Wandern im Harz: Dem Luchs auf der Spur in Bad Harzburg

Der Harz ist ein Mittelgebirge und das höchste Gebirge Norddeutschlands. In meiner Jugend war ich zweimal hier, in Braunlage und in Brotterode - und seit ich in Hannover wohne, wollte ich unbedingt wieder kommen. Raus in die Natur, einfach mal tief durchatmen und dazu ein wenig Bewegung - genau das richtige für mich. Für zwei Tage ging es für mich nach Bad Harzburg und Goslar - mit dem Regionalexpress in etwas über einer Stunde von Hannover erreichbar. Hier machte ich mich auf die Luchswanderung - die, mit der Seilbahn auf dem Burgberg angekommen, durch den Nationalpark Harz zum Luchsgehege führt. Eine wundervolle Tour, die auch für nicht geübte Wanderer taugt.


Ausgangspunkt Bad Harzburg

Bad Harzburg - Stadtmotto "de Luchse" - eignet sich ganz wunderbar als Ausgangspunkt für eine Harz-Erkundung, wenn man aus Hannover kommt - denn der Regionalexpress hat hier seine Endhaltestelle, es gibt also eine direkte Verbindung. 

 

Ich war mit meinem Freund zusammen unterwegs - da wir über Nacht blieben, wollten wir unser Gepäck am Bahnhof einschließen. Entgegen der Internet-Infos gab es aber keine Schließfächer, dafür hat der Dönerladen vor der Tür (geöffnet ab 11 Uhr) gegen ein Trinkgeld die Taschen in einem Abstellraum aufbewahrt. 

 

Bad Harzburg war an sich nicht unser Ziel, wir hatten uns vorab die Luchswanderung ausgesucht, die aber in der Kurstadt startet. Deshalb ging es für uns zunächst zum Start der Tour - einmal quer durch die Innenstadt. Vom Bahnhof bis zum Kurpark sind es etwa 25 bis 30 Minuten zu Fuß, dabei geht man die gesamte Zeit die Fußgängerzone entlang. Hier finden sich ein paar echt nette Cafés und auch ansonsten legt Bad Harburg offenbar sehr viel wert auf eine hübsche Innenstadt. 

Rund um den Kurpark: Seilbahn, Baumwipfelpfad und Co

Der Ausgangspunkt unserer Wanderung war das Naturfreundehaus im Kurpark. Angegeben waren zwei Optionen: Entweder den rund zwei Kilometer langen Weg nach oben auf den 483 Meter hohen Burgberg gehen - oder aber die Seilbahn nehmen.

 

Wir entschieden uns für die Seilbahn - schon alleine, weil ich so gerne Seilbahn fahre und die Ausblicke sehr genieße. Eine einfache Fahrt kostet 3 Euro, hoch und runter kostet 4,50 Euro. Der Weg nach unten ist wirklich gut machbar.

 

Rund um die Talstation der Seilbahn, die am Kurpark liegt, gibt es auch noch viele andere Dinge, die einen Besuch lohnen. Im Naturfreundehaus gibt es den größten Ameisenzoo der Welt - den haben wir aber ausgelassen. Der Spielplatz daneben ist ganz süß gestaltet, alles ist nach Ameisen ausgerichtet, sogar das Klettergerüst. Unweit liegt auch der Märchenwald Harz mit Streichelzoo und Fahrgeschäften für kleinere Kinder.

 

Im Kurpark selbst gibt es noch weitere schöne Aktionen für Kinder - so gibt es etwa einen kleinen Rundgang zum Thema Leben im Fluss, wo Kinder mehr über Wasser und Lebewesen wie besondere Fischarten lernen. Das fand ich ganz süß aufbereitet.

 

Auch der Beginn des Baumwipfelpfads ist in dieser Ecke - die Tickets müssen gegenüber des Naturfreundehauses gekauft werden, dann geht es über eine Brücke über die B4 - das wäre auch der Weg zum Aufstieg auf den Burgberg. Ich hatte zunächst überlegt, nach der Wanderung noch auf dem Baumwipfelpfad zu wandeln, allerdings haben wir doch deutlich länger gebraucht als gedacht und daher war es dann zu spät. Aber ich gehe fest davon aus, dass ich bald mal wieder kommen werde und den Pfad gehen werde. Acht Euro kostet der Spaß.

Wandern auf dem Burgberg

Der Burgberg ist 483 Meter hoch und, wie man am Namen schon erkennen kann, findet sich auf dem Berg eine Burg: die Harzburg. Sehr viel ist nicht mehr übrig, es ist eher ein Reste-Schauen der Ruine als dass man noch viel von der Burg erkennen kann. Erhalten sind noch Fragmente der Grundmauern und der Türme. Auch einen Brunnen gibt es noch.

