Taxi, Uber, Bolt & Co - sicher durch afrikanische Städte

U-Bahn, Straßenbahn, Linienbus - das sind Dinge, die man in keiner Stadt in Subsahara-Afrika findet. Wer hier lebt, hat nur zwei Möglichkeiten: Entweder auf den public transport mit alten, halb auseinander fallenden Minibussen und Motorrad-Taxis setzen - oder Taxidienste nutzen. Auch wenn ich generell dem ÖPNV gegenüber aufgeschlossen bin, so bewege ich mich derzeit in Accra hauptsächlich mit Taxidiensten fort. Obwohl Uber, Bolt und Yango als zuverlässlich, günstig und sicher gelten, habe ich doch schon so manch eine absurde Situation erlebt. Was macht man zum Beispiel, wenn man in sein Bolt einsteigt - und ein Polizist dazu steigt und den Fahrer festnimmt?


Ist Uber billiger als ein Taxi?

Stau wegen zu vieler (leerer) Taxis in Cape Coast.
Stau wegen zu vieler (leerer) Taxis in Cape Coast.

Ganz schön dekadent: Mit dem Taxi morgens zur Arbeit fahren. Würde man in Deutschland wahrscheinlich eher nicht täglich tun, hier in Accra ist das aber Alltag für mich (und die meisten Expats). Warum? Es geht schnell, ist einfach und vor allem unheimlich günstig. Eine Fahrt von meiner Wohnung zur Arbeit - etwa 7 Kilometer - kosten rund zwei Euro. Und ich brauche damit nur rund ein Drittel der Zeit, die ich mit dem Minibus brauchen würde. Allerdings ist das nicht mit dem richtigen Taxi, das würde mindestens dreimal so viel kosten, sondern mit Uber oder den hier ebenso gängigen Alternativen Yango und Bolt.

 

Schon in Nairobi habe ich ganz viel Uber genutzt, dort kostet Uber etwa halb so viel wie ein Taxi. Während in Deutschland lange darüber gestritten wurde, ob der Fahrtanbieter seine Dienste anbieten darf und nun zögerlich in den ersten Städten beginnt, ist Uber auf dem afrikanischen Kontinent längst Alltag. In Nairobi habe ich sehr geschickt gewohnt, deshalb bin ich selbst ins Stadtzentrum in aller Regel mit dem Minibus gefahren. Aber abends, wenn es dunkel ist, sollte man das nicht mehr tun. Dann war Uber die billigste und sicherste Variante, um nach Hause zu kommen.

 

Wie sicher sind Uber, Bolt und Yango?

Auch wenn der Preis ein schlagendes Argument für diese Anbieter ist, so ist noch ein viel wichtigerer Aspekt relevant: Uber, Bolt und Yango gelten als sicherer als normale Taxis - und als Minibusse und Motorradtaxis sowieso. Das hat vor allem zwei Gründe:

1. Die Fahrzeuge sind besser in Schuss

Während Taxis meist einer Firma gehören, sind die Privatfahrzeuge in privater Hand: Der Fahrer selbst ist also dafür verantwortlich, dass sein Auto in einem guten Zustand ist. Der Fahrer geht im Zweifel etwas achtsamer mit seinem Auto um und fährt vorsichtiger, die Unfallgefahr sinkt dadurch ebenfalls. Das gilt natürlich nicht für alle Wagen - ich kann nicht zählen, wie oft ich schon in Autos saß, deren Beifahrertür sich von innen nicht mehr öffnen ließ. Aber insgesamt lässt sich dieser Trend doch erkennen.

 

2. Die Fahrer sind registriert, namentlich bekannt und GPS getrackt

Die Gefahr, dass ein Uber-Fahrer dir etwas antut, ist viel geringer als bei einem Taxifahrer. Das liegt daran, dass der Uber-Fahrer sofort identifizierbar ist. Wenn du ein Uber, Bolt oder Yango bestellst, siehst du nicht nur den Namen, die Telefonnummer und das Profil des Fahrers, sondern hast auch direkt sein Autokennzeichen. Das alles ist im System hinterlegt. Wird ein Uber-Fahrer gewalttätig, ist seine Identität bekannt und er kann sofort belangt werden. Das schreckt ab. Zudem ist während der gesamten Fahrt das GPS an. In den Systemen kann verfolgt werden, wohin der Fahrer mit einem Fahrgast unterwegs ist. Wenn auch du dein GPS anlässt, gibt es sogar doppelte Sicherheit.

