichtsbüchern, die nicht weiß ist.

 

Erst in den jüngsten Jahren gab es hier einen sachten Perspektivwechsel - hin zur "shared history", also einer gemeinsamen Betrachtung der Geschichte von Täter- und Opferseite (beziehungsweise deren Nachkommen). Charlotte Wiedemann schreibt, dass "zwei Arten von kollektivem Gedächtnis entstanden" sind: das weiße und das schwarze Gedächtnis, "wobei das schwarte näher an dem ist, was man als Weltgedächtnis bezeichnen kann: die Summe kollektiver Erinnerungen vieler Völker." 

 

Der langjährige Spiegel-Afrika-Korrespondent Bartholomäus Grill sagt in seinem Buch: "Du kannst Afrika und die Afrikaner nur mit einem europäischen Blick darstellen. Du hast keinen anderen." Das stimmt. Aber wir können eben auch Schwarzen Menschen zuhören, wir können ihre Bücher lesen, ihre Filme sehen, ihre Stimmen hören. Und damit lernen, dass unsere weiße Wahrnehmung von Geschichte die einer Minderheit ist.


Black History Month: Was hat das mit Reisen zu tun?

Rassismus und Schwarze Geschichte - was hat das mit dem Reisen zu tun? Und was hat das Thema Black History Month auf einem Reiseblog zu suchen? 

 

Nun, ich denke, dass gerade wir, die wir gerne reisen und die Welt erkunden, immer wieder auf Menschen treffen, die unter Rassismus, Diskriminierung und ähnlichem leiden müssen, auch heute noch. Und wir besuchen immer wieder Orte, die für Schwarze Menschen eine große Bedeutung haben - ob in Afrika, Nordamerika, Lateinamerika oder auch in Europa. 

 

"Privilegiert zu sein durch die Umstände der Geschichte und den Ort der Geburt ist nichts, was zu einem individuellen Schuldbewusstsein führen sollte. Wohl aber zu Bewusstsein, zu Bewusstheit", schreibt Charlotte Wiedemann.

 

Reisen bedeutet nicht nur faul am Strand liegen und Party zu machen. Reisen bedeutet auch, sich mit einem Ort, seinen Menschen, seiner Kultur und Geschichte auseinander zu setzen. Und genau dazu bietet der Black History Month Anlass. Er gibt den Rahmen vor - in dem wir einmal mehr darüber nachdenken können, welche Privilegien Weiße haben und wie wenig wir Weiße über die Black History wissen. Das schließt mich ein. 

 

Wir sind in einem eurozentristischen Umfeld, mit einer rein eurozentristischen Perspektive aufgewachsen. Das hat uns geprägt. Aber nun, da wir hinaus gehen und um die Welt reisen, sollten wir uns eben auch mit anderen Sichtweisen beschäftigen. Denn die weiße Weltsicht ist nur ein kleiner Teil der Geschichte - und lässt Opfer von Rassismus, Ausgrenzung und Stigmatisierung nur selten zu Wort kommen. Und ich glaube, für ein gutes Miteinander, einem Begegnen auf Augenhöhe, ist es wichtig, dass wir uns gegenseitig zuhören. Vor allem wir Weiße den Schwarzen - denn die Stimmen kamen jahrhundertelang viel zu selten zu Wort. 

 

Als ich 2014 im Valle de los Ingenios auf Kuba war, hatte ich keine Ahnung von Sklaverei - und vor allem nicht, was diese mit Kuba zu tun hatte. Ich bin auf den Torre de Manaca Iznaga gestiegen und habe auf das Herrenhaus herunter geblickt und auf jene Flächen, wo einst die Barracken der Sklaven standen. Aber ohne ein Gefühl für die Bedeutung des Ortes zu haben. Ich wusste nicht von den zwölf Millionen Menschen, die die Sklaverei nicht überlebt haben. 

