Jadebusen: Wattenmeer und Schwimmendes Moor

Eher zufällig bin ich kürzlich in Jade gelandet, am Jadebusen. Und dort habe ich etwas weltweit einzigartiges besucht, auch eher zufällig: das Schwimmende Moor, das einzige Außendeichsmoor auf der Welt. Ein Bohlenweg führt durch das zum Nationalpark Wattenmeer gehörige Schwimmende Moor am Jadebusen, hin zu einer Vogelbeobachtungsstelle. Wer am Deich entlang weitergeht, zwischen den Schaden hindurch, kommt nach Sehestedt, einem Camping- und Freizeitplatz am Wattenmeer. Meer gab es zwar nicht, aber Watt und Vögel, inklusive schlafenden Störchen. Ein kleines Museum erzählt mehr zum Leben im Jadebusen - wo man sogar zum Whale Watching gehen kann!


Das Schwimmende Moor am Jadebusen in Sehestedt

Das Schwimmende Moor in der Gemeinde Sehestedt / Jade im Landkreis Wesermarsch ist einzigartig. Ja, so ist es, denn hier findet sich das einzige Außendeichsmoor der Welt.

 

Wie schon gesagt, ich bin eher zufällig hier gelandet - am Jadebusen wie am Schwimmenden Moor. Denn zuvor hatte ich noch nie davon gehört. Von der Sandstedt-Brake-Fähre führte mich mein Weg über die B437 nach Norden und als ich in Diekmannshausen Schilder zum Wattenmeer und zum Jadebusen entdeckte, bin ich einfach spontan auf die Bäderstraße gebogen - nicht wissend, was mich dort erwartet.

 

Ich parkte das Auto auf dem Parkplatz und als ich mich auf den Weg machte, einen Weg zum Deich hoch zu finden, sah ich das Schild: 300 Meter zum Schwimmenden Moor. Also nichts wie hin!

 

Das Schwimmende Moor ist noch circa 10 Hektar groß. Die Moorinsel ist drei Meter dick, aber bei extremen Sturm- oder Orkanfluten wird das süßwasser-tragende Moor vom Salzwasser unterschwemmt und beginnt damit zu schwimmen. Die Bäume und Pflanzen an der Oberfläche bleiben intakt, früher übrigens auch die Häuser, die darauf standen, - das ganze Gebiet schwimmt also. Dabei brechen, so erklärt es der Flyer zu dem Unikat, immer wieder Stücke ab, die am Deich oder in den umliegenden Salzwiesen abgelagert werden. Dadurch wird das Schwimmende Moor immer kleiner.

Ich muss gestehen, so komplett verstanden habe ich nicht, wie das mit dem Schwimmenden Moor geologisch so funktioniert. Ich könnte auch gar nicht sagen, wo genau es anfängt und wo es aufhört. Aber dafür war es umso schöner anzusehen!

 

Ein rund 150 Meter langer Bohlenweg führt seit einigen Jahren durch das Schwimmende Moor oder das, was noch davon übrig ist. Vom Weg aus lässt sich gar nicht erahnen, dass man gerade auf einer solchen Insel ist - denn Wasser habe ich in meinem direkten Umfeld nicht gesehen.

 

Allerdings bedarf es auch wirklich extremer Wassermengen und Sturmflut, auf den Wiesen muss das Wasser mehr als ein Meter hoch stehen, damit das Moor zu schwimmen beginnt - das ist also enorm selten.

 

Am Ende des Bohlenwegs findet sich eine Vogelbeobachtungshütte. Hier finden sich nicht nur zahlreiche Fenster für groß und klein, um die Vögel in dem Gebiet zu beobachten. Von hier aus konnte ich dann auch etwas Wasser entdecken. Das Spezielle: Obwohl das Moor ja direkt am salzwasserhaltigen Wattenmeer liegt, lebt das Moor vom Süßwasser. Was ich besonders toll fand, für mich, der sich mit Vögeln nicht ganz so gut auskennt, waren Infotafeln in der Hütte: Hier steht genau aufgelistet - mit Fotos -, welche Bewohner sich hier so finden lassen. Leider haben sie sich bei meinem Besuch weitestgehend versteckt.


