Wattenmeer und Seehunde in Norddeich an der Nordsee

Norden ist eine Stadt in Ostfriesland und vor allem für eine Gemeinde bekannt: Norddeich. Hier fahren die Fähren nach Juist und Norderney, aber auch Norddeich selbst hat einiges für einen Urlaub am Niedersächsischen Wattenmeer zu bieten. Täglich starteten etwa mehrere Wattwanderungen zu Muschelbänken. Baden kann man nicht nur bei Flut, sondern auch im Erlebnisbad Ocean Waves. Eines der großen Highlights in Norddeich ist die Seehundstation, die einzig staatlich anerkannte in Niedersachsen. Hier werden verwaiste und verletzte Seehunde und Kegelrobben aufgezogen und ausgewildert. Im Museum Waloseum dreht sich alles um Wale und Vögel, die am Meer leben.


Norddeich in Norden als Ausgangspunkt für die Inseln

Viele kennen Norddeich, einen Stadtteil in Norden in Ostfriesland, als Endstation des Regionalzugs aus Bremen oder weil hier Fähren auf die Nordsee-Inseln fahren. Juist liegt ebenso in Sichtweite wie auch Norderney.

 

Aber auch auf die anderen Inseln kommt man in der Nähe, so gibt es eine Verbindung von Emden nach Borkum oder von Bensersiel nach Langeoog, und beide Fähranleger sind nicht weit entfernt von Norddeich. Tickets für alle Fährverbindungen auf die Ostfriesischen Inseln bekommt man entweder direkt am Ticketschalter, aber man kann sie auch online vorbuchen.

 

Auch als Tagesausflug eignen sich Juist und Norderney von Norddeich aus. Ein Ticket nach Norderney kostet für Hin- und Rückfahrt 21 Euro und die Fahrzeit liegt bei nur 55 Minuten. Nach Juist sind es 90 Minuten und die Tickets kosten 38 Euro - hier müsst ihr aufpassen, weil nicht ganz so viele Fähren am Tag fahren wie nach Norderney.


Wattwanderungen im Niedersächsischen Wattenmeer

Eine Wattwanderung wollte ich schon lange mal machen - und das geht im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer natürlich am besten. Jeden Tag starten zahlreiche Touren mit verschiedenen Guides, die über das Wattenmeer, das Leben in und am Wattenmeer erzählen und schließlich zu einer der zahlreichen Muschelbänken führen, wo das Muschelsammeln auch erlaubt ist. Ich hatte bei zwei, drei angerufen, allerdings waren am Vorabend alle diese Touren ausgebucht und teilweise auf mehrere Tage im Voraus.

 

Daher haben wir uns entschieden, am Morgen einfach alleine loszuziehen und ins Watt zu stapfen. Bei den Informationen zu den offiziellen Wattwanderungen stand, dass man entweder festes Schuhwerk anziehen soll, das auch nass/dreckig werden kann oder auf eigene Gefahr barfuß gehen kann.

 

Wir haben uns für die Barfuß-Variante entschieden und das war auch genau richtig. Auf jeden Fall sollte man auch keine langen Hosen anziehen, am besten nur bis Kniehöhe, denn erstens sinkt man gerne mal ein paar Zentimeter tief ein, zum anderen spritzt das Watt auch ein wenig und man wird dreckig. Es gab ein paar Eltern, die ganz verrückt wurden, weil ihre Kinder sich eingesaut haben - andere Kinder jedoch hatten Badekleidung an und flutschten einfach so durchs Watt, was herrlich anzusehen war.

 

Ein wenig aufpassen sollte man aber, denn auch im Watt leben allerlei Tiere, etwa Wattwürmer, aber auch leine Krebse. Auch an Muscheln kann man sich beim Barfußgang leicht verletzten.

Der Gang durch das Watt kann auch anstrengend sein, immerhin sinkt man bei fast jedem Schritt ein klein wenig ein, was mehr Kraft kostet. Ich habe auch das ein oder andere Kind gesehen, das seienn Schuh verloren hat. Hier also achtsam sein.