 

Inzwischen hat sich zum Glück einiges geändert. Dennoch denke ich fast mit einem schlechten Gewissen an jenen Tag im November 2014 zurück. Weil ich den Eindruck habe, dem Ort und seiner Geschichte - vor allem aber der vielen unschuldigen Menschen hier - nicht gerecht geworden zu sein. Ich möchte nicht, dass mir so etwas noch einmal passiert. Ich finde, das hat mit Respekt zu tun. Respekt gegenüber den Menschen, die hier ihr Leben verloren haben oder traumatisiert wurden. Die Leiden mussten für weiße Menschen. Dieses Bewusstsein ist wichtig, wenn wir über den respektvollen Umgang heute reden.  

 

Um ein bisschen ein Gefühl dafür zu verschaffen, wo wir Schwarzer Geschichte begegnen können - ob an Orten, durch Persönlichkeiten, in Filmen oder in Büchern - habe ich nachfolgend ein paar Listen erstellt, für all jene, die sich gerne näher mit Schwarzer Geschichte auseinandersetzen wollen.


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Black History: 10 bedeutende Orte schwarzer Geschichte

Cape Coast Castle in Cape Coast, Ghana

Cape Coast Castle in Ghana war einst die Hochburg der Sklaverei, Hunderttausende Menschen wurden hier ermordet und gefoltert, ihrer Freiheit beraubt und misshandelt. Cape Coast Castle war der letzte Ort, den sie je in ihrer Heimat sahen - ehe sie über die Middle Passage nach Amerika verschifft wurden. 

 

Regina Mundi Church in Soweto, Südafrika

Die Kirche Regina Mundi im riesigen Township Soweto bei Johannesburg in Südafrika war einst das Zentrum der lokale Anti-Apartheids-Bestrebungen. Weil politische Versammlungen verboten waren, trafen sich die jungen Schwarzen hier.  1976 flüchteten Schwarze vor den Waffen der Armee in die Kirche - doch die Soldaten drangen in das Gotteshaus ein und schossen um sich. 

 

Freetown, Sierra Leone

Der Name Freetown geht auf die Sklaverei zurück. Hier siedelten sich im 18. Jahrhundert befreite Sklaven an und gründeten damit die Stadt, die heute Hauptstadt von Sierra Leone ist. Freetown war lange der größte Umschlagplatz für Sklaven in Westafrika. 

 

Robben Island in Kapstadt, Südafrika

Freiheitskämpfer und Menschenrechtler Nelson Mandela gilt als eine der bedeutendsten Schwarzen Politiker weltweit. Er hat zusammen mit anderen für das Ende der Rassentrennung in Südafrika gesorgt und wurde zum ersten Schwarzen Präsident des Landes. Auf Robben Island verbrachte er 18 der 27 Jahre in Haft. Seine Zelle ist noch erhalten, ebenso der Steinbruch, in dem er zur Arbeit gezwungen wurde.

 

Roça Sundy auf Príncipe, São Tomé und Príncipe

Die Insel São Tomé und Príncipe gilt als gegründet durch den Sklavenhandel. Bevor die ersten Sklaven in der portugiesischen Kolonie ankamen, sollen hier keine Menschen gelebt haben. Die größte Plantage im zweitkleinsten Land Afrikas mitten im Atlantik war die Roça Sundy. Die ehemaligen Herrenhäuser dienen als Hotel, in den einstigen Barracken der Sklaven leben heute noch immer arme Bürger des Landes.

 

Torre de Manaca Iznaga im Valle de los Ingenios, Kuba

Im Valle de los Ingenios auf Kuba mussten Sklaven früher harte Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen verrichten. 1816 hat die Familie Iznaga einen 50 Meter hohen Turm bauen lassen - die verschiedenen Stockwerke sind verschieden gestaltet. Oben thronte die Glocke, die die Sklaven morgens zur Arbeit rief. Von dem Turm aus konnten die Sklaven bei der Arbeit überwacht werden und Aufstände konnten frühzeitig niedergeschlagen werden. Turm und Herrenhaus sind heute noch geöffnet, die Glocke erhalten.

 

Haiti

Haiti ist der Ort des ersten wirklich erfolgreichen Sklavenaufstands - denn die Haitianische Revolution führte sogar zum ersten von Sklaven gegründeten Staat. In der französischen Kolonie Saint-Domingue (zu der auch die heutige Dominikanische Republik gehört) kam es 1791 zu Unruhen, 1804 wurde aus der Kolonie offiziell ein eigener Staat. Haiti.  Haiti war der erste unabhängige Staat in ganz Lateinamerika. 