Wandern auf dem Salzwiesenpfad am Jadebusen

Wer es in diese Gegend geschafft hat, kommt um die Schilder, die auf den Salzwiesenpfad hinweisen, nicht umher. Die stehen nämlich an jeder Ecke.

 

Erst habe ich gar nicht so richtig verstanden, wie das funktioniert, denn dort, wo die Treppen den Deich hinauf führen, sind rechts und links oben am Deich zwar "Wege", aber auch verschlossene Tore. Die kann man allerdings öffnen, wie ich schnell herausfand - und ich hab es dann einfach den anderen Besuchern nachgemacht. Und da finden sich dann auch besagte Schilder wieder - auch wenn man teilweise von Weg zu Weg über das Gras des Deiches gehen muss.

 

Hunde müssen hier übrigens draußen bleiben - was vor allem an einem liegt: den Deichschafen! Ich mag Schafe total gerne und es war richtig cool, durch so große Herden zu gehen. Sie lagen und grasten wirklich überall und man musste immer aufpassen, nicht in eine Hinterlassenschaft zu treten. Auch Kühe fanden sich in so manch einem Bereich.

Der Salzwiesenpfad ist insgesamt 4,8 Kilometer lang, ich bin ihn aber nicht ganz gegangen, sondern nur etwa zur Hälfte. Hätte ich gewusst, dass es sich um einen so kurzen Rundweg handelt, den man locker in anderthalb Stunden gehen kann, wäre ich wohl nicht vom Strandbad aus den gleichen Weg zurück gegangen, sondern wäre dem Salzwiesenpfad gefolgt und nur ein paar Minuten länger gegangen. Der Salzwiesenpfad, der teilweise direkt am Wattenmeer entlang führt, ist übrigens weitestgehend barrierefrei.

 

Auf dem Salzwiesenpfad seht ihr mit Sicherheit Schafe, wahrscheinlich auch Kühe und mit viel Glück auch den ein oder anderen besonderen Vogel wie etwa den Löffler oder einen Silberreiher. Mir war das leider nicht vergönnt - allerdings hatte ich auch kein Fernglas dabei. Leute, die vorbereitet hierhin kommen, haben sowas natürlich im Gepäck. Aber auch ansonsten zeigt sich hier herrliche Natur. Im Sommer blühlt alles violett, im Herbst rot und im Frühjahr rosa und weiß. Wie man auf dem ein oder anderen Bild erkennen kann, hatte Heideblüte bei meinem Besuch schon begonnen, obwohl ich vor dem 8.8. dort war.

 

Dafür gibt es direkt am Weg insgesamt 40 Schautafeln, die das Gebiet erklären, in dem man sich gerade befindet. Da geht es etwa um die Bedeutung der Deichschafe, um die Geologie des Schwimmenden Moors, um die Vögel, die hier leben und inwiefern das Gebiet - der komplette Salzwiesenpfad liegt innerhalb des Nationalparks Wattenmeer - auch für Landwirtschaft genutzt wird. Im Nachhinein war ich fast ein wenig traurig, dass ich nicht spontan vor Ort noch ein wenig zu dem Weg gegoogelt habe, um ihn dann ganz zu gehen.


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Wattenmeer: Nationalpark-Erlebnisstation Sehestedt / Jade

Wie bereits geschrieben führt der Salzwiesenpfad vom Schwimmenden Moor direkt zum Wattenmeer. Bei meinem Besuch war gerade Ebbe, was es ja auch besonders macht - denn so habe ich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben das Watt gesehen. Ich war zwar vorher schon einmal an der Nordsee, allerdings immer zu Flut-Zeiten.

 

Am Wattenmeer findet sich die Nationalpark-Erlebnisstation Sehestedt, die sowohl mit Fahrrad, zu Fuß als auch mit dem Auto erreichbar ist. Ich habe zunächst einmal den Ausblick genossen und hatte auch gleich ein wenig Action: Zwei Herren hatten mit den Ferngläsern Störche im Watt entdeckt, gar nicht weit vom Ufer entfernt, aber sie bewegten sich nicht und es sah wohl so aus, als steckten ihre Köpfe im Watt. Also wurde ein Nationalparks-Mann gerufen (der eh vor Ort war) und er fuhr, mit einem Schutzanzug, Gummistiefeln und einer Art Schlitten ausgestattet, hinaus. Als er sich jedoch näherte, schauten die Störche direkt nach oben - irritiert, was gerade vor sich ging. Sie hatten einfach nur geschlafen.

