Entwicklungsländer? - Was Europa von Afrika lernen kann

Wir im Globalen Norden, wozu die Industrienationen gehören, sprechen von Entwicklungsländern und sagen damit, dass andere Länder im Gegensatz zu uns unterentwickelt seien. Früher hat man das vor allem an Wirtschaftsleistungen festgemacht - allerdings natürlich an europäischen und nordamerikanischen Standards festgemacht. Generell sagt der Begriff Entwicklungsland aus, dass wir uns über andere Länder und deren Einwohner stellen, dass wir uns für zivilisierter, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller halten. Aber viele Punkte lassen wir in Europa eben auch gerne außer Acht, wenn wir pauschal über Afrika oder auch Staaten in Asien urteilen.


Entwicklungsland: Was bedeutet das überhaupt?

Durch mein Master-Studium habe ich mich in den vergangenen Monaten und Jahren viel mit dem Thema Entwicklung beschäftigt. Das, was wir als Entwicklung bezeichnen, mag in manchen Punkten stimmen. So halte ich beispielsweise die Errungenschaft des Sozialstaates in Teilen Europas für einen der großartigsten Fortschritte, immerhin konnte damit viel Armut vermindert werden. Aufgehängt an besagtem Begriff Entwicklungsland stelle ich euch hier aber einige Dinge vor, in denen Europa meiner Ansicht nach Nachholbedarf hat und in denen wir von sogenannten Entwicklungsländern lernen können. Hier wie da betrifft das übrigens niemals den gesamten Kontinent und manchmal sogar nur Regionen oder einzelne Bewegung innerhalb der Länder. Und: Manch eine romantisierte Vorstellung, etwa die vom Zusammenhalt in der Gemeinschaft, fehlt hier. Wer wie ich mit Hunderten Kindern arbeitet, die von ihren Familien verstoßen, misshandelt oder einfach so ins Heim gegeben wurden, wird solche Stereotype nicht weitergeben.


1. Bargeldloses Zahlen mit dem Handy - überall

Als in der Corona-Pandemie plötzlich auch in Deutschland über bargeldloses Zahlen gesprochen wurde, musste ich doch ein wenig schmunzeln. Mit dem Handy zu zahlen ist in vielen Staaten in Afrika völlig normal.

 

Mit der SIM-Karte erwirbt man dabei ein Konto, notwendig ist nur ein Ausweispapier. Ein Smartphone wird nicht unbedingt gebraucht. Stattdessen bekommt man eine Nummer und über eine Tastenkombination auf dem Telefon lässt sich damit Geld überweisen. In Tansania und Kenia ist das Prinzip als M-Pesa, aus dem Swahili übersetzt "mobiles Geld", bekannt.

 

In jeder Ecke finden sich M-Pesa-Stores (meistens Kioske, an denen man auch andere Dinge kaufen kann), in denen man sein Konto aufladen kann. Man gibt Bargeld ab und bekommt es aufs Konto auf dem Handy überwiesen. Damit kann man nahezu überall zahlen, oft auch auf dem Markt. Manchmal bekommt man auch das Wechselgeld, etwa im Uber, über M-Pesa. Über das Konto kann man übrigens auch direkt Guthaben aufs Handy laden und damit Internet- und Telefon-Pakete kaufen.


2. Zum Schutz der Meere und Umwelt: Verbot von Plastik

Nach Ruanda, Kenia, Tansania, Botswana und in viele andere Länder in Afrika darf man keine Plastiktüten mehr einführen. Wer eine herkömmliche Plastiktüte oder auch eine der dünnen Plastik-Obst-Tüten aus dem Supermarkt im Gepäck hat und erwischt wird, muss im Zweifel eine hohe vierstelligen Summe als Strafe zahlen.

