Das Grauen von Auschwitz

In diesen Tagen ist es 75 Jahre her, dass das Grauen in Auschwitz ein Ende fand. Zumindest das Grauen an diesem Ort, denn mit den Erinnerungen mussten die Überlebenden ihr Leben lang klar kommen. Das Konzentrationslager Auschwitz ist einer der furchtbarsten Geschichte der Menschheit und für uns Deutsche auch deshalb enorm schwierig, hier haben unsere Vorfahren furchtbares getan. Dennoch, 2019 hatte ich das Gefühl, endlich bereit dafür zu sein, mir diesen Ort anzusehen und noch mehr zu verstehen, welches Leid hier geschehen ist. Es war intensiv, unheimlich intensiv, und die Tränen flossen mehr als einmal. Aber ich glaube, Yad Vashem hat mich da etwas abgehärtet. 


Am 27. Januar 1945 hatte das Grauen ein Ende - zumindest an diesem Fleck. Die Rote Armee stürmte damals das Lager und befreite all jene, die dort lebten. Wahrscheinlich hat jeder von uns diese Bilder im Kopf, die wir im Geschichts-Unterricht gesehen haben: Die völlig ausmergelten Körper der Menschen, die hier leiden mussten. Die gefoltert wurden, schuften mussten, die man zum Verhungern und Verdursten zurückließ, die in Urin und Kotze von sich und anderen schlafen mussten. 

 


Besuch in Auschwitz - die Vorbereitung

Ich weiß nicht, ob man jemals wirklich bereit ist, diesen Ort zu besuchen. Bei mir kam irgendwann der Punkt, an dem ich dachte, dass mich ein Besuch nicht mehr nachhaltig traumatisieren würde. 

 

Aber kann man sich auf einen Ort vorbereiten, an dem derart schlimme Dinge passiert sind? Bis zu 1,5 Millionen Menschen wurden in Auschwitz getötet, davon 90 Prozent Juden. Aber auch Roma und Sinti, Behinderte, psychisch Kranke und Regimekritiker wurden hier eingesperrt und mussten nahe am Tod leben. 

 

Ich habe mich schon in meiner Schulzeit viel mit dem Nationalsozialismus beschäftigt. Wir hatten mal ein zweijähriges Projekt, in dem wir Zeitzeugen aus unseren Dörfern interviewt haben - das Projekt wurde sogar ausgezeichnet. Wir hatten damals Besuch von Herman Zimmermann, was mich unglaublich beeindruckt hat. Er hatte das Buch "Ein Engel an meiner Seite" geschrieben, in dem er über seine Flucht durch die Niederlande, Belgien, Frankreich und die Schweiz erzählt. Einige Jahre später habe ich für das Magazin "back view", für das ich ehrenamtlich arbeitete, einen Artikel über diesen beeindruckenden Mann geschrieben

 

Während der Mittelstufe war ich auch zum ersten Mal in einem Konzentrationslager, im KZ Natzweiler-Struthof. Viele Erinnerungen habe ich nicht mehr, aber ich weiß noch, wie unangemessen ich es fand, dass sich die Jungs in der Klasse in kleine Käfige gesperrt haben, in denen Häftlinge damals gefoltert wurden. Später machten wir eine Klassenfahrt nach Berlin, besuchten "Die Topografie des Terrors" und das Holocaust-Mahnmal.

 

Erinnerung an eine Schulklasse in Yad Vashem, Israel.
Erinnerung an eine Schulklasse in Yad Vashem, Israel.

Über die Jahre habe ich immer wieder Bücher über die Zeit des Dritten Reiches (und die Nachkriegszeit) gelesen, etwa "Der Junge im gestreiften Pyjama", "An der Hand meiner Schwester", "Kriegskinder", "Tattoist of Auschwitz" oder natürlich "Das Tagebuch der Anne Frank". Oder Filme wie "Schindlers Liste" und "Die Welle" gesehen. Ich war in Amsterdam und habe das Haus besucht, in dem Anne Frank und ihre Familie sich versteckt hielt. 

 

Aber der größte Schritt war wohl 2015, als ich auf einer Israel-Reise die offizielle Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besucht habe. Ich, als Nachfahrin des Täter-Volkes, besichtige eine Gedenkstätte an jenem Ort, an dem die Nachfahren der Opfer leben. Die Ausstellung hat mich so berührt, dass ich den Besuch nach einigen Stunden abbrechen musste. Ich habe nur noch geweint. Sechs Millionen Tote - das muss man sich einmal vorstellen... 

