Dünen und Wasserschanze an der niederländischen Nordsee

Von mir aus könnte es ja immer Meer sein - und obwohl ich gar nicht so weit davon weg wohne, bin ich viel zu selten dort. Zumindest für meinen Geschmack. Meine Familie lebt seit einigen Jahren an der deutsch-niederländischen Grenze und nachdem sie ein paar Mal an der niederländischen Nordsee waren, wollten sie mich auch unbedingt einmal mitnehmen. Gesagt, getan, unser Ausgangspunkt war Stellendam in der Nähe von Rotterdam und Den Haag.  Auch wenn ich zuvor schon öfter an der Nordsee war, ich glaube, dass ich mich hier erst so richtig verliebt habe. Durchs Watt wandern - stundenlang - und dabei Seevögel beobachten, war ein Traum. Aber Action und Wassersport gibt es auch! 


Entspannen in Renesse

Renesse liegt auf der Insel Schouwen-Duiveland und ist ein wunderschöner Ort. Da wir im Mai dort waren, war trotz Wochenende auch wenig los. Es gibt einige Beachbars und auch Beach-Restaurants in Renesse, allerdings haben wir uns zuvor auf dem Parkplatz mit frischen Erdbeeren eingedeckt und haben die gemütlich am Strand gegessen. Später sind wir im "Our Seaside" eingekehrt, was durchaus etwas teurer war, aber auch lecker. 

 

Am Strand war es recht windig, was natürlich auch generell der Jahreszeit geschuldet sein kann - aber es wäre zu windig gewesen, um sich entspannt dorthin zu legen. Stattdessen waren sehr viele Spaziergänger, oft auch mit Hunden, unterwegs, die die frische Brise genossen haben. Hunde dürfen hier von Mai bis Oktober an der Leine am Strand sein, im restlichen Jahr dürfen sie auch freilaufen.  

 

In den Sommermonaten ist hier wohl viel mehr los, denn im Ort gibt es zahlreiche Hotels und Angebote für Touristen. Der Strand ist fast 17 Kilometer lang und ein Traum. Er liegt versteckt hinter den Dünen, die Sicht- und Lärmschutz zum Ort hin sind. Der Strand, beziehungsweise der Ort wurde auch mehrfach ausgezeichnet - zum einen für die gute Wasserqualität, zum anderen auch für umweltfreundlichen und nachhaltigen Tourismus. 

 

Schlendern durch Brielle

Brielle ist eines von diesen herrlichen Städtchen, das gar nicht viele Sehenswürdigkeiten braucht, weil die ganze Stadt so süß ist, dass man einfach nur dort schlendern möchte und in einem Café sitzen und alles beobachten möchte. 

 

Brielle versprüht den typisch holländischen Charme. In der Fußgängerzone finden sich viele kleine Geschäfte und Cafés, wo man gemütlich einkehren kann. Ich fand die Atmosphäre einfach toll, die kleinen Häuser, das Leben auf der Straße, die vielen Fahrräder und die Farben, das hat mich einfach angesprochen. Nach Brielle kommen sollte man also nicht unbedingt für das krasse Erlebnis, aber gerade im Kontrast zu den vielen Wassersportorten in der Gegend ist es enorm entspannend, hier eine Auszeit zu finden, ohne am Strand zu sein. Und im Verhältnis zu den Strandbars, ist es hier auch deutlich günstiger. 

 

Ein paar Sightseeing-Spots gibt es aber dennoch, dazu gehört das Historische Museum Den Briel oder die nie fertig gestellte Kirche Sint Carharijnekerk aus dem 15. Jahrhundert. Außerdem findet sich im alten Arsenaal heute die Stadtbibliothek und das Brielse Meer ist auch nicht weit vom Zentrum entfernt. 