 

Adua, Äthiopien

Äthiopien ist das einzige Land Afrikas, das nie von Europäern kolonialisiert wurde. Versuche gab es, von den Portugiesen, den Engländern und später von den Italienern, die bereits mit dem Nachbarland Eritrea eine Kolonie hatten. 1896 unternahmen die Italiener noch einmal den Versuch, die Äthiopier mit modernen Gewehren und Waffen zu schlagen - doch die Schlacht von Adua ging an die Äthiopier - die auch aufgerüstet hatten. Es ist einer der bedeutendsten Siege einer afrikanischen gegen eine europäische Armee. 

 

Charleston, South Carolina

Schwarze Geschichte in den USA beginnt fast immer in Charleston in South Carolina. Hier legten zahlreiche Sklavenschiffe an, die Menschen wie Waren von Afrika nach Nordamerika brachte. Das "Old Slave Mart Museum" erinnert daran. 

 

Mangi Meli Remains in Moshi, Tansania

Das heutige Tansania war einst Teil der deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Doch längst nicht alle Einwohner haben sich einfach unterworfen. Mangi Meli gilt als einer der bedeutendsten Kämpfer gegen das deutsche Unrecht-Regime. Als er von den deutschen Truppen gefasst wurde,  wurde er bei Moshi an einem Baum gehängt. Dort erinnert heute ein Museum an Mangi Meli, das auch seine Geschichte erzählt. Es ist Teil einer Aktion seiner Nachfahren - die seit Jahrzehnten dafür kämpfen, dass der Kopf von Mangi Meli, der von der Leiche abgetrennt und für Forschungen und/oder museale Zwecke nach Deutschland gebracht wurde, zurück in die Heimat gebracht werden kann, damit er endlich Ruhe findet.


Black History: 10 Persönlichkeiten, die du kennen solltest

Rosa Louise Parks

Eine amerikanische Bürgerrechtlerin, die sich 1955 in Alabama weigerte, einen Sitzplatz im Bus für eine weiße Frau freizugeben. Der Vorfall, bei dem Parks verhaftet wurde, gilt als Beginn der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA.

 

William Edward Burghart du Bois

Der erste schwarze Soziologe Amerikas, der als Nachfahre einer früh von der Sklaverei befreiten Familie als Bürgerrechtler kämpfte. Er promovierte 1895 als erster Schwarzer in Harvard, konnte aufgrund seiner Hautfarbe aber keine wissenschaftliche Karriere machen. Du Bois gilt als einer der Vordenker des Panafrikanismus und zog 1961 nach Ghana, wo sein Freund - ebenfalls Panafrikanist - Kwame Nkrumah zum ersten Präsidenten des soeben unabhängig gewordenen Landes gewählt wurde. 

 

Nelson Mandela

Sein Kampf gegen die Apartheid in Südafrika, die Menschen nach ihrer Hautfarbe klassifizierte und trennte, kosteten Nelson Mandela 27 Jahre in Haft. Als die Apartheid in Südafrika 1994 abgeschafft wurde, wurde er zum ersten Schwarzen Präsidenten seines Landes. 1993 erhielt er den Friedensnobelpreis. 

 

Harriet Jacobs

Harriet Jacobs ist eine der ersten Frauen, die über die Gräueltaten sprach, die die Kolonialisten und Sklavenhalter versklavten Frauen wie ihr angetan haben. Jacobs wurde als Sklavin geboren und oft sexuell bedrängt und missbraucht. Sie versteckte sich und konnte viele Jahre später fliehen. In New York engagierte sie sich zusammen mit ihren Kindern für das Ende der Sklaverei. Ihre Autobiografie "Incidents in the Life of a Slave Girl" war eines der ersten Slave Narratives einer Frau. 

 

Frederick Douglass 

Frederick Douglass wurde als Sklave geboren, früh von seiner Mutter getrennt und wahrscheinlich entstand er aus sexuellen Übergriffen des Sklavenhalters gegenüber seiner Mutter. 1938 gelang ihm die Flucht - er wurde zum Vorredner gegen die Sklaverei. Seine Beschreibungen sowohl auf der Bühne als auch in Büchern waren wichtige Treibkräfte in der Abolotions-Bewegung. 

