Ballonfahrt im Taunus

Eine Ballonfahrt steht schon lange auf meiner Bucketlist, aber erstaunlicherweise nie als erste Priorität. Und so eine Fahrt ist ja auch nicht ganz günstig. Umso besser, wenn sich einen als Journalist plötzlich die Möglichkeit auftut: eine Pressekonferenz in der Luft quasi.

 

Dabei hatte ich auch allerlei Glück, denn eigentlich war ein anderer Mitarbeiter für das Thema vorgesehen, doch so eine Ballonfahrt ist nicht planbar, wie wir gelernt haben. Im Schnitt braucht das Unternehmen 4,8 Anläufe, um tatsächlich Wind- und Wetterbedingungen zu haben, um zu starten.


Der Start war im hessischen Butzbach, auf einem kleinen Flugplatz. Beim Ballonfahren ist das so eine Sache, das Fortbewegungsmittel muss nämlich quasi erst aufgebaut werden - und dabei helfen die Passagiere mit.

 

Unser Pilot gab Anweisungen, die Männer entwirrten die Plane, einige Mitarbeiter kümmerten sich um den Korb und die Befüllung. Als alles soweit bereit lag, kamen zwei riesige Ventilatoren und ich bekam die Anweisung, ein Seil festzuhalten und mit meinen Beinen auf der Plane stehen zu bleiben. Die Ventilatoren gingen an und ich kann euch sagen, dass es wahnsinnig anstrengend war, gegen den Wind und Druck anzukommen und das Seil festzuhalten.

 

Da es so schwierig war und in den Händen und Armen bald wehtat, haben wir uns immer wieder abgewechselt. Langsam füllt sich die Plane mit der Luft und nimmt immer mehr die Form eines Ballons an, wobei sie immer noch am Boden liegt. Diejenigen, die gerade nichts zu tun hatten, konnten sogar in den Ballon hinein spazieren. Dabei war mir aber doch ein wenig mulmig zumute - was, wenn das Ding plötzlich abhebt?

 

Natürlich hebt das Ding nicht plötzlich ab, der Ballon ist an vielen Stellen mit der Erde verbunden, etwa über Seile. Und an einem Auto festgebunden.

 

Als der Ballon so weit fertig war, hieß es einsteigen. Wir kletterten in den Korb, der erstaunlich geräumig ist. Zwölf Leute können in dem Korb mitfliegen, in dem ich unterwegs war.

 

So wirklich gemerkt habe ich den Moment gar nicht, in dem wir abgehoben sind. Es kam kein Kommando oder so. Irgendwann stellte ich beim Rausgucken einfach fest, dass wir nicht mehr am Boden waren. Der Anstieg ist also so sanft, dass man das gar nicht wirklich merkt.

 

"Glück ab, gut Land" ist der Schlachtruf der Ballonfahrer, den habe ich aber nur mehrfach vor und nach dem Einsteigen gehört, nicht als Signal, dass es nun losgeht.

 

Bis zu 1000 Meter hoch fliegt so ein Ballon. Und von oben kann man allerlei beobachten. Ich entdeckte ein Reh auf einer Kreuzung und wir riefen einer Gruppe Männer zu, die sich auf einer Holz-Insel auf einem See aufhielt. Wir sahen Schafe und Kühe und entfernt auf die Skyline von Frankfurt.

 

In Städten ist es meist nicht erlaubt, mit dem Ballon zu fliegen, das hat vor allem mit den Flughäfen zu tun. Wer möchte schon gerne von einem Flugzeug gerammt werden, während er über die Landschaft hinweg schwebt? Der Pilot erzählte indes von seinen skurrilen Erlebnissen, etwa einer Frau, die ihre Katze dabei hatte, die in 1000 Metern Höhe auf dem Korbrand balancierte.

 

Langsam ging die Sonne unter und zum ersten Mal habe ich nicht mehr verflucht, dass ich in dem Korbteil stand, in dem man am meisten Hitze abbekam. Immer wenn der Pilot das Feuer anließ, wurde mir richtig heiß. Manchmal hatte ich Angst, dass gleich meine Haare anfangen zu brennen. Und auf allen Fotos habe ich einen hochroten Kopf von der Hitze.

 

Rund anderthalb Stunden dauerte der Flug, der uns über Wetterau und Hintertaunus führte. Die Sache ist die: So ein Ballon lässt sich nicht lenken. Der Pilot kann hoch und runter, aber nicht lenken, ob man links oder rechts fliegt. Eine Route ist also absolut nicht planbar und völlig abhängig vom Wind.

 

Der Wind führte uns Richtung Waldems, wo unsere Landung war. Und die war recht unsanft. Noch in der Luft hat uns der Pilot Anweisungen gegeben. Manchmal gibt es ganz sanfte Landungen, manchmal hüpft der Korb nach dem ersten Aufkommen ein wenig - und manchmal fällt der Korb um.

 

Dreimal dürft ihr raten, wie es bei mir war? Nun ja, wir landeten auf dem Feld eines Bauern, der gerade bei der Heuernte war, der Korb wollte hüpfen, aber da war ein kleiner Spalt und als der Korb in dem Spalt aufkam, kippte er um. Wir sind aber alle heile rausgekommen!

 

Und dann hatten wir gleich das nächste typische Ballonfahrer-Erlebnis, wie der Pilot sagte: Der Bauer kam entrüstet zu uns. Die rechtliche Lage in Deutschland sieht vor, dass ein Ballonfahrer überall landen darf. Das wissen viele Landwirte aber nicht. Ihm wurde auch ein Glas Sekt angeboten und nach einer Weile beruhigte er sich dann auch wieder - auch wenn er alles andere als begeistert von unserem Besuch war.

 

Der große Spaß ist nach der Landung vorbei, aber es ist noch rund eine Stunde Arbeit: Der Ballon muss wieder zusammen gefaltet werden, die Luft muss raus. Das dauert tatsächlich ewig, man möchte es nicht glauben. Außerdem musste das Auto, das uns abholen kam, auch erst zu uns finden. Mit vereinten Kräften hievten wir die superschwere Plane in das Auto und fuhren zurück zum Ausgangspunkt.

 

Ach ja, getauft bin ich jetzt natürlich auch. Jeder, der eine Ballonfahrt mitmacht, bekommt einen Namen. Meiner lautet: Gräfin Miriam, die tapfere Sonnenfee auf sanfter Himmelfahrt über dem Taunus.