 

Es war ein bisschen schade, dass ich durch den fehlenden Guide auch nicht so viele Informationen bekommen habe. Ich wusste zum Glück vorab schon ein bisschen was durch meinen Besuch am Jadebusen am Tag zuvor - etwa, dass man sich selbst aus dem Watt befreien kann, bis man etwa hüfthoch eingesunken ist. Die meisten Menschen bekommen aber zu schnell Panik. Wenn du zu tief einsinkst, ist es hilfreich, wenn du dich hinlegst, auf Rücken oder Bauch, und zum Ufer robbst. Dann verteilt sich das Körpergewicht besser. Die meisten Menschen haben davor aber Angst und versuchen ans Ufer zu gehen.

 

Generell solltet ihr vorsichtig sein, weil das Meer nicht nur von "draußen" zurückkommt, auch vom Boden her kommt Wasser und es kann recht schnell gehen, dass ihr feststeckt. Ebbe und Flut-Zeiten kann man gut im Internet herausfinden und so etwas Planungssicherheit bekommen. Menschen, die deutlich nach Tiefststand aber sicher einen Kilometer weit hinaus liefen, fand ich dann doch etwas (zu) mutig.


Strandzeit in Norddeich am Wattenmeer

Obwohl  die Nordsee recht frisch ist und wegen Ebbe und Flut ja auch oft nicht in Sichtweite spielt sich das ganze Leben rund um den Strand und die Küstenlinie ab. Hier reihen sich Strandkörbe aneinander, dazwischen finden sich Kioske, Eiswagen und kleine Restaurants.

 

Die Dünen am Strandbad werden gerade saniert, daher ist der Bereich teilweise gesperrt und einen richtigen Badestrand haben wir daher nicht erlebt. Der Strand lag hinter der Strandpromenade, daher ist es zum Baden eher nicht so dolle geeignet an dieser Stelle. Treppen führen aber ins Wasser beziehungsweise bei Ebbe ins Watt.

 

Dafür ist an der Nordsee quasi immer Wind - und das sorgt nicht nur dafür, dass bei Flut unzählige Windsurfer das Wasser unsicher machen - übrigens vor allem welche, die Windsurfen können, denn für Anfänger ist die Nordsee weitestgehend nicht geeignet -, sondern das Norddeich auch ein Eldorado für Drachenflieger ist. In jedem Geschäft lassen sich verschiedene Flugtiere kaufen und es gibt zwei ausgewiesene Wiesen direkt an der Küste, um die Drachen steigen zu lassen.



Seehundstation Norddeich: Wo Heuler aufgepäppelt werden

Die Seehundstation Norddeich ist die meist besuchte Attraktion in Norden. Es handelt sich hierbei um die einzige staatlich anerkannte Seehund-Auffangstation in Niedersachsen. Finden Menschen an den Stränden vor allem auf den ostfriesischen Inseln verwaiste oder verletzte Seehunde oder Kegelrobben, werden diese in die Auffangstation gebracht.

 

Zuerst müssen die jungen Seehunde, Heuler genannt, ein paar Tage in Quarantäne im Waloseum Norddeich - dazu im nächsten Abschnitt mehr -, danach ziehen sie in die Seehundstation Norddeich um. Dort werden sie aufgepäppelt und auf ihre Auswilderung vorbereitet. Bis zu 200 Seehunde und Kegelrobben werden hier jedes Jahr (die ersten werden üblicherweise im Juni aufgenommen) aufgezogen, bei unserem Besuch in Norddeich im Juli 2020 waren rund 100 Seehunde und eine handvoll Kegelrobben in der Betreuung dort.

 

Gut für den Tierschutz, der von den Eintrittsgeldern lebt, schlecht für mich: Es war unheimlich voll! Wir sind extra zur Mittagsessenszeit dorthin, weil wir dachten, dass Familien mit Kindern dann beschäftigt sind, aber die Wartezeit betrug zwei Stunden. Deshalb habe ich die Seehundstation Norddeich nicht besucht. Leider. Aufgrund von Corona-Richtlinien dürfen derzeit nur 110 Menschen gleichzeitig in das Gebäude, das führt zu Stau. Der Eintritt kostet übrigens 10 Euro, es gibt auch eine Kombikarte für Seehundstation und Waloseum für 17 Euro. Leider kann man aktuell keine Online-Tickets mit einem Zeitfenster buchen wie andernorts, sodass man die Wartezeit in Kauf nehmen muss, wenn man die Seehundstation besuchen möchte.


