Nachdenklich am See Genezareth

Der See Genezereth, auch Lake Kinneret genannt, liegt in einer atemberaubenden Kulisse.Hinter dem Ostufer steigen die Golanhöhen auf, ein von Israel annektiertes Gebiet, das einst zu Syrien gehörte.

 

Der See liegt 212 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit der tiefstgelegene Süßwassersee der Erde. Er ist an den tiefsten Stellen 43 Meter tief und bezieht das Wasser aus dem Jordan.

 

Bekannt ist der See allen Gläubigen. Denn hier soll Jesus von einem Berg, auf dem er betete, zum Boot seiner Jünger gegangen sein - über Wasser.


Wir kamen abends in En Gev an, unserer Ferienanlage, die einen privaten Strand am See Genezareth hat.

 

Wir sahen den Sonnenuntergang im Meer, das schöne Land, aber wir hatten eben auch die Golanhöhen im Rücken. Mein Inneres kämpft seit der Ankunft in Israel, heute besonders. Einerseits ist da dieses wunderbare Land mit einer herrlichen Natur, mit super-freundlichen Menschen und einer interessanten Kultur. Andererseits denke ich bei jedem schönen Moment daran, dass nur wenige Kilometer weiter Krieg in Syrien ist.

 

Schwimme ich im Mittelmeer, denke ich an die Menschen, die nur wenige Kilometer weiter bei der Operation Protective Edge in Gaza im vergangenen Jahr ihre Häuser, Angehörige und auch Hoffnung und Zukunft verloren haben. Auch wenn ich hier durchaus auf viele Israelis treffe, die mit mir darüber diskutieren und mir bewusst ist, dass der Nahost-Konflikt so komplex ist, dass ich ihn niemals durchdringen werde, so sperrt das Land, in dem ich mich gerade befinde, doch Menschen auf einem Stück Land ein und wirft Bomben darauf auf, während ich bade und die Aussicht genieße.        

 

Ähnlich ergeht es mir nun am Lake Kinneret, dem See Genezareth, in Galiläa. Auf der einen Seite diese wundervolle Landschaft, der See, die Berge.

 

Auf der anderen Seite immer im Hinterkopf, dass auf der anderen Seite der Golanhöhen Väter und Mütter, Brüder und Schwestern, Kinder und Großeltern, in Syrien um ihr Leben kämpfen. Das macht den Krieg spürbar.

 

Es trübt die Stimmung und ich finde die Worte nicht, die diese Situation, den inneren Konflikt beschreiben. Es bedrückt mich, es macht mir Angst, es macht mich wahnsinnig wütend und gleichzeitig fühle ich mich hilflos, aber auch undankbar, dass ich dem, was ich derzeit erlebe und sehe, nicht die nötige Dankbarkeit entgegen bringe. Denn dieses Land und seine Menschen sind wirklich außergewöhnlich.        

 

Am Abend, als es schon dunkel war, sind wir noch einmal zum Strand und haben uns ins sicher 29 Grad warme Wasser gelegt. Durch die heißen Quellen rund um den See, der im Jordangraben liegt, der Verlängerung des Großen Afrikanischen Grabenbruchs, ist das Wasser sehr warm.

 

Eine Stunde sprachen wir innerhalb der Reisegruppe, lagen im Wasser, schauten in einen wunderbaren Sternenhimmel und auf die Lichter aus Tiberias.

 

Es könnte so einfach sein.