In den Schwalm-Auen am Niederrhein: Besuch in Brüggen

Als meine Mama mir 2009 erzählte, dass sie nach Nordrhein-Westfalen zieht, war ich ein wenig erschüttert. Brüggen, ihre neue Heimat, kannte ich zwar nicht, aber ich stellte es mir wie im tiefsten Ruhrpott vor. Doch dann kam ich an den Niederrhein, in den Landkreis Viersen zwischen Mönchengladbach und der niederländischen Grenze. Und war begeistert, wie grün es hier ist. Wenn ich heute meine Mama, ihren Mann und meine Geschwister besuche, freue ich mich auch auf die Ausflüge ins Grüne. Davon hat Brüggen viel, ob an der Schwalm entlang, im Naturschutzgebiet Brachter Wald, im Tierpark oder auch rund um die Burg. Selbst wilde Tiere wie Nutrias, Rehe, Hirsche und Wildpferde kann man entdecken.



Brüggen Zentrum: Fußgängerzone, Burg und Mühle

Die Brüggener Burg ist ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten und findet sich im Zentrum der Stadt. Gebaut wurde sie im 13. Jahrhundert von Grafen von Kessel, sie sollte eine Furt über die Schwalm schützen. Im 14. Jahrhundert wurde sie durch die Jülicher Herzöge durch eine Kastellburg aus Backstein ersetzt. 

 

Die Burg befindet sich bereits seit sehr langer Zeit in Privatbesitz - auch heute ist das noch so. Allerdings ist sie an die Gemeinde Brüggen verpachtet, die im Südwest-Turm ein Jagd- und Naturkundemuseum mit verschiedenen Ausstellungen betreibt. Zu sehen sind einheimische Tierarten (auch solche, die mal hier gelebt haben) und Waffen, die in der Steinzeit und danach genutzt wurden. Außerdem beherbergt die Burg ein Infozentrum über den Naturpark Maas-Schwalm-Nette. In einem weiteren Eingang erfolgt zudem der Zutritt zur Touristen-Information. An dem Eingang links hier auf dem Bild seht ihr den Zugang zum Standesamt - hier finden sich immer mal wieder auch Überreste von Hochzeiten, etwa Blütenblätter. 

 

In und an der Burg finden im Sommer regelmäßig Konzerte und Theateraufführungen statt, allerdings ist das Gelände, vor allem die Grünfläche zwischen Burg und Burggraben generell sehr beliebt. Hier lässt es sich herrlich entspannen, wenn es auch manchmal trubelig zugeht. Menschen, Hunde, Enten, Gänse und Nutrias teilen sich den Raum - wobei die Tiere nicht menschenscheu sind, was auch daran liegt, dass sich viele leider nicht an das Fütterungsverbot halten. 

 

 

 

Wer von der Burg zur Schwalm will, kommt an der Mühle vorbei - die auch ein wunderschönes Panorama bietet. Die Wassermühle ist heute noch in Betrieb: Das eiserne Wasserrad sorgt für den Strom in dem Gebäude, das heute ein Restaurant ist. Dort ist auch das alte Mahlwerk (hier wurde einst Getreide gemahlen) zu sehen. Nebenan ist übrigens öfter Markt, zu kaufen gibt es etwa Hüte, Schmuck und Gewürze.

 

Von der Schwalm weg Richtung Zentrum findet sich die kleine Fußgängerzone, die Klosterstraße. Weil Brüggen direkt an der deutsch-niederländischen Grenze liegt, gibt es viele Tagesbesucher; es ist daher viel los.

 

Eigentlich ist die Fußgängerzone aber ganz süß und man findet hier nicht die üblichen großen Ketten. Geschenke für Kids findet man in der Spielzeugkiste, eine Auswahl an Büchern bei der Buchhandlung am Kloster. Aber auch Billigläden wie NKD und Kodi gibt es. Wer gerne einkehren möchte: Im einstigen Eiscafé Dolomiti, das heute irgendwas mit Gelato heißt, gibt es leckere Eisbecher. Und im Pannenkoekenparadijs gibt es allerlei Pfannkuchen-Variationen.

 


Die toten Bäume an der Schwalm

Die mäandrierten Bäume an der Schwalm sind für mich der vielleicht schönste Fleck in Brüggen und machen den Ort landschaftlich zu etwas ganz besonderem. 

 

Zwischen dem kleinen Burgtheater (wo man auch gut parken kann) und der Brüggener Burg findet sich diese unglaubliche Landschaft: Hier stehen nämlich im Sumpf Dutzende tote Bäume. Dazwischen schwimmen Enten, Gänse oder auch Biber und Nutrias herum. Selbst Otter soll es hier hin und wieder geben. 

 

Sehr groß ist das Areal mit dem Totholz nicht, ein kleiner Wanderweg, der an der Schwalm entlang führt, bietet aber einige Einblicke in das Leben dort. Zwar ist das Ufer weitestgehend stark bewachsen und sehr grün und dicht, aber immer wieder ergeben sich kleine Lücken oder gar Trampelpfade. 

