Westafrikas größe Wasserfälle: Wli Falls in Ghana

Die Wli Falls in Ghana sind die höchsten des Landes – und die größten Westafrikas. Auf bis zu 80 Metern stürzt sich das Wasser in die Tiefe. Die Wasserfälle sind in zwei Teile geteilt, die Upper Falls und die Lower Falls, beide in einem Regenwald gelegen, in einem Gebirge zwischen Ghana und Togo. Wer sich auf die Wanderung hierhin begibt, sollte auf jeden Fall auch Badesachen mitbringen, denn an beiden Fällen lässt sich der Schweiß gut abwaschen.  Und genügend Trinkwasser - denn die Tour zu den Upper Falls ist wahnsinnig anstrengend. Wer weniger aktiv ist, hat auch bei den Lower Falls viel Spaß in einer einzigartigen Umgebung - zwischen Spinnen, Käfern und saftig grünen Pflanzen.


Ausgangspunkt für einen Ausflug zu den Wli Falls ist die Kleinstadt Hohoe in der Volta Region. Sie ist von Accra aus in fünf bis sechs Stunden Fahrzeit aus erreichbar, beispielsweise mit dem Trotro ab der Tema Station (Minibus, 38 Cedis pro Person und 7 Cedis für ein größeres Gepäckstück). Von Hohoe aus sind es noch einmal rund 20 Kilometer ins Dorf Wli, die kann man ebenfalls im Trotro (6 Cedis, außer sonntags), im Sammeltaxi oder im Taxi zurücklegen.

 

Ich wollte eigentlich auf ein Sammeltaxi umsteigen, bin aber irgendwie im Trotro gelandet und das war ein wenig spooky, weil es schon dunkel war und hinter Hohoe direkt der Regenwald anfängt – sprich: es war stockfinster. Der Fahrer versicherte mir, er wisse, wohin ich müsse – und auch auf meinen Hinweis, dass mein GPS sagt, ich müsse hier aussteigen, bat er mich, im Auto zu bleiben, weil es nicht hier sei. Ende vom Lied: Wir sind an meine Unterkunft, Wli Waterfall Inn (zwischen 80 und 100 Cedis im DZ), vorbeigefahren – zur Wli Waterfall Lodge (die ich trotz der wirklich gastfreundlichen Leute im Inn eher empfehlen würde, weil die Anlage einfach schöner ist).

 

Das sind generell nur 10, 15 Minuten zu Fuß, aber es war ja immer noch finster. Immerhin hatte der Trotro-Fahrer so viel Anstand, einen Kumpel aus dem Dorf zu bitten, mit mir dorthin zu laufen, weil es um diese Zeit in dem kleinen Dorf keine Taxis mehr gibt.  Es hat zum Glück alles geklappt! 

 

Es gibt zwar ein paar Dinge in der Gegend zu erkunden, aber das Highlight sind natürlich die Wasserfälle. Morgens um 8 Uhr macht das Gate auf, der Eintritt kostet 50 Cedis, dazu fallen noch einmal 10-15 (Lower Falls) oder 20-30 Cedis (Upper Falls) für den Guide an. Für beide Touren ist ein Guide verpflichtend.

 

 

Die Upper Falls sind auf einem rund zweieinhalbstündigen Weg zu erreichen, der auf 1050 Meter Höhe führt. Nach einem kurzen gemütlichen ersten Teil geht es steil bergauf. Leider hatte ich einen sehr jungen Guide, der wohl einen neuen Rekord aufstellen wollte. Er ist quasi losgerannt. Und da ich die Tage zuvor krank war und bei Höhenwanderungen ohnehin gerne langsamer unterwegs bin, konnte ich leider nicht mithalten. Da ich die Gruppe nicht aufhalten wollte und durch die ersten 30 Minuten mit dem jungen Kerl schon so am Limit war, musste ich leider umkehren.

 

Früher wurden die Guides per Stunde bezahlt, heute gibt es pauschal 20 oder 25 Cedis, je nach Erfahrung – statt der angesetzten zweieinhalb Stunden hat die Gruppe keine Stunde nach oben gebraucht! Würde ich die Tour nochmal machen, würde ich mich keiner mir fremden Gruppe anschließen, sondern nur mit jemandem wandern, bei dem ich weiß, dass er auch mein Tempo geht. Dann hätte ich wohl eher interveniert! 