 

Auch manch ein Naturschutzgebiet ist inzwischen plastikfrei, etwa der Karura Forest in Nairobi oder Nationalparks - dort sind inzwischen Einweg-Plastikflaschen verboten. Das Verbot geht mit größeren Aufklärungskampagnen einher, um für die Thematik zu sensibilisieren.

 

Ohne Grund gibt es diese Initiativen nicht und obwohl der Kontinent Afrika in Sachen Plastikverbot weltweit Vorreiter ist, habe ich dort auch die schlimmste Plastik- und Müllverschmutzung jemals erlebt (erinnert sich jemand an meine erste Eindrücke von Accra oder den schlimmen Strand Coco Beach in der togolesischen Hauptstadt Lomé?). Dennoch: Als ich 2015 zum ersten Mal in Kenia war, spielten die Kinder im Müll auf den Straßen und ich habe Kühe und Esel gesehen, denen Mülltüten aus dem Poloch hingen. Nach der Einführung des Verbots 2017 wurde staatlich aufgeräumt - und seither ist es soooooo viel besser geworden.

 

Immer mehr Initiativen gründen sich und auch in Ländern, in denen es noch kein Plastikverbot gibt, wie in Ghana, gibt es immer wieder Clean Up Aktionen, bei denen Strände oder Dörfer aufgeräumt werden. Ein Vorbild ist für mich hierbei die Lodge "Meet me There" in Dzita - dort werden Materialien von der Umweltschutzorganisation 4Ocean gestellt und wer einen Sack voll Müll am Strand sammelt, bekommt einen Caipirinha aufs Haus.


3. Leben mit den wilden Tieren: Tierschutz

Eine Bekannte sagte neulich zu mir, was wohl passieren würde, wenn man in Texten über Wölfe in Deutschland das Wort Wolf mit Elefant und das Wort Deutschland beispielsweise mit Botswana austauschen würde. Oder im Gegenzug: Es bei Texten über Elefanten in Simbabwe oder Botswana tun würde. Ob die Reaktionen wohl andere wären? Ja, ich denke, sie wären anders. Denn während es hierzulande ein großes Drama ist, wenn ein paar Wölfe in menschliche Siedlungen vordringen und Nutztiere reißen, so spielen wir uns gern zum Moralapostel auf, wenn es um bedrohte Tierarten in Afrika geht: Sollen die Menschen in Simbabwe, Botswana, Kenia und Co doch bitte eine Lösung finden, immerhin breiten sich die Menschen ja wohl aus und nehmen den Tieren ihren Lebensraum. Merkt ihr selbst, ne?

 

Wir haben hier eine Doppelmoral - obwohl viele afrikanische Staaten (ja, ich weiß, längst nicht alle) schon viel weiter sind, das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier zu organisieren. Sie haben mehr Erfahrung damit und müssen, auch wegen des wirtschaftlichen Drucks und der Erkenntnis, wie viel Safari-Tourismus zur Wirtschaft und zum Wohlstand beiträgt, Lösungen finden, während wir hierzulande zum Schutze von Schafen und Pferden bedrohte Wölfe abknallen wollen und dürfen.

 

In Tafi Atome in Ghana hat sich eine lokale Gruppe darum gekümmert, Bewohner aufzuklären, selbst in Hungersnöten nicht auf Affen, die im Wald um die Siedlung herum leben, Jagd zu machen und sie zu essen. Mit Erfolg. In Dzita und am Cape 3 Points in Ghana, in Sundy und an der Praia Inhame auf São Tomé und Príncipe, am Diani Beach und Watamu Beach in Kenia oder in Nungwi auf Sansibar haben sich lokale Tierschutzorganisationen gegründet, um Meeresschildkröten zu schützen und zu retten. In Tansania hat sich in einem Dorf bei der Serengeti eine "Elehphant Task Force" gegründet. Ein Mensch hält Wache und meldet, wenn sich Elefanten dem Dorf nähern. Die "Elephant Task Force" rückt dann aus, um die Tiere mit lautem Krach, etwa Trommeln auf Töpfen, zu verscheuchen.

