Die 10: Orte, die an den Holocaust erinnern

Der Zweite Weltkrieg und der Holocaust haben das Europa der heutigen Zeit geprägt. An nichts anderes wird in Deutschland und auch andernorts so sehr gedacht wie an die grausamen Verbrechen der NS-Zeit. Schon in der Schulzeit habe ich mich viel mit dem Thema auseinandergesetzt, in den vergangenen Jahren habe ich zudem einige historische Stätten und Orte besucht, von Auschwitz über das Krakauer Ghetto, von Yad Vashem in Israel bis zur Topographie des Terrors und den Unterwelten in Berlin, vom Anne-Frank-Haus in Amsterdam bis zu Schindlers Fabrik in Krakau. Ich stelle euch hier zehn Spots vor, die an diese schlimme Zeit auf eine würdevolle Art erinnern.


In deutschen Städten ist die Erinnerung an den Holocaust allgegenwärtig. Sobald man vor die Tür geht und den Blick auf den Boden richtet, findet man Stolpersteine. Seit 1992 werden diese kleinen Platten in die Gehwege eingesetzt, um an jüdische Mitmenschen zu erinnern. Sie sind vor Häusern eingesetzt, in denen Juden bis zur Deportation oder Flucht lebten und machen somit im Stadtbild deutlich, wie viele Nachbarn und Mitbürger vom Holocaust direkt betroffen waren. Mehr als 75.000 Steine sind inzwischen in Deutschland verlegt. Nebst den Stolpersteinen gibt es zahlreiche andere Museen und Denkmäler, Orte der Erinnerung und Mahnmale, die an das grausame NS-Regime erinnern. Ob der Ernsthaftigkeit der Thematik, findet ihr in diesem Beitrag zwar zehn Orte, aber keine vorgegebene Reihenfolge.


Holocaust-Mahnmal in Berlin, Deutschland

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin, auch bekannt als Holocaust Mahnmal, ist das wahrscheinlich berühmteste Mahnmal in Deutschland. Seit 2005 ist es ganz in der Nähe des Brandenburger Tors zu finden, wer von "Unter den Linden" durch das Tor hindurch geht, muss nur links abbiegen und sieht bereits die ersten der 2711 Stelen.

 

Die grauen Stelen aus Beton sind unterschiedlich groß, der Boden ist uneben und so ergibt sich eine Heterogenität und Vielfalt. Die Anlage ähnelt einem Labyrinth und die Steine werden viel genutzt: Kinder spielen verstecken, manche packen (unerlaubterweise) ihre Picknick-Sachen aus. Das führt auch immer wieder zu Kritik, denn einige meinen, dass an solch einem Ort nicht getobt oder gepicknickt werden sollte - immerhin wird hier rund sechs Millionen toten Juden gedacht. Allerdings ist der Ort vom Architekten Peter Eisenman auch so geschaffen worden dass er Ort der Begegnung ist und genutzt wird. Opfer-Nachkommen hingegen kritisieren das Verhalten gedankenloser Touristen immer wieder.

 

Unter dem Stelenfeld gibt es einen Ort der Information mit einer Ausstellung zum Leben der rund 6 Millionen Juden, die ihr Leben im Holocaust ließen.


Yad Vashem in Jerusalem, Israel

Für manche Orte fehlen einem die Worte. Denn kein Wort fühlt sich dem angemessen an, das man erlebt und gesehen hat. Auf meinen Reisen habe ich viele schlimme Dinge gesehen und viele Orte der Erinnerung an schlimme Dinge. Am prägendsten für mich allerdings war Yad Vashem, das Holocaust-Museum in Jerusalem

 

Es war anders, weil das Museum in Israel ist, in dem Land, in dem ich viele tolle Menschen getroffen haben - viele davon Juden, und die meisten haben wohl Vorfahren durch Nazi-Deutschland verloren. Ich, als Nachfahre des Tätervolkes, zu Gast im Land der Opfer. 

