Walking Safari in Kenia: Mit Giraffen über Crescent Island spazieren

Beim Wandern Zebras, Giraffen, Antilopen entdecken - und vielleicht sogar einem Flusspferd begegnen? Auf Crescent Island, einer Halbinsel am Lake Naivasha im Rift Valley, dem Großen Afrikanischen Grabenbruch, ist das möglich - bei einer Walking Safari. Es gibt nicht sehr viele Orte in Kenia, wo das geht - aber rund 80 Kilometer nördlich von Nairobi in dem privaten Reservat ist es möglich - mit Guide oder auf eigene Faust.  Auch für Safari-Erfahrene kann der Trip ein Highlight sein, weil der Ort entschleunigt - und für mich verlieren Giraffen, Zebras und Co ohnehin nie ihre Faszination. Der Eintritt ist mit 30 USD nicht gerade günstig, aber es lohnt sich auf jeden Fall.



Walking Safari Crescent Island: Anreise mit Boot oder Auto

Crescent Island liegt im Osten des Lake Naivasha im Rift Valley, dem Großen Afrikanischen Grabenbruch, der sich von Israel bis Mosambik zieht. Die meisten Menschen kommen mit dem Boot dorthin, das ist von verschiedenen Hotelanlagen rund um den Lake Naivasha möglich.

 

Allerdings fahren viele Boote nur um die Halbinsel herum und beobachten vom Wasser aus, nur wenige legen auch tatsächlich an. Das solltet ihr vorher also unbedingt checken. Boote starten jeden Morgen beispielsweise am Hippo Safari Resort oder deutlich näher an der Halbinsel gelegen am Naivasha County Club.

 

Auch mit dem Auto (Mietwagen oder Taxi) kommt man zum Ausgangspunkt. Dafür fahrt ihr Richtung Rift Valley Lodge, ein schmaler Weg führt auch für Autos über die Brücke. Rechts und links unbedingt aus dem Fenster schauen, denn schon hier lassen sich Wasserböcke, Zebras, Gnus, Flusspferde und Co beobachten. Generell ist auch eine Anreise mit dem Öffentlichen Nahverkehr möglich - Matatus fahren an der Moi S Lake Road entlang und man kann einfach anzeigen, wo man aussteigen möchte. Allerdings ist es von der Hauptstraße nach Crescent Island noch ein ganzes Stück zu Fuß: Es sind rund dreieinhalb Kilometer und 40 Minuten Fußweg.

Walking Safari Crescent Island: Guide oder kein Guide?

Vom Parkplatz aus, der ganz im Süden von Crescent Island liegt, führt ein Fußweg etwas nach oben, auf der rechten Seite steht ein Haus, das eher einem Wohnhaus ähnelt als einem Park Gate. Die Hausdame kassiert den Eintritt, eine Bezahlung ist nur in Bar möglich - entweder in Kenia-Schilling (3000) oder in US-Dollar (30).

 

Hätte nicht zufällig ein Mann am Parkplatz gestanden und uns gesagt, wohin es geht - und wäre die Hausdame nicht zufällig gerade aus dem Haus gekommen, ich hätte das Haus niemals als Kassenhäuschen erkannt - und wäre wahrscheinlich etwas hilflos herumgeirrt.

 

Die Frau kassierte den Eintritt und wies uns den Weg - sie sagte auch, dass oben auf dem Hügel Guides warten, die wir mieten können. Wir entschieden uns dagegen und haben ehrlich gesagt auch keinen Guide irgendwo gesehen, den wir hätten mieten können. Allerdings ist die Halbinsel überschaubar und wirklich verlaufen kann man sich nicht, da man eigentlich immer das Ufer sieht.



Walking Safari Crescent Island: Zwischen Giraffen und Gnus

Noch auf dem Hügel entdeckten wir direkt ein Dikdik, davon gibt es hier viele und die Chancen, die sacheuen Tiere zu sehen, sind hoch. Zwar nicht ganz so hoch wie auf Safaris im Tsavo East Nationalpark oder im Samburu National Reserve - aber deutlich höher als andernorts.

 

Dahinter streckte sich die Insel hübsch in ihrer Mondsichel-Form, die ihr auch den Namen Crescent Island gab, von oben hat man einen tollen Blick auf die Halbinsel, auf der man sich schon befindet, und den Naivashasee.

 

Den Hügel hinunter wartet erst einmal Grasland, dort sahen wir Schafe, die weideten, und dazwischen Antilopen, Gazellen und Gnus. Wir gingen querfeldein links hinunter zum Ufer, denn dort hielt sich gerade eine Herde Giraffen auf. 

 

Die Tiere auf Crescent Island wurden einst für die Dreharbeiten von "Jenseits von Afrika" über das Leben von Karen Blixen (mit Robert Redford und Meryl Streep), die nach Kenia ausgewandert ist, auf die Insel gebracht und leben hier seither. Sie haben hier keine Feinde und sind Menschen gewöhnt, daher lassen sie sich sehr gut - natürlich mit Sicherheitsabstand - beobachten.