 

Nahezu jedes Tier hat inzwischen eine Organisation, die sich seinem Schutz angenommen hat. Und dafür auch viel Zeit und Geld investiert. In Simbabwe und Kenia (Sheldrick Elephant Orphanage in Nairobi) gibt es beispielsweise Projekte, die verwaiste und verwundete Elefantenkinder aufpäppelt und auswildert - das dauert bis zu 15 Jahre pro Tier! 


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4. Geduld und weniger Stress: "There is no hurry in Africa"

Den ÖPNV in vielen Ländern in Afrika hier als etwas zu bezeichnen, was nachahmenswert ist, ist eher absurd. Dafür passieren in den vielen alten, kaputten und gefährlichen Konstruktionen, die da auf den Straßen unterwegs sind und viel zu viele Menschen und Waren geladen haben, viel zu viele Unfälle. Aber eines habe ich unter anderem durch den ÖPNV gelernt: Geduld.

 

Geduld ist nicht gerade meine Stärke und generell stelle ich in vielen Städten in Europa immer wieder fest, dass Stress und Hektik dominieren. Auch bei mir selbst. In Afrika, sagt man gerne, ticken die Uhren anders. Und manches Mal hat mich das schon auf die Palme gebracht. Etwa, wenn ich 30 Minuten an der Kasse am Supermarkt in Nairobi stehe, weil ein Preis nicht ausgewiesen war und nun ganz gemütlich gesucht wird, was der Ball kostet... Oder wenn ich ne Stunde am Visumsschalter in Lusaka in Sambia stehe, mitten in der Nacht, und der Herr am Schalter dann eine Person vor mir beschließt, jetzt erst einmal Pause zu machen. Oder wenn ich wie in Nata in Botswana drei Stunden auf einen Minibus warte.

 

In fast allen elf Ländern, in denen ich bisher war, habe ich den Spruch "There is no hurry in Africa" (Es gibt keine Eile in Afrika) gehört, in den Swahili-sprechenden Gegenden auch gern: "Pole Pole", was übersetzt "Immer mit der Ruhe" bedeutet. Und auch wenn das manchmal nervt, entschleunigt das einfach. Man verabredet sich und weiß einfach nicht, wann der andere auftaucht, weil es keine Fahrpläne gibt und man für eine Strecke mal 20 Minuten, mal 2 Stunden braucht. Das lässt sich eben nicht ändern - und führt irgendwann zu deutlich mehr Gelassenheit.


5. Kreativität mangels Angebot

Kennt ihr den Spruch "Not macht erfinderisch"? Generell finde ich den schwierig, denn er wertet lebensbedrohliche Armut ab. In bestimmten Kontexten aber stimmt der Spruch, zum Beispiel, wenn man sich Spielsachen von Kindern anschaut. Aus wirklich allem lässt sich Spielzeug basteln. Bei unseren Kindern in Kenia ist ein Steine-Schnipsen-Spiel total beliebt: Steine werden in die Luft geworfen und müssen im Sitzen gefangen werden. Andere Highlights: Mit einem Ast den Deckel eines Eimers durch die Gegend rollen oder aus Tüchern oder Dosen Fußbälle machen.

 

Auch in der Wirtschaft wird das kreative Potenzial zunehmend genutzt. In Kenia sind Schuhe, die aus alten Autoreifen hergestellt werden, inzwischen ein beliebtes Souvenir. In Ghana werden ebenfalls recycelte Schuhen und Taschen verkauft. Auf São Tomé und Príncipe gab es Schmuck aus am Strand gesammelten Plastikmüll zu kaufen. Ich habe schon so viele tolle Produkte auf den Märkten gesehen: Kronkorken, die einen Bilderrahmen bilden. Leere Plastikflaschen, die zu Blumenkästen umfunktioniert werden. Leere Plastik-Getränke-Tütchen, aus denen Einkaufstaschen gebastelt werden. Viel ist möglich, wenn man nur möchte. Dieses Potenzial wird derzeit zwar nur im Kleinen genutzt - aber es kommt eben von einer Generation, die erst nach und nach auf den Arbeitsmarkt drängt - und sich vielleicht mit der ein oder anderen Idee auch selbstständig macht. Und ein weiteres Problem wird damit auch angegangen: die Entsorgung des Plastikmülls.


