Die 10: Highlights in Nairobi

Fast ein Jahr habe ich in den vergangenen fünf Jahren in Kenias Hauptstadt Nairobi verbracht. Uns verbindet eine Art Hassliebe. Ich liebe diese Stadt für das Wildlife, für die Kultur, für die Natur - und hasse sie für den Truble, die Hektik, die Lautstärke. Viele Kenia-Besucher lassen Nairobi aus, sie fahren an die Küste und nur in einen Nationalpark. Dabei hat Nairobi so viel zu bieten - von den besten Museen über tolle Shopping-Erlebnisse bis hin zu einem unterschätzten Nationalpark, in dem Löwen oder Giraffen vor der Skyline posieren. Slum-Tours werdet ihr hier vergeblich finden, dafür aber eine gute Mischung aus Stadt und Natur und Moderne und Tradition. Hier sind meine zehn Dinge, die ihr in Nairobi gesehen haben müsst!


Die 10: Aussicht genießen in den Ngong Bergen

Die Ngong Hills nur wenige Kilometer von Nairobi entfernt sind nicht nur ein wunderbares Naherholungsgebiet und dienen zum Wandern, sie sind auch gleichzeitig ein Must-See für alle Fans von Karen Blixen und "Jenseits von Afrika". Denn hier ganz in der Nähe der Ngong Berge hatte die dänische Baronin ihre Kaffeefarm und die Berge sieht man auch im Film immer wieder.

 

Es war auch der Wunsch ihres Geliebten, Denys Finch Hatton, in den Ngong Hills begraben zu werden - und dort findet sich heute auch immer noch sein Grab - mit einem Blick über den Nairobi Nationalpark.

 

Generell hat man von den Ngong Hills aus eine tolle Aussicht - auf der einen Seite wartet das Rift Valley, der große afrikanische Grabenbruch, auf der anderen Seite der Nairobi Nationalpark, dessen Grenze fließend in die riesige Grünfläche übergeht, die sich bis zum Amboseli Nationalpark zieht und in der nächsten Ecke die Skyline der Millionenmetropole Nairobi.

Die 9: Besuch bei den Sheldrick-Elefantenwaisen

Das David Sheldrick Elephant Orphanage ist wahrscheinlich die touristischste Einrichtung Nairobis. Während die meisten Touristen zwar direkt nach Mombasa reisen, kommen quasi all jene, die in Nairobi landen, hier vorbei.

 

Im DSEO leben verschiedene Jungtiere, die verwaist oder alleine und verletzt in den kenianischen Nationalparks (oder drumherum) aufgefunden wurden. Sie werden hier gesund gepflegt und in einem mehrjährigen Prozess, frühestens nach zehn Jahren, im Tsavo East Nationalpark ausgewildert.

 

Besuchszeiten sind täglich von 11 bis 12 Uhr, dann kommen die Waisen heraus und bekommen ihre Milch. Ein Pfleger erzählt mehr zu den einzelnen Tieren und ihrem Schicksal und Besucher dürfen Fragen stellen. Wer eine Patenschaft übernimmt, kann auch am Abend noch einmal zu einer speziellen Patenstunde kommen, ehe die Elefanten schlafen gehen. DSEO zu unterstützen, ist übrigens gar nicht teuer: Der Eintritt kostet 500 Schilling, keine 5 Euro, und eine Patenschaft kostet 50 US-Dollar im Jahr.

Die 8: Shoppen auf dem Markt

Es gibt viele Supermärkte in Nairobi und wer sortiert und organisiert einkaufen gehen möchte, geht auch dorthin. Aber das wahre Leben der meisten Kenianer spielt auf den kleineren Märkten. Ich kaufe viele Dinge auf dem Markt ein, Obst und Gemüse auch nur dort. Zum einen unterstützt man so die lokale Bevölkerung und einzelne Familien, keine großen Konzerne, zum anderen ist es auch viel günstiger und oft frischer.

 

Eine Banane kostet hier 10 Schilling, eine Mango zwischen 20 und 40, je nach Größe, eine Avokado ebenso. Früher war hier quasi immer handeln angesagt, zumindest, wenn man den Standbetreiber noch nicht kannte. Heute haben auch viele Preisschilder an ihren Ständen stehen, das gibt vor allem unerfahrenen Einkäufern ein Gespür dafür, was ein fairer Preis ist.