 

Auschwitz - Wissenswertes zu deinem Besuch

Auschwitz ist ein touristischer Ort. Das muss man wissen. 30 Millionen Menschen waren hier bereits zu Gast. Es ist besser, sich vorab über die Touren zu informieren und sich eine passende, in passender Sprache, auszusuchen und zu buchen. 

 

Wachturm und Administrations- und Wohngebäude
Wachturm und Administrations- und Wohngebäude

In meinem Reiseführer stand, dass man bis 10 Uhr und ab 16 Uhr keine Führung buchen muss, danach schon. Dem war aber nicht so, die Zeit wurde vorverlegt auf 9 Uhr, und so mussten wir eine Tour buchen. Das hatte Vorteile, aber auch Nachteile: Einerseits bekommt man natürlich viele Hintergrundinfos und Einordnungen, andererseits hatte ich das Gefühl des absoluten Massentourismus, was sich an diesem Ort sehr falsch anfühlt. Unsere Gruppe mischte sich ständig mit anderen Gruppen, das Funksignal war dann gestört, sodass wir unsere Guide nicht mehr hören konnten und kurz innehalten war auch nicht möglich, da sofort die nächste Gruppe kam. 

 

Touren gibt es in verschiedenen Längen und auf 16 Sprachen. Wir machten die Standard-Tour, die dreieinhalb Stunden dauert und die man spontan machen kann, wenn man ohne Reservierung aufschlägt. Online gibt es auch Touren über sechs Stunden und zwei Tage, in einer Info-Broschüre gibt es hier Auskunft. Wir warteten etwa 40 Minuten, bis die nächste Führung auf Deutsch war. So lange kann man sich vor dem Museums-Komplex umschauen, auch dort finden sich schon Exponate wie Zeittafeln und Kurz-Biographien zu bedeutenden Personen. 

 

Von links: 1. Eingang zum Museum; 2. Töpfe und Co, die Gefangene abgeben mussten; 3. Todesmauer mit Einschusslöchern; 4. Eingang zum Krankenbau.

Der Eintritt in beide Lager, Auschwitz und Birkenau, ist kostenfrei, allerdings müsst ihr euren Personalausweis vorzeigen! Birkenau ist auch öffentlich zugänglich, hierfür ist keine Führung notwendig. Für Auschwitz ist wie gesagt in den meisten Zeiten eine Führung obligatorisch, die Standard-Führung mit dreieinhalb Stunden hat 70 Zloty gekostet, das sind etwa 16,50 Euro. Bedenkt, dass ihr keine Rucksäcke mitnehmen dürft. Man kann diese aber an einer Art Garderobe abgeben. Zwischen den beiden Lagern liegen etwa drei Kilometer. Man kann zu Fuß gehen oder einen kostenlosen Shuttle-Bus nehmen, der alle 15 Minuten fährt. 


Folgst du mir eigentlich schon? 

 

auf Instagram und Facebook?

Dort siehst du regelmäßig Reisefotos und wirst über
neue Blogbeiträge umgehend informiert! 

 



Auschwitz - Führung durch die Dauer-Ausstellung

Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei"
Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei"

Kurz vor der angegeben Zeit darf man durch den Einlass des Stammlagers Auschwitz I. Dort sammelt sich die Gruppe, der erste Eindruck des Lagers ist das ehemalige Eingangsschild, auf dem die Letter "Arbeit macht frei" prangern. Ein beklemmendes Gefühl, wie ich fand. Ich habe dieses Eingangstor so oft gesehen, in Büchern und Filmen, und nun stand ich also dort. 

 

Die Führung ging dann weiter in die Gebäude, die allesamt noch sehr gut erhalten sind. Das liegt auch daran, dass in Auschwitz selbst nicht die großen Massen untergebracht waren - die furchtbaren Bilder, die wir oft gesehen haben, stammen aus Birkenau, dem Vernichtungslager und einer Außenstelle des KZ Auschwitz. 

 

Die Gebäude sind systematisch angeordnet, in einigen waren Häftlinge untergebracht, teilweise hatten sie sogar so eine Art Bett oder Strohmatten, wobei natürlich auch hier die Zustände verheerend waren. Einige Gebäude dienten der Verwaltung, eines ist beispielsweise das "Krankenhaus", hier führte Josef Mengele seine furchtbaren Experimente an Menschen durch. 

Schuhe, die einst vor den Gaskammern eingesammelt wurden
Schuhe, die einst vor den Gaskammern eingesammelt wurden

Wie ich schon gesagt hatte, ich fand die Tour etwas merkwürdig. Da so viele Menschen durch die Räume hetzten und man keine Sekunde hatte, um innezuhalten, konnte mein Kopf das alles gar nicht verarbeiten, was ich dort sah. Es fühlte sich bisweilen fast stumpf an. 