 

Woran erkenne ich ein Uber?

Limann-Highway in Accra - ausnahmsweise ohne Stau.
Limann-Highway in Accra - ausnahmsweise ohne Stau.

Taxis fahren in vielen Städten einfach herum - in vielen Städten in Subsahara-Afrika wird man als Fußgänger (vor allem als weißer) auch permanent angehupt. Uber, Bolt und Yango funktionieren anders, nämlich über eine App. Alle Apps finden sich in den gängigen Playstores. Du erstellst ein Profil (Name, Mail, Telefonnummer), wählst im Zweifel noch aus, ob du bar, mit Paypal oder mit Kreditkarte zahlen willst und du bist dabei.

 

Wenn du einen Transport brauchst, stellst du am Handy dein GPS an, öffnest die App - und du wirst direkt gefragt, wo du hin möchtest. Du kannst eine Adresse eingeben oder auf der Landkarte einen Punkt markieren. Du bekommst sofort angezeigt, wie viel die Fahrt kosten wird und auch, wie lange du wahrscheinlich auf dein Fahrzeug warten musst. Die App verbindet deine Anfrage mit einigen Fahrzeugen und welcher Fahrer zuerst akzeptiert, holt dich ab. Ich glaube, meine Wartezeit in den Stadtzentren liegt durchschnittlich bei etwa fünf Minuten.

 

Ich fahre in Nairobi eigentlich immer mit Uber, in Accra mit Bolt. Gerade in Accra checke ich aber auch die anderen Preise und Wartezeiten, wenn mir Bolt etwas hochpreisig vorkommt. Je beliebter die Uhrzeit ist (und vor allem, wenn es regnet!!!), desto teurer wird die Fahrt und desto länger muss man auch mal warten.

 

Auch interessant: Mit dem ÖPNV durch Süd-Ost-Afrika

 

Und wie sind die Fahrer so drauf?

Wer liebt, schiebt: Minibusse bleiben gerne mal liegen.
Wer liebt, schiebt: Minibusse bleiben gerne mal liegen.

Ich habe mich zwar (fast) immer sicher an Bord der Autos gefühlt, aber wenn man einen Dienst häufig nutzt, kommt es doch hin und wieder mal zu ein paar abgefahrenen Situationen.

 

Da wäre zum Beispiel diese eine sehr skurrile Fahrt: Mit einem Freund war ich in einer Bar und das Bolt fuhr erstaunliche Umwege und Zickzack zu uns. Leider wusste der Fahrer offenbar nicht, dass diese Bar (ist auch nur die bekannteste in ganz Accra, mitten in der Stadt...) in einer Einbahnstraße liegt. Als wir in der App realisiert haben, dass er das nicht weiß, sind wir ihm entgegen gelaufen. Das war auch besser so, er hätte das Schild einfach übersehen. Auch so hat er ein paar Autos behindert, da er einfach mitten auf der Straße hielt.

 

Das alles hätte uns ja eigentlich schon merkwürdig vorkommen können - oder zumindest sollen. Auf der Fahrt allerdings zeigte sich aber dann auch recht deutlich, warum der Fahrer so merkwürdige Wege genommen hatte: Er war total stoned. Wir schlichen durch die Gegend und obwohl wir nur so langsam fuhren, bremste er immer mal wieder ad hoc ab. Auch auf Linie zu fahren, fiel ihm nicht ganz so leicht. Na ja, wir haben es sicher nach Hause geschafft - bei 10km/h muss man sich darüber ja zum Glück nicht so viele Gedanken machen!