 

Wer mit der Seilbahn hochfährt, kommt automatisch an der Burgruine vorbei. Wir sind auch ein Stück die Burg hinauf gegangen und haben uns umgeschaut, aber da gerade auch wegen Bauarbeiten einiges gesperrt war, konnten wir nicht allzu viel sehen.

 

Hier oben starten mehrere Wanderwege, die ganz gut ausgeschrieben sind. An der Burg übrigens auch ein Historischer Rundgang. Für uns sollte es die Luchswanderung sein - und wir waren direkt etwas irritiert, weil wir auf zwei Karten zwei verschiedene Wege gesehen hatten - aber mit dem gleichen Wegweiser-Symbol. Deshalb solltet ihr vorher ein klein wenig auf die Karte schauen und euch überlegen, welchen Weg ihr gehen wollt. Unten erkläre ich ein wenig mehr dazu - denn der Hinweg ist erst einmal bei allen gleich. 

 

Der Luchsweg ist mit einem Luchskopf ausgeschildert und das an wirklich jeder Ecke, sodass man den Weg nicht verpassen kann. Von der Bergstation der Seilbahn aus (Kaiserweg) geht es zum Antoniusplatz, wo auch der 1,6 Kilometer lange Besinnungsweg beginnt und endet. So nimmt man gleich noch ein paar weitere Impressionen mit, etwa von Figuren oder auch Bänken, die schon durch ihre bloße Gestaltung zum Verweilen einladen. Ach ja, und einen tollen Ausblick hat man natürlich auch häufig.

 

Der rund zehn Kilometer entfernte Brocken, der höchste Berg des Harzes, lässt sich von vielen Stellen aus wunderbar sehen und fotografieren. 

 

Die Luchswanderung führt dann weiter vom Antoniusplatz zur Säperstelle, wo auch der Nationalpark Harz beginnt. Nach einiger Zeit sind nun zwei Luchswanderwege ausgeschrieben, eine "bequeme" und eine "schwierigere" Tour, die aber beide zum Luchsgehege führen. Wir sind die schwierigere Route gegangen, die auch nicht wirklich schwierig war. Es gab ein paar sehr moderate Steigungen, die aber allesamt gut machbar waren. Wir trafen auch einige ältere Wanderer. 

 

Der Luchsweg ist zwar oft ausgeschrieben, allerdings kann man auch gut den Schildern zur Rabenklippe folgen - das Luchsgehege liegt nämlich dort. Die Rabenklippe heißt nicht umsonst so: Man hört und sieht an vielen Ecken Raben. Die Landschaft hier ist aber eher karg, viele Bäume sind durch Schädlinge, Dürre oder Unwetter zerstört.

 


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Das Ziel erreicht: das Luchsgehege

Das Luchsgehege ist dann ziemlich gut zu sehen, denn plötzlich ist Zaun im Wald. Es gibt eine größere Holz-Aussichtsplattform, von der aus man in das Gehege von Luchsdame Pamina. Pamina ist 2005 geboren und aufgrund einer schweren Krankheit hinkt sie etwas. Bis vor kurzem hatte sie noch einen Partner an ihren Seite: Tamino. Der wurde im Februar 2020 allerdings bei einem schlimmen Sturm von einem umstürzenden Baum in seinem Gehege erschlagen. 

 

Im zweiten Gehege leben Paul, Alice und Ellen, die 2013 geboren wurden. Bei besagtem Sturm fiel ein Baum so auf den Zaun des Geheges, dass die drei ausbrechen konnten und durch den Harz irrten. Während Alice und Ellen recht schnell eingefangen wurden, war Paul ein paar Tage unterwegs. Sein Ausflug endete mit einem schweren Autounfall: Er wurde auf einer Bundesstrafe angefahren. 

 

Wir haben vor allem Pamina gesehen, die Luchsdame hat sich ein paarmal gezeigt und war einmal auch mehrere Minuten ganz vorne im Gehege, sodass wir sie gut betrachten konnten - und sie uns. Eigentlich hatten wir uns auf die Fütterung gefreut, die um 14.30 Uhr mittwochs und sonntags stattfinden soll - aber an unserem Mittwoch fiel sie leider aus. Ob das mit der Corona-Krise zusammenhängt oder andere Gründe hatte, wissen wir leider nicht.

 

 

Im anderen Gehege bekamen wir nur einmal einen Luchs zu Gesicht - leider konnten wir nicht erkennen, welcher es war. Er oder sie wanderte am Zaun zu Paminas Gehege entlang. Für Fotos war das Tier zu weit weg (ich hatte nur mein Hady dabei). 

