Europaleague in Belgrad: FC Köln bei Roter Stern

Ein Stadionbesuch ist für einen Fußballfan nicht wirklich etwas außergewöhnliches. Aber manchmal kommt es dann doch zu außergewöhnlichen Spielen.

 

Mein Freund ist Fan des 1. FC Köln und in seiner Europa-League-Saison waren wir in Belgrad, unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen bei Roter Stern. Für mich als Werder-Fan, der weniger chaotische Fans hat, auf jeden Fall eine beeindruckende Auswärtsfahrt.


Das Spiel war an einem Donnerstagabend, 6. Dezember, und wir flogen schon Mittwoch hin - zusammen mit einem Flieger voller Effzeh-Fans. So hatten wir etwas Zeit uns die Stadt anzuschauen, worüber ich bei Gelegenheit mehr berichte.

 

An allen möglichen Stellen war zu lesen, dass wir keinesfalls in Fankleidung durch die Stadt gehen und uns generell zurückhalten sollten. Es war schon eine merkwürdige Stimmung in der Stadt: Überall hörte man Deutsch und wenn man genauer hinschaute, hatten die Leute donnerstags halt doch ein Shirt oder einen Schal in entsprechenden Vereinsfarben dabei. Wir haben auch versucht, die Tickets zu tauschen, da wir nur welche für den "neutralen Bereich" bekommen hatten, das klappt aber nicht. Die meisten hatten für diese Area Karten.

 

Aber gegen 15 Uhr nachmittags trafen dann verschiedene Fangruppierungen aus Köln im Zentrum ein und wir nahmen quasi eine Bar ein. Dort wurden Lieder angestimmt und - da im Pulk - ich fühlte mich auch absolut sicher dabei. Endlich sowas wie wirkliche Auswärtsspiel-Stimmung!

 

Um 17 Uhr machten wir uns auf zu dem Treffpunkt, den der FC vorher für seine Fans angab. Der lag außerhalb der Stadt - auch hier wieder aus Sicherheitsgründen, damit uns keine Roter-Stern-Fans in die Quere kamen.

 

Wir hatten zwar keine Karten im Fanblock bekommen, sondern im "neutralen Block", machten uns aber dennoch auf zum Treffpunkt.

 

Es war etwa 17.30 Uhr und die letzte Möglichkeit für diesen Tag, an Bier zu kommen. Ab 18 Uhr galt absolutes Alkoholverbot weiträumig rund um das Stadion.

 

Es standen verschiedene Busse bereit und beim Einstieg bekamen wir alle ein Bändchen mit der Busnummer. Wofür - das sagte uns keiner. Es wollte auch später nie mehr jemand das Bändchen sehen.

 

Die Busfahrt dauerte eine Weile und das war ebenfalls etwas absurd. Die gesamte Strecke war nämlich mit schwerbewaffneten Polizisten gesichert. An jedem Busch, jeder Laterne, jeder Kreuzung standen sie. Der Verkehr wurde weitestgehend gestoppt um uns herum.

 

Kurz vor 18 Uhr waren wir im Stadion und wir bekamen direkt die Anweisung, dass jeder, der in FC-Montur gekommen sei, in den Fanblock müsse, egal, wofür man Karten habe.

 

Also ging es für uns in den Effzeh Block - und dann hieß es: warten. Es waren noch knapp drei Stunden bis zum Spielbeginn um 21.05 Uhr, es war Dezember, eiskalt und dunkel. Durch den sinkenden Alkoholpegel sank auch die Stimmung. Es gab für den gesamten Auswärtsblock nur eine kleine Grillstation (diese mobilen Grills, mit denen immer ein Mann durch die Fußgängerzonen läuft) und ein kleiner Getränkestand. Die waren beide - logistisch sehr sinnvoll - direkt neben dem Eingang zur Toilette. Aber so wirklich bewegen war eh doof, weil der Block ja komplett voll war, immerhin waren alle FC Fans, die fürs Stadion verteilt Karten hatten, nun hier zusammengepfercht.

 

Nach und nach füllte sich das Stadion und das war schon sehr speziell. Eine Stunde vor Anpfiff war das Stadion komplett voll, alle standen und aus wirklich jedem Bereich des Stadions, der nicht Gästeblock war, wurden Roter-Stern-Lieder angestimmt. Dazu gab es natürlich etwas rote Pyro. Auch die Kölner sangen und zündelten.

 

Beim Einlauf der Mannschaften begann dann das Theater. Einige FC-Idioten zündeten Raketen in Richtung Spielfeld und eine schlug tatsächlich direkt neben den Einlaufkindern ein. Das geht natürlich gar nicht und sorgte schon einmal für Missmut im Block. Die FC-Fans machten immer weiter, schossen auch Raketen und warfen Pyro in die Blöcke um uns herum - in denen auch Kinder standen... Das wiederum fand die eine Hälfte der Köln-Fans gar nicht geil und nun wurde nicht mehr primär die Mannschaft angefeuert, sondern man sang gegeneinander an. Mit dem Tor für Belgrad war die Stimmung dann ganz ganz mau.

 

Nach so einem Spiel möchte man einfach nur schnell nach Hause, noch ein Bier trinken und sich aufwärmen. Aber nicht so in Belgrad. Aufgrund des Aggressionspotenzials mussten wir im Gästeblock bleiben. Und zwar bis alle Belgrader in einem gewissen Umfeld vom Stadion verschwunden waren. Das dauerte nur rund 100 Minuten. Dann zogen die Security Leute die letzten singenden und pöbelnden Anhänger von den Tribühnen.

 

Kurz vor 1 Uhr durften wir dann auch endlich den Block verlassen. Wir wurden direkt vom Ausgang in die Busse geleitet - die Nummern waren egal - und zurück zum Ausgangspunkt gefahren. Dort war dann zwar jeder wieder auf sich gestellt, in Fanmontur, allerdings war es zum Glück nicht weit bis zum nächsten Kiosk, wo es Bier und Abendessen gab und sich wieder Hunderte FC-Fans trafen.



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