Das Jedermannsrecht: Wo Wildcampen erlaubt ist

In Norwegen ist, wie in vielen skandinavischen und nordischen Ländern, das Wildcampen erlaubt. Über das sogenannte Jedermannsrecht, Allmannsretten genannt, das auch in Schottland und der Schweiz gilt, wird geregelt, dass Menschen die Wildnis und sogar privates Landeigentum nutzen dürfen, auch über Nacht. In Deutschland gilt in diesem Fall zwar Betretungsrecht, in Norwegen darf man aber beispielsweise auch zelten und ein Lagerfeuer machen, wenn man bestimmte Regeln beachtet. Dazu gehört beispielsweise, dass man sein Auto nicht einfach irgendwo abstellt, sondern auf einem dafür ausgewiesenen Stellplatz - ein Punkt, den viele Urlauber leider nicht sonderlich ernst nehmen.


Seit 1957 regelt das sogenannte Friluftsloven, das Freiluftgesetz, das Jedermannsrecht. Man geht davon aus, dass Menschen der Natur gegenüber Respekt erweisen und sich dementsprechend verhalten - auch Bauern, Landwirten, Landbesitzern und anderen Wildcampern gegenüber.

 

Im Gegensatz zu beispielsweise Island hat Norwegen eine große Tradition bei der Ausübung des Jedermannsrechts und toleriert deshalb auch Touristen, die dies tun - allerdings unter eben jener Rücksichtnahme auf die Umwelt.

 

Es gibt Gebiete, auf denen ist das Jedermannsrecht problemlos auszuüben, etwa auf unbewirtschafteten Feldern, im Wald, am Ufer etc. Begrenzt möglich ist es in Gebieten, wo der Landbesitzer offensichtliche Interessen hat und beispielsweise wichtige Dinge anbaut oder es sich generell um einen sehr wervollen Boden handelt. Dann darf man dort nur das Jedermannsrecht nutzen, wenn der Boden gefroren ist.

 

Sein Zelt darf man allerdings nur für zwei Tage an einem Ort aufbauen. Damit der Boden nicht abgenutzt wird, muss man es dann mindestens einen Meter weiter entfernt wieder aufstellen.

 

Sehr schön ist auch, dass man seit 2012 das Recht hat, Beeren, Pilze und andere Pflanzen zu ernten, wenn diese sich nicht auf einem geschützten Privatgrund befinden.

 

Über das Jedermannsrecht wird auch geregelt, dass man überall Baden darf, wenn man genug Abstand zur Bebauung hält. Sein Zelt darf man nicht direkt am Ufer aufschlagen, man muss mindestens 100 Meter Abstand halten. Außerdem ist es eigentlich nicht gestattet, um bestimmte Gebiete wie Felder und Wiesen Zäune zu ziehen, was aber immer wieder Landwirte tun. Auch wenn das nicht im Einklang mit dem oben genannten Freiluftgesetz steht, sollte man diese Gebiete nicht betreten, um keine Grundsatzdiskussion auszulösen.

 

Ich habe das Jedermannsrecht bislang nur einmal genutzt, weil ich beim Zelten eigentlich auch gerne etwas Hygiene habe. Auf den Zeltplätzen ist das kein Problem, da gibt es Toiletten und Duschen, wer in der Wildnis zeltet, ist eben auch auf die Buschtoilette und das Waschen im Fluss angewiesen - wobei ihr dann bitte auf Seife oder ähnliches verzichtet, denn das zerstört die wichtige und sensible Biosphäre!


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Im August 2005 habe ich mein Zelt mit ein paar Freunden in Grong im Norden Norwegens aufgeschlagen, in der Nähe eines Flusses. Es gab dort eine kleine Hütte, wo wir unser Essen aufbewahrt haben und es gab bereits eine Feuerstelle.

 

Die Gegend ist sehr beliebt bei Anglern. Dennoch war es keine typische Camping-Tour, da wir mit dem Zug dorthin gefahren sind, nur ein kleines Stück wandern mussten und nach zwei Tagen wieder weiterzogen. Das Jedermannsrecht ist vor allem für abenteuerlustige Wanderer von Vorteil, die Mehr-Tages-Touren machen und ihr ganzes Gepäck dabei haben.

 

Inzwischen stöhnen die Norweger aber ganz schön unter der Last der vielen Touristen, die das Jedermannsrecht frei interpretieren. Sie halten, vor allem auf den Lofoten, einfach überall mit ihrem Wohnmobil, parken Notbuchten über Nacht zu oder stellen sich auf Felder "an den Wegesrand", wie sie sagen.

 

Das Jedermannsrecht ist dafür aber gar nicht ausgelegt. Laut Gesetz gilt es für Wanderer, Skifahrer, Radfahrer und Angler - sprich unmotorisierte Menschen. Autos müssen also dort abgestellt werden, wo es gestattet ist - meist auf Campingplätzen oder größeren Parkplätzen.

 

Außerdem muss man natürlich seinen Müll wieder mitnehmen und sollte darauf achten, dass zum Beispiel keine Waldbrandgefahr oder ähnliches besteht, wenn man Feuer macht.

