Geiseltalsee: Mit dem Fahrrad um den Bergbau-See

Der Geiseltalsee ist nicht nur ein Tagebaurestsee, also nach Ende des Bergbaus aufgeschüttet worden, sondern auch der größte See in Sachsen-Anhalt. Derzeit ist der Geiseltalsee auch noch der größte künstliche See Deutschlands - doch da immer mehr ehemalige Bergbau-Gebiete geflutet werden, entsteht in Brandenburg derzeit ein größerer. Der See ist 18,4 Hektar groß und in rund 28 Kilometer kann man ihn einmal umrunden. Ein schöner Fahrradweg führt vorbei an Stränden, Häfen und einem Weinanbaugebiet. Dafür geht es die Serpentinen hinauf, innerhalb weniger Hundert Meter von 130 auf 200 Meter Höhe - doch nicht nur die Aussicht lohnt. Badezeug einpacken, zum Abkühlen geht's ins Wasser.


Ausgangspunkt für den Geiseltalsee: Mücheln im Geiseltal

Tagebaurestsee - das Wort hatte ich zuvor noch nie gehört. Genauso wenig wie Bergbaufolgelandschaft - so heißt das hier nämlich. Auch vom Geiseltalsee im Namen gebenden Geiseltal in Sachsen-Anhalt gelegen hatte ich noch nie etwas gehört.

 

Ihr seht also - viel Neues! Doch durch Corona war mein Sommerurlaub ein Roadtrip mit dem Mietwagen durch Mittel- und Norddeutschland - und der Geiseltalsee bot sich als Stopp an. Bei der Recherche von einem nicht allzuweit entfernten Ziel ab Weimar Richtung Leipzig fand ich den See und bei solch speziellen Wörtern ist meine Neugierde natürlich sofort geweckt.

 

Übernachtet haben wir in Mücheln, im Ortsteil Neubiendorf, in der Pension Schöne, die wir über Airbnb gefunden hatten. Der Gastgeber war unglaublich nett, ein älterer Herr, der auch sehr gerne plaudert. Hier konnte ich auch für fünf Euro pro Tag ein Fahrrad ausleihen - das bot sich auch an, denn den Geiseltalsee kann man in offiziell 28 Kilometern einmal umrunden. Laut Fitness-Tracker waren es allerdings nur etwas mehr als 25 Kilometer - es bleibt ein Rätsel!

Marina in Mücheln: Speisen am Hafen des Geiseltalsees

Wer den Geiseltalsee mit dem Fahrrad umrunden will, sollte das im Uhrzeigersinn tun. Das hat vor allem mit dem Höhenprofil zu tun. Wer im Uhrzeigersinn fährt, muss einmal ein klein wenig und einmal recht dolle und steil den Berg hoch, danach geht es mehr oder weniger sachte bergab und es gibt nur noch kleine Höhen zu überwinden. Gegen den Uhrzeigersinn zieht sich der Aufstieg auf 199 Meter enorm. Ansonsten lässt sich der See übrigens auch zu Fuß umrunden.

 

Kurz nach dem Start in Mücheln findet sich auch schon die erste Sehenswürdigkeit: Der Hafen von Mücheln, Marina genannt. Hier gibt es zahlreiche Restaurants und auch die beliebten Hausboote (leider muss man dafür mindestens fünf Nächte bleiben, deshalb konnten wir in keinem übernachten) legen an der Marina an. Sogar eine schwimmende Sauna gibt es hier - die haben wir allerdings nicht ausprobiert. Generell spielt hier das Leben, allerdings sind es vor allem Touristen, die sich in den Ferienwohnungen mit Hafenblick eingemietet haben oder wie wir einen kleinen Ausflug in die Natur planen, die hier zusammen kommen. Das Hafenfest am Geiseltalsee ist inzwischen eines der größten in Sachsen-Anhalt (fällt 2020 aber wegen Corona aus).