Waloseum Norddeich: Das Leben der Meeressäuger

Also keine Seehunde für mich auf der Seehundstation Norddeich - aber es gibt noch eine zweite Möglichkeit, die Tiere zu sehen: im Waloseum. Das Museum wurde 2006 eröffnet, widmet sich wie der Name schon sagt den Walen der Welt, beherbergt aber auch die Quarantänestation für die Seehunde und Kegelrobben.

 

Das Waloseum liegt etwas außerhalb vom Zentrum Norddeichs, rund drei Kilometer, ein paar Meter von der Küste entfernt. Der Eintritt kostet ebenfalls 10 Euro und während die Wartezeit bei der Seehundstation Norddeich zwei Stunden betrug, war es hier eine Stunde später nur zehn Minuten Wartezeit.

 

Wenn man dem Rundweg korrekterweise folgt, findet man die Quarantänestation der Seehunde erst am Ende. Allerdings ist die Laufrichtung nicht verpflichtend vorgegeben und so habe ich die Quarantänestation am Anfang und am Ende des Rundgangs besucht. Der Vorteil war, dass direkt zu Beginn Fütterungszeit war und die Heuler sehr aktiv waren. Außerdem wirkten sie enorm neugierig und vor allem mit einem Tier habe ich mich durch die Scheibe angefreundet. Sobald ich mich dem Fenster näherte, robbte er oder sie auf mich zu. Mega süß! Die Tiere kann man hier übrigens nur durch Scheiben sehen. Die sind auf verschiedenen Höhen angebracht. Ich habe mich meist einfach auf den Boden gesetzt und den Tieren lange zugesehen. Ich fand es jedenfalls wunderschön.

Ansonsten kann man im Waloseum enorm viel lernen, vor allem über Meeressäuger und Vögel, die am Meer leben. Gleich am Eingang sind Nachbildungen von Walen an de Wänden zu sehen - mit dem Hinweis, in welchen Meeren und welchen Gebieten diese vorkommen. Auch die Routen, die die Tiere zurücklegen, sind kenntlich gemacht. Wusstest du beispielsweise, dass es auch im Wattenmeer Wale gibt? Nebst Seehunden und Kegelrobben sind Schweinswale, die Delfinen ähnlich sehen und nur zwei Meter lang werden, die dritten Meeressäuger, die vor der deutschen Küste vorkommen. Vor allem rund um den Jadebusen kann man sie saisonal sehen, ab Wilhelmshaven werden auch Whale Watching-Touren angeboten.

 

Das Highlight im Waloseum findet sich ziemlich mittig auf dem Rundgang: Das präparierte Skelett eines 15 Meter großen Pottwals, der einst vor Norderney gestrandet ist. Um das Skelett herum lernen Besucher viel über die Anatomie von Walen - etwa dass der Pottwal mit 9 Kilo zwar das schwerste Gehirn aller Säugetiere hat, aber prozentual zum Körpergewicht gesehen eines der kleinsten Gehirne. Wieso in dem Raum auch über Eisbären und Paviane informiert wurde, hab ich allerdings nicht ganz verstanden. Ein Riesenkalmar kann man hier übrigens auch sehen - von diesem Tier hatte ich bis dato nie gehört. Es lebt in der Tiefsee.

 

Eine Treppe nach oben führt nicht nur zu einem neuen Blick auf das Skelett, sondern lässt auch viel Interaktivität zu, so kann man etwa mehr über die Geräusche und Rufe von Walen lernen.

 

Im eigentlichen Obergeschoss findet sich die Dauerausstellung "Vogelwelt der Küste". Hier ist etwa der Lummenfelsen von Helgoland nachgebaut und es gibt mehrere präparierte Vögel zu sehen. So kannst du beispielsweise erkennen, wie sich die in Deutschland vorkommenden Möwenarten unterscheiden. Lebendige Tiere gibt es allerdings nebst Seehunden auch noch: In einem Raum mit Aquarien lassen sich verschiedene Fische bestaunen.

