Romantik, Voodoo und koloniale Spuren am Togosee

Wer nach Togo kommt, sollte auf jeden Fall einen Abstecher an den Togosee machen. Es ist einer der wenigen Seen in Afrika, in dem man bedenkenlos baden kann, auch jede Menge Wassersport-Angebote von Jetski über Tretboot warten. Doch noch spannender sind Nord- und Südufer: Togoville im Norden gilt als Geburtsort des Voodoo und hier wurde einst auch Togoland als Kolonie an die Deutschen überschrieben. Nachdem das Land Togo genannt wurde, wurde das Dorf in Togoville umbenannt. Im Süden, rund 30 Minuten Bootsfahrt entfernt, finden sich in Agbodrafo Spuren der Sklaverei - und der deutschen Kolonialzeit. Wer Lust auf Meer hat, kann hier an einer der Beachbars chillen.


Nur rund eine dreiviertel Stunde Fahrzeit von Ghana und etwa 20 Minuten von Benin entfernt liegt im Süden Togos der Togosee, Lac Togo auf Französisch. Im Gegensatz zum Meer, wo man in Togo wegen der Strömung eigentlich nur am Coco Beach baden kann, kann man im Togosee schwimmen, weshalb der See als beliebtes Ausflugsziel gilt. Er ist Bilharziose- und Krokodilfrei - eine Kombination, die es in Afrika nicht allzu oft gibt. Rund um den Togosee gibt es einige Dörfer, von denen ich euch zwei hier näher vorstellen möchte: Agbodrafo im Süden, das super als Ausgangspunkt für Touren zum Togosee taugt, und das sagenumwobene Togoville im Norden.

 


Togoville: Auf den Spuren des Voodoo

Eigentlich hätte ich euch hier gerne ganz viele Fotos gezeigt - von Hausfassaden, die auf die Geschichte des Voodoo verweisen. Der Voodoo-Kult soll einst hier in Togoville im Norden des Togosees entstanden sein. Noch heute finden sich an vielen Ecken Hinweise. Nur: Ich habe leider kaum welche davon gesehen.

 

Das liegt daran, dass ich mir leider den ungünstigsten aller Momente ausgesucht habe, um Togoville zu besuchen. Während der Bootsüberfahrt begann es mega dolle zu regnen, wir versteckten uns unter einer Plane. Als wir ankamen, war der Bootsmann klatschnass und wir drei Passagiere rannten an Land, um uns im Bootshaus unterzustellen. Eigentlich hatte ich so etwa drei Stunden für die Tour geplant: je 30 Minuten fahrt und zwei Stunden Togoville besichtigen. Nur dass ich dann schon alleine zwei Stunden im Bootshaus ausharren musste, weil es so schüttete und gewitterte.

 

Ich war mit rund 15 Frauen in einem Raum, sie alle sind Verkäuferinnen und wollten an diesem Markttag Gemüse, Hühner, Reis und Co verkaufen. Im Gegensatz zu mir, die nur Urlaubszeit verloren hat, verloren diese Frauen quasi ihre gesamten Einnahmen des Tages.

 

Naja, aber zurück nach Togoville. Eine Stunde etwa hat es weniger dolle geregnet und ich konnte dann doch ein wenig durch das Dorf laufen, auch wenn das aufgrund des Regens und der komplett überfluteten Wege etwas beschwerlich war. Ursprünglich wollte ich zum Markt im Norden der Stadt, aber nach der Hälfte des Weges habe ich aufgegeben.

 

Stattdessen habe ich mich im Zentrum etwas umgeschaut. Zum einen wäre da die Kathedrale Notre-Dame du Lac Togo. Diese beeindruckende Kirche wurde 1910 erbaut und ist hübsch hergerichtet. Wer mit dem Boot ankommt, kommt an der Kirche nicht vorbei. Auch der Ausblick auf den See hinunter lohnt. Auf der Westseite liegt ein Boot - in diesem soll die Heilige Maria 1940 auf dem See erschienen sein.

 

Ein paar Schilder weisen den Weg zum Hotel Nachtigal, das an die deutsche Kolonialzeit erinnert. Hier unterschrieb Gustav Nachtigal einen Vertrag mit einem lokalen Oberhaupt, woraus Deutschland seine kolonialen Ansprüche für Togo, damals Togoland, ableitete.