6. Grenzen in den Köpfen abbauen

Nation Building und Grenzziehung kannte man in Afrika nicht, ehe die europäischen Kolonialmächte kamen und den Kontinent aufteilten. Stattdessen wurden das Land unterhalb der mehr als 300 verschiedenen Ethnien aufgeteilt. Doch als Europa Grenzlinien in Afrika zog, verliefen diese durch die Areale eben jener Volksgruppen.

 

Die Folge ist jedoch, dass Landesgrenzen bei vielen Menschen in Afrika nicht existieren. Die Ewe leben in Ghana und Togo, die Massai in Tansania und Kenia, die San in Namibia und Botswana, die Yoruba in Nigeria, Togo, Benin, Ghana - und sie sind verbunden, auch wenn wir da eine Grenze hingebaut haben. Die Menschen stören sich viel weniger daran und sehen auch keinen Grund darin, diese Grenzen zu verteidigen, wie wir hier in Europa gerne unsere Außengrenzen verteidigen: Denn man würde sie gegen Menschen aus der gleichen Volksgruppe verteidigen - und das ergibt ja nun wahrlich keinen Sinn.


Bei welchen Dingen hast du den Eindruck, dass Europa Nachholbedarf hat?

Du möchtest mir etwas zu dem Artikel sagen? Du hast eigene Gedanken und Anregungen, oder auch Kritik, die du einbringen möchtest? Ich freue mich über deinen Kommentar.


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Kommentare: 15
  • #1

    Miss Katherine White (Montag, 05 Oktober 2020 17:21)

    Ich finde das unglaublich schön. Ich hoffe, dass dein Beitrag von noch mehr Menschen gelesen wird. Das stimmt total. Wir können von anderen Ländern noch etwas lernen und das nicht nur beim Thema Umwelt. Auch noch in vielen anderen Bereichen.

    hhttps://www.lecker-schmecker-kueche.de/dinner/
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  • #2

    Mo (Montag, 05 Oktober 2020 21:24)

    Liebe Miriam,

    was für ein toller Beitrag! Persönlich mag ich das Wort "Entwicklungsland" nicht. Du beweist ja auch an Hand deiner Beispiele, dass Afrika in vielerlei Hinsicht Europa um Längen voraus ist.
    Aber das mit dem halbstündigen Warten an der Kasse würde mich auch definitiv zur Weißglut treiben.

    Liebe Grüße
    Mo

  • #3

    Katrin (Dienstag, 06 Oktober 2020 15:50)

    Was für ein schöner und anregender Text.
    Ich finde es auch oft super abwertend, wie über die sogenannten Entwicklungsländer gesprochen wird. Das beste Beispiel ist das Thema online zahlen, was du auch aufgeführt hast. Die Europäer tun immer so fortschrittlich, sind es aber oftmals nicht. Deutschland muss sich da auch in vielen Themen ganz weit hinten anstellen.
    Das Thema mit den kleinen Plastiktüten finde ich in Deutschland zum Beispiel auch super schlimm. Jeder nutzt diese für sein Obst etc. weil er nicht in der Lage ist, das Obst einfach lose in die Tasche zu packen ... oder es könnte ihn ja was anspringen. Ich weiß nicht, da fehlt es oft an nachhaltigem Denken.
    Und da kann sich Deutschland definitiv etwas von Afrika abgucken. Diese kleinen Plastiktütchen sollten auch unbedingt unter Strafe stehen!
    Liebe Grüße, Katrin