 

Das Hafengebiet von Mücheln wurde in den vergangenen Jahren umgebaut und hübsch gestaltet. Hier lässt es sich am Abend nach der Runde um den See auch gut und gemütlich einkehren. Wir haben uns - nach der Tour um den See - für das Restaurant "Forelle" entschieden, das es erst seit kurzem gibt.

 

Der junge Koch - der immerhin zu den besten in Sachsen-Anhalt gehört, bereitet hier vor allem Fischgerichte zu. Für meinen Freund gab es einen Räucherteller mit Forelle und Lachs Geiseltalse - für mich als Vegetarier gab es leider nur ein Gericht auf der Karte. Das war aber erstaunlicherweise in sehr vielen Restaurants in Thüringen und Sachsen-Anhalt so, in denen wir eingekehrt sind. Demnach stand für mich Tagliatelle mit Spinat an. Eigentlich hatte ich die Pasta mit frischen Pfifferlingen bestellt - aber auch darin befand sich Speck (ohne, dass es erwähnt wurde - es stand lediglich auf der Karte, dass Spinat durch Pfifferlinge ersetzt werden kann), sodass ich mich noch einmal umentscheiden musste. Die Preise waren absolut in Ordnung - allerdings würde ich nach meiner Erfahrung nur wegen des Blicks auf den Geiseltalsee noch einmal hier einkehren, nicht des Essens wegen.

Geiseltalsee: Zwei offizielle Strände zum Baden

Rund zwei Kilometer hinter der Marina, kurz vor dem ersten Anstieg, erreichen wir den Badestrand am Westufer des Geiseltalsees. Es ist der einzige Strand mit Badeaufsicht und er ist auch deutlich gefragter als der Strand am Ostufer.

 

Am Ende des Strandes wächst eine Hecke, noch etwas dahinter findet sich der FKK-Bereich. Durch die Gewächse am Ufer ist der Bereich nicht einsehbar - selbst wenn die Nacktbader ins Wasser gehen.

 

Ein wenig schummle ich hier jetzt - allerdings dient der Strand natürlich auch perfekt für eine kleine Pause und Erfrischung (auch wenn es zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich bergauf ging). Wir waren bereits am Nachmittag zuvor am Strand, das Wetter war herrlich, das Wasser mit 22 Grad allerdings ziemlich kalt.

 

Leider gab es auch keinerlei Möglichkeiten auf Schatten, sodass wir uns immer zwischen Sonne und Hitze und Kälte und Wasser entscheiden mussten - aber das ist ja wahrlich Jammern auf hohem Niveau.

 

Am Strand, der kostenlos zu nutzen ist, gibt es ein Kiosk, in dem Pommes, Würstchen, Bier, Cola und Co verkauft werden, man kann sich sein Picknick aber auch selbst mitbringen. Am Strand gibt es einen Nichtschwimmer-Bereich für Kinder und ein Beachvolleyball-Feld, zudem einen Bereich für Boote und Stand-Up-Paddler (die Boards lassen sich ebenso wie Tretboote ausleihen) - die sind hier zahlreich vertreten. Etwas oberhalb liegt ein Campingplatz.

 

Leider war der Weg in den See auch sehr steinig - überall finden sich kleine Steine, die in die Füße pieksen, weshalb es hin und wieder lustig anzusehen ist, wie Menschen ins und aus dem Wasser gehen. Auch ich bin ein wenig ungeschickt hin- und hergetapst, um möglichst schmerzfrei ins und aus dem Wasser zu kommen.

 

Generell fand ich es auch irgendwie merkwürdig, dass hier, wo ich gerade bade, bis vor 30, 50 Jahren noch Dörfer standen. Die Menschen wurden umgesiedelt, als der Bergbau vorangetrieben wurde. Heute gibt es weder die Dörfer noch den Bergbau noch - und stattdessen steht hier eine große Freizeitanlage.