 

Zum anderen ist es speziell, weil ich noch nie eine derartige Flut zu dem Thema erlebt habe. Das Museum ist riesig, es gibt unzählige Exponate, kein Fleck an der Wand ist hell, denn in jedem Raum sind große Bilder aus Konzentrationslagern und anderen Lagern im Hintergrund zu sehen. Dazu laufen überall Videos, Stimmen erzählen. 

 

Eine solche Wucht und Macht von Bildern hat mich schlicht überfordert und in manch einem Raum konnte ich es kaum ertragen. Etwa, als in einem Raum in den Boden eingelassen (mit Glasdach) unzählige verkohlte Schuhe ausgestellt waren. Diese Grausamkeit, obwohl so schlicht dargestellt, war für mich nicht auszuhalten. Ich habe angefangen zu weinen und bin dann auch bewusst nach draußen gegangen, auch, um mich selbst zu schützen. 

 

 


KZ Auschwitz-Birkenau in Oświęcim, Polen

Das Konzentrationslager Auschwitz ist einer der furchtbarsten Geschichte der Menschheit und für uns Deutsche auch deshalb enorm schwierig, hier haben unsere Vorfahren furchtbares getan.

 

Dennoch, 2019 hatte ich das Gefühl, endlich bereit dafür zu sein, mir diesen Ort anzusehen und noch mehr zu verstehen, welches Leid hier geschehen ist. Es war intensiv, unheimlich intensiv, und die Tränen flossen mehr als einmal.

 

Ich weiß nicht, ob man jemals wirklich bereit ist, diesen Ort zu besuchen. Bei mir kam irgendwann der Punkt, an dem ich dachte, dass mich ein Besuch nicht mehr nachhaltig traumatisieren würde. Auschwitz ist, das sollte man bedenken, inzwischen ein touristischer Ort. Vor allem die Führung durch das Stammlager war eher ein Herumführen von Menschenmassen, sodass keine Zeit blieb, kurz zu reflektieren. Anders erging es mir in Auschwitz-Birkenau, dem Vernichtungslager, das man auch alleine besuchen darf, ohne Tour. Ihr solltet viel Zeit einplanen, das Gelände ist weitläufig und hin und wieder muss man doch mal durchatmen.


Überreste des Krakauer Ghettos in Krakau, Polen

Im Krakauer Ghetto lebten von 1941 bis zu seiner Auflösung 1943 zeitgleich bisweilen 15.000 Menschen, obwohl das Gebiet nur für 3000 Menschen ausgelegt war. Das Ghetto war vor allem eines: eine unwürdige Massenunterbringung auf dem Weg in die Konzentrationslager.

 

Das Ghetto war durch eine Mauer abgeriegelt, Überreste davon finden sich auch heute noch.Dort finden sich auch Gedenktafeln. Wer mehr über das Leben im Ghetto erfahren möchte, besuche entweder das Museum in Schindlers Emaillenfabrik oder das Museum in der einstigen Adlerapotheke (Apteka Pod Orlem).

 

Der Apotheker Tadeusz Pankiewicz, der sich durch Bestechungsgelder gegen eine Verlegung seiner Apotheke aus dem Ghetto wehrte und damit der einzige nicht-jüdische Bewohner des Ghettos war, war dort nicht nur für die medizinische Versorgung der jüdischen Bevölkerung zuständig, seine Apotheke wurde auch Zentrum des Soziallebens des Ghettos.

So finden sich im Museum zahlreiche Fotografien, aber auch Schmuck von Menschen, die Pankiewicz ihr Hab und Gut überließen, als sie deportiert wurden, damit dieser es sicher verwahre, bis sie wiederkommen würden...

  

Auf dem Platz der Helden finden sich 70 leere Stühle. Sie wurden 2005 als Denkmal angebracht und sollen symbolisieren, dass von den Tausenden Menschen im Ghetto nur noch die Möbel übrig geblieben sind. Auf dem Platz fanden auch Versammlungen statt - bevor die Menschen deportiert wurden, mussten sie auf dem Platz zusammenkommen.


