Zugfahrt mit Aussicht auf Elefanten

Es klingt ein wenig romantischer, als es tatsächlich ist: Eine Zugfahrt quer durch Kenia, von Nairobi ins rund 500 Kilometer entfernte Mombasa. Seit 2017 gibt es eine neue Bahntrasse, gebaut von chinesischen Investoren, womit die einst zwölfstündige Fahrtzeit (plus die oft nochmal so lange Verspätung) mehr als halbiert wurde.

 

Ein Jahr später hab ich es dann auch gewagt, vor allem, weil ich mit meiner Familie unterwegs war, die Flugangst hatte. Aber ich hatte auch Lust, die neue Strecke einmal auszuprobieren - denn sie führt (wie die alte auch) durch den Tsavo Nationalpark - und der ist bekannt für seine große Population an Elefanten.


Diese Zugfahrt ist auf vielen Ebenen aber deutlich anders, als man sich das vorab vielleicht so denkt. Man soll beispielsweise eine Stunde vor Abfahrt am Bahnhof sein, der sowohl in Nairobi als auch in Mombasa außerhalb der Stadt liegt (jeweils in der Nähe des internationalen Flughafens).

 

Schon auf dem offenen Gelände wartet die erste Sicherheitskontrolle. Das Gepäck muss abgeleget werden, Hunde schnüffeln und danach geht es für Gepäck und Mensch durch die Sicherheitskontrolle.

 

Nicht erlaubt sind alle alkoholischen Getränke, gewisse Feuerzeuge und auch Taschenmesser dürfen ebenfalls nicht transportiert werden. Weder im Hauptgepäck noch im Handgepäck. Wasser, Obst und solche Dinge sind erlaubt.

 

Wer dennoch einen unerlaubten Gegenstand wie ein gutes Taschenmesser dabei hat, kann es verwahren lassen. Die Leute helfen einen, in das richtige Büro zu kommen (nach der zweiten Sicherheitskontrolle), um den Gegenstand dort in eine große Tonne zu werfen. Man bekommt dann einen Zettel, was man eingeworfen hat - und obwohl keiner von uns daran glaubte, dass das Teil am Ende noch da ist - hat mein Stiefvater sein Taschenmesser nach der Rückfahrt tatsächlich wieder in der Tonne gefunden und konnte es mit nach Hause nehmen.

 

Durch die erste Kontrolle durch ist man schonmal auf dem eigentlichen Gelände des Bahnhofs. Dort gibt es dann auch junge Herren, die anbieten, das Gepäck zu tragen. Sie erwarten dafür natürlich Trinkgeld.

 

Hier muss jetzt auch das Ticket ausgedruckt oder gekauft werden. Am Anfang war es nur möglich, telefonisch oder vor Ort ein Ticket zu reservieren, was insofern schwierig ist, als dass die Züge häufig voll sind.

 

Seit kurzem gibt es die Möglichkeit, das Ticket auch online zu bestellen, allerdings ist als Zahlungsweise bisher nur M-Pesa möglich, man braucht also eine kenianische Sim-Karte und muss für den M-Pesa-Service freigeschaltet sein.

 

Ihr braucht zur Buchung übrigens einen Reisepass! Das Ticket wird nicht nur auf euren Namen, sondern auch eure Reisepass-Nummer ausgestellt.

 

Ich hatte die Tickets online bestellt, musste dann in ein kleines Terminal, wo ich den PIN, den ich via SMS bekommen habe, eingeben musste. Dann habe ich alle Personen eingecheckt, nochmal kontrolliert, ob die Reisepass-Nummern und Daten stimmen, dann kam ein kleiner ausgedruckter Papier-Fahrschein aus der Maschine.

 

Der Fahrschein zusammen mit dem Reisepass wird nun für die nächste Sicherheitskontrolle benötigt - am Eingang zum Gebäude. Dort wird das Gepäck zunächst nicht kontrolliert, es geht erst einmal nur um den Personenabgleich.

 

Schlimmer als am Flughafen: Ein paar Meter weiter gibt es dann nämlich noch einmal eine letzte Sicherheitskontrolle. Hier müssen die Taschen nochmal durch die Schleuse und auch die Person nochmal durch dieses Kontrollteil. Lustigerweise wurde beispielsweise das Feuerzeug meiner Schwester erst hier beschlagnahmt, durch die erste Kontrolle kam sie damit durch.

 

Wir waren etwas eher als eine Stunde vor Abfahrt am Terminal, der Verkehr in Nairobi lässt sich leider schlecht planen, sodass wir noch eine gute Weile Zeit hatten. Es gibt einen offenen Wartebereich, in dem es eine Bewirtung gibt. Es gibt Sandwiches, Kaffee und auch heiße Speisen und kühle Getränke. Anders als in Mombasa: Dort gibt es noch keine Bewirtung und man sollte sich selbst versorgen (bei uns war auf der Rückfahrt auch das Essen im Zug aus...)