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Weinbaugebiet Saale-Unstrut: Ausblick auf den Geiseltalsee

Hier in Sachsen-Anhalt, im Gebiet Saale-Unstrut, gibt es auch Weinanbau. Am Geiseltalsee fing eine Familie vor einigen Jahren damit an und wurde belächelt. Weinberg  heißt aber auch: Es geht bergauf!

 

Schon direkt nach dem Strand geht es zum ersten Mal etwas steiler nach oben, allerdings nur wenige Meter und das Stück ist mit etwas schwerem Atem gut machbar. Rund zwei Kilometer geht es recht ebenerdig weiter, dann allerdings folgt der große Anstieg - der Weinberg ist hier auch ausgeschildert.

 

Auf rund 400 Metern geht es nun von 130 auf 200 Meter hoch und das ziemlich steil und serpentinenartig. Ich habe ganz schön gekeucht und war völlig frustriert, dass ich permanent von Senioren überholt wurde - auf dem E-Bike, während ich mich abgestrampelt habe. In der letzten Kurve (das wusste ich in dem Moment aber natürlich nicht) habe ich aufgegeben und habe nur noch Durst verspürt. Oben angekommen wurde ich dann aber mit einer tollen Aussicht belohnt!

 

In einer kleinen Halle gibt es ein Infozentrum zum Geiseltalsee - mit der Geschichte, dem Bergbau-Projekt und den Folgen für die Gesellschaft mit der Umsiedlung vieler Menschen. Auch die Geschichte des Weinanbaus sowie Fauna und Flora am Geiseltalsee und in den Naturschutzgeibeten drum herum werden erläutert.

 

Hinter der Halle steht eine riesige Sonnenuhr - mit Blick auf den Geiseltalsee. Der Ort wurde auch schon zur schönsten Weinaussicht Sachsen-Anhalts gewählt, wie eine Info-Tafel verrät. In der Tat, dem Weg folgend schlängeln sich die Reben vom See hinauf zu uns.

 

Noch ein paar Meter weiter und höher (allerdings nicht steil) geht es mit dem Fahrrad weiter, bis das Weinlokal erreicht ist. Hier stehen zahlreiche Bierbänke und Biertische, an denen sich bei einem Glas Wein oder Traubensaft die Aussicht genießen lässt. Es war ganz schön trubelig, als wir ankamen, denn gerade war der Geiseltal-Express, der einmal um den See fährt, angekommen und hat zahlreiche Gäste gebracht. Es gibt im Weinlokal auch kleinere Speisen wie Wurst, eine Käseplatte, Brezel oder Kuchen. An Säften gibt es übrigens wirklich nur Traubensaft - der schmeckt aber richtig lecker und gibt genug Energie für die restliche Tour.

Geiseltalsee: Bergab zum Oststrand und durch den Wald

Denn auch wenn es sich in den Beinen nicht so anfühlt - von unserem Ausgangspunkt in Neubiendorf aus hatten wir erst 8 der 28 Kilometer geschafft - und es war ziemlich heiß, die Sonne knallte vom Himmel und durch den Aufstieg waren meine Beine schon etwas schwer geworden.

 

Dafür waren die restlichen 20 Kilometer deutlich angenehmer und enorm entspannt zu fahren. Denn erst einmal ging es ziemlich lange bergab, der Fahrtwind kühlte und es ging schnell. Uns kamen immer wieder andere Radfahrer entgegen, die sich abmühten und schnauften - und ich fühlte mich gut, dass wir schon auf dem Weg bergab waren.

 

Am Wegesrand stehen immer wieder viele Bänke, um die Aussicht zu genießen - da wir aber sowohl an der Halle als auch am Weinlokal einen Stopp eingelegt hatten, fuhren wir die restliche Strecke weitestgehend durch. Hin und wieder mussten wir allerdings anhalten, weil Mäuse den Weg querten - oder die Aussicht einfach zu verlockend war.