Topographie des Terrors in Berlin, Deutschland

© Edwin Lee / flickr.com
© Edwin Lee / flickr.com

Wer sich für die Zeit des Nationalsozialismus in Berlin interessiert, kann die Dauer-Ausstellung "Topographie des Terrors" besuchen. Es handelt sich dabei um ein Dokumentationszentrum, das die Gräueltaten, vor allem aus den Jahren 1933 bis 1945, aufarbeitet und gilt als das größte Museum zum Holocaust in Deutschland. 

 

Mein Besuch ist schon einige Jahre her, damals, 2002, war das Museum noch an anderer Stelle. Daher kann ich das neue auch nicht beurteilen. Das Museum steht an historischer Stelle: Hier fand sich einst das Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei: Gestapo.

Ich habe mir damals nur die Freilichtausstellung angesehen, die Dauerausstellung findet sich nun im Neubau. Damals war die Freilichtausstellung auch noch nicht, wie heute, mit Glas überdacht, zumindest kann ich mich daran nicht erinnern, und es war erschreckend heiß, sodass ich nicht ganz so aufnahmefähig war. Ich erinnere mich an furchtbare Bilder und viel Text entlang der einstigen Berliner Mauer. Für mich als 16-Jährige auf Klassenfahrt war das damals etwas zu viel an Text und Bild und zu wenig Interaktion. Heute würde ich das sicherlich anders bewerten.


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Anne-Frank-Haus in Amsterdam, Niederlande

© Anne Frank House / Photographer: Cris Toala Olivares
© Anne Frank House / Photographer: Cris Toala Olivares

Das Anne-Frank-Haus ist das Haus in der Prinsengracht in Amsterdam, in der sich die berühmte Schülerin zusammen mit sieben anderen Personen von Juli 1942 bis August 1944 versteckt hielt. Der Eingang erfolgt über das Vorderhaus, ein Bücherregal dient als Eingang zum Hinterhaus. Es geht steile Treppen hoch und runter und durch enge Gänge.

 

Hier lebten also acht Menschen länger als zwei Jahre auf 50 Quadratmetern, im Dunklen. Ich kann mir die Qualen nicht vorstellen, immer mit der Angst zu leben, doch entdeckt, gequält und getötet zu werden.

 

Die Atmosphäre in dem Haus war wirklich beklemmend und es war auch ein merkwürdiges Gefühl - immerhin hat ungefähr schon jeder von diesem Haus gelesen und gehört, hat es in Filmen und Theatern gesehen. Deshalb wirkte es fast ein wenig surreal.

 

Das Museum begann übrigens erst inoffiziell: Nachdem das Tagebuch der Anne Frank veröffentlicht wurde, kamen Besucher zu dem Haus und erhielten Privatführungen. Als die im Vorderhaus angesiedelte Firma umzog, wollte ein Immobilienkonzern das Haus abreißen lassen - doch Protest regte sich. Seit 1960 dient es als Museum. Im Vorderhaus gibt es eine Dauerausstellung zur Nazi-Zeit und dem Holocaust, im unmöblierten Hinterhaus sind noch einige Relikte zu sehen, etwa alte Fotografien oder Markierungen an der Wand, die das Wachstum von Anne Frank dokumentieren.


Schindlers Fabrik in Krakau, Polen

Das Gebäude, in dem Schindler einst rund 1200 Juden vor dem Holocaust und dem Tod bewahrt hat, in dem er sie in seiner Emaillenfabrik beschäftigt hat, ist teilweise noch erhalten. Die Fabrik nicht mehr, aber das dreistöckige Verwaltungsgebäude. Und das dient heute als Museum.

 

Das Museum mit vielen interaktiven Elementen beschäftigt sich indes nicht nur mit Schindler, sondern vor allem mit Krakau vor, während und nach der NS-Zeit. Passenderweise heißt die Dauerausstellung daher auch "Krakow under Nazi-Occupation 1939-1945".

 

In verschiedenen Räumen wird gezeigt, wie sich die Stimmung veränderte und auf das jüdische Leben in der Stadt auswirkte. Wie die Menschen ins Krakauer Ghetto gezwungen wurden und deportiert und ermordet wurden.