 

Ich war schon mehrmals an diesem Fleck, beim ersten Mal war es recht düster und bewölkt, obwohl es April war. Das größere Foto ist dabei entstanden. Es sah aus wie eine Filmkulisse und wirkte fast bedrohlich. Beim zweiten Mal war es Juni, alles drum herum erblühte in Grün-Tönen und vom Himmel strahlte die Sonne herunter. Unheimlich war da gar nichts mehr. Dafür konnten wir den Enten und ihrem Nachwuchs zuschauen und Nutrias und Fischreiher erspotten. Ein Reiher hat vor unseren Augen eine Maus gefangen und verspeist.

 


Untwegs auf dem Planetenweg in den Dilborner Benden

Den Planetenweg kannte nicht einmal meine Mama, obwohl sie nun schon fast elf Jahre in Brüggen lebt. Meine Schwester hat ihn entdeckt und ihn uns beim letzten Besuch gezeigt. 

 

Beim Planetenweg handelt es sich um ein Schulprojekt, Schüler haben ihn gestaltet. Auf fünf Kilometern Länge (die Gehzeit wird mit rund einer Stunde angegeben) finden sich hier verschiedene Stationen, jede davon ist einem Planeten gewidmet. 

 

Ausgangspunkt ist die Sonne an der Kreuzung Deichweg und Nauenweg, nur wenige Fußminuten von der Brüggener Burg entfernt. Am besten haltet ihr euch an den Wegweiser, der zum Klärwerk führt. In einer Runde kann man dann nach und nach die verschiedenen Planeten kennenlernen - und auch, wie klein sie im Verhältnis zur Sonne so sind. Von der Sonne geht es zu Merkur, Venus, Erde, Mars und Jupiter. 

 

Dann macht der Weg in die Dilborner Benden eine Linkskurve, 600 Meter weiter findet sich dann Saturn. Über Uranus und Neptun geht es schließlich zurück zur Sonne. Eine detaillierte Wegbeschreibung mit Karte gibt es online.

 

 

Wir haben die Tour nicht ganz zu Ende gemacht, sondern sind nur bis zum Mars gekommen. Der steht in der Nähe eines Insektenhotels und unweit eines kleinen Weihers. Der Ort ist eigentlich als Tummelplatz der Nutrias bekannt, allerdings haben sie sich bei meinem Besuch nicht gezeigt. Stattdessen warteten einige Enten und ein recht großer Reiher. 

 

Am Ufer stehen einige Sitzbänke, bei Google eingetragen als "Sitzbänke zur Entenbeobachtung". Auch eine Liege gibt es. 

 

Wer dem Weg noch etwas weiter folgt, hat zur linken Hand wieder die Schwalm. Bei der Sitzbank, die ihr nach wenigen Metern seht, lohnt sich ebenfalls noch eine kleine Pause. Dort finden sich kleine Stromschnellen. Einige Anwohner nutzen diesen Ort auch, um in der Schwalm zu planschen.

 


Folgst du mir eigentlich schon? 

 

auf Instagram und Facebook?

Dort siehst du regelmäßig Reisefotos und wirst über
neue Blogbeiträge umgehend informiert! 

 



Brachter Wald: Rehe und Wildpferde im Ex-Militärgebiet

Der Brachter Wald ist ein einstiges Militärgebiet und einige Spuren zeigen das auch heute noch. Einige Bunker sind erhalten geblieben - heute wird darin in der Jagdsaison beispielsweise das tote Wild und Jagd-Ausstattung aufbewahrt. Auch Teile von Gleisen sind noch zu sehen. 

 

Es gibt mehrere ausgeschriebene Wege durch den Brachter Wald, unter anderem ein Rundweg für etwa 20 Minuten und einer für rund eine Stunde. Unterwegs gibt es auch Sitzbänke, um die Aussicht zu genießen. Es gibt auch eine Aussichtsplattform, bei meinem letzten Besuch war die allerdings nicht mehr zugänglich. Die Plattform selbst war noch zu sehen, doch das Holz war enorm morsch und teils brüchig und die Treppe, die normalerweise hinaufführt, war abgebaut. Allerdings liegt die Plattform auf einem Sandhügel, sodass man auch ohne Treppe ganz gut hinauf kommt und neben der Holz-Plattform gucken kann. 

 

Das Gebiet, in Brüggen als "Depot" bekannt, ist recht groß und hier finden sich inzwischen wieder allerlei Tiere. Ich habe bisher bei jedem Besuch Rehe und Hirsche gesehen und beim letzten Mal sogar ein halbes Dutzend Wildpferde - zwei haben sich gerade auch miteinander vergnügt.

 

Nicht nur von der Aussichtsplattform aus kann man einen Blick wagen, immer wieder bewegt es sich im Wald neben einen. Außerdem gerieten wir in eine riesige Schaf- und Ziegenherde. Da war einiges los und man konnte die Tiere schon von weiter Ferne riechen. 