 

Der nächste auffällige Punkt war der Strand am Ostufer des Geiseltalsees. Der kündigte sich schon durch einige Menschen in Badekleidung und mit Lufttieren und Luftmatratzen an. Bei dem zweiten offiziellen Strand handelt es sich allerdings um einen, der nicht von der Rettungswacht überwacht wird. Baden erfolgt also auf eigene Gefahr. Ein Kiosk habe ich gesehen, außerdem gab es im Gegensatz zum anderen Badestrand auch einige Bäume, sodass Chillen im Schatten möglich war.

 

Die Fahrt war auch auf den folgenden Kilometern enorm angenehm. Es ging immer mal wieder durch Wald, sodass wir etwas Schatten abbekamen, es zeigten sich großartige Ausblicke auf den See, der stellenweise glasklar war - und auf die Halbinsel, die sich weit bis ins Innere des Geiseltalsees schlängelt.

 

Auch wenn überall Schilder daran erinnern, dass man sich in einem Bergbau-Gebiet befindet, wirkt es einfach nur wie Natur pur: Es ist grün, überall zwitschern Vögel und Bäume, Büsche und Blumen zieren den Weg.

 

Kurz bevor wir Mücheln wieder erreicht haben, kamen wir noch am zweiten Hafengebiet vorbei, an der Seebrücke Braunsbedra. Auch hier war einiges los, wenn auch nicht ganz so viel wie in Mücheln. Auch hier gibt es viele Parkplätze (die übrigens nicht gerade günstig sind - 20 Minuten sind kostenfrei, danach kosten 20 Minuten jeweils 50 Cent) und Restaurants. Zudem findet sich in Braunsbedra das Besucherzentrum Geiseltalsee mit einem Museum zur Geschichte des Geiseltals und mit Wechselausstellungen. Zudem finden sich hier ein Souvenirshop und ein Café, Fahrräder können hier geliehen werden und der Geiseltal-Express hält hier. Der fährt übrigens gegen den Uhrzeigersinn um den Geiseltalsee.

 

Von Braunsbedra sind es noch rund drei Kilometer zum Aussichtspunkt "Im Urpferdchen", wo ein kurzer steiler Weg nach oben in den Müchelner Ortsteil Neubiendorf führt. Hier endete unsere Tour genau da, wo sie angefangen hatte.

Fazit zur Radtour um den Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt

Der Rundweg - die Infrastruktur

Eine Fahrradtour ist der optimale Weg, den Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt zu erkunden und mehr über die Geschichte der Region zu erfahren. Der Rundweg ist nicht nur sehr gut ausgeschildert, sondern auch gepflegt und die Straßen sind in einem guten Zustand für eine Radtour.

 

Der Weg ist zwar hin und wieder, wie man auch in dem Diagramm sehen kann, etwas anstrengend, dafür aber sehr schön - und die Anstrengung wird mit fantastischen Ausblicken belohnt.

 

Radtour - auch für Familien geeignet

Für mich war sowohl das Geiseltal als auch ein Bergbaurestsee Neuland - und genau deshalb auch spannend. Und da ich Wein auch sehr gerne mag (okay, ich habe an dem Tag Traubenschorle getrunken), war der Ausflug einfach perfekt. Uns kamen auch einige Familien mit Kindern entgegen. Gerade wenn man sich viel Zeit für die Tour nimmt und etwa Stopps zum Baden einlegt (was viele übrigens auch an den zahlreichen kleinen Buchten tun, die nicht als Badestellen ausgewiesen sind) oder Picknick-Pausen an den Bänken und Tischen macht, wird hier Spaß haben und auf seine Kosten kommen. Die Tour ist also keinesfalls nur etwas für Menschen mit E-Bike - ganz im Gegenteil.

 

Einmal um den Geiseltalsee: Die Fahrzeit

Wir waren insgesamt mit den beiden Stoppps an der Informationshalle und am Weinberg rund drei Stunden unterwegs, die reine Fahrzeit lag etwa bei etwas mehr als anderthalb Stunden.


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