 

Ansonsten wäre da noch das leidige Thema GPS: In Nairobi ist es völlig üblich, dass du via App einen Fahrer bestellst - und der Fahrer dich dann erst einmal anruft und fragt, wo du bist. Obwohl er das GPS in der App angezeigt bekommt! In Accra ist mir das noch nicht so häufig passiert, aber doch hin und wieder. Es ist schon ein wenig amüsant, denn damit muss ich länger warten und der Fahrer verliert sogar Geld, weil er ja den Anruf zahlen muss. Dabei könnte er einfach nur dem GPS folgen!

 

Aber mit dem GPS haben es ohnehin nicht alle Fahrer... Auch im Auto werde ich häufig gefragt, wohin ich möchte oder ob ich den Weg kenne. Meistens verweise ich darauf, dass ich bei der Bestellung der Fahrt mein Ziel markiert habe, der Fahrer (übrigens bin ich noch nie mit einer Frau gefahren!) also nur dem GPS folgen muss. "Oh, so I just follow the GPS?" Ja, manchmal macht mich das doch echt noch sprachlos.

 

Übrigens heißt das noch lange nicht, dass der Fahrer auch tatsächlich dem GPS folgt. Manchmal kennt er nämlich "Abkürzungen", behauptet, eine Straße sei nicht passierbar (obwohl ich sie täglich passiere) oder oder oder. Gerade wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob wir richtig fahren, stelle ich dann auch schonmal bei mir Google Maps an. Zweimal (innerhalb einer Woche...) ist es mir nun passiert, dass die Bolt Fahrer eher so ihrem eigenen Gefühl gefolgt sind - und da ich beide Male selbst nicht so intensiv aufgepasst habe auf der Fahrt, sondern telefoniert habe, habe ich erst später eingreifen können. Einmal sind wir einen 30-minütigen Umweg gefahren, einmal fast einen einstündigen, weil wir in die falsche Richtung fuhren und damit in der Rush Hour festeckten. Das hat dann natürlich mehr gekostet - allerdings hat mir Bolt in beiden Fällen einen Gutschein gegeben, der etwas mehr Geld wert war als ich mehr bezahlen musste.

 

Leider zeigt sich das auch immer wieder bei der Abholung. Ich glaube, ich kann an einer Hand abzählen, wie oft die angezeigte Wartezeit gestimmt hat (oder es schneller ging), es kam schon hin und wieder vor, dass aus vier Minuten plötzlich 20 wurden oder noch mehr, weil der Fahrer falsch abgebogen ist und in einer Einbahnstraße oder ähnlichem landete und einen riesigen Umweg fahren musste. Wenn ich inzwischen sehe, dass ein Fahrer einen Umweg macht oder komische Wege nimmt, storniere ich die Fahrt meist direkt. 

 

Manch ein Fahrer ist auch ein wenig speziell. Kürzlich wollte ich abends von einer Bar nach Hause, der Fahrer bestätigte meine Abholung und sein Auto wurde mir nur um die Ecke angezeigt. Aber er bewegte sich nicht. Als er auf meine Nachricht nicht reagiert hat, stornierte ich die Fahrt und buchte neu. Wieder nahm er an. Er rief mich an: "Ich komme, sorry, ich bin eingeschlafen nachdem ich dich bestätigt hatte."

 

Ein Fahrer hat mich die komplette Fahrt darüber aufgeklärt, dass er kein Geld habe und normalerweise habe er einen ordentlichen Job, aber sein chinesischer Chef habe ihn schon lange nicht mehr bezahlt und deshalb hatte er am Morgen keine Lust, zur richtigen Arbeit zu gehen - aber dann fiel ihm irgendwann mittags ein, dass er ja auch kein Geld mehr habe, also habe er jetzt eben eine Uber-Schicht eingelegt. Das war schon sehr unangenehm. Fast noch unangenehmer, als die zwei, drei Mal, als Bolt- und Uber-Fahrer meine Freunde sein wollten. Bei einer Bekannten rief ein Bolt-Fahrer sogar einfach mal an, weil sie auf dieses Freunde-Sein nicht zu deutlich reagiert hatte. Das ist dann tatsächlich ein Nachteil: Der Fahrer weiß, wo du wohnst und er hat deinen Namen und deine Handynummer...