  • #4

    Lena (Dienstag, 06 Oktober 2020 16:26)

    Hi liebe Miriam
    Finde das ein total spannender Beitrag. Finde das Wort "Entwicklungsland" irgendwie auch einfach nicht schön. Wir können auch viel von ihnen lernen und sie sind uns in einigen Dingen voraus.
    Ich fand das irgendwie immer speziell, dass man ja z.T. den Lohn in Afrika übers Handy bekommt. Ich habe tatsächlich erst seit Corona-Zeiten twint(ich glaube, das gibts in Deutschland nicht. Aber funktioniert eigentlich ähnlich wie M-Pesa entweder man kann Guthaben auf die App laden oder direkt mit dem Konto verbinden) auf dem Handy. Ich glaube die Kids hier haben einen Aufholbedarf in Sachen Kreativität. Kinder hier haben die so viele Spielsachen(z.T. auch sehr spezielle), obwohl man mit doch so vielen Dingen etwas basteln oder ein Spiel selbst herausfinden könnte.
    Ich finde auch, dass wir mehr für den Tierschutz hier machen könnte.
    Da ich sehr ungeduldig bin und ich mich selber auch gern an Termine halte und pünktlich bin, ist die "Pole Pole" Mentalität nichts so meins. Finde wir sollten uns aber nicht so aufregen wenn der Bus mal 10 Minuten Verspätung hat.
    Liebe Grüsse

  • #5

    Eva (Dienstag, 06 Oktober 2020 20:45)

    Stimmt, der Begriff "Entwicklungsland" ist nicht optimal, da er ja impliziert, dass ein Soll-Wert nicht erreicht wurde - und was der ist, gibt die westliche Welt vor. Ich glaube, es gibt durchaus einen Grund, warum so viele Menschen aus den Industriestaaten das Bedürfnis haben, durch die Welt zu reisen und eine längere Zeit an Orten zu verbringen, an denen die Dinge anders und in gewisser Hinsicht langsamer/entspannter laufen.
    Ich war leider noch nie in Afrika und finde es daher sehr spannend zu sehen, wie du den Kontinent erlebst.
    Liebe Grüße!

  • #6

    Julia (Dienstag, 06 Oktober 2020 21:25)

    Hi

    sehr gut geschrieben und ja vieles stimmt. Es ist aber auch das man vieles nicht in ein anderes Land übertragen kann. Das macht jedes Land zu was besonderen, aber das mit dem Plastik das, sollte es, weltweit geben damit es sich ändert und verbessert.
    Tierschutz sollte es sich auch verbessern und dem Tier entgegen kommen und das mit der Eile, ja oft wäre das besser für uns alle.

    Freue mich auf weitere Artikel von dir.

    Liebe Grüße
    Julia

  • #7

    Manuel (Mittwoch, 07 Oktober 2020 12:58)

    Sehr interessante Sichtweise! Vor allem, dass einige Themen so unterschiedlich sind. Da kann man mit dem Handy zahlen und nebenan kommt die Elefantenherde vorbei, schon Wahnsinn.
    Das es keine Hektik gibt, mag ich so oder so sehen. Es braucht Hektik um aktiv zu sein, wichtig ist wie lange diese anhält.

  • #8

    Steffi (Mittwoch, 07 Oktober 2020 14:11)

    Huhu,
    ein wirklich lesenswerter und wichtiger Beitrag, denn er zeigt auf das Afrika halt nicht nur ein "zurück gebliebenes" Land ist, sondern das wir dort auch einige Dinge lernen können und versuchen sollten diese Dinge auch umzusetzen bzw manche Sichten zu ändern.

    LG
    Steffi

  • #9

    Miss Katherine White (Mittwoch, 07 Oktober 2020 15:47)

    Ich finde es wirklich schön, dass wir viel von anderen Ländern lernen können. Außerdem finde ich, dass gerade wir in Deutschland uns ein Beispiel an Afrika nehmen sollten. Es gibt Städte, in denen gibt es kein Müll auf der Straße. Das ist bei uns kaum vorstellbar.