 

Wir gingen durch enge Räume, an den Wänden hingen Fotos und Infos von Häftlingen, viele starben in einem der Konzentrationslager der Nazis. Zwei der Räume sind mir in besonderer Erinnerung geblieben - und sie waren so berührend, dass ich mich wirklich schwer damit tat, so durch die Räume zu hetzen. Einmal sammelten sich hinter einer Glasscheibe gestapelte Schuhe - Kinderschuhe, Frauenschuhe, Männerschuhe, vor den Gaskammern zurückgelassen, als sich die Häftlinge ein letztes Mal ausziehen mussten. In einem anderen Raum waren hinter verschiedenen Vitrinen Haare ausgestellt. Man hatte auch den Frauen den Kopf kahlgeschoren, um mit den Haaren zu handeln. Das war ein Moment, in dem ich ganz tief Luft holen musste - und obwohl ich so gehetzt wurde, dass das Gefühl fast verloren ging, hatte ich hier einige Tränen in den Augen. 

 

Häftlingsunterkunft Auschwitz I
Häftlingsunterkunft Auschwitz I

Es gab auch Räume, in denen die zurück gelassenen Habseligkeiten wie Töpfe gesammelt waren, auch das war ein beklemmender Ort. In einigen Räumen lagen Matratzen auf dem Boden, an den Wänden hängen Bilder, die zeigen, wie die Menschen damals leben mussten und wie sie teilweise auf ihren Schlafplätzen misshandelt wurden. 

 

Die Tour führte vorbei an der Todesmauer, an der einige Menschen erschossen wurden (Blumen und Einschusslöcher erinnern daran...) und an einigen Administrationsgebäuden wie etwa der Chirurgischen Abteilung und immer wieder findet sich der Hinweis "Zutritt verboten" - denn damals war es nur NS-Offizieren erlaubt, gewisse Gebäude zu betreten. 

 

Über das weitläufige Areal ging es schließlich in jene Ecke, wo die Offiziere lebten, natürlich mit Blick auf die Gefangenen. Es ist kaum zu glauben, wie Menschen nicht nur solche schlimmen Taten vollbringen konnten, sondern wie sie auch noch nebenan leben konnten. Was geht in solchen Menschen vor?

 

Jedenfalls ist auch das Krematorium zu sehen, hier wurden die Leichen Tausender und Abertausender Menschen verbrannt. Außerdem gibt es tatsächlich noch eine Gaskammer - in Birkenau sind alle zerstört worden, doch in Auschwitz I gibt es noch eine, da der Raum später als Bunker für die NS-Offiziere diente, um sich selbst zu schützen. Durch einen dunklen Gang ging es hinein in diesen Raum und mir war schlagartig übel. Alles dunkel, alles eng - und hier stand ich nun, an einem Ort, an dem Menschen ihr Leben verloren. 

 

Es war auch ein komischer Ort, an dem dieser erste Teil der Tour endete. Denn ich denke, dass es völlig normal ist, dass man ziemlich verstört ist, wenn man einen solchen Raum gerade verlassen hat (auch hier hatten wir keine Sekunde zum Durchatmen, weil gleich wieder die nächste Gruppe kam). Wir hatten rund 20 Minuten Pause, dann trafen wir uns an der Haltestelle des Shuttle-Busses, der nach Birkenau fährt, das drei Kilometer entfernt liegt. 

Von links: 1. Aufnahme von ankommenden Menschen; 2. Lagerkomplex Auschwitz I;3. Krematorium in Auschwitz I. 


Part 2: Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

Eingang und Schienen in Birkenau
Eingang und Schienen in Birkenau

Ein mulmiges Gefühl war es, durch dieses Tor zu gehen. Hier fuhren früher die Züge hindurch und brachten Millionen Menschen an den letzten Ort, den sie lebend sehen sollten. Die Gleise sind noch erhalten - und ehrlich gesagt war mein zweiter Gedanke, wie pietätlos doch so manch ein Mensch heute ist. Da wird sich auf den Schienen geräkelt und balanciert, für das beste Instagram-Foto. Das geht für mich wirklich gar nicht! 

 

Unsere Führung wurde hier fortgesetzt, allerdings nur noch kurz. Da es der heißeste Tag 2019 war, wurde die Tour auf etwas unter drei Stunden verkürzt - denn in Birkenau gibt es nirgendwo Schatten und man ist permanent der Sonne ausgesetzt. Nicht nur eine Person ist zusammen gebrochen, weil sie zu wenig getrunken hatte. Es gibt allerdings im Kiosk am Eingang auch die Möglichkeit, sich nebst Infomaterial auch Wasser oder andere kalte Getränke zu kaufen und direkt um das Tor herum sind auch ein paar Möglichkeiten, sich in den Schatten zu stellen. 