 

Togoville ist nicht groß und ihr werdet sofort beim Anlegen von Männern angesprochen, die euer Guide sein wollen. Ich bin so los - was angesichts des Wetters besser war, allerdings habe ich die vielen Voodoo-Spuren daher leider nicht sehen können. Der Guide erzählt zudem etwas mehr zum Voodoo-Kult und seiner Geschichte. Wenn ihr also etwas Zeit habt, schlendert einfach ein wenig durchs Dorf, abseits der Hauptstraße, dann werdet ihr fündig. Ich wurde darauf hingewiesen, dass man beim Fotografieren der Voodoo-Schreine öfter von Einheimischen angehalten wird, etwas zu bezahlen. Ich habe nur zwei Voodoo-Figuren gesehen und da es so dolle regnete, hat mich niemand darauf angesprochen.

 


Togosee

Wie bereits gesagt kann im Togosee, einer Lagune, bedenkenlos geschwommen werden. Ausgangspunkt dafür ist beispielsweise das Hotel Le Lac Le Paradis in Agbodrafo. Das Hotel hat die perfekte Lage, ist allerdings enorm in die Jahre gekommen und man könnte so viel mehr aus diesem herrlichen Ort machen.

 

Dennoch, das Hotel hat einen großzügigen Strand mit Sonnenliegen und auch Gäste des Restaurants können sich dort die Zeit vertreiben. Ich war beispielsweise zum Mittagessen dort, konnte mich auf der Toilette umziehen und ins Wasser springen. Das Hotel vermietet außerdem Jetski und Tretboote und bietet auch Überfahrten nach Togoville an.

 

Auch das Hotel O'Lodge kann von Tagesgästen genutzt werden, die nicht in einem der zehn Zimmer übernachten. Der Bereich ist vor allem für Kinder gedacht, so gibt es beispielsweise eine Wasserrutsche. Beide Hotels sind gut ausgeschildert.

 

Da sich der Togosee ganz schön schlängelt (er ist 64 Quadratkilometer groß!), ist der einfachste Weg von Nord nach Süd und umgekehrt über das Wasser und nicht außen herum. Die Überfahrt im Piroge dauert rund 30 Minuten. Die Preise sind wohl Verhandlungssache. Ich hatte vorher gelesen, dass Einheimische rund 200 Franc für die Überfahrt zahlen, habe allerdings gesehen, dass sie auch deutlich mehr gezahlt haben. Ich habe den Bootsführer von ursprünglich 4000 Franc einfache Fahrt auf 1000 herunter gehandelt. Mehrfach hatte ich gehört, dass 2000 Franc für Weiße der übliche Preis sind.

 

Wie bereits geschrieben, ich habe von der eigentlich romantischen Bootsfahrt leider kaum etwas mitbekommen. Auf dem Hinweg war das Boot mit nur drei Personen besetzt und es gab nur wenig Gepäck. Leider fing es nach keinen zehn Minuten an mega dolle zu regnen und mein Ausblick war dann nur noch schwarz, wobei ich hin und wieder unter der Abdeckplane vorlugen konnte.

 

Auf der Rückfahrt war es einer dieser recht typischen afrikanischen Transporte: Zuerst wurden - noch im strömenden Regen - Dutzende Säcke mit Getreide und Gemüse und anderen Waren, inklusive einem Moped, eingeladen. Danach kamen Bananenstauden. Danach Hühner (meist mit zusammen gebundenen Füßen zu Dutzenden in einen Korb geworfen) und sieben Ziegen (auch sie wurden unsanft an einem Bein gepackt und unter Quiecken ins Boot gehievt).

 

Am Ende stiegen 18 Leute ein. Auf meine Frage, ob das nicht zu schwer sei für das kleine Boot, wurde ich nur ausgelacht. Immerhin, dachte ich, ist der See zum einen nicht tief, zum anderen kann ich schwimmen. Zum Glück haben wir es dann auch alle heil ans andere Ufer geschafft - klitschnass. 