 

Martin Luther King

"I have a dream" - Die Rede, die der Pastor und Bürgerrechtler Martin Luther King 1963 hielt, ist eine der berühmtesten der Welt. Martin Luther King gilt als einer der wichtigsten Protagonisten im gewaltfreien Kampf gegen Unterdrückung und Rassentrennung. Er war einer der bekanntesten Sprecher des Civil Rights Movements und schaffte es, die Massen zu begeistern. Die Rassentrennung wurde in den Südstaaten aufgehoben. 1964 erhielt er den Friedensnobelpreis, vier Jahre später wurde er ermordet. 

 

Barack Obama

Mehr als zwölf Prozent der amerikanischen Bevölkerung ist schwarz. Dennoch hat es 233 Jahre, bis mit Barack Obama zum ersten Mal ein Schwarzer Präsident regierte. Für seinen Kampf um Gleichberechtigung und gegen Rassismus erhielt er den Friedensnobelpreis.

 

Toni Morrison

Toni Morrison zählt nicht nur zu den einflussreichsten afroamerikanischen Schriftstellerinnen überhaupt und als eine der Stimme der Schwarzen Bevölkerung, sie erhielt 1993 auch als erste Afroamerikanerin den Literaturnobelpreis. Das Thema Sklaverei und Black History spielt in ihren Romanen eine große Rolle.

 

Kofi Annan

Kofi Annan, in Ghana geboren, war der erste Generalsekretär der Vereinten Nationen aus Subsahara-Afrika. 2001 erhielt er den Friedensnobelpreis, zusammen mit den UN. Er engagierte sich auf vielen Ebenen, etwa bei der Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika oder als Gründer von Global Elders - einer Gruppe herausragender Persönlichkeiten, die ihre Erfahrungen und Kontakte zur Lösung globaler Probleme nutzen wollte. 

 

Ellen Johnson Sirleaf

Nach 23 männlichen Präsidenten war Ellen Johnson Sirleaf die erste Präsidentin von Liberia - und brachte ihr Land nach vorne. Damit gilt sie als erste Präsidentin in Afrika überhaupt. Neun Jahre später, 2011, erhielt sie den Friedensnobelpreis - weil sie sich (nicht nur in Liberia) gewaltfrei für Frauenrechte einsetzte. 


Black History: 10 Filme, die du gesehen haben solltest

12 Years a Slave

Solomon Northup wird aus New York entführt und versklavt. Zwölf Jahre lang muss er auf Plantagen schuften, er wird geschlagen, misshandelt und gefoltert - und muss genau das auch bei anderen Sklaven mit ansehen. Der Film aus dem Jahr 2013 erhielt einen Oscar.

 

Selma

1964 bekommt Martin Luther King als Bürgerrechtler den Friedensnobelpreis, doch das Civil Right Movement steht erst am Anfang. Das Historiendrama Selma, benannt nach der US-amerikanischen Stadt Selma in Alabama, thematisiert die sogenannten Selma-nach-Montgomery-Märsche im Jahr 1965, auf denen die Gleichberechtigung für Schwarze gefordert  wurden. Spielfilm nach wahren Begebenheiten.

 

Rafiki

Im christlich missionierten Subsahara-Afrika ist Homosexualität weitestgehend verboten, kriminalisiert und kann mancherorts sogar mit der Todesstrafe belegt werden. Rafiki erzählt von zwei jungen Frauen in Kenia, deren Väter politische Konkurrenten sind, und die sich ineinander verlieben. Als alles auffliegt, erleben sie den Hass der Bevölkerung.

 

Amistad

Ein Historiendrama über den Aufstand der Sklaven auf dem Sklavenschiff Amistad, das 1839 40 aus der Gegend um Sierra Leone stammende Sklaven von Kuba nach Spanien bringen sollte. Die Sklaven meuterten und brachten die Besatzung weitestgehend um. Das Schiff wurde gefunden - und in einem Gerichtsprozess musste geklärt werden, wessen Eigentum die Sklaven auf dem Schiff nun waren. 