 

Nach dem Eingang gibt es zur rechten Hand eine kleine Informationstafel mit einem Überblick über das Gelände - und wo sich was findet. Denn der erste Eindruck ist erst einmal: kahl. Die meisten der Barracken wurden abgerissen, manchmal finden sich noch die Umrisse, manchmal nur noch einzelne Steine. Das Gelände ist unheimlich weitläufig.

 

Krankenstation für Frauen
Krankenstation für Frauen

Die Führung führte nach dem Eingang zur linken Seite, wo einst die Krankenstation-Barracken für Frauen waren. Die "Betten" sind heute noch erhalten, bis zu vier Menschen teilten sich die harte Pritsche, die Barracke und das Umfeld waren so abgeschlossen, dass niemand die Schreie hörte. Wer oben schlief, wurde nass, wenn es regnete, denn die Dächer waren nicht dicht. Wer ganz unten schlief, musste auf dem Boden schlafen, also bei Regen im knöcheltiefen Schlamm.

 

Selbst gesunde Menschen wären hier krank geworden, die Kranken kamen hier nicht mehr lebend raus, was wohl nicht allzu verwunderlich ist. Zudem gab es oft keine Möglichkeit, eine Toilette zu nutzen, die Menschen urinierten also auch im Bett - was dann wiederum von oben nach unten durchfloss. In diesem dunklen, engen Raum zu stehen, diese Geschichten von der Guidin zu hören, das war wahrlich beklemmend. 

 

Leider endete die Tour dann auch an der Stelle - mit nur einem mini-kleinen Bruchteil von Birkenau. Meine Schwester, mit der ich zusammen vor Ort war, habe ich überlegt, was wir nun machen wollten. Während es ihr bei knapp 40 Grad zu heiß war und sie in den Schatten zurück ging, nahm ich die Wasserflasche mit und beschloss, das Gelände noch ein wenig zu erkunden, denn ich bin mir recht sicher, dass es mein einziger Besuch an diesem schrecklichen Ort ist. Ich wollte deshalb die Zeit haben, noch einmal in mich zu gehen und dieses ganze Grauen zu fassen. 

 

Von links: 1. Birkenwald im hinteren Teil von Birkenau; 2. Haar-Schneide-Raum; 3. Dusch-Anlage für Neuankömmlinge; 4. Gedenkstätte bei einer Gaskammer

Massengrab und Scheiterhaufen
Massengrab und Scheiterhaufen

Zunächst schaute ich die Barracken rechts des Eingangs an. Dort wurden Betten hineingestellt, um zu zeigen, wie eng das Leben dort war. 

 

Danach startete ich in den hinteren Teil des Areals - was ein ordentlicher Fußmarsch ist, weitestgehend über eine Brachfläche, erst im hinteren Teil finden sich auch einige Bäume, die Schatten spenden, was bei den Temperaturen enorm gut getan hat.

 

Ich hatte auf der Karte gesehen, dass im hinteren Teil Überreste von alten Gebäuden sind, die wollte ich mir anschauen. Und was soll ich sagen - wer die Zeit hat, besuche diesen Teil. Es tut enorm weh, und ich musste mehr als einmal weinen, aber er erzählt viel mehr als die Barracken. 

 

Zwischen den Bäumen fanden einst die großen Gräuel statt. Hier wurden Menschen vergast und ermordet - hier warteten sie zwischen der Ankunft mit der Bahn und dem Vergasen, manchmal lebten sie nämlich gar nicht erst in Auschwitz-Birkenau, sondern fanden direkt den Tod. 

 

Familienfotos, die die Nazis eingesammelt hatten
Familienfotos, die die Nazis eingesammelt hatten

Sehr berührt hat mich da zum einen ein Platz, an dem vier Stelen stehen, die an die Toten erinnern. Daneben ist ein Foto zu sehen von SS-Männern, die Leichen verbrennen. Da hatte ich einen fetten Kloß im Hals. 

 

Am meisten allerdings in mein Herz trafen die Ruinen einer Gaskammer. Hier hatte jemand, mitten hinein, eine einzelne Rose gestellt, die schon etwas welk war. Da kullerten einfach Tränen, ob des ganzen Leids. 

 

Im hinteren Teil findet sich ebenfalls ein Gebäudekomplex, in dem die Menschen angekommen sind. Hier finden sich etwa die ersten Duschen und der Ort, wo sich alle ausziehen mussten und ihre Kleidung abgeben mussten - oder auch ein Raum, wo allen die Köpfe kahl geschoren wurden. Auch Krematorien sind noch darin erhalten. 