 

Man kann natürlich alles auf dem Markt kaufen: T-Shirts für 100 Schilling (umgerechnet 90 Cent), Socken für 50 Schilling, Unterwäsche, Schuhe, Spielsachen, Bademode, BHs, Hosen und eigentlich alles. Auch Uhren oder Schmuck kriegt man an solchen Ständen - allerdings nicht unbedingt bei denen direkt am Straßenrand, sondern dort, wo es einen richtigen Marktplatz gibt. Ich würde auf jeden Fall dazu raten, erst hier einen Blick zu wagen, ehe teure Souvenirs in den typischen Touristen-Hotspots gekauft werden. Ich habe hier echt schon schönen Schmuck gefunden.

Die 7: Das Leben einer Heldin: Karen Blixen Museum

(c) Alexander Leisser
(c) Alexander Leisser

Es gibt Menschen, die "Jenseits von Afrika" / "Out of Africa" noch nicht gesehen haben! Auch wenn ich das verwerflich finde, für all jene: Karen Blixen war eine dänische Baronin, die nach ihrer Auswanderung nach Kenia bei den Ngong Hills eine Kaffeefarm betrieb und zudem Schriftstellerin war. Bekannt ist sie auch für ihre Affäre mit dem ehemaligen Großwildjäger und Safari-Tourguide Denys Finch Hatton - davon erzählt auch "Jenseits von Afrika" - den ihr unbedingt anschauen müsst!

 

Das einstige Wohnhaus von Karen Blixen im heutigen Stadtteil Karen - ja, nach ihr benannt - im Süden der Stadt, ist heute ein Museum. Dort wurde mit Geld von der Filmproduktion aus "Jenseits in Afrika" einige Originalmöbel erworben und das Haus wurde saniert - und im Stile der 1920er Jahre wieder errichtet. Von 1913 bis 1931 lebte Karen Blixen in dem Haus, ehe sie es verkaufen musste, weil ihre Farm keinen Ertrag mehr machte - und nach Dänemark zurückkehrte.

Die 6: Ostafrikas größte Mall Two Rivers erkunden

Die Two Rivers Mall ist die größte Shopping Mall in ganz Ostafrika. Erst 2018 wurde sie eröffnet, am Stadtrand von Nairobi. Eigentlich gehörte das Areal früher schon zur Nachbarstadt Ruaka, doch als die Mall gebaut wurde, wurde das Gelände der Hauptstadt zugeschlagen.

 

Two Rivers ist für viele wahrscheinlich nur eine Mall wie jede andere auch - außer, dass es so dermaßen unübersichtlich ist, dass man sich ständig verläuft. Aber ich finde sie gerade deshalb wichtig zu besuchen, um die Kontraste Kenias zu erleben und zu sehen. Hier sind schicke Shops, die Leute aufgemotzt und am Telefon - Weiße und Schwarze zusammen. Das Two Rivers zeigt noch einmal eine andere Version von Kenia und Nairobi, wie ich finde.

 

Es gibt natürlich mehrere Shopping Malls in Nairobi, unweit gelegen sind die Rosslyn Riviera Mall (nicht so spannend, viel Leerstand) und der Village Market, der erst 2019 vergrößert wurde. Dort halten sich aber tatsächlich sehr viele weiße Expats auf, die deutsche Schule ist gegenüber und die kanadische Botschaft ebenfalls. Etwas weiter weg finden sich Malls wie Westgate oder Junction Mall.


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Die 5: Geschichte und Tierwelt im National Museum

Wer sich für Geschichte, Kultur und Tierwelt Kenias interessiert, sollte einen Besuch im Nairobi National Museum of Kenya in Betracht ziehen. Es ist nicht mein Lieblingsmuseum in Nairobi, wie ihr gleich noch sehen werdet, aber es gibt massig Informationen, die auch helfen, das Land zu verstehen.