Abstecher zur Mühle "t vliegend hert"

Da meine Mama ein großer Fan von Mühlen ist, haben wir einen Abstecher zur Mühle in Brielle gemacht. Die liegt auf einem alten Festungsgelände, das von Wasser umgeben ist. In den 70er Jahren wurden die neun Bastionen und fünf Ravelins restauriert und ziehen seither auch ein paar Besucher an. Auf den Wällen kann man spazieren gehen. Ein paar alte Kanonen stehen auch noch zur Ansicht bereit. 

 

Vor der Festung befindet sich die Windmühle "T Vliegend Hert", die wirklich sehr hübsch ist - es handelt sich dabei um einen originalgetreuen Nachbau. Als wir dort waren, war die Mühle leider nicht geöffnet. Sie hat leider nur zu bestimmten Zeiten geöffnet, laut Website der Mühle ist das freitags von 10 bis 17 Uhr und jeden ersten und dritten Samstag von 10 bis 16 Uhr. Es gibt auch einen Laden in der Mühle, der ähnliche Öffnungszeiten hat. 

Water Jump in Brouwersdam

Einmal fühlen wie ein Skispringer - doch sich dabei nicht in Lebensgefahr begeben. So in etwa würde ich die Water Jump in Brouwersdam beschreiben. Als ich davon las, dass es so etwas gibt - und das auch noch unweit der Ferienwohnung in Stellendam, war natürlich klar, dass das auf die To-Do-Liste kommt. 

 

Das Coole: Man zahlt nicht pro Rutschen (okay, sie sagen, man darf es nicht Rutsche nennen!), sondern pro Stunde. Eine Stunde auf der Wasserschanze kostet 15 Euro und ihr könnt so oft wie ihr wollt von dem acht Meter hohen Turm starten und ins Meer fliegen. 

 

Ich fand es beim ersten Mal zum einen etwas unheimlich, zum anderen aber auch nicht so cool wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte. Aber je öfter ich mich runter geworfen habe, desto cooler wurde - weil ich immer mehr Mut hatte, irgendwelche Faxen in der Luft zu machen, nachdem ich gemerkt habe, dass man sich wirklich nicht verletzt. Jedenfalls habe ich die Stunde voll ausgekostet und bin immer wieder an Land geschwommen und gleich wieder auf den Schanzenturm hinauf. Die passende Kleidung erhält man nach dem Bezahlen übrigens auch, nur Handtuch und Schwimmkleidung muss man selbst mitbringen - das Wasser war zu dem Zeitpunkt, als ich dort war, im Mai, nämlich mehr als kalt und ohne das tolle Kostüm hätte ich keine Stunde durchgehalten.  

 

Wem die Water Jump zu viel Kick ist, der kann sich auf dem Areal auch in anderen Dingen ausprobieren, etwa Stand-Up Paddling, Surfen oder Segeln. 



Hinaus aufs Watt in Maasvlakte

Bisher kannte ich die Nordsee vor allem bei Flut, denn allzuviel Zeit habe ich in Deutschland noch nicht hier verbracht. Daher war der Besuch in Maasvlakte für mich sehr besonders. Die Insel ist hauptsächlich als Industrie- und Hafengebiet bekannt, hier gibt es einen Zufluss der Maas ins Meer. Aber dann gibt es da auch noch die andere Seite, den wunderschönen Strand von Maasvlakte, Maasvlaktestrand. 

 

Das Meer war schon recht zurückgezogen, als wir ankamen, und es ging immer weiter zurück. Mit dem Meer spazierten auch wir hinaus. Immer wieder standen wir knöcheltief im Wasser - und dann wieder auf einer Sandbank. Es war fantastisch. Wir standen quasi mitten im Meer. Und hin und wieder trafen wir dabei auch auf große Kolonien an Seevögeln, die sich hier aufhielten. Sie waren ganz entspannt, wir haben allerdings auch genug Sicherheitsabstand gehalten, um die Tiere nicht unnötigerweise in Stress zu versetzen. 

 

An vielen Stellen fanden wir glibbrige Ohrenquallen, die jedoch ungefährlich sind. Besonders gut gefallen hat mir auch, dass das Wasser so herrliche Muster in den Sand zauberte, überall waren