 

An vielen Stellen hat mich das- trotz Wissens um die Geschehnisse und Besuche in Konzentrationslagern - schockiert. Hin und wieder wurde mir auch richtig schlecht, etwa wenn man durch zahlreiche Nazi- und Hakenkreuz-Fahnen gehen muss und auf neue deutsche Richtlinien hingewiesen wird (was den Einmarsch der Deutschen symbolisiert).


Universitätskirche in Breslau, Polen

Ab Februar 1945 wurde das bis dahin deutsche Breslau umzingelt und es fanden schlimme Kämpfe statt, bei denen Tausende von Zivilisten starben. Es gibt ein Ort, an dem die Ausmaße des Leids auch heute noch zu sehen sind: An der Außenmauer der Universitätskirche (von schlechtem Graffiti übermalt, wie man auf dem Bild sehen kann) sind Einschusslöcher die Zeugen dieser Zeit.

 

Kurz vor der endgültigen Kapitulation des Dritten Reiches im Zweiten Weltkrieg verlor Deutschland Breslau an die Rote Armee. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatten in Breslau die verschiedensten Menschen zusammen gelebt, aber vor allem Deutsche. Nach dem Kriegsende wurde Breslau Polen zugeteilt und alle Deutsche, die sich noch in Breslau aufhielten - viele Menschen waren vor und während der Kämpfe im Frühjahr 1945 geflohen -, wurden zwangsausgewiesen.

 

Eine der Menschen, die hier an der Universität studiert haben, ist übrigens Edith Stein. Wer ihren Spuren folgen will, kann nicht nur ihr ehemaliges Wohnhaus in der Nowowiejskastraße 38 besichtigen, sondern auch eine Gedenktafel an der Universität finden: Hier studiert Edith Stein von 1911 bis 1913 unter anderem Philosophie.


Berliner Unterwelten in Berlin, Deutschland

© Fabian / flickr.com/snapsi42
© Fabian / flickr.com/snapsi42

Auf Zeitreise in Berlin – dafür bieten sich viele Orte und Museen an. Ganz besonders aber sind die Berliner Unterwelten. An der S- und U-Bahn-Station Gesundbrunnen geht die Führung los – und zwar im Untergrund.

 

Hier finden sich nämlich große Bunker- und Schutzanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg. Zwölf verschiedene Touren gibt es durch diese Anlagen, jede legt den Fokus auf ein anderes Augenmerk.

 

Auch wenn dieses verwinkelte Bunker-System – einige alte Wegweiser sind noch zu sehen – auch als Schutzraum im Zweiten Weltkrieg diente, so hatten die Unterwelten vor allem in der Zeit des Kalten Krieges bis in die 90er Jahre eine wichtige Bedeutung für die Stadt. Hier wurden Wasservorräte und Konservendosen gelagert und die Menschen konnten sich hier auch aufhalten.


KZ Natzweiler-Struthof in Natzwiller, Frankreich

© Bram Cymet / flickr.com
© Bram Cymet / flickr.com

Das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im Elsass, dem heutigen Natzwiller, war das erste KZ, das ich besucht habe. Ich war damals in der 8. Klasse und wir haben einen Ausflug gemacht: Erst der Besuch im KZ, dann Weihnachtsmarkt in Straßburg. Klingt absurd, war es irgendwie auch.

 

Ich war damals noch ein Teenager, hatte mich aber viel mit der Thematik beschäftigt. Allerdings hatten wir damals auch einige Clowns in der Klasse, die es witzig fanden, auch an solch einem Ort Scherze zu machen - sich beispielsweise gegenseitig in Käfige zu sperren, in denen früher Menschen gefangen gehalten wurden.

 

Ich weiß, dass mich der Ort enorm berührt hat. Der Galgen, die Öfen im Krematorium, die Folterwerkzeuge und Kammern und auch all die Bilder, auch aus anderen Konzentrationslagern. Das war enorm viel für eine junge Person. Vielleicht werde ich irgendwann noch einmal alleine zurückkehren und mir diesen Ort in Ruhe anschauen. Denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass mein erster Besuch dem Horror und den Opfern nicht gerecht wurde. 52.000 Menschen mussten hier in den drei Jahren zwischen 1941 und 1944 ausharren, mindestens 22.000 verhungerten, erfroren oder wurden ermordet.


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