Dabei hilft der gesunde Menschenverstand enorm: Auch wenn Giraffen so friedlich aussehen, sie haben eine unglaubliche Kraft in den Beinen und können problemlos größere Lebewesen als den Menschen umbringen. Und im Zweifel scheuen sie sich auch nicht davor.

 

Achtet einfach darauf, wie die Tiere auf euch reagieren und wann sie unruhig werden oder sich von euch entfernen: Dann solltet ihr auf jeden Fall den Rücktritt antreten. Und generell nie so nahe an Tiere herangehen, dass sie angreifen könnten. Vor allem Flusspferde sind sehr gefährlich, sie sind auch ohne Vorwarnung aggressiv.

 

Wir sind einfach westlich entlang des Ufers des Lake Naivasha gelaufen, dort gibt es zunächst eine asphaltierte Fläche, danach wird es eher zum Trampelpfad, der aber gut erkennbar ist, zur Inselspitze hin. Geht nicht zu dicht an das Ufer heran, es gibt Krokodile und Flusspferde im Naivashasee und für die sind Menschen generell eine Bedrohung - egal wie freundlich man auf sie zugeht. Beide Tiere sorgen übrigens zusammen mit den Tsetse-Fliegen, Schlangen und Hunden für die höchste Todesrate an Menschen in Afrika.

Walking Safari auf Crescent Island: Adler und Wasserböcke

Vor allem am Ufer tummelten sich bei unserem Besuch sehr viele Tiere. Pelikane hielten Mittagschlaf, Gnus zogen umher, Zebras und Wasserböcke grasten und die Jungtiere spielten. Selbst die Giraffen waren in einem entspannten Modus und saßen im Gras - bei Giraffen der größte Ausdruck von Entspannung.

 

Ihr solltet auch unbedingt in den Bäumen nach Tieren Ausschau halten: Auf Crescent Island leben sehr viele Adler.

 

Je näher man der Inselspitze auf Crescent Island kommt, desto schwieriger wird das Terrain. Wir haben hier erst einmal ein kleines Picknick gemacht und liefen dann noch ein Stück weiter. Allerdings waren dann so viele Pflanzen und Äste im Weg, das wir nicht ganz nach vorne kamen und kehrtmachten. Auch hier fanden sich immer mal wieder Antilopen und Gazellen im Dickicht.

Östlich kann man leider nicht am Ufer des Lake Naivasha entlang laufen, aber es findet sich dennoch ein Weg (eher Trampelpfad), der aber gut erkennbar ist. Auf diesem Weg arbeiteten wir uns zurück zum Ausgangspunkt.

 

Auf dem Weg lagen auch zwei Giraffen, ein erwachsenes Tier und ein Baby. Die Tiere ließen sich von uns gar nicht stören. Wir beobachteten sie, hielten Augenkontakt und so konnten wir problemlos an den Tieren vorbei gehen.

 

Nach uns kam allerdings eine Gruppe Touristen, die den Tieren sehr nahe kam - zu nahe. Die Giraffen standen auf und zogen weiter - und die Touristen liefen ihnen hinterher. Mein Freund ging schließlich auf die Gruppe zu und wies sie darauf hin, dass die Tiere offensichtlich nicht so viel Nähe wollten. Aber manchmal muss man sich dann eben nicht wundern, dass schlimme Unfälle passieren.

 

Nach etwa zweieinhalb Stunden (inklusive Pause und Bezahlen) machten wir uns wieder auf den Rückweg - nach einer wunderschönen Walking Safari mit vielen tollen tierischen Begegnungen.



Könntest du dir vorstellen, eine Walking Safari zu machen?

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Kommentare: 2
  • #1

    Steffi (Sonntag, 04 Oktober 2020 11:57)

    Huhu,

    so eine Walking-Safari wäre definitiv was für mich, auch wenn ich vielleicht etwas Angst hätte. Ich liebe es Tiere und die Natur zu beobachten und da stelle ich mir die Safari perfekt für vor. Gerade die Adler sagen mir extrem zu, aber auch die Giraffen sind sicherlich sehr interessant.

    LG
    Steffi

  • #2

    Julia (Sonntag, 08 November 2020 20:57)

    Hi

    eine interessante Safari, das wäre bestimmt was für mich. Und das Erlebnis einmalig mit den Tieren. Würde aber auch so gehen ohne Guido. Aber ich würde immer lange stehen bleiben und beobachten wollen. Ich genieße deine Bilder, aber auch deine Beschreibungen. Man merkt die Liebe und möchte sich anstecken lassen. Vielleicht komme ich mal in das Land und lerne das kennen.

    Liebe Grüße
    Julia