Bucketlist-Ziel in Äthiopien: Salzwüste Dallol und Vulkan Erta Ale in der Danakil-Senke

Die Landschaft sieht aus wie von einem anderen Planeten. Rot, braun, grün, weiß, orange leuchtet das Salz, das absurde Formen angenommen hat. Wie auf einem Korallenriff geht man. Der Schwefelgeruch ist kaum aushaltbar. Es blubbert und dampft. Dallol im Norden von Äthiopien ist ein ganz besonderer Ort und die absurdeste Landschaft, die ich je gesehen habe. Alles hier besteht als Salz und ist hochgiftig. "The colorful place" ist einer der Orte, die Reisende bei einem dreitägigen Trip in die Danakil-Senke erleben. Auch dabei: das Besteigen des aktiven Vulkan Erta Ale mit Blick in den Lavasee und eine unendliche weiße Salzwüste. In Salzseen wird gebadet, in Salzbergen gewandert.


Immer aggressiver riecht es. Der Schwefelgeruch, die toxischen Dämpfe machen das Atmen schwer.

 

Die Sonne scheint erbarmungslos vom Himmel. 44 Grad um 9 Uhr morgens. Zu hören ist ein ständiges Blubbern, es kommt aus den heißen Quellen im ewigen Salz, blubbert aus Salzkegeln heraus.

 

"Seid vorsichtig, bitte nichts berühren!", ruft der Guide immer wieder. Berührt Haut den Boden, wird sie einfach verbrannt und weggeätzt.

 

Willkommen in Dallol in Äthiopien, dem toxischsten Ort, den ich je gesehen habe. Jedes Salzkorn, jedes Duftmolekül, einfach alles an diesem Ort hier schreit einen förmlich an, dass Menschen hier wahrlich nichts zu suchen haben. 


Dallol, kein Ort zum Leben. Zum Überleben. Und doch war ich drei Tage dort.

 

Drei Wochen lang wird mein Körper nach dem Besuch mit den Folgen der giftigen Dämpfe zu tun haben.  


Reisen in Äthiopien: die faszinierende Danakil-Senke

Ein Ort, den ich UNBEDINGT mal gesehen haben wollte: Dallol in der Danakil-Senke. Die Bilder der bunten Quellen und dieser absurden Landschaft haben mich sofort fasziniert und sind sofort auf meiner Bucketlist gelandet.

 

Bei meiner ersten Reise nach Äthiopien war ich echt traurig, dass das zeitlich nicht hingehauen hat. Also war klar, dass es bei meinem zweiten Trip nach Äthiopien soweit sein sollte. Danakil-Senke, here we go! Ab geht's in die Wüste in der Region Afar.

 

Vorab: Wer wert auf Hygiene und Komfort legt, ist auf dieser Tour falsch aufgehoben. Es ist unfassbar heiß. Man sitzt stundenlang im Auto. Man schläft unter freiem Himmel. Es gibt drei Tage - so lange dauert die Reise in die Danakil-Senke - keine Toiletten und Duschen. Es war unglaublich herausfordernd und der krasseste Trip, den ich je unternommen habe. Dennoch würde ich es nicht missen wollen, denn der Ort ist von einer anderen Welt.


Die Danakil-Senke ist unter verschiedenen Namen bekannt. Im Deutschen spricht man auch vom Afar-Dreieck oder von der Afar-Senke, im Englischen ist der Begriff Danakil Depression weit verbreitet. Der Begriff Afar leitet sich von den dort lebenden Menschen ab: Die ethnische Gruppe der Afar, die im Grenzgebiet zwischen Dschibuti, Eritrea und Äthiopien heimisch sind.

Der Begriff Danakil Depression beschreibt hingegen die Geologie des Gebiets gut: Es handelt sich um ein Areal, das aus tektonischen Gründen abgesunken ist und deshalb tiefer als der Meeresspiegel liegt. 

 

Die Danakil-Senke ist etwa 175.000 Quadratkilometer groß - also riesig, 700 Kilometer lang und 500 Kilometer breit und erstreckt sich nicht nur über Äthiopien, sondern auch über Dschibuti, Eritrea und Somalia (beziehungsweise Somaliland). Drei aktive Grabenbrüche treffen in der Danakil-Senke aufeinander und sorgen für eine Dehnung der Erdkruste.  

 

Eine Besonderheit in der Danakil-Senke: Es regnet so gut wie nie. Weite Teile des Gebietes sind Wüste, überzogen von Steinen, Sand oder erkalteter Lava. Einige nomadische oder halbnomadisch lebende Menschen, hauptsächlich Afar, ziehen umher, aber es gibt nur wenige, die dauerhaft in der Danakil-Senke ansässig sind. 