 

Dort sind etwa Fossilien zu sehen und Schädel, die von den ältesten Menschen der Welt stammen sollen. Aber auch die Geschichte Kenias, vor, während und nach der Kolonialzeit wird aufgearbeitet, die Bedeutung der ersten Eisenbahn - der Uganda-Bahn und die Tierwelt wird vorgestellt, Fische, Vögel und Säugetiere haben dabei jeweils einen eigenen Raum. Auch der Naturforscherin Joy Adamson ist ein Rundgang gewidmet. Ein weiterer Rundgang erzählt aus dem Alltag eines Kenianers von der Geburt bis zum Tod.

 

Draußen finden sich der Botanische Garten, der kostenfrei besucht werden kann und in dem etwa Heilkräuter zu sehen sind. Erklärt wird auch, wofür sie in der traditionellen Medizin genutzt werden. Zudem ist auf dem Gelände auch der Snake Park, den ich jedoch nicht besucht habe, weil ich mir nicht so gerne Tiere in Käfigen anschauen möchte.

 

Die 4: Kulturen kennenlernen in den Bomas of Kenya

Im Süden von Nairobi, unweit des Nairobi Nationalparks, wartet das Freilichtmuseum "Bomas of Kenya", wo das traditionelle Leben in kenianischen Dörfern vor einigen Jahrzehnten nachempfunden ist.

 

Die Bomas sind nicht nur an sich schon spannend - dort sieht man, wie unterschiedlich die jeweiligen Volksgruppen - und davon gibt es in Kenia immerhin heute noch 42 - gelebt haben und wie unterschiedlich die Hütten aussehen und angeordnet sind und welche Rolle die Mitglieder einzelner Familien, Gemeinschaften und Volksgruppen so hatten.

Es gibt auch eine Tanzvorführung mit traditionellen Stammestänzen  - was ich allerdings wenig bis gar nicht authentisch fand. Deshalb habe ich die Vorführung auch nach rund einer Stunde verlassen.

Die 3: Auszeit im Karura Forest

Wer sich nur ein paar Kilometer vom Zentrum Nairobis weg bewegt, sieht ein ganz anderes Bild: Es ist sehr grün. Übrigens etwas, was ich an Nairobi generell liebe - drum herum und auch in der Stadt finden sich immer wieder kleine Oasen. 

 

Meine Highlight ist der Karura Forest, der noch zum Stadtgebiet von Nairobi gehört und nördlich Richtung Limuru (kurz vor dem Village Marked) liegt. Im Wald warten 50 Kilometer Wander- und Radwege. Man kann sich an einigen Gates ein Fahrrad leihen und damit durch den Park kurven. Aber Achtung - auch hier haben wilde Tiere Vorfahrt. Es gibt verschiedene Affenarten und Ducker-Arten im Park. 

 

Hauptattraktion ist ein Wasserfall, in der Nähe gibt es auch einige Mau-Mau-Höhlen, wo sich die Revolutionäre, die gegen die Kolonialmacht Großbritannien aufgestanden sind, in den 50er Jahren versteckt haben. Dort leben heute Fledermäuse.

 

Wer es nicht bis in den Norden von Nairobi schafft und eine zentrale Oase sucht, sollte das Aboretum besuchen. Der Eintritt kostet nur einen Bruchteil (50 Cent statt 5,50 Euro), allerdings ist die Anlage auch bei weitem nicht so gut gepflegt (und auch viel kleiner) als der Karura Forest. Es gibt aber auch hier ein paar wilde Tiere (Affen beispielsweise) und Picknick- und Spielwiesen.

 

Die 2: Besuch einer Kaffeeplantage

Es gibt nur wenige Orte in Kenia, an denen Kaffee wirklich gut angebaut werden kann - das musste auch Karen Blixen erfahren. Einer dieser Orte ist Paradise Lost in Kiambu, rund 15 Kilometer vom Zentrum Nairobis entfernt. Über die Kiambu Road ist das private Naherholungsgebiet aber gut zu erreichen, deshalb habe ich es hier mit in die Liste aufgenommen.

