Roadtrip: 12. Stopp Bad Sooden-Allendorf

Was macht man als Student, wenn man wenig Geld hat, um zu verreisen? Und nach dem Praktikum in Flensburg noch rund drei Wochen bis zum Semesterbeginn in Passau hat? Richtig, man nutzt die Autofahrt, die man ohnehin machen müsste und quartiert sich bei Freunden unterwegs ein. Mehr als 1500 Kilometer waren es am Ende.

 

Mit meinem kleinen roten Polo machte ich mich 2008 auf den Weg. Ich hielt dort an, wo ich Freunde und Bekannte hatte. Über Flensburg mit einem Abstecher nach Glücksburg ging es nach Kiel, über den Nord-Ostsee-Kanal nach Heide mit einem Ausflug nach Büsum an die Nordsee. In Hamburg und Oldenburg besuchte ich Leute, es gab einen Tagesausflug nach Bremen. Über einen Stopp in Hannover bin ich in Kassel gelandet, wo wir Ausflüge nach Bad Sooden-Allendorf, Hessisch Lichtenau, auf den Hohen Meißner und nach Melsungen machten.

 

In diesem Teli geht sind wir in Bad Sooden-Allendorf. Die anderen Teile finden ihr am Textende.


In Bad Sooden-Allendorf lässt sich ein Stück deutscher Geschichte erleben. Hier verläuft die Grenze zwischen Hessen und Thüringen und damit auch die einstige Grenze der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, also der innerdeutschen Grenze.

 

Grenzzone ist der Schifflersgrund, ursprünglich hessisch, 1945 aber der Sowjetzone zugeschlagen. 1952 wurde seitens der DDR hier ein Kontrollstreifen von 500 Metern Breite gezogen - unter dem Vorwand, den Bewohnern Schutz vor der BRD zu gewähren, weshalb man ihn auch Schutzstreifen nannte.

 

Die Sperrzone war fünf Kilometer breit, weshalb Tausende Menschen ihre Gemeinden, die in dem Gebiet lagen, verlassen mussten und zwangsumgesiedelt wurden. Bis 1989 blieb das Sperrgebiet aufrecht erhalten. An dieser Stelle erinnert heute das Grenzmuseum Schifflersgrund, das erste Grenzmuseum im wiedervereinten Deutschland, an die Teilung.

 

Rund ein Kilometer des Grenzzauns mit Kontrollstreifen und der Beobachtungsturm BT-9 sind noch sichtbar. Auch Grenzkontrollhäuschen, Beobachtungstürme, Stacheldraht, Minen, Fahrzeuge und Hubschrauber, die der Grenzsicherung dienten, sind ausgestellt.

 

Außerdem wird die Geschichte von Heinz-Josef Große erzählt, einem 34-jährigen Mann, der bei der Flucht am Schifflersgrund erwischt und erschossen wurde. Der Tatort liegt auf der Fläche des Museums.

 

Die Skulptur "Verbrannte Träume" von Sebastian Seiffert erinnert an alle 26 Todesopfer zwischen 45 und 89 an der hessisch-thüringischen Grenze. Insgesamt gibt es in den Museumsgebäuden sieben Abteilungen mit den Themen Kriegsende, Besatzungszonen, Leben im Sperrgebiet, Entwicklungen in der DDR 1989 oder dem Wanfrieder Abkommen, durch das Teile Hessens, etwa der Schifflersgrund, der Sowjetzone zugeschlagen wurden.

 

Zudem werden Filme gezeigt und es wird über weitere Fluchtversuche aufgeklärt. Wer sich auch nur ein bisschen für die Geschichte und Teilung Deutschlands interessiert, sollte das Grenzmuseum aufsuchen. Ein Besuch lohnt wirklich.


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