 

Für mich war das Waloseum eine tolle Alternative zur Seehundstation Norddeich - und ich würde sie jederzeit wieder besuchen. Auch für Kinder eignet sich das Museum sehr, da nicht nur kindgerecht erklärt wird, sondern auch viele interaktive und anschauliche Elemente vorhanden sind. Für den Besuch solltet ihr euch mindestens 90 Minuten Zeit nehmen.


Kurpark, Erlebnisbad Ocean Wave und Co in Norddeich

Ich habe nur eine Nacht in Norddeich verbracht und damit rund anderthalb Tage - da war für nicht viel mehr Zeit als das, was ich euch hier vorgestellt habe.

 

Allerdings gibt es noch deutlich mehr, was man hier machen kann. Norddeich hat beispielsweise einen Kurpark, in dem man spazieren gehen kann. Hier finden sich auch einige Spielplätze für die kleinen Besucher und Sportgeräte für die größeren.

 

Gegenüber des Schiffs Frisia, das mitten auf der Straße parkt, und unweit von der Seehundstation Norddeich und dem Kurhaus findet sich das Erlebnisbad Ocean Wave. Wem es also in der Nordsee zu kalt und windig ist oder wer gerne geschützter entspannt, der wird hier fündig. Kinder können die Rutschen (unter anderem eine Röhrenrutsche) nutzen, für Erwachsene gibt es einen Saunabereich. Das Zwei-Stunden-Ticket für den Badebereich kostet 7,50 Euro, drei Stunden im Bade- und Sauna-Bereich kosten 13 Euro.

 

Nebst Seehundstation und Waloseum gibt es noch ein weiteres Museum in Norden: Das Ostfriesische Teemuseum. Teekultur und Teegeschichte wird hier erläutert - und warum Tee in Ostfriesland so einen hohen Stellenwert hat. Der Eintritt kostet 6 Euro für Erwachsene.


Unterkommen und Kulinarisches in Norddeich

In Norden und Norddeich gibt es nicht nur etliche Hotels, sondern auch viele Ferienwohnungen. Hier lässt sich eigentlich immer was finden. Selbst im Corona-Sommer, als ja ungefähr alles an der Nord- und Ostsee-Küste Deutschalnds ausgebucht war, haben wir spontan am Tag vor Anreise noch ein Hotel gefunden. Genächtigt haben wir im Hotel Aquarius, das circa 20 Gehminuten von der Küste entfernt liegt. Das Hotel ist super liebevoll und nordisch eingerichtet und ich habe mich sofort pudelwohl gefühlt.

 

Es gibt einen Außenpool, der aber komplett überdacht ist und sehr aufgeheizt wird. Der Sauna- und Whirlpool-Bereich ist leider nur abends für wenige Stunden geöffnet und bei unserem Besuch hatten sie vergessen, den modernen Whirlpool anzustellen, sodass das Wasser nur 24 Grad warm war. Wellness fiel für uns also mehr oder weniger aus. Während hier oberflächlich alles sehr liebevoll eingerichtet und gestaltet war, fanden sich bei einem genauen Blick aber doch einige Schandflecke. Auf der Terrasse, wo auch der Pool ist, fehlten Holzlatten im Boden, in den Vorräumen zu den Saunen lebten Ameisen-Kolonien und im Whirlpool-Bereich gab es zahlreiche Fliegen und Mücken. Diese Dinge hätte ich in einem Hotel, in dem das normale Doppelzimmer 150 Euro kostet, nicht erwartet.

 

Zum Essen waren wir in Norddeich selbst, vor allem entlang der Hauptstraße und vor allem nahe an der Düne, reihen sich die Restaurants aneinander. Natürlich gibt es vor allem Fisch - was für mich als Vegetarier aber nichts ist. Deshalb wählten wir das Restaurant Knurrhahn mit deutscher Küche. Das Essen war in Ordnung, allerdings gab es doch einige Fertigprodukte, was ich nicht mehr gewohnt bin ich solchen Restaurants. Am nächsten Mittag haben wir in der kleinen Pizzeria Fantasia am Strand gegessen und Preis-Leistung waren hier enorm gut.


Warst du schon einmal am Wattenmeer? Oder hast du schon einmal wilde Seehunde gesehen?

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