 

 

Im Eingangsbereich, von Born/Brüggen kommend, gibt es auch eine Kunstaktion. Der portugiesische Künstler Claudino Milheiras hat dort mit bunten Farben hantiert und beispielsweise Pfosten und die Straße bemalt, aber auch Vogelhäuschen oder bunte Plastikblumen an den Bäumen befestigt.

 


Sehnsuchtsort: Borner See

Da meine Mama nur wenige Gehminuten vom Borner See entfernt wohnt, ist das eigentlich Pflichtprogramm bei jedem Besuch. Ein guter Spaziergang am See entlang und dabei quatschen und die Neuigkeiten austauschen. Generell kann man hier auch mehr Zeit verbringen, es gibt zahlreiche Stege, Sitzbänke und auch einen Picknick-Platz. 

 

Rund um den See führt ein Pfad, Patschelpfad genannt, nach dem Otter Patschel aus dem Roman "Patschel vom Schwalmtal" von Heinrich Malzkorn. Eine Bronze-Statue steht auch am Brunnen vor der Borner Kirche, die direkt am See liegt. 

 

Der See ist 127 Hektar groß und bietet durch die üppige Flora ein wunderschönes Ziel, um genussvoll spazieren zu gehen. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, hört man überall Vögel zwitschern und über die Schwalm sind auch manchmal Nutrias hier zu sehen. Der See ist direkt mit dem Kranensee verbunden, über wunderschöne Holzbrücken kann man entweder eine große Runde gehen - oder die erwähnte kleinere (dann muss man über die Brücke). 

 

 


Das Innere Kind wecken im Brüggener Tierpark

Der Brüggener Tierpark hat nicht die spektakulärsten Tiere, aber ist definitiv einen Besuch wert. Hier leben beispielsweise Kängurus, Maras, Erdmännchen, Nasenbären und 

 

Ganz günstig ist es nicht, der Eintritt liegt bei 9,50 Euro pro Erwachsenem und 7,50 Euro für Kinder ab drei Jahre. Selbst Hunde müssen 1,50 Euro Eintritt zahlen. Das recht hohe Preisniveau findet sich auch im Park, wenn man etwa in der Gaststätte etwas trinken oder essen möchte. 

 

Am Eingang gibt es zudem Futter, das für 1,50 Euro erworben werden kann. Wer gerne näheren Kontakt mit den Tieren hat, nimmt ein Päckchen mit - es lohnt sich auf jeden Fall. Allerdings achtet bitte darauf, auch wirklich nur die Tiere zu füttern, bei denen es erlaubt ist. 

 

Bei meinen ersten Besuchen gab es noch zwei Bären und einige Zebras, die werden aber inzwischen nicht mehr gehalten. Das ist auch besser so, denn für diese Tiere war der Platz wirklich zu klein. 

 

Stattdessen habe ich mich beim letzten Besuch vor allem über die Kängurus gefreut. Die hatten Nachwuchs und es war wunderschön zu beobachten, wie die Babys ihre ersten Schritte aus dem Beutel gewagt haben und sich immer wieder ganz schnell verkrochen haben. 

 

Einen Streichelzoo gibt es wie in nahezu jedem Tierpark auch, hier finden sich viele Ziegen. Ich hatte mich einfach auf einen Baumstamm gesetzt und gewartet, ob ein Zicklein zu mir kommt - und genau das ist auch passiert. Ein Jungtier ist auf meinen Schoss gesprungen und dort kurze Zeit später sogar eingeschlafen. Das war mega süß! Ich hätte es am liebsten mitgenommen. 

 

Zum Tierpark gehört auch ein recht großer Spielplatz, der natürlich eigentlich für Kinder ist, aber auch Erwachsenen jede Menge Spaß machen kann. Wer nicht ganz so viel toben will, spielt eine Runde Minigolf (1 Euro pro Person). 

 

Es gibt beispielsweise eine Rodelbahn (die kostet etxra, ich meine es ist 1 Euro), auf der wir uns Wettrennen geliefert haben (okay, soooo schnell ist sie nicht). Eine kleine Bimmelbahn fährt über den Spielplatz und ansonsten gibt es noch einige Klettergerüste und Schaukeln. Die Teppich-Rutsche hab ich auch schon probiert, die ist aber wirklich sehr kurz.

 

Vor zwei Jahren wurde der Spielplatz saniert und dabei wurden auch einige Geräte abgebaut. Vorher gab es beispielsweise einen Frosch, in dem man zu zweit sitzen konnte. Eine weitere Person musste das Tier durch Treten rückwärts einen kleinen Hang hochziehen und dann fuhr man hinunter und plumpste ins Wasser. 

 


PS: Du möchtest mir etwas zu dem Artikel sagen? Du hast eigene Gedanken und Anregungen, oder auch Kritik, die du einbringen möchtest? Ich freue mich über deinen Kommentar. Du kannst auch als Gast kommentieren. Hierfür musst du in das Namensfeld klicken und deinen Namen eingeben, dann öffnet sich ein Reiter, in dem du "lieber als Gast kommentieren" auswählen kannst. Wenn du deinen Kommentar nicht sofort siehst, liegt es daran, dass er erst freigeschaltet werden muss.