 

... und wenn dein Fahrer plötzlich verhaftet wird?

Nun aber endlich zu meiner wohl skurrilsten Fahrt ever, oder eher: Nicht-Fahrt. Ich brachte abends eine Freundin zum Flughafen, als sie durch die Sicherheitskontrolle ging, bin ich raus vors Terminal. Ich bestellte ein Bolt. Und es war einer dieser Abende, wo aus vier, fünf, sechs Minuten 15 und 20 werden. Ich stornierte, aber beim nächsten Fahrer war es genau das Gleiche. Irgendwann waren wir wieder bei 29 Minuten. Also habe ich wieder storniert. Nach mehr als einer Stunde Wartezeit am Flughafen war ich schon maximal genervt, aber dann kam endlich mein Bolt-Fahrer. Ich hatte ihm vorher noch geschrieben, dass ich am Abflugs-Bereich warte, nicht am Ankunfts-Bereich (das Gebäude und die Zufahrt ist zweistöckig).

 

Ich stieg nichtsahnend hinten ein, als ich das Nummernschild erkannte. Und dann winkte ein Polizist, machte die Beifahrertür auf und stieg ebenfalls ein. Wir fuhren ein paar Meter weiter, als sich das Problem zeigte: Der Fahrer hätte dort gar nicht halten dürfen. Das ist eine reine Auslade-Zone. Der Polizist fragte meinen Fahrer, ob er das denn nicht gewusst habe, doch, doch, antwortete der. Okay, das war schon ziemlich dumm. "Ich bin hierhin gefahren, weil sie gesagt hat, ich soll sie hier abholen", sagte er dem Polizisten. Ich fragte ihn, warum er mich denn bitte nicht angerufen habe und sagte, dass ich einfach die Treppe runter soll, bei der Ankunft hätte er mich ja abholen dürfen. Wisse er auch nicht.

 

Wocheneinkauf auf der Straße: Selbst Bücher und Poster gibt's hier.
Wocheneinkauf auf der Straße: Selbst Bücher und Poster gibt's hier.

Der Polizist war leider sehr beharrlich, er wollte 200 Cedis, das sind etwas mehr als 30 Euro, Strafe, doch die konnte oder wollte der Bolt-Fahrer nicht bezahlen. Ich war maximal genervt und habe das auch alle im Auto wissen lassen - immerhin stand der Polizist ne ganze Weile neben mir und hatte auch gesehen, dass ich die Bolt-App auf dem Handy offen hatte... Er hätte ja was sagen können. Nach etwa 15 Minuten Diskussion im Auto sagte der Polizist zu mir, dass es jetzt zwei Möglichkeiten gebe: Ich würde die 200 Cedis für den Fahrer zahlen oder ich würde aussteigen und er würde den Bolt-Fahrer mit ins Office nehmen. Also stieg ich aus. Ich hatte zwar etwas Mitleid mit dem Fahrer, denn 200 Cedis sind schon einiges an Geld, aber wenn er wirklich gewusst hat, dass er mich da nicht einsammeln darf, war es einfach blöd von ihm.

 

Also ging ich runter zum Abflug-Terminal, dort fragte ich einen Sicherheitsbeamten, wie es denn mit Uber aussähe. Erst sagte er, es sei nicht erlaubt, ich müsse ein normales Taxi nehmen. Es stellte sich dann nach ner Weile diskutieren heraus, dass es natürlich doch erlaubt ist. Aber ich wollte nichts mehr riskieren, mein Bedarf war gedeckt. Während die Bolt-Fahrt  mit 12 Cedis angezeigt war, wollten die Taxifahrer 45 Cedis - als ich nur gelacht habe, wollten sie mir einen 40 Cedis Special Price machen, aber ich habe dankend abgelehnt. Ich ging noch eine weitere Treppe hinunter, dort ist wieder eine normale Straße und habe mir dorthin ein Uber bestellt. Das kam schnell (allerdings nicht schnell genug, als dass ich durch den einsetzenden Regen nicht nass geworden wäre) und brachte mich sicher und für 11 Cedis nach Hause...


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