    Mit freundlichen Grüßen
    Miss Katherine White
    work - life - balance
    https://www.miss-katherine-white.com/meine-bucket-list/

  • #10

    Isa (Mittwoch, 07 Oktober 2020 17:00)

    Wow Miriam, was ein genialer und inspirierender Beitrag! Ich hoffe so sehr, dass auch Menschen die nicht so viel reisen und die noch nicht so viele Länder außerhalb Europa bereist haben deinen Beitrag lesen und sich den ein oder anderen Gedanken machen. Auch für mich waren einige neue Aspekte dabei die echt zum nachdenken anregen. Toller Beitrag!

  • #11

    I need sunshine (Mittwoch, 07 Oktober 2020 21:48)

    Danke für den informativen Beitrag, der definitiv zum Nachdenken anregt! Auch ich muss zugeben, dass mir vieles davon gar nicht bewusst war und ich einfach total falsche Ansichten hatte. Zum Beispiel das mit dem bargeldlosen Bezahlen. Oder auch das Plastikproblem. Danke für die Denkanstöße!

    Liebe Grüße,
    Diana

  • #12

    Jana (Mittwoch, 07 Oktober 2020 22:17)

    Das ist ein wirklich interessanter Beitrag Miriam, ja man hört immer "Entwicklungsländer" und sieht hier, dass wir uns als Europäer oder als vermeintlich weiter entwickelte Menschen ruhig eine Scheibe von den Menschen aus Afrika abschneiden könnten. Gerade beim Plastikmüll! Auch finde ich den Termindruck und Stress hier bei uns einfach furchtbar, wie oft denk ich mir, das könnte man doch lockerer sehen! PS: Als Kind konnte ich auch mit allem möglichen Spielen, mich stundenlang mit Steinen oder Gummis beschäftigen! Heutzutage muss alles möglichst viele Sinne reizen!

    Liebe Grüße
    Jana

  • #13

    Renate (Donnerstag, 15 Oktober 2020 22:38)

    Liebe Miriam,
    da sind einige Dinge dabei, die mich wirklich erstaunt haben. Bei uns wird über Afrika meistens sehr einseitig berichtet. Das mit dem bargeldlosen Zahlen auch ohne Handy finde ich praktisch. Und beim Plastikmüll könnte bei uns noch sehr viel gemacht werden. Geduld muss ich noch lernen.
    Als ich ein Kind war, haben bei uns Goethestudenten in meiner Familie gewohnt. Sie lebten praktisch mit uns. Es waren auch Afrikaner dabei. Ich habe in dieser Zeit sehr viel von ihnen gelernt.
    Liebe Grüße
    Renate

  • #14

    Oli (Donnerstag, 15 Oktober 2020 23:05)

    Hallo Miriam,

    der Begriff "Entwicklungsland" ist heute eher nicht mehr so gebräuchlich. Die ihm zugrunde liegende Vorstellung, dass es einen einzigen möglichen Entwicklungsweg von "primitiv" zu "entwickelt" geben soll, wird vollkommen zurecht von vielen Experten als eurozentristisch abgelehnt.

    Grundsätzlich finde ich deinen Ansatz gut gemeint. Aber er überzeugt mich trotzdem nicht so wirklich, weil ich finde, dass ihm so eine Romantisierung der Armut innewohnt, die ich persönlich etwas problematisch finde. Ich möchte das gerne an Beispielen festmachen.

    "Kreativität mangels Angebot" etwa findest du auch in Europa, zum Beispiel in armen Gegenden des Balkans oder bei Hartz 4-Empfängern in Deutschland. Wohlhabende Menschen in Afrika - ja, die gibt es tatsächlich - verhalten sich in dieser Hinsicht auch nicht wirklich anders als Europäer. Die Kreativität ist einfach die Kehrseite von Armut.