 

Rund eine viertel Stunde vor Abfahrt beginnt dann das Boarding des Zuges. Wir haben die Taschen in der Gepäckablage über uns verstaut und uns auf die zugeteilten Sitze gesetzt.

 

Wir hatten zweite Klasse gebucht, der Zug ist echt neu und modern, aber das hat auch seine Tücken. Bis kurz nach Abfahrt lief ziemlich laut 90er-Jahre-Musik und die Sitze sind nicht nur eng, sodass man sich kaum bewegen kann, sie sind auch ziemlich hart. Mir tat jedenfalls recht schnell der Po weh.

 

Außerdem gibt es recht strenge Regeln. Man soll das Abteil nicht verlassen, Kinder sollen nicht auf dem Flur spielen und man soll natürlich keinen Müll hinterlassen. Alle paar Minuten kommt einer und sammelt Müll ein und ermahnt auch, wenn es nicht ordentlich auf dem Platz ist.

 

Sehr amüsiert hat uns eine Person, die nur dafür zuständig war, die Gepäckbandel zu ordnen. Alle Bändel, die von der Ablage herunter hingen, hat sie fachmännisch nach oben gezwurbelt. Sie hatte eine Art Kissen, bat den Passagier auf dem Platz darunter aufzustehen, und stellte sich dann mit Sitzkissen ganz akurat hin und ordnete die Bändel. Was das wohl für eine Jobbeschreibung war?

 

Dann kommen wir endlich zum schönen Teil: Der Aussicht. Die Fahrt führt entlang am Rande des Nairobi Nationalparks und führt erst einmal auf Berge hoch. Tiere gab es nicht zu sehen, vor allem viel Steppe.

 

Zu den Bahnhöfen, die man anfährt, gibt es Geschichten aus dem Lautsprecher, etwa was sich der Architekt beim Design der Bahnhofshalle gedacht hat.

 

Am schönsten ist der rund zweistündige Teil, in dem man zwischen den beiden Nationalparks Tsavo Ost und Tsavo West entlang fährt. Wir haben mehrfach Elefanten gesehen, aber auch Kamele, Antilopen, Zebras, Gnus und Giraffen.

 

Auch wenn der Rücken nach der langen Fahrt schmerzte, so war das doch ein ganz besonderes Erlebnis, wenn man im Zug aus dem Fenster guckt und plötzlich Elefantenherden vor sich entdeckt. Anders als auf Safari hält der Zug nur leider nicht an für ein schönes Foto (ich hatte eh nur die Handykamera mit, durch Scheiben und in Fahrt zu fotografieren taugt ja eh nicht).

 

Kurz nach den Tsavos wird draußen dann alles grün und hügelig. Die Landschaft war wundervoll, es zeigten sich viele Palmen und Bananenstauden.

 

Bei der Platzreservierung solltet ihr also unbedingt darauf achten, einen Fensterplatz zu ergattern - am besten ist ein Platz in Fahrtrichtung links von Nairobi aus und ein Platz in Fahrtrichtung rechts von Mombasa aus. Wer anders sitzt, hat kaum die Chance auf Tiere, weil zwischen Tsavo West und Bahnstrecke noch die vielbefahrene Mombasa Road liegt.

 

In Mombasa angekommen geht dann alles ganz fix. Beim Aussteigen wird nichts mehr kontrolliert. Man muss nur sein Gepäck mitnehmen und raus. Vor dem Terminal gibt es eine Art kleinen Puffer-Bereich, wo man Luft schnappen kann, ehe sich die Taxifahrer auf einen stürzen dürfen.

 

Man muss nicht unbedingt einen Transfer vorbuchen für die Weiterfahrt, man findet auch direkt am Bahnhof Angebote, die preislich absolut in Ordnung sind. Wer sich Stress, Nerven und Handeln ersparen will, bucht vor und weiß, was auf einen zukommt. Wir hatten vorgebucht, auch weil wir zu sechst mit Gepäck unterwegs waren. Für die Fahrt vom Bahnhof an den bekannten Diani Beach solltet ihr im normalen Taxi nicht mehr als 40 USD zahlen, eher 30 USD.


Zug buchen & Co

  • Die Fahrt von Nairobi nach Mombasa kostet in der 2. Klasse 1000 KES (ca. 8 Euro), in der 1. Klasse 3000
  • Die Fahrt dauert 5 Stunden im Express und 6 Stunden im normalen Zug
  • Buchbar sind Tickets online ab drei Monate vor Abfahrt, allerdings ist dafür eine kenianische Nummer notwendig. Meistens bekommt man auch spontan Tickets vor Ort
  • Abfahrt in Nairobi ist um 8.20 und um 14.35 Uhr
  • Abfahrt in Mombasa ist um 8 und um 15.15 Uhr




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