 

In der Danakil-Senke gibt es einige Salzseen und etliche Vulkane, wovon auch einige noch aktiv sind. Einige davon stelle ich euch in diesem Beitrag vor.


Die endlose weiße Salzwüste Dallol in der Danakil-Senke

Es ist ein Ort, der wie eine absurde Schneelandschaft wirkt – allerdings bei rund 40 Grad. 

 

Unser erstes Ziel in der Danakil-Senke ist Dallol. 

 

Dallol heißt die Salzwüste im Norden der Danakilsenke, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Eritrea entfernt. Früher war Dallol mit dem Roten Meer verbunden, dann aber setzte sich die Senke ab und übrig blieben nur Abertonnen von Salz. Zehn Kilometer soll die Salzschicht hier sein. 

 

Nach acht Stunden Fahrt plus Pause zum Mittagessen (mit einem Fahrer, einem bewaffneten Security Guard, einem malaysischen Touristen und einer äthiopischen Touristin im Jeep - zum Glück mit Klimaanlage!) durch eine Landschaft, die nur aus Steinen, Sand und Lava bestand, wirkt das alles unwirklich. Zur Fahrt erzähle ich euch weiter unten noch mehr, erst einmal will ich mich auf den Ort fokussieren. Und der war wirklich surreal: Beim Aussteigen aus dem Auto knistert es. Überall sind kleine Pfützen mit glasklarem Wasser. Ich möchte nicht wissen, wie salzhaltig das ist. 

 

Wie groß die Wüste genau ist, weiß ich nicht, aber es sieht nach absoluter Unendlichkeit aus. Ich sehe nur weiß. Weiß bis zum Horizont. Manchmal glitzert es, wenn die Salzkristalle oder das zu Wasser geschmolzene Eis die Sonne reflektiert. 

Am Horizont senkt sich die Sonne langsam. Das Ziel war, zum Sonnenuntergang in Dallol anzukommen und das schaffen wir auch. Aus dem Kofferraum holt der Guide, der mit drei britischen Touristen in einem weiteren Jeep saß, eine Kühlbox mit Cola, Fanta, Bier und nach der ersten großen Foto-Session stoßen wir mit unserem ersten Sundowner an. 

 

Während wir langsam zusammenpackten, konnten wir in der Ferne heranrollende Fahrzeuge erkennen. Die Lastwagen mit den Arbeitern. Sie kommen nachts, wenn die Hitze nicht ganz so schlimm ist, und bauen das Salz ab, um es zu verkaufen. 

 

Über Nacht fuhren wir in unser Camp, allerdings sagte der Guide schon abends, dass wir den Sonnenaufgang ebenfalls hier in der Salzwüste Dallol schauen würden. Im Dunklen erreichten wir Dallol am nächsten Morgen und sahen langsam, wie Rot und Weiß das dominante Schwarz ablösten. Es lag eine herrliche Ruhe über dem Ort und auch wenn es schon ziemlich warm war (Tiefstwert in der Nacht waren 35 Grad), war es doch angenehmer als am Abend.

 

Während wir Fotos von uns, der aufgehenden Sonne, der Landschaft und den Wasserspiegelungen machten, wurde das Frühstück aufgebaut. Was ein Ort, um in den Tag zu starten!


The Colorful Place: Heiße Quellen und buntes Salz in Dallol

Mein großes Highlight des dreitägigen Trips in die Danakil-Senke stand am zweiten Morgen an: 30 Kilometer von der schneeweißen Salzwüste entfernt gibt es noch weitere Quellen, die zu Dallol gehören. Sie werden "the colorful place" genannt und es ist ein Ort wie von einem anderen Planeten. 

 

Die 30 Kilometer legten wir auf dem Dach des Jeeps zurück. Und es war herrlich, denn die Sonne war noch nicht ganz so heiß und der Fahrtwind tat unheimlich gut. Eine Sonnenbrille würde ich aber auf jeden Fall empfehlen!

 

Plötzlich wurde aus der weißen Landschaft eine rot-braune. Der Übergang war nahtlos. Vor ein paar Steinen (die sich als Salzklumpen herausstellen sollten) hielten wir mit dem Jeep und folgten unserem Guide und einem Wegzeichen. Rund 20, 30 Minuten dauert der Marsch, über Stock und Stein, ohne festen Untergrund, leicht bergauf. Es war nicht immer einfach herauszufinden, welcher Stein fest war und auf welchem man einfach abrutscht, aber wir schafften es alle unfallfrei nach oben. 