 

Goodbye Bafana

Der Film aus dem Jahr 2007 erzählt vom inhaftierten Nelson Mandela im Jahr 1968 und seiner Beziehung zum Gefängniswärter Gregory.

 

Timbuktu

Bei einem Konflikt im Norden von Mali im Jahr 2012 besetzen Dschihadisten von Al-Qaida die sagenumwobene malische Stadt Timbuktu. Der Film 2014 basiert zwar auf tatsächlichen Ereignissen, es ist aber ein Spielfilm.

 

Hotel Ruanda

Ein Film über den Völkermord an den Tutsi und Hutu im Jahr 1994 in Ruanda - bei dem binnen weniger Tage Hunderttausende Menschen starben und vertrieben wurden. Aber es gibt Hoffnungsschimmer, etwa durch den Mann, der Hunderten das Leben rettete. 

 

Beasts of No Nation

Agu lebt in Westafrika, als der Bürgerkrieg sein Dorf erreicht. Seine Familie wird größtenteils getötet, Agu flüchtet und wird Kindersoldat, dessen Alltag das Töten ist. Jahre später wird Agu von UN-Soldaten aufgenommen und in eine Einrichtung für traumatisierte ehemalige Kindersoldaten gebracht. Manche bleiben, andere kehren in den Krieg zurück.

 

Malcolm X

Der Spielfilm Malcolm X aus dem Jahr 1992 basiert auf dem Leben des Schwarzen US-Bürgerrechtlers Malcolm X und behandelt das Leben und den Tod des Mannes. Nach einer Gangsterkarriere in den 40er Jahren wurde er zum Prediger der "Nation of Islam"-Organisation. 

 

I Am Not Your Negro

Der Dokumentarfilm aus dem Jahr 2017 erzählt aus dem Leben des Autors James Baldwin - einem Leben zur Zeit der Rassendiskrimierung und der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung im 20. Jahrhundert. Baldwin erzählt von den Ereignissen anhand der Lebensgeschichten von drei Freunden aus dem Civil Rights Movement. 


Black History: 10 Bücher, die du gelesen haben solltest

Toni Morrison: Menschenkind

Sethe war einst Sklavin, auch ihre Kinder wurden als Sklaven geboren. Um ihre Tochter Beloved vor den gleichen Qualen zu schützen, bringt Sethe ihr Kind um. Und auch wenn das Buch die Zeit nach der Freilassung thematisiert, ist Sethe zwar frei, lebt mit ihrer jüngsten Tochter Denver aber stark traumatisiert und geprägt von ihren Erlebnissen als Sklavin abgeschieden. Dann taucht ein Mädchen namens Beloved auf.

 

Binyavanga Wainaina: Eines Tages werde ich über diesen Ort schreiben

Binyavanga Wainaina war Menschenrechtler und kämpfte für die Rechte von Homosexuellen in Kenia. In seiner Autobiografie erzählt er über seine Kindheit in der Mittelklasse Kenias - einer absoluten Minderheit. Er spricht über Staat und Religion, über Bücher und Ausgegrenztsein und über seine Versuche, in Südafrika ein neues Leben zu beginnen.

 

Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah

Ifemelu wandert während der Militärdiktatur von Nigeria in die USA aus, ihr Freund Obinze schafft es illegal nach Großbritannien. Beide kehren sie zurück nach Nigeria - als Americanah, wie Rückkehrer nach Nigeria genannt werden. Ein Roman über Rassismus, Entfremdung, Heimat und der Sehnsucht, sich eigene Träume zu verwirklichen. 

 

Yaa Gyasi: Heimkehren

Zwei Halbschwestern in Ghana, die eine versklavt, die andere zwangsverheiratet an einen britischen Kolonialherren. Sie lebten im gleichen Gebäude, eine im Dungeon, die andere in den Herrenzimmern. Heimkehren verfolgt die die Familienstränge der beiden Frauen über Jahrhunderte - und vergleicht damit, wie viel Einfluss der Moment hatte, in dem entschieden wurde, wer versklavt wird und wer auf die Seite des Regimes gedrückt wird. 

