Westliche Metropole in Arabien: Tel Aviv

In Tel Aviv startete meine Israel-Reise, eine Journalisten-Recherchereise, organisiert vom israelischen Tourismusbüro.

 

Noch nirgendwo auf der Welt bin ich mit Menschen einfacher ins Gespräch gekommen als hier. Permanent wird man angesprochen, ob in Bars, am Strand, im Taxi. Alle haben etwas zu erzählen.

 

Einige folgen der staatlichen Linie treu, andere sehen die politische Rolle ihres Landes sehr kritisch und fordern mehr Empathie. Am Abend fragte mich unser Nightlife-Guide, wie mein Israel-Bild vor der Reise war. Ich antwortete ehrlich. Er sagte: "Lass uns über den Krieg sprechen." 


Wobei bei diesen ernsten Gesprächen auch gilt: Einige Aussagen sollte man überprüfen. In Momenten, in denen ich an der Wahrheit zweifle, ist es gut, dass es in Tel Aviv freies und kostenloses Wi-Fi gibt. So können wir auch immer wieder Dinge nachlesen und besser einschätzen.

 

Für mich ist es die erste Reise in ein Land, das sich im Krieg befindet. Die Sicherheitsvorkehrungen sind gigantisch. Befragungen noch ehe man von der Polizei das Absperrband geöffnet bekommt, um sich beim Check-In anzustellen. Alles mögliche wird kontrolliert, abgefragt. Warum sind Sie hier? Was wird in Ihrem Artikel stehen? Letzteres halte ich mir übrigens offen. 
Ich möchte offen auf Land und Leute zugehen, oder immerhin so offen wie möglich, und schauen, was sich für einen Text anbietet.

 

Am Flughafen standen permanent zwei Militärs mit Maschinengewehren um uns herum.

 

Nach der Ankunft in Tel Aviv ging es für mich für eine Stunde an den Strand, wo sich Hunderte junger, hübscher Menschen mit Traumkörpern tummeln.

 

Nach dem Essen ging es weiter ins berühmte Nachtleben. Wir hatten eigens einen Nightlife-Guide, der uns durch die Bars führte, vorbei an den Warteschlangen.

 

Das Nachtleben ist wirklich speziell. Die Menschen sind sehr offen und freundlich, immer wird geplaudert, wenn auch nur für ein, zwei Sätze. Das ganze Leben scheint sich auf der Straße und in den Bars abzuspielen. 24 Stunden ist etwas los, sobald irgendwo eine Bar schließt, macht eine andere auf. Der Guide führte uns unter anderem in das Szenelokal Abraxas und in die Schwulenbar Elvira.

 

Am nächsten Vormittag führte unser Weg nach Old Jaffa, wo wir mehr über Kunst, Kultur und Geschichte erfuhren. Eine wirklich beeindruckende Stätte - mit einem fantastischen Blick über Tel Aviv.

 

Spannend war der Besuch im Tel Aviv Museum of Arts. Nebst Bildern von Renoir, Van Gogh, Picasso und Co ist derzeit eine Fotoausstellung zu sehen, "This place".

 

Fotografen fuhren nach Israel und jeder von ihnen hat dokumentiert, was für ihn Israel ausmacht. Es sind Portraits zu sehen, Szenen aus dem Nachtleben, historische und religiöse Stätten - aber auch der Konflikt mit Palästina ist sichtbar, was mich doch überrascht hat.

 

Wir schlenderten durch die von deutschen Christen gebaute Siedlung Sarona (Schwaben - wer sonst?) und dann ging es noch einmal an den Strand.

 

Unsere geplante Segway-Tour am zweiten Morgen fiel aus organisatorischen Gründen leider aus, dafür ging es auf den Carmel Markt, den wir eigentlich bereits am Vortag besuchen wollten - doch Samstag ist eben Shabbat, da wird nicht gearbeitet.

 

Nach dem kurzen Schlendern ging es vier Stunden um Mode: Die Modeberaterin Galit Reismann von TLVStyle  führte uns hinter die Kulissen einiger Modelabels.

 

Zunächst besuchten wir die wunderhübsche (alle Menschen hier sind so hübsch!) Danit Peleg, die Mode mit dem 3D-Drucker macht. Noch dauert das alles ziemlich lange und ist daher teuer, aber ihre Vision ist es, irgendwann nur noch Dateien zu verschicken, sodass Menschen sich ihre Kleidung direkt selbst ausdrucken können.

 

Eine schöne Idee, und die Teile sahen - obwohl ich wenig von Mode verstehe - wirklich hübsch aus.

 

Über 4 Millionen Mal wurde das Video von Danit schon angeschaut, obwohl sie die Mode erst im Juni präsentierte und öffentlich machte. In den kommenden Wochen reist sie durch Amerika und Europa, um ihre Idee zu präsentieren.

 

Weiter ging es bei Me Dusa, einem bereits etablierten Label, das seinen Schmuck und seine Handtaschen sowohl für Stars als auch Normalos kreiert.

 

So gibt es in dem Laden - der ziemlich nach Luftmatratze riecht - Handtaschen und Schmuck für jedermann (aus recycelbarem Plastik), und für die Reichen sind die Taschen mit Perlen besetzt. Im Gegensatz zu Danit haben sich die beiden Damen schon auf dem Markt etabliert, laut Garit trägt inzwischen jede zweite Frau in Tel Aviv die Taschen. 

 

For those who pray arbeitet mit Leder - allerdings mit Lederresten, die vom Tür übrig bleibt. Für die Designerin ist das auch nachhaltig, immerhin nutzt sie nur Reste. "Wenn wir schon Tiere töten, dann sollten wir auch alles verwerten", sagt sie.

 

Der Schmuck ist allerdings sehr special, und doch eher etwas für Gothic-Leute oder jene, die ein extremes Statement setzen wollen.

 

Zuletzt ging es zu Maskit. Früher wurde hier ganz Israel eingekleidet. Nachdem die Firma in den 90er Jahren aber zugrundegewirtschaftet wurde, starteten ein paar junge Leute noch einmal wieder, allerdings mit High Fashion. Das stehe, sagt Galit, für den Wandel in Israel: Die Jungen wollen kreativ sein, sich immer neu erfinden, dabei aber auf Traditionen zurückgreifen.

 

Insgesamt war mir die Tour wohl etwas zu Special Interest, das ist einfach nicht meine Welt. Zwei Besuche hätten mir absolut gereicht, gerade angesichts der Tatsache, was dieses Land sonst noch alles zu bieten hat.






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