 


Agbodrafo

Wenn es um den Süden des Togosees geht, liest man häufig von Aneho - dabei ist das Städtchen an der Grenze zum Benin deutlich weiter entfernt als Agbodrafo. Allerdings hat das kleinere Agbodrafo weniger Infrastruktur. Ein Besuch lohnt aber doch.

 

Die beiden Hotels, O'Lodge und Le Lac Le Paradis, habe ich euch schon vorgestellt. Ich habe in keinem der beiden Anlagen übernachtet, sondern in Afadys Beach Village, das direkt am Strand liegt. Die Anlage sieht von außen eher gruselig aus und ich hätte ehrlich nie erwartet, dass es überhaupt ein richtiges Zimmer dort gibt. Aber das Zimmer war großzügig, hatte Fernseher und Klimaanlage (leider kein Wifi).

 

Viel schöner war allerdings der Außenbereich. Denn am Strand hat Afady tatsächlich ein kleines Paradies geschaffen, mit verschiedenen Hütten, toller Deko, einem Spielplatz und vielen Liegen. Zwar kann man hier wegen der Strömung nicht schwimmen, aber sehr wohl am Strand entspannen, denn gestört wird man hier nicht!

 

Viele Sehenswürdigkeiten außer dem See (und dem Strand) hat Agbodrafo nicht. Aber wer hier Halt macht, sollte sich auf jeden Fall ein ganz besonderes Haus anschauen: Das Maison des Esclaves. Wie der Name schon vermuten lässt - Haus der Sklaven - hat das Gebäude eine krasse Geschichte. Das Haus wird auch "Woold House" genannt und ist derzeit im Prozess, Unesco Weltkulturerbe zu werden. Der Schotte Woold hat das Haus 1835 bauen lassen, zum Zwecke des Sklavenhandels - der zu diesem Zeitpunkt kurzzeitig schon zwei Jahre lang verboten war! Gelebt und geherrscht hat dort der Clan der Adjigo mit dem Chief Assiakoley, die vom Sklavenhandel enorm profitierten.

 

Sechs Zimmer gab es oben, wobei derzeit nur das Wohn- und Speisezimmer betreten werden kann. Dort findet sich auch noch original Mobiliar. Unten im Keller war das Verließ für die Sklaven. Die Sklaven mussten damals durch kleine Löcher im Gemäuer klettern, es gibt allerdings auch einen Zugang im Boden des Wohn- und Esszimmers hinunter in die drei Räume. Der Boden besteht aus Sand und die Höhe der Verließe beträgt nur 1,50 Meter, die Sklaven konnten hier also nicht aufrecht stehen. Es gab keine Möglichkeit sich zu waschen oder eine Toilette zu nutzen, es wurde alles hier erledigt. Das Maison Woold war für viele Versklavte die letzte Station auf dem afrikanischen Boden.

 

Wer einmal hinunter gestiegen ist, spürt sofort, wie unheimlich und gruselig es ist. Heute gibt es eine kleine Lampe, damals natürlich noch nicht. Die Sklaven saßen hier wochenlang im Dunkeln, manchmal wurden Frauen hochgeholt, sie durften sich waschen, um danach vergewaltigt zu werden. Kam das Schiff, um die Sklaven abzuholen, wurden sie die wenigen Meter bis zum Meer gebracht, natürlich immer angekettet. Bis zu 100 Menschen haben in dem Keller gleichzeitig leben müssen. 1852 war der Spuk in diesem Haus zu Ende - es wurden keine Sklaven mehr gehalten.

 

Das Gebäude blieb trotzdem erhalten. Als die Deutschen 1884 Togoland als Kolonie übernahmen, gestatteten sie Chief Assiakoley, dort wohnhaft zu bleiben. Die Keller wurden zugeschüttet, und erst in den 2000ern wieder freigelegt. Es ist ein wahrlich unheimlicher Ort, der mit Spenden und der Unesco zusammen zu einem Museum ausgebaut werden soll. Der Eintritt beträgt aktuell 2000 Franc (ca. 3 Euro) für Ausländer, allerdings bittet der (englischsprachige) Besitzer ungefähr zweimal in der Minute um Spenden.

 



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