 

Imbolo Mbue: Das geträumte Land

Jende ist mit seiner Frau und dem Sohn von Kamerun nach Amerika geflohen, er arbeitet als Chauffeur eines Bankmanagers bei Lehmann Brothers, seine Frau wird in der Familie als Kindermädchen angestellt. Es scheint perfekt - bis zur großen Finanzkrise.  

 

Zora Neale Hurston: Barracoon: Die Geschichte des letzten afrikanischen Sklaven

1927 sprach Zora Neale Hurston mit Oluale Kossola alias Cudjo Lewis, dem letzten Zeitzeugen der Sklaverei. Er kam 1860 mit dem letzten Schiff von Westafrika nach Nordamerika und war bis zur Abolotion Versklavt. In dem Buch, das erst 2018 veröffentlicht wurde, geht es vor allem um die Zeit nach der Befreiung der Sklaven - um das Ankommen und Zurechtfinden in einem neuen Land fernab der schmerzlich vermissten Heimat. 

 

Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten

Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft. Rassismus ist strukturell und in unserem Alltag tief verwurzelt. Alice Hasters erzählt aus ihren Erfahrungen als Schwarze Frau in Deutschland zu leben. Wir sollten ihr zuhören - auch wenn es wehtut. 

 

Tupoka Ogette: Exit Racism

Viele Rassismen passieren unbedacht. Es sind Äußerungen, die uns Weiße das ganze Leben begleitet haben, die wir nicht hinterfragen - und die doch rassistisch sind und andere Menschen diskriminieren, abwerten und verletzten. Exit Racism zeigt, wo Handlungsbedarf ist und liefert Lösungen mit.

 

Chinua Achebe: Okonkwo - oder das Alte stürzt 

Das 1958 veröffentlichte Buch ist das meistgelesene eines afrikanischen Schriftstellers. Es geht um die sozialen Strukturen in einem Dorf der Volksgruppe Igbo in Nigeria und was passiert, als christliche Missionare und britische Kolonialisten eindringen.

 

Ngugi wa Thiong'o: Der Fluss dazwischen

Waiyaki besucht eine Missionsschule in Kenia, doch als er sich verliebt, muss er sich entscheiden - zwischen seiner Volksgruppe mit der traditionellen Struktur seiner Umgebung und der modernen weißen Lebenssicht. 


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Kommentare: 8
  • #1

    Katharina (Donnerstag, 18 Februar 2021 14:41)

    Super starke Zusammenstellung, sehr interessant. Von den Menschen kenn ich viele, von den Orten wenige, von den Büchern ein paar - es gibt Nachholbedarf.

    Du erwähnst auch den Film Hotel Rwanda, ja neuere afrikanische Geschichte. Ich kann das Land Rwanda zum Reisen empfehlen und der Besuch des Museums (in Kigali) über den Genozid ist ein absolutes Muss. Es laufen einem die Tränen wenn man durchläuft, aber es ist so wichtig zu verstehen was dort mit reinspielte, wie Propaganda sich absolut verselbstständigt hat (und das auch wieder tun könnte) und wie viel Mitschuld die Besetzer der Kolonialzeit, insbesondere Deutschland und Belgien, daran haben weil sie aus eigentlich ganz anders verankerten Begriffen / Gruppierungen Hutu und Tutsi aktiv vermeintliche "Rassen" bestimmt haben.

    Imbolo Mbue habe ich im Jahr der Veröffentlichung des Buches auf der Kölner LitCologne gesehen, ein absolutes Highlight und ein tolles Buch.

    Viele Grüße,
    Katharina

  • #2

    Stephan (Freitag, 19 Februar 2021 12:06)

    Hi Miriam,
    ein richtig starker Artikel von dir.
    Du hast völlig recht häufig machen wir uns gar nicht klar, dass die Geschichtsschreibung so wie wir sie kennen alleine aus der Sichtweise einer Bevölkerungsgruppe dargestellt wird.
    Wenn man sich dieser Tatsache einmal bewusst geworden ist kommt man ins Grübeln, warum das noch immer so ist und wie lange es wohl noch dauern wird bis sich diese Tatsache einmal ändert.
    Deine Liste an Geschichtsträchtigen Orten, Persönlichkeiten und Filmen finde ich sehr gut und passend zu diesem Beitrag.
    LG
    Stephan von Blindfuchs.de

  • #3

    Julia (Freitag, 19 Februar 2021 13:00)

    Hallo Miriam,

    sehr schön dein Artikel. Man kann einiges schon erfahren und dann im Urlaub das mit anderen Augen sehen. Es war in einigen Punkten mir nicht bewusst, was und wer damals mit gekämpft hat. Aber auch wenn ich im Urlaub entspannen möchte, möchte ich auch da etwas kennenlernen und mir anschauen. Nur liegen ist nicht mehr mein Ding. Danke für die Auflistung.