 

Oben angekommen geht es noch ein Stück flach weiter, unter anderem übertritt man dabei die Grenze nach Togo. Hier gibt es aber keine Grenzposten und man braucht auch kein Visum – das Naturschutzgebiet Agmatsa hat keine offizielle Grenze. Dann erreicht man die Upper Falls, die größeren der beiden Wasserfälle. Unten, wo das Wasser landet, ist ein kleiner Teich, in dem man baden kann.

 

Nach dem Bad steht eine Entscheidung an: Togo Loop oder nicht. Der Togo Loop ist eine zusätzliche eher flache Wanderung auf dem Gebirge, mit Blick in die Talebene Togos hinein. Die Runde dauert normal nochmal etwa zwei Stunden (bei dem jungen Guide war es wohl keine Stunde, wie die Truppe danach berichtet hatte). Der Abstieg erfolgt schließlich über einen anderen Weg und die zweieinhalb Stunden, die dafür angesetzt sind, sind eher großzügig geplant. Der Abstieg endet bei den unteren Wasserfällen.

 

 

Die Lower Falls kann man auch ohne die anstrengende Wanderung besuchen. Vom Gate aus sind es etwa 30 Minuten zu Fuß durch den Regenwald und die Strecke ist echt schön. Es geht zunächst vorbei am Rasta Village (wo Marihuana verkauft wird), und dann immer am Fluss entlang, den man auf Brücken auch einige Male überquert. 

 

Ich wurde von einem kleineren Jungen in Empfang genommen, der mit mir zu den Upper Falls gehen sollte – und der war richtig süß. Es war Wochenende, daher verdiente er sich Geld für die Schulsachen hinzu. Unter der Woche hätte ich mich genau aus dem Grund verweigert, dem Kind (12 Jahre alt) zu folgen. Er hat mir Spinnen und Käfer gezeigt und mehr darüber berichtet, mich Cocoa und eine lokale Beere probieren lassen, die ekelhaft süß geschmeckt hat. Es war auf jeden Fall eine sehr gemütliche Wanderung, allerdings war das auch gut, weil mir ein wenig schwindelig war von der Tortur davor.

 

Auch an der Stelle, wo die Lower Falls abstürzen, kann man baden. Der weiteste Teil des Flusses ist sehr flach, es gibt auch tiefere Stellen, wo man etwas auf die Strömung achten sollte. Das Wasser hingegen ist erstaunlich warm. Gerade bei solchen großen Wasserfällen habe ich eher die Erfahrung gemacht, dass das Wasser eisig kalt ist!

 

 

Für diejenigen, die die Upper Falls Tour gemacht haben, beginnt nun ein neuer Teil – der Weg zurück zum Gate. Das ist genau der Weg, der für die gemütlicheren Wanderer zu den Lower Falls führt. Wer sich auf die Tour zu den Upper Falls macht, sollte auf jeden Fall fit sein! Und in seinem Tempo gehen, sonst ist die Tour – wie für mich – nicht machbar. Außerdem solltet ihr für die Upper Falls mindestens 1,5 Liter Wasser pro Person mitbringen! 

 

Generell ist das Gebiet wunderschön, der Regenwald, das saftige Grün, die vielen Schmetterlinge, Vögel und Fledermäuse, aber auch Insekten – das ist schon ein toller Ausflug in die Natur. Es gibt auch Affen, unter anderem Paviane, in dem Reservat, die sieht man allerdings nur sehr selten. Also auch für Leute, die gerade nicht in Form sind oder denen die Upper Falls zu anstrengend sind, werden einen Trip hierhin nicht bereuen.

 

Wie gesagt, die Wli Falls sind das absolute Highlight, es gibt aber noch ein paar andere Dinge rund um Wli. Im gleichen Naturschutzgebiet gibt es das Tafi Monkey Sanctuary, eine Affen-Auffang-Station. Zudem die Nyagbo and Lodgba Caves. Auch etwas nördlich von Wli, in dem Dorf Lipke Bakwa, gibt es Höhlen, die Lipke Caves. Sie sind wohl sehr schön, wie ich hörte, allerdings auch nur über einen anstrengenden Trail erreichbar, wo Teile geklettert werden müssen.

 

 

Nicht weit entfernt ist auch der Mount Adadjato, der höchste Berg Ghanas mit 885 Metern. Es dauert nur rund eine Stunde hinauf, aber auch der Weg ist eher anstrengend. Für den Abstieg sollte man rund eine halbe Stunde einplanen. Dort warten auch erneut Wasserfälle, die deutlich kleineren Tagbo Falls. 


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