 

Paradise Lost ist zum einen, wie gesagt, ein Naherholungsgebiet: Es gibt Ziplining und Bogenschützen, Bootstouren und Kamelreiten, ein wunderschöner Wasserfall, hinter dem man hindurch gehen kann und alte Steinzeithöhlen, in denen sich früher die Mau-Mau-Rebellen versteckt hielten.

 

Doch wer hierher kommt, sollte definitiv auch eine Führung mitmachen! Die Tour führt über die Plantage, wo mehr zum perfekten Anbau und den schwierigen Bedingungen, unter denen Kaffee wächst, erzählt wird. Die Tour empfindet dem Weg des Kaffees nach - von der Pflanze bis zur Bohne, bis zum Säubern, Trocknen, Rösten und Mahlen. Ich habe die Tour zweimal gemacht, zweimal mit Alpha, dem Chef, der eine Leidenschaft für seinen Kaffee hat, wie ich es selten erlebt habe. Die Tour kostet auch nichts extra, wer die 10 US-Dollar Eintritt für Paradise Lost zahlt, kann auch eine Führung anfragen. Den Kaffee kann man in einem kleinen Büro auch kaufen - sowohl indem man seine eigenen Gefäße mitbringt (billiger) oder in der schönen Verpackung - 500 Gramm kosten rund vier Euro. Weitere Infos auf der Facebook-Seite.

Die 1: Safari im Nairobi Nationalpark

Soooo, meine Nummer 1 dürfte wohl die wenigsten überraschen, oder? Nairobi ist die einzige Hauptstadt der Welt, in der man auf die Suche nach Löwen gehen kann! Verrückt, oder?

 

Der Nairobi Nationalpark gehört für mich zu einem der am meist unterschätzten Parks in Kenia. Er ist eher klein (aber immer noch 118 Quadratkilometer groß) und liegt direkt am Stadtrand, noch auf dem Areal der Hauptstadt. Die Chancen, in einem Nationalpark in Kenia Nashörner zu sehen, ist nur im Lake Nakuru größer. Ich war schon öfter im Nairobi Nationalpark und bin auch immer wieder total begeistert von der tierischen Vielfalt. Hier habe ich sogar meinen ersten Serval gesehen - eine Raubkatze, die quasi eine Mischung aus allen anderen Raubkatzen von Wildkatze bis Löwe ist, und die man nur sehr sehr selten sieht.

 

Der Park ist sowohl mit Guide als auch mit dem eigenen Auto zu erkunden.  Wer mit dem eigenen Auto fährt, muss ein wenig aufpassen - die Pisten sind teilweise sehr abenteuerlich. Aber auch hier kann man viel Glück haben, als wir mit dem eigenen Auto unterwegs waren, liefen zwei Nashörner ganz entspannt direkt vor uns über die Straße.

 

Wer übrigens eine Mahlzeit mit besonderem Ausblick sucht: Das Ole Sereni Hotel liegt direkt am Nationalpark. Die Zimmer hier sind recht kostspielig - dafür gibt es einige Bars und Restaurants, die zum Nationalpark hin liegen und die man auch als Nicht-Hotelgast besuchen kann. Speisen und Getränke sind nicht günstig, aber auch nicht teurer als etwa im Foodcourt des Village Markets. Ich war bisher zweimal im Ole Sereni, einmal nur über Nacht und nur im Dunklen und einmal zum Abendessen - mit Blick auf vier Büffel.



Welche der zehn vorgestellten Attraktionen würde dich am meisten reizen?

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Kommentare: 1
  • #1

    Alice Christina (Samstag, 03 Oktober 2020 12:18)

    Kenia generell stelle ich mir als Österreicherin unglaublich spannend vor. Sollte ich es tatsächlich mal nach Kenia schaffen, kommt Nairobi auf jeden Fall auch auf meine Liste - nicht nur das typische Wildnis-Leben ;) Das Reservat für Elefanten find ich zB ganz ganz toll! Ich würde auch eher sowas besuchen, bevor ich da jemals Leute unterstützen würde, die mit Elefanten reiten & Co. ihr Geld verdienen. Deine Bilder und die Sehenswürdigkeiten machen auf jeden Fall Lust auf Nairobi.

    Liebe Grüße
    Alice von www.alicechristina.com