    Liebe Grüße
    Julia

  • #4

    Tanja L. (Freitag, 19 Februar 2021 21:19)

    Ja, es ist sicherlich eine dunkle Epoche. Und ich bin noch immer sehr bestürzt darüber, dass wir selbst heute noch solche Probleme mit Diskriminierung und Rassismus haben. Ich persönlich habe viele internationale Freunde. Aber dennoch bin ich nicht frei von Vorurteilen. Die meisten basieren aber auch auf gemachten Erfahrungen. So hat ein afrikanischer Kollege (entschhuldige den Allgeemeinbegriff, ich weiß nicht mehr, woher er kam) ein Abendessen mit einigen aus unserer Abteilung in einem afrikanischen Restaurant in Stuttgart organisiert. Das war das chaotischste und unorganisierteste Eessen, das ich je erlebt habe. Er kam erst mal ggute 1,5 Stunden zu spät und musste dann wieder los, Fleisch und Fiusch holen (wir saßen sschon seit 19 Uhr rum). Es hat dann bis 22 Uhr gedauert, bis wir unser Essen bekommen haben. Nur die Kollegin, die Ziege bestellt hatte, hat um 20 Uhr schon gegessen. Solche Erlebnisse prägen natürlich unbewusst. "Afrikaner sind unorganisiert, unzuverlässig und ihnen sind ihre Kollegen egal. " Das stimmt ja nur eingeschränkt, aber so etwas nehme ich aus solchen Erlebnissen leider doch mit. Immerhin hat es echt gut geschmeckt! ;)

  • #5

    Jana (Freitag, 19 Februar 2021 21:22)

    Um ehrlich zu sein, habe ich gerade zum ersten Mal vom Black History Month gehört. Aber dass Geschichtsschreibung oftmals einseitig war, das habe ich schon mal gelesen. Wer weiß, welche Ereignisse uns "falsch" oder "verändert" überliefert wurden, weil nicht die richtigen Menschen sie erzählen konnten. Deshalb finde ich es sehr wichtig, darauf aufmerksam zu machen, in Beiträgen wie diesen oder halt in einem bestimmten Monat!

    Liebe Grüße
    Jana

  • #6

    Angela (Montag, 22 Februar 2021 22:14)

    Ganz toller Beitrag! Und dazu so viel Lese- und Lernstoff. Ich war übrigens 2004 im Valle de los Ingenios und erinnere mich heute noch daran, wie beklemmend ich diesen Turm fand. Das war einer der Orte, die mich noch sehr lange beschäftigt haben, nachdem ich sie kennengelernt habe. Super, dass du das Thema aufgreifst! Ich denke auch, dass wir als Reisende dafür ein Bewusstsein ausprägen sollten.
    Liebe Grüße
    Angela

  • #7

    Inka (Dienstag, 23 Februar 2021 08:19)

    Ein ganz, ganz toller und sprachlich bei dem schwierigen Thema sehr gelungener Artikel, auch als Afrikawissenschaftlerin bin ich schwer begeistert und du hast außerdem ganz tolle Leute zitiert. Großes Kino und ganz lieben Dank dafür!

  • #8

    Sabrina Bechtold (Sonntag, 07 März 2021 21:06)

    Ein sehr umfassender Artikel, der wirklich sensibel mit dem Thema "schwarze Geschichte" umgeht. Durch Deine Berichte bekomme ich immer wieder eine neue Brille aufgesetzt und kann sehr viel lernen, mit dem ich mich bislang noch viel zu wenig beschäftigt habe. Vielen Dank für Deine wertvolle Aufklärung und dass Du Deine Reichweite auch für den Black History Month nutzt.

    Viele Grüße,
    Sabrina