 

Es war aber auf jeden Fall sehr spannend, was der Mann so zu erzählen wusste. Er macht auch Wattwanderungen und hat berichtet, dass immer wieder Menschen auf eigene Faust losziehen, weil sie die Gezeiten und die Kraft des Watts unterschätzen - und dann irgendwann im Watt feststecken! Und obwohl die meisten sich theoretisch noch selbst befreien könnten, schaffen sie es nicht. Er sagte, wer bis auf Hüfthöhe eingesunken ist, kann sich noch selbst befreien. Dafür muss man sich aber auf den Rücken oder auf den Bauch legen - und das trauen sich die Menschen nicht (wobei es die meisten auch nicht wissen), weil sie Angst haben, dann komplett zu versinken. Und so müssen dann immer Nationalpark-Mitarbeiter hinausfahren und eingesunkene Touristen retten.

 

Die Erlebnisstation heißt aber nicht deswegen Erlebnisstation, sondern weil es hier auch eine Art Museum gibt - der Eintritt ist frei. In mehreren Containern können Besucher mehr über das Wattenmeer und seine Bewohner erfahren.

 

Wusstest du beispielsweise, dass es im Wattenmeer und vor allem im Jadebusen viele Schweinswale gibt? Von Wilhelmshaven aus starten regelmäßig zur Walsaison Whale Watching Touren, bei denen man die kleinsten Wale der Welt mit etwas Glück beobachten kann. Die sehen übrigens dem Delfin enorm ähnlich, aber sie haben keine so spitze Schnauze und die Flosse oben ist deutlich kleiner als beim Delfin.

 

Auch wenn auf den Schautafeln vor allem viele Informationen standen, über Pflanzen, Vögel und Meerestiere - über das Watt und den Lebensraum Wattenmeer, fanden sich auch einige Stationen, die sich vor allem an Kinder richteten. So konnte das Wissen gleich getestet werden - es wurden beispielsweise verschiedene Vogelfedern gezeigt und man musste sagen, welcher Bewohner des Wattenmeers die wohl verloren hat. Auch einen Schulungsraum sowie ein Labor gibt es, das etwa Schulklassen nutzen können. Auf einem der Container ist auch eine Aussichtsplattform errichtet worden - aber wieder musste ich ein wenig darunter "leiden", kein Fernglas eingepackt zu haben (und meine gute Kamera mit 300mm Objektiv lag im Auto - auf dem Parkplatz, denn eigentlich wollte ich ja nur mal ein bisschen Jadebusen gucken).


Camping, Spielen und mehr am Wattenmeer in Jade

An der Erlebnisstation (und am Salzwiesenpfad und am Wattenmeer), die übrigens barrierefrei ist, findet sich auch ein Campingplatz (geöffnet von Mai bis September) sowie eine kleine Freizeitanlage mit großzügigem Spielplatz, einem Beachvolleyball-Feld, Toiletten und Gastronomie. Camper können hier auch die Duschen nutzen, für Tagesbesucher ist das eher nicht vorgesehen.

 

Derzeit sind coronabedingt nur Dauercamper erlaubt, allerdings war der Platz trotzdem sehr gut gefüllt für meinen Geschmack. Wer Glück hat, steht in der ersten Reihe mit direktem Blick aufs Wattenmeer.

 

Wer also ohnehin in der Nähe ist und mit dem Auto etwa auf der B437 entlang fährt, kann seine Pause auch einfach hierhin verlegen. Es gab einen Stand mit Getränken wie Cola und Bier und eine Bude mit Essen wie Pommes und Bratwurst, auch Kaffee wurde verkauft. Sitzplätze und Stehplätze waren in dem Zirkel auch enthalten.

 

Ich habe mir meine Pommes auf einer nahegelegenen Sitzbank schmecken lassen - mit Blick aufs Wattenmeer. Denn dafür war ich ja da! Generell gibt es übrigens sehr viele Rastmöglichkeiten - denn alle paar Meter steht eine Bank - meistens mit Blickrichtung Jadebusen.


Warst du schon einmal am Wattenmeer?

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