 

Im größeren Teil, einer Art Halle, "Kanada" genannt, findet sich eine Ausstellung. Hier sind Fotos und die dazugehörigen Geschichten aufgeschrieben. Briefe sind ausgestellt, Familienfotos, Koffer und andere Dinge, die die Menschen im Zug mitbrachten - und die ihnen dann sofort abgenommen wurden. Es ist der einzige Ort in Auschwitz und Birkenau, an dem die Menschen hinter dem Leid ein Gesicht bekommen und eine Geschichte. Hier steht nicht nur, wie in dem einen Flur im Museum Auschwitz I, welche Nationalität jemand hatte, wann er eintraf und wann er starb, hier sind Fotos von Familien angeordnet und die Familiengeschichte wird erläutert. Wegsehen ist unmöglich. 

 

Überreste von Gaskammer 4
Überreste von Gaskammer 4

"Kanada", wo früher auch die Habseligkeiten der Menschen gelagert wurden, hat mich tief beeindruckend und berührt. Ich kann schlecht sagen, was ich mir erwartet hatte von dem Besuch in Auschwitz.

 

Vielleicht einen ähnlichen Schock wie damals in Yad Vashem, wo der Besucher viel mehr mit dem persönlichen Schicksal konfrontiert wird - und mehr Zeit hat, generell waren nicht so viele Besucher zeitgleich dort, sodass ich mich frei und in meinem eigenen Tempo vorarbeiten konnte. In Auschwitz I war das ja ganz anders und ich hatte bisweilen nicht den Eindruck, dass mein Kopf all dem folgen kann. Es war eine sehr rationale Tour. In Birkenau hingegen, vor allem in dem Komplex im hinteren Teil des Vernichtungslagers, hat die Tragödie Gesichter bekommen. 

 

Da es zum einen enorm heiß war, zum anderen mein Wasser leer war und zum dritten ich durch "Kanada" ziemlich mitgenommen war, machte ich mich auf den Weg zurück zum Tor. Der Weg führt noch an zwei einstigen Gaskammern vorbei, von denen nur noch die Trümmer übrig sind. An einer Stelle ist inzwischen eine Gedenkstätte errichtet, an der Blumenkränze liegen. Hier ist noch einmal ein guter Moment zum Innehalten, um zu reflektieren, was man an diesem Tag gesehen hat. 

 

Besuch in der Gedenkstätte - ein Fazit

Eines von vier Krematorien in Birkenau.
Eines von vier Krematorien in Birkenau.

Vor allem in Auschwitz I habe ich mich doch schwer getan, weil durch die vielen Besucher, die sich in den engen Gebäuden aufhielten, kaum Zeit war, mal genauer hinzuschauen, Infotafeln zu lesen oder generell innezuhalten und nachzudenken. Es war eine Massenabfertigung. 

 

Umso besser war es, dass ich in Birkenau mehr Zeit hatte und in meinem eigenen Tempo und nur mit meinen eigenen Gedanken unterwegs war, ohne Guidin, die mir ins Ohr geredet hat. Ich denke zwar nach wie vor, dass es sinnvoll ist, mit Guide auch das Museum in Auschwitz I zu besuchen, da viele Hintergrund-Informationen gegeben werden, allerdings würde ich wohl versuchen, eine Randzeit zu erwischen. An einem heißen Tag im Juni jedenfalls war Hochsaison.

 

Während in Auschwitz I alles getaktet, ist in Birkenau genug Zeit und es ist möglich, das Gelände (übrigens auch unabhängig vom Museumsbesuch) alleine zu besuchen. Allerdings würde ich auf jeden Fall zu einer Kombi raten, da das Verständnis dadurch noch einmal ein anderes ist. 

 



Linktipp: 

Dieser Besuch und dieser Tag war für mich sehr besonders und berührend. Wenn ihr einen zweiten Eindruck gewinnen wollt, schaut doch mal auf dem Blog "The Road Most Travelled" von der lieben Michelle vorbei. Sie war nur wenige Wochen nach mit in Auschwitz und hat ihre Erfahrungen ebenfalls aufgeschrieben. 



Du hast eigene Gedanken und Anregungen, oder auch Kritik, die du einbringen möchtest? Ich freue mich über deinen Kommentar. Das Kommentarfeld findest du ganz am Ende des Artikels! Du kannst auch als Gast kommentieren. Hierfür musst du in das Namensfeld klicken und deinen Namen eingeben, dann öffnet sich ein Reiter, in dem du "lieber als Gast kommentieren" auswählen kannst.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0