 

Wenn ihr das Jedermannsrecht nutzt, bedenkt einfach, dass das Gesetz für 4 Millionen Norweger gemacht wurde, die im Einklang mit der Natur aufwachsen und leben und deshalb sensibel dafür sind. Es ist nicht ausgelegt für 4 Millionen Norweger und ein paar Millionen Touristen im Jahr, die noch nie was von Natur gehört haben und mit ihrem Wohnmobil überall hinbrettern.


Warst du schon einmal wild campen oder kannst du es dir vorstellen?

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Kommentare: 10
  • #1

    Eva (Samstag, 03 Oktober 2020 00:10)

    Oh ja, so eine Hütte in Norwegen klingt wie ein Traum :)

  • #2

    Alice Christina (Samstag, 03 Oktober 2020 11:23)

    Oh Campen ist leider so gar nichts für mich. Ich find es ja echt cool, wenn ich das dann von anderen höre oder lese. Aber mich selbst reizt das leider gar nicht :D Die Idee an sich, ist aber echt cool und bestimmt immer sehr abenteuervoll.

    Liebe Grüße
    Alice von www.alicechristina.com

  • #3

    Eva (Samstag, 03 Oktober 2020 11:26)

    Interessante Infos und alles ist komplett neues Wissen für mich. Ich war bislang nur einige wenige Male in meinem Leben campen. Eines davon war Anwohnern erlaubtes "Wildcampen" am Rheinufer. Das war wirklich eine tolle Erfahrung. Prinzipiell bin ich aber eher der Hotel-/Ferienwohnung-Mensch. Allerdings ist die norwegische Natur natürlich so wunderschön, dass da Campen vermutlich wirklich ein Muss ist.

  • #4

    David Schmid (Samstag, 03 Oktober 2020 11:28)

    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich gar nicht wusste, dass bei uns in der Schweiz dieses Jedermannsrecht auch gilt. Aber im eigenen Land campt man ja auch selten ... Jedenfalls finde ich es wichtig, dabei auf andere Menschen und die Natur Rücksicht zu nehmen, wie du das ja auch betonst.
    David von https://www.photoschmid.com/

  • #5

    Marion M. Röttchen-Wurscht (Samstag, 03 Oktober 2020 11:32)

    Ich finde ja wild campen auch ok. Leider habe ich aber auch die Schattenseiten erlebt. An der Nordküste Frankreichs. Dort haben die Camper einfach alles liegen lassen. Unrat, Kot und glühende Reste eines Feuers. Trauriger Anblick. Wenn nur alle so naturverbunden und verantwortungsvoll wären.

  • #6

    Monique Meipunkt (Samstag, 03 Oktober 2020 11:32)

    Liebe Miriam,

    ich bin ja immer wieder erstaunt welche schönen Flecken Erde es so gibt. Auch wenn Campen (und schon gleich nicht wild campen) nicht mein Ding ist, finde ich es toll, dass es so etwas gibt. Zum Glück liebt eine Freundin von mir Camping und ihr werde ich deinen Artikel sehr gern empfehlen. Vielleicht macht sie das auch und kann mir auch so schöne Bilder, wie die deinen, mitbringen und mir von ihren Abenteuern erzählen.

    Liebe Grüße
    Mo

  • #7

    Melissa Wechsler (Samstag, 03 Oktober 2020 11:33)

    Das sieht ja nach Abenteuer aus. Wandern finde ich ja ganz toll und war ich auch erst am Wochenende. Da es mit dem Reisen nicht klappt wird eben hier in der Gegend die Landschaft genossen, da hat Franken auch viel zu bieten.
    Lg Melissa

  • #8

    Renate Kraft (Samstag, 03 Oktober 2020 11:34)

    Ich war vor vielen vielen Jahren mal mit ganz wenig Geld und einem Zelt in Norwegen unterwegs. Das Jedermannsrecht hat mir damals sehr geholfen, in diesem ansonsten fast unbezahlbar teuren Land ein bisschen Geld zu sparen. Eine wunderbare Sache, wenn man rücksichtsvoll damit umgeht. Ohne das hätte ich damals dieses wunderschöne Land einfach nicht bereisen können.

  • #9

    Jana Gr (Samstag, 03 Oktober 2020 11:35)

    Das ist ja spannend! Ich bin leider so gar kein Camper und brauche täglich meine warme Dusche, aber ich finde die Idee an sich total schön. Solange sich eben alle an die Regeln halten. Ich kann aber auch verstehen, dass es von der Touristenanzahl abhängt, wie positiv das Recht gesehen wird.

  • #10

    Jaimees Welt (Samstag, 10 Oktober 2020 21:15)

    Als wir im Sommer in Norwegen unterwegs waren, haben wir auch vom Jedermannsrecht gehört, aber nur so beiläufig, nicht so intensiv wie in deinem Beitrag! Ich finde das eine spannende Sache, so lange die Umwelt natürlich nicht darunter leidet! In Schottland waren wir auch schon, das war soooo schön!

    Liebe Grüße
    Jana