 

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich einen Luchs schon einmal so nahe gesehen habe wie Pamina. Ich bin zwar grundsätzlich ein Fan von Wildlife, aber bei insgesamt nur 137 Luchsen in Deutschland - einige leben auch im Harz, die meisten aber im Bayerischen Wald - ist die Wahrscheinlichkeit, einen freilebenden Luchs zu entdecken, dann doch äußerst gering. Hier leben die Tiere immerhin in einem möglichst natürlichen Umfeld und haben recht großzügige Gehege. Ich hoffe nur, dass Pamina bald einen neuen Partner bekommt.

 

Allerdings - beim enormen Werben der Stadt Bad Harzburg mit dem Thema Luchs war ich dann doch ein wenig enttäuscht. Irgendwie hatte ich mehr erwartet - mehr Info, mehr Tierschutz, mehr Interaktion mit den zuständigen Mitarbeitern des Nationalparks.

 

Wer vom Aussichtsturm am Gehege der Luchse vorbei geht, kommt zu einem Felsen, der eigentlichen Rabenklippe. Eine Treppe führt auf eine Aussichtsplattfom mit Blick auf den Brocken. Das Titelbild zu diesem Blogpost ist dort entstanden.

 

Unten an der Treppe gibt es auch einen schmalen Durchgang zwischen den Felsen, der führt zur Waldgaststätte Rabenklippe. Wir haben auch dort eine Pause eingelegt und uns Kaffee, Cola und Apfelstrudel gegönnt. Kuchen gehen hier wohl sehr gut - allerdings werden wirklich Unmengen von Sahne serviert, das war schon nicht mehr schön. 

Lange, mittlere, kurze Runde: Optionen für den Rückweg

Ich hatte ja schon einmal erwähnt, dass es mehrere Runden gibt. Das Bild hier rechts zeigt die Luchstour, nicht die Luchswanderung - das Symbol ist aber das gleiche. 

 

Während die ausgeschrieben Luchswanderung aber 7,7 Kilometer lang ist (und mit einer Wanderzeit von 70 Minuten angegeben wird, was ich für enorm sportlich halte!), ist die Luchstour mehr als 16 Kilometer lang. Also ein durchaus kleiner Unterschied. Wir hatten zwar gesehen, dass die Touren nicht gleich aussahen, aber wir haben uns nicht weiter damit beschäftigt - und das sollte uns einige Zeit und Höhenmeter kosten. 

 

Von der Rabenklippe aus gingen wir nämlich den Luchsweg weiter Richtung Eckertal - und da geht es erst einmal steil bergab. Auf einer Lichtung nach rund anderthalb Kilometern stellten wir dann fest, dass das so nicht geplant war. Ich hatte die Karte abfotografiert und wir bemerkten,  dass die große Route doch etwas too much ist. Denn wir waren noch nicht einmal ganz unten und es gab enorme Steigungen! Also drehten wir wieder um und wanderten den Weg wieder hinauf - ich dann doch recht keuchend, weil es auch recht warm war. Immerhin war die Sonne gnädig und verzog sich ein wenig hinter den Wolken. 

 

Wir folgten dan schlicht den Luchs-Zeichen und wanderten damit auf dem Luchsweg zurück zum Burgberg, nicht auf dem Weg der Luchswanderung. Ja, ganz schön viel Luchs, ganz schön viel Verwirrung. Das habe ich übrigens auch alles erst beim Tippen dieses Artikels herausgefunden, als ich die Fotos und markanten Stellen gegengechecked habe. Unser Rückweg war also genau so, wie ihr das oben auf der Karte seht und nicht quasi direkt zurück (da wären es nur rund drei Kilometer gewesen). 

 

Wir hingegen passierten irgendwan das Kreuz des deutschen Ostens, einem 555 Meter hoch gelegenen Gedenkkreuzes für die vertriebenen Deutschen aus dem Osten nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor einigen Jahren fiel das Kreuz mal um bei einem Sturm, aber es ist wieder aufgebaut, wie ihr unten in der Galerie sehen könnt. 

 

Auf einem ganz anderen Weg kamen wir schließlich aber wieder zum Antoniusplatz, wo sich der Wegweiser, den ihr hier links sehen könnt, findet, und wo sich verschiedene Routen kreuzen. Von hier aus nahmen wir dann einen Weg Richtung Talstation. Vom Burgberg aus sind es rund 1,8 Kilometer nach unten, der Weg ist gut ausgebaut und die Serpentinen sind gut machbar. Allerdings waren meine Beine dann doch etwas schwer nach den vielen (auch ungewollten) Auf- und Abstiegen und die 25 Minuten durch die Innenstadt bis zum Bahnhof haben sich doch etwas gezogen.

 

Unsere Tour war am Ende mehr als 20 Kilometer lang, auch weil der Weg durch die Innenstadt und der Abstieg vom Burgberg mit eingerechnet sind. 


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