 

Bewunderten wir auf dem Weg noch die Steinformationen und schnauften ob der Anstrengung, stellten wir irgendwann fest, dass es farbenfroher zu werden begann. Dallol. Wir waren jetzt wirklich da. Da, wo ich hinwollte. Der Ort, der mich auf Bildern vor Jahren so begeistert hatte, dass es zu einem Traum wurde, einmal hier zu stehen. Es war so überwältigend!

Inzwischen war fast 9 Uhr und die Uhr zeigte 44 Grad an. Nirgendwo Schatten. Dafür sichtbare und unsichtbare Dämpfe, ein dauerhaftes Geblubbere, wie ich es mir in der Hölle vorstelle. Aus Salzkegeln sprudelte kochend heißes Wasser.

 

Der Untergrund war grau, da das Salz verschiedene Formen angenommen hatte. Mal ging man über Platten, mal über kleine Brocken, mal über Formationen, die wie Korallen aussahen. Mineralien, Sole und chemische Prozesse sorgen dafür, dass das Salz in dieser Ecke nicht nur weiß ist, sondern in den schrillsten Farben funkelt: rot, grün, gelb, lila, braun, orange.  

 

Es war toxisch und an manchen Stellen war der Schwefelgeruch kaum auszuhalten. Der Guide mahnte immer wieder, nichts anzufassen, weil das alles so toxisch ist, dass es uns die Haut verbrennt. Und genau so sah es ehrlich gesagt auch aus. Und so roch es. 

 

Nach anderthalb Stunden, in denen wir von einer Quelle zur nächsten gingen, hatten wir uns zwar noch lange nicht sattgesehen an dieser Landschaft, aber einige von uns merkten, dass für die eigene Gesundheit jetzt eine Grenze erreicht war. Und so machten wir uns auf den Rückweg.


Dallol und ein Besuch in den Salzbergen

Nur drei, vier Minuten mit dem Auto sind die Salzberge vom "colorful place" entfernt. Damit waren sie unser nächster Anlaufpunkt. Die Salzberge sind einige wenige Felsen und Berge, die komplett aus Salz bestehen und mitten in der Wüste stehen.

 

Sie sind weiß-rötlich-bräunlich und ohne den Geruch und das Wissen, dass es Salz ist, hätte ich das nie als Salzformation erkannt. Wir hatten zum Glück, im Gegensatz zu einer weiteren Gruppe Touristen (wir waren etwa 15 Leute beim "colorful place" und danach bei den Salzbergen), von unserem Guide gesagt bekommen, dass wir die Schuhe anlassen sollen. Denn auch zwischen den Bergen stand das Wasser durch geschmolzenes Salz und eine Frau blieb auch richtig stecken mit ihren Flipflops und musste barfuß weitergehen.

 

Der Weg ist nur kurz, vielleicht zehn Minuten. Als wir von den Bergen umgeben waren, kletterten wir auf einen der Salzberge hinauf und genossen die Aussicht, die wirklich toll war. Vor allem aber war uns heiß und der Berg machte uns ein klein wenig Schatten. Dann machten wir uns auf den Rückweg und wurden dankenswerterweise mit frischer Wassermelone empfangen. Wie gut das tat nach all der Anstrengung! Und die Schuhe wurden auch direkt weggepackt.


Dallol: Floating in einem kleinen Pool in der Salzwüste

Ein letztes Highlight in Dallol wartete noch auf meine Sechser-Gruppe, nachdem die anderen Touristinnen und Touristen das schon am Vorabend "erledigt" hatten. 

 

Zwischen den Salzbergen und der weißen Salzwüste gab es ein kleines Loch im Boden - umgeben von Salz ist hier ein natürlicher Pool entstanden. Er ist super klein und viele Menschen passen nicht gleichzeitig rein - beim Floating, also auf dem Rücken liegen, hat nur eine Person Platz. 

 

Weil das Salz in diesem Pool so konzentriert vorkommt, ist der Salzgehalt höher als im Toten Meer!

 

Dennoch lass ich es mir ja nicht zweimal sagen, wenn sich die Chance auf ein Bad ergibt. Allerdings war das Wasser über 40 Grad warm und taugte nicht wirklich als Abkühlung. Beim Ein- und Aussteigen aus dem Pool musste man enorm aufpassen, weil die Kanten so scharf sind. Auch wenn ich sonst super tollpatschig bin, war ich tatsächlich die einzige, die sich nicht geschnitten hat! 

 

Ich hatte ein paar Momente im Pool und auf einer Ebene mit dem ganzen Weiß war auch herrlich. Dennoch war es einfach zu heiß als dass ich es hätte richtig genießen können. Deshalb kletterte ich wieder aus dem Loch und freute mich, dass es im Anschluss eine kurze Dusche aus Wasserflaschen gab! Der Fahrer hatte Frischwasser in Kanistern gesammelt und jeder von uns durfte sich anderthalb Liter über den Kopf schütten. Es war großartig - fast das beste an dem Bad. 