    Das Gleiche gilt für die "Gemütlichkeit". Natürlich kann man es gemütlich nehmen, wenn man keinen Arbeitsplatz hat und die Wirtschaft nicht wie bei uns auf Effizienz getrimmt ist. Aber das führt halt auch dazu, dass die Einkünfte niedrig sind und bleiben. Ob das wirklich so positiv ist...? Ich wage das zu bezweifeln.

    Das Plastikverbot ist deswegen in Afrika dringender nötig als in Europa, weil es schlicht an funktionierenden Entsorgungskonzepten fehlt. Klar: Rascheltüten sind natürlich auch bei uns nicht ideal, aber im Gegensatz zu den "Entwicklungsländern" (ganz schlimm ist hier Südasien mit Indien, Bangladesch usw) landet nur ein verschwindend kleiner Teil des Abfalls in der Natur. Auch hier bin ich nicht sicher, ob das nicht einfach die Sonnenseite von etwas Negativem ist.

    Und bei zwei Punkten habe ich mich gefragt, ob wir auf dem gleichen Kontinent wohnen. Wenn nicht gerade Corona ist, fahre ich von der Schweiz nach Deutschland, um dort mit Bekannten ins Kino zu gehen. Ich muss noch nicht einmal einen Ausweis mitnehmen. Landesgrenzen sind innerhalb von Europa weitgehend verschwunden. Und in meinem Umfeld kann man schlicht überall bargeldlos bezahlen - was ich übrigens aus Datenschutzgründen hoch bedenklich finde. Zwar nicht mit SMS, aber mit genügend anderen Systemen.

    Aber immerhin bei den Wölfen bin ich ganz bei dir... :)

    Liebe Grüsse,
    Oliver

  • #15

    Miriam (Sonntag, 18 Oktober 2020 17:10)

    Lieber Oliver,

    Danke für dein Feedback. Wer meinem Blog ein wenig folgt, sieht, dass ich immer bemüht bin, die Gegensätze darzustellen (siehe Titelbild Waterfront ;-)) - eine Romantisierung soll das überhaupt nicht werden und es ist doof, wenn das bei dir so ankommt. Dass Kreativität die Kehrseite von Armut ist, ist richtig (zumindest zum Teil, es führt ja auch zu Apathie) und natürlich auch die vielen Reichen auf dem Kontinent - allerdings muss man ja auch ins Verhältnis setzen, wie hoch der Anteil jeweils ist... Und das ist noch ganz anders als in Europa.

    Den Punkt Gemütlichkeit hab ich diesbezüglich noch nicht wirklich hinterfragt, danke für den Ansatz! Allerdings habe ich in meinem Umfeld in Kenia eigentlich nur Leute mit Job, da klappt das trotzdem irgendwie - auch weil sie einfach früher aufstehen.

    Mit dem Handy zu zahlen ist hier in Deutschland in meinem Umfeld inzwischen in den Supermärkten möglich, aber überall sonst ist das noch enorm schwierig bis unmöglich. Bin heute zum ersten Mal seit Ewigkeiten vom Flughafen aus in Hannover mit dem Taxi gefahren, nicht einmal Kartenzahlung möglich. Da sind Kenia und Tansania mit M-Pesa schon deutlich weiter (und auch schon viel länger deutlich weiter).

    Grenzen gibt es ja nicht nur in der Realität, sondern auch in den Köpfen. Europa und EU/Schengen ist seit einigen Jahrzehnten innerhalb offen - aber es gibt sehr viele Menschen, die denken, man müsste Europa nach außen schützen (übrigens auch gegenüber anderen EU-Ausländern wie Rumänen oder Bulgaren...). Das habe ich in Afrika nie so erlebt. Wie gesagt, Nationen Building und Grenzziehungen sind in Europa entstanden und von dort aus ausgebreitet worden. Die europäische Öffnung ist also ein Prozess gewesen.