Wo die Worte fehlen: Yad Vashem

Für manche Orte fehlen einem die Worte. Denn kein Wort fühlt sich dem angemessen an, das man erlebt und gesehen hat.

 

Auf meinen Reisen habe ich viele schlimme Dinge gesehen und viele Orte der Erinnerung an schlimme Dinge. Am prägendsten für mich allerdings war Yad Vashem, das Holocaust-Museum in Jerusalem.

 

Auch wenn ich schon in Konzentrationslagern war, Ausstellungen und Museen zum Holocaust gesehen habe und mit Zeitzeugen sprach, die Erfahrung war noch einmal ganz anders und hat mich tief berührt. 


Yad Vashem liegt etwas außerhalb von Jerusalem auf einem Hügel. Es gibt genügend Parkplätze, auch Lokalbusse fahren vom Zentrum aus dorthin.

 

Eintritt gibt es nicht, jedoch dürfen keine Kinder unter zehn Jahren in die Ausstellung - auch mit älteren Kindern sollte man gut überlegen, ob sie das verarbeiten können, was sie sehen.

 

Geöffnet hat Yad Vashem sonntags bis mittwochs von 8.30 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr und freitags bis 14 Uhr. Plant auf jeden Fall mehrere Stunden ein, man kann eigentlich einen ganzen Tag hier verbringen, wenn man es aushält.

 

Informationen gibt es auch auf der (auch deutschsprachigen) Website der Gedenkstätte.

 

Nun zum eigentlichen Besuch.

 

Es war anders, weil das Museum in Israel zu sehen, in dem Land, das ich ein paar Tage kennenlernen durfte und in dem ich viele tolle Menschen getroffen haben - die Juden sind und die meisten von ihnen haben wohl Vorfahren durch Nazi-Deutschland verloren.

 

Ich, als Nachfahre des Tätervolkes, zu Gast im Land der Opfer.

Zum anderen ist es speziell, weil ich noch nie eine derartige Flut zu dem Thema erlebt habe.

 

Das Museum ist riesig, es gibt unzählige Exponate, kein Fleck an der Wand ist hell, denn in jedem Raum sind große Bilder aus Konzentrationslagern und anderen Lagern im Hintergrund zu sehen. Dazu laufen überall Videos, Stimmen erzählen. 

 

Eine solche Wucht und Macht von Bildern hat mich schlicht überfordert und in manch einem Raum konnte ich es kaum ertragen. Etwa, als in einem Raum in den Boden eingelassen (mit Glasdach) unzählige verkohlte Schuhe ausgestellt waren.

Diese Grausamkeit, obwohl so schlicht dargestellt, war für mich nicht auszuhalten. Ich habe angefangen zu weinen und bin dann auch bewusst nach draußen gegangen, auch, um mich selbst zu schützen.

 

Draußen gibt es noch das Kinderdenkmal. Man betritt einen dunklen Raum, in dem verschiedene Lichter aufleuchten. Sie stehen symbolisch für die 1,5 Millionen Kinder, die ihr Leben verloren haben.

 

Eine Stimme ist zu hören, die nur die Namen und das Alter der Kinder verliest. Diese Stimme geht in Mark und Bein über. Obwohl diese Erinnerungsstätte so schlicht ist, bohrt sich alles ganz tief in einen und berührt ungemein.

 

Es sind auch gar nicht viel mehr Worte nötig: Sechs Millionen Juden, ermordet mitten in Europa, auf grausamste Art und Weise.

 

Es ist unsere Aufgabe, diese Grausamkeit niemals vergessen zu lassen und unsere Aufgabe, uns dem Hass gegenüber Menschen entgegen zu stellen. Don't ever let this happen again.



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