 

Bevor wir uns auf den Weg zum nächsten Stopp machten, kehrten wir im Camp ein. Dort gab es Mittagessen, eine Ruhepause und wir nahmen an einer Kaffeezeremonie im Dorf nebenan teil. Das Dorf ist zuletzt etwas gewachsen, weil nomadische Gruppen in der Gegend sesshafter werden, weil die Bedingungen einfach zu hart sind. Im Dorf gibt es immerhin ein klein wenig Infrastruktur wie Strom (manchmal) und Wasser (manchmal). 

 

Viel interessanter als den Kaffee fand ich angesichts der Hitze die "Cooling Bottles", die wir kaufen konnten. Plastikflaschen mit Wasser gefüllt direkt aus der Kühltruhe. Die hat zwar nicht soooo viel geholfen, weil die kalte Fläche viel zu klein war, aber immerhin konnte man sich mal kurz Nacken, Stirn, Beine oder Arme "erfrischen". 


Sprudelnde Lava: Besuch beim aktiven Vulkan Erta Ale

Am Nachmittag fuhren wir rund vier Stunden zum Vulkan Erta Ale. Für viele in der Gruppe war das das Highlight der Tour. Der aktive Vulkan kann bestiegen werden und man kann direkt in den Krater mit der roten heißen Lava gucken.

 

Der Erta Ale ist 613 Meter hoch und liegt ein ganzes Stück südlich von Dallol. Der Vulkan ist noch aktiv und hat auch einige Male in den vergangenen Jahren Lava gespuckt, die auch übergelaufen ist. Der letzte richtige Ausbruch datiert aber auf das Jahr 2009. 

 

Der Erta Ale gehört zu einer Vulkankette, ist an sich aber recht einzigartig. Denn er gehört zu den wenigen Vulkanen weltweit mit einem Lavasee im Krater.  

 

Wir schlugen unser Camp rund 20 Gehminuten vom Kraterrand entfernt auf. Und dann ging es kurz vor Sonnenuntergang hinauf auf den Erta Ale. Das erste Stück war einfach und flach, dann wurde es steiler. Zum Schutz sollte man einen Schal oder ähnliches dabei haben (stand auch im Programm), denn die Dämpfe hier sind enorm giftig. Oben am Krater gibt es ein kleines Loch, durch das man direkt auf den Lavasee blicken kann und die sprudelnde rotleuchtende Lava sieht. 

 

Ich hatte leider schon so dolle mit Magen-Darm-Problemen zu tun und war nur noch am Übergeben. Die Giftstoffe am Morgen hatten mir wohl ordentlich zugesetzt. Ich dachte, dass sich das schon wieder legen würde und da am nächsten Morgen noch ein weiterer Gang geplant war, wollte ich mich einfach ausruhen und am nächsten Morgen mit nach oben. 

 

Leider ging es mir am nächsten Morgen noch dreckiger und ich konnte damit nicht mit hoch - und kann daher auch nicht soooo viel zum Weg berichten. Die Gruppe brach im Dunklen auf und ging noch einmal hoch zum Sonnenaufgang. Sie besuchten erst noch einmal das Gucklock und brachen dann zu einem Marsch (wohl nicht so anstrengend) um den Krater herum auf, ehe sie wieder zu uns abgestiegen sind.

 

Die Fotos hat mir mein lieber Mitreisende Ming zur Verfügung gestellt, damit ich euch ein wenig mitnehmen kann.


Floaten zwischen Salinen im Lake Afdera

Der dritte Morgen unserer Reise in die Danakil-Senke war angebrochen und damit auch die Zeit, uns langsam auf den Rückweg zu machen. 

 

Vom Erta Ale ging es für uns zunächst nach Afdera. In dem Dorf hatten wir schon auf dem Hinweg für die Mittagspause gehalten. Dieses Mal hatten wir noch einen weiteren Grund zu kommen. Nebst dem erneuten Mittagessen stand auch noch ein Besuch am Lake Afdera, einem Salzsee, auf dem Programm.

 

Der Lake Afdera wird zur Salzgewinnung verwendet, deshalb hat sich am Ufer auch das Dorf gegründet. Allerdings gibt es etwas außerhalb auch einen Strand zum Baden. Direkt daneben ist eine Frischwasserquelle, ein kleiner Bachlauf mit einem kleinen Pool - was super schön aussieht.

 

Ich hatte mir fest vorgenommen, ins Wasser zu hüpfen. Erst wollte ich aber Fotos von der Umgebung machen und hielt dabei auch meinen Fuß ins Wasser. Es war so heiß! Die Außentemperatur in Afdera war mit 38, 39 Grad etwas humaner als in Dallol, aber das Wasser war deutlich heißer als der kleine Salzpool in Dallol. Nachdem ich festgestellt hatte, dass die natürliche Quelle, die wirklich wie ein Paradies zum Baden aussah, sogar noch wärmeres Wasser führte, traf ich die Entscheidung, nicht baden zu gehen. Ich wollte meinem Körper nicht noch mehr zumuten.

 

Unser Fahrer und unser Guide hingegen genossen die Zeit im Frischwasser-Pool total. Auch sie konnten sich ja drei Tage nicht waschen oder duschen.  


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Danakil-Senke in Äthiopien: Schlafen unter den Sternen

Eine "Tausend-Sterne-Unterkunft" hieß es in der Beschreibung - und das traf auch absolut zu. Denn beide Nächte in der Danakil-Senke haben wir in der Wüste unter freiem Sternenhimmel verbracht.

 

Das erste "Camp" bestand aus einem geschützten Raum, der als Küche genutzt wird, ein paar Planen und sonst nichts, etwas außerhalb (aber fußläufig) von einem Dorf in Dallol. Unsere kleine Reisegruppe von sechs Leuten in zwei Jeeps traf auf rund 15 Reisende anderer Gruppen, mit denen wir beim Abendessen zusammensaßen und quatschten.

 

Geschlafen wurde auf einer Art Feldbett unter freiem Sternenhimmel, was bei 35 Grad mitten in der Nacht doch seeeeehr warm war. Dafür sahen wir zahlreiche Sterne und Sternschnuppen und wurden nachts von einer Ziege geweckt, die den nomadischen Gruppen gehörte, die hier durchgezogen sind - sie schleckte an unseren Oberarmen. Das war übrigens richtig unheimlich - man wacht auf und guckt in das Gesicht einer schwarzen Ziege...

Das Bett war erstaunlich bequem und Matratze, Kissen und Decke wurden vom Anbieter gestellt. Dafür war es insgesamt erstaunlich hell - der Mond strahlte so krass, dass es wirklich nicht dunkler als Dämmerung wurde.

 

Toiletten oder ähnliches gab es nicht. Wir erhielten nur den Hinweis, nicht Richtung Dorf ein Klo zu eröffnen, sondern raus Richtung Wüste. Zum Glück war es nicht ganz hell und daher störte die offene Weite (und die fehlenden Steine, hinter denen man sich verstecken kann), nicht so dolle. Zum Zähneputzen nutzten wir Trinkwasser.

 

In der zweiten Nacht haben wir unser Lager rund 20 Minuten vom Kraterrand des Erta Ale aufgebaut. Dieses Mal hatten wir den Komfort der Feldbetten leider nicht, sondern mussten uns mit Matratzen auf dem Boden genügen. Dafür gab es einige Steine, die waren teils auch angeordnet, weil hier vor einer Weile ein halbnomadisches Volk hauste. Hier konnte man sich dann auch besser ein Plätzchen als Klo suchen, weil es geschützter war.

 

Das Schlafen war spannend, denn zwischen unseren Matratzen rannten Mäuse rum und es gab auch mehr Insekten als in Dallol. Insgesamt wurde leider auch einfach sehr, sehr viel Müll hinterlassen. Dafür war es nicht mehr ganz so heiß wie in Dallol und wir konnten wieder mit Blick in den Sternenhimmel schlafen.


Danakil-Senke in Äthiopien: So kommst du hin

Die Danakil-Senke liegt im Nordosten von Äthiopien an den Grenzen zu Eritrea, Somalia und Dschibuti. Von Addis Abeba sind es Luftlinie rund 600 Kilometer nach Dallol, aber die Strecke ist ewig weit.

 

Meine Tour startete in Semera und endete in Semera oder Mekele. Von Addis Abeba gibt es merhfach täglich Flüge dorthin. Wer direkt von Semera aus nach Dallol starten will, nutzt den Flug um 6.45 Uhr morgens. 

 

Abgeholt wurde ich dann, genau wie vier der anderen fünf Reisenden, um 8 Uhr am Flughafen von Semera. Wir fuhren erst noch frühstücken in Semera selbst und wir lernten uns als Gruppe kennen. Pro Jeep sind maximal drei Touristinnen und Touristen vorgesehen, dazu kommt jeweils ein Fahrer und pro Gruppe ein Guide und ein Security-Guard, der in Afdera zusteigt. Bis Afdera hatten wir das Glück, dass wir nur zu viert im Auto waren und gut Platz hatten, während die anderen von Beginn an zu fünf im Auto saßen. 

 

Spannend fand ich, dass es keine klassische Touristengruppe war. In meiner Gruppe war eine junge Äthiopierin aus Addis Abeba, ein Malaysier, der auf einer Konferenz in Addis Abeba war und ein paar Tage drangehängt hat, sowie drei Briten, die in Somaliland in der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten. Und ich, die eigentlich als Journalistin im Land war.

Von Semera aus fuhren wir dann mit dem Auto. Der erste Teil war auf einer asphaltierten Straße, ab Afdera ging es dann nur noch auf Schotterpisten weiter. Ich hatte null Orientierung, die Pisten sind auch nirgendwo eingezeichnet! Zu Beginn zeigte sich vor allem eine sehr karge Wüstenlandschaft, später fuhren wir durch Vulkanlandschaften und Wüste und sahen vor allem Kamele, Steine, Sand, Ziegen, Salz, Lavagestein, Esel.

 

Inklusive einer einstündigen Mittagspause in Afdera (da gab es auch eine Art Toilette) haben wir rund neun Stunden bis nach Dallol gebraucht. Zwei weitere kurze Foto-Stopps machten wir an den weißen Sanddünen, die aus dem Nichts in der ansonsten schwarzen vulkanischen Landschaft auftauchten, und an einem Lava-Feld. 

 

Die Rückfahrt war nicht ganz so lang, weil wir schon bis zum Vulkan Erta Ale gekommen waren. Ich entschied mich spontan meinen Flug umzubuchen, weil die anderen beide von Mekele zurückgeflogen sind. Bei Ethiopian Airlines geht das zum Glück völlig problemlos. Und die Strecke war auch echt schön. 

 

Mekele liegt im Tigray, also im Hochland, und es war viel grüner und die Aussicht oft toll. An mehreren Stellen saßen Paviane am Straßenrand - und nach den zweieinhalb Tagen in der Hitze konnten wir endlich ohne Klimaanlage im Auto sitzen - nur mit geöffnetem Fenster! Gegen 16.30 Uhr kamen wir in Mekele an, rechtzeitig zu unserem Flug am frühen Abend.  


Danakil-Senke in Äthiopien: Das kostet der Trip

Vorab, individuell ist die Danakil-Senke nicht wirklich zu bereisen. Es gibt keine offiziellen Straßen und man würde einfach sofort verloren gehen. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es ebenso nicht.

 

Dass ich eine Tour buche, war also von Beginn an klar. Ich habe bei Origin Land Ethiopia über GetYourGuide gebucht. Durchgeführt wurde die Tour nach Dallol und zum Erta Ale aber von Ethio Travel and Tours, dem größten Anbieter in Äthiopien. Es gibt schlicht so wenig Tourismus, dass die Buchungen verschiedener Agenturen zusammengelegt werden. 

 

Die Tour hat rund 350 Euro gekostet für die drei Tage, dazu kamen die Flüge von und nach Addis Abeba, die bei etwa 140 Euro lagen. 

 

Es hat alles wunderbar geklappt, es gab vorab einen WhatsApp-Kontakt, sodass ich gut kommunizieren konnte und am Flughafen wurde ich auch direkt vom Fahrer in Empfang genommen. Ein Manko war nur, dass der Guide nicht so wahnsinnig kommunikativ war und wir oft nicht wussten, wie der Plan aussieht, was ansteht - und er höchstens auf Nachfragen reagiert hat.


Danakil-Senke in Äthiopien: Die Packliste

Es ist unfassbar heiß, es ist staubig, es ist trocken, es wird im Freien geschlafen und es gibt für drei Tage weder Toilette noch Dusche noch Strom. Die Danakilsenke in Äthiopien ist definitiv eine Herausforderung. Und ich hatte beim Packen nicht an alles gedacht, wie sich auf meinem Trip zeigte. Daher gibt es ein paar Tipps bezüglich Packliste: 

 

Was du auf jeden Fall einpacken solltest: Feuchte Tücher, Toilettenpapier (unser Guide hatte nicht ausreichend dabei), ein Halstuch/eine Maske (gegen die toxischen Dämpfe in Dallol und auf dem Vulkan), eine Stirnlampe, eine gute und voll geladene Powerbank, feste Schuhe für die Tour zum Colorful Place in Dallol, Flipflops für die Zeit am See, im Auto, im Camp, kurze Schlafkleidung (du schläfst im Freien neben fremden Menschen), Haargummi, Sonnenbrille (es ist alles weiß, das kann für die Augen gefährlich sein), Badekleidung (für den kleinen Pool in Dallol und den Salzsee in Afdera), Sonnencreme und Kopfbedeckung (gegen die Sonne), Seife oder eine Mini-Flasche Duschgel zum Waschen von Händen und Gesicht, Elektrolytelösung gegen Verlust von Nährstoffen und Mineralien wegen des vielen Schwitzens und im besten Fall eine kleine Notfallapotheke mit Mitteln gegen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Hätten meine Mit-Camper keine Medizin, kein Toilettenpapier und keine Elektrolytelösung dabei gehabt, wäre ich aufgeschmissen gewesen, denn die toxische Umgebung schlug mir krass auf den Magen.

 

Ich hatte zudem einen Fächer dabei und ein Mit-Camper einen kleinen batteriebetriebenen Miniventilator - um den habe ich ihn öfter beneidet, weil es wirklich absurd heiß war. 

 

Daheim bleiben kann jedwede dickere Kleidung. Ich dachte, in der Wüste sei es nachts frisch. Joah, es waren 35 Grad nachts. Außerdem hatte ich unnötigerweise Moskitospray dabei - in der Hitze gibt es keine Moskitos. Ach ja, an einem Ort, an dem es an genau 0 Tagen im Jahr regnet, braucht man natürlich auch keinen Regenschutz.


Ausflugsziele rund um die Danakil-Senke in Äthiopien

Wenn du schon einmal im Norden bist und mehr Zeit hast, um Äthiopien zu bereisen, dann gibt es ganz in der Nähe noch viele weitere Highlights, die du mit einem Trip in die Danakil-Senke kombinieren kannst. 

 

Mekele ist beispielsweise auch ein guter Ausgangspunkt, um die historische Paläste- und Schlösserstadt Gondar, die Felsenkirche Lalibela oder die heilige orthodoxer Stadt Aksum zu erkunden.  Aksum ist rund 200 Kilometer entfernt (circa 4 Stunden im Auto), Lalibela rund 300 Kilometer (circa 7 Stunden im Auto).

 

Viele Touranbieter haben Programme, die Danakil-Senke und Aksum sowie Lalibela inkludieren. Gondar  ist noch einmal rund 350 Kilometer und acht Stunden Fahrzeit von Lalibela entfernt. Dabei kommt man auch nah an Bahir Dar vorbei. Bahir Dar hat nicht nur zahlreiche historische Stätten wie Klöster und Kirchen, sondern ist auch an den Tanasee angebunden. Der Tanasee ist Quelle des Blauen Nils, der größte See des Landes und seit zehn Jahren Unesco-Biosphärenreservat. 


Mein Fazit zum Trip nach Dallol und in die Danakil-Senke

Dallol stand schon lange auf meiner Bucketlist. Ich weiß trotzdem nicht, ob ich genaue Vorstellungen hatte. Ich glaube nicht. Die Farben und alles drum herum waren genau so, wie ich es mir erhofft habe. Allerdings hatte ich diese Gerüche und Dämpfe, die extreme Hitze, die Anstrengung in dem Ausmaß, nicht auf dem Schirm.


Trotzdem: Die drei Tage in der Danakil-Senke, vor allem die Zeit rund um die Salzwüste Dallol, waren das Highlight meines zweiwöchigen Äthiopien-Aufenthalts. Es war so besonders, einfach wie von einem anderen Planeten. 

 

Den Komfort habe ich etwas vermisst und ich hätte mich angesichts von Hitze, Schweiß und Staub auch gerne öfter mal abgeduscht oder eine vernünftige Toilette benutzt, aber das Schlafen unter dem Sternenhimmel hat für soooo viel entschädigt. Es war einfach wundervoll.

 

Preislich fand ich die Tour auch absolut im Rahmen, immerhin war Essen und Wasser auch inkludiert. 500 Euro für drei Tage inklusive Flügen und all den Kosten für den Jeep ist angemessen und ich würde es jederzeit wieder tun - wenn es das erste Mal wäre! Noch einmal muss ich mir die Strapazen nicht antun, aber jeder, der diesen unwirklichen Ort sehen möchte, sollte das definitiv tun!


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Kommentare: 8
  • #1

    Mo (Freitag, 24 Oktober 2025 14:43)

    Oh Wow, liebe Miriam, Dallol und Erta Ale klingen nach einem absolut spektakulären, aber auch extremen Erlebnis. Dafür in ich glaube ich nicht gemacht. Aber neugierig das selbst zu erleben, wäre ich schon. Bei deiner Beschreibung der Landschaften und Gerüche hatte ich direkt den Eindruck auf einem anderen Planeten zu sein. Erstaunlich, was es auf unserer Erde zu bestaunen gibt. Die farbigen Quellen finde ich interessant.
    Das Schlafen unter dem Sternenhimmel stelle ich mir echt schön vor, das mit den Magen-Darm-Problemen nicht. Gut, dass du darauf hinweist und praktische Tipps mitlieferst. Auch die preisliche Orientierung finde ich hilfreich, damit weiß ich, was da auf mich zu kommen würde, wenn ich den Mut finden würde, da auch mal hinzureisen. Solange genieße ich einfach deinen lebendigen Erfahrungsbericht.

    Liebe Grüße
    Mo

  • #2

    Jana (Freitag, 24 Oktober 2025 23:52)

    Da denkt man immer, man hat schon fast alles gesehen und dann stolpere ich bei dir über Bilder wie von einem anderen Planeten! Wow, einfach wow! Aber so beeindruckend ich dieses Fleckchen Erde auch finde, ich wäre bestimmt auch eine, die sich an der Kante des Naturpools geschnitten oder irgendwo falsch aufgetreten wäre! Trotzdem super beeindruckend! Und den besagten Sternenhimmel hätte ich zu gern auch gesehen!

    Liebe Grüße
    Jana

  • #3

    Lisa (Sonntag, 26 Oktober 2025 16:07)

    Ein wirklich interessanter Bericht! Ich hatte von der Danakil-Senke schon mal gehört, aber so eindrücklich beschrieben habe ich sie noch nie erlebt.

    Mit zwei Grundschulkindern wäre das für uns aktuell sicher keine machbare Reise, aber solche Einblicke finde ich total spannend. Gerade, weil man sich schwer vorstellen kann, wie Menschen (oder Reisende) überhaupt in so einer Umgebung zurechtkommen. Danke fürs Teilen der Erfahrung – das war auf jeden Fall ein ungewöhnlicher Einblick.

    Liebe Grüße, Lisa

  • #4

    Lara (Mittwoch, 29 Oktober 2025 00:41)

    Liebe Miriam,

    mit großem Interesse habe ich deinen Bericht gelesen, da ich Anfang Dezember auch die drei Tagestour plane, aber aktuell noch unsicher über welchen Anbieter. Ich bin unglaublich gespannt, was uns erwartet!
    Mich würde interessieren, wie deine Mitreisenden den Erta Ale eingeschätzt haben. War es spektakulär oder hat man weniger gesehen als erhofft? Ich habe gelesen, dass seit Juni nur noch sehr wenig Lava und Aktivität vorhanden sei. Dies war wohl bereits 2020 der Fall. In dem Zeitrahmen finden sich viele negative Bewertungen der Tour zum Erta Ale, da es nicht viel zu sehen gab, außer Müll. Wie hast du das wahrgenommen?

    Meinst du, du würdest mir deine Tour verlinken? Es gibt so Angebote hinsichtlich dieser Tour!

    Herzliche Grüße

  • #5

    Susan (Montag, 03 November 2025 16:10)

    Liebe Miriam,
    was für ein Abenteuer! Deine Fotos und die Farben haben mich völlig verzaubert, und dein Bericht hat mich richtig gefesselt. Äthiopien hatte ich bisher gar nicht auf meinem Reiseradar, aber jetzt bin ich fasziniert. Heute Abend werde ich in Ruhe auf deinem Blog stöbern und schauen, was ich dort noch alles entdecke.

    Liebe Grüsse
    Susan

  • #6

    Janine (Montag, 03 November 2025 18:12)

    Liebe Miriam,

    danke fürs Mitnehmen! Wie von einer anderen Welt trifft es absolut passend. Wahnsinn beeindruckende Fotos. Da würde ich jetzt sehr gerne hin.

    VG, Janine

  • #7

    Nadine (Dienstag, 04 November 2025 14:57)

    Mein lieber Scholli..... was für ein Trip! Ich würde mich ja eigentlich als abenteuerlustigen Menschen bezeichnen, aber ich weiß nicht, ob ich das bei 44 Grad gepackt hätte. Wobei ich auch monatelang durchs australische Outback gereist bin und da war es auch ganz schön hot. Äthiopien würde mich auch total reizen, aber mit Kindern im Gepäck (wenn auch schon Teenager) wär mir das dann doch zu krass. Sieht ja wirklich aus wie Mordor. Ich kann auch nur sagen: Wow! Da hast Du ja wirklich eine unvergessliche Reise gemacht. Als wärst Du auf einen anderen Planeten gereist. LG, Nadine

  • #8

    Ilona (Montag, 10 November 2025 20:32)

    Von den Fotos her käme das sofort auf meine Bucketlist - aber dass es so toxisch ist, lässt mich dann doch etwas zögern, ob ich das so dringend sehen möchte... also ob ich es "hautnah erleben" möchte sozusagen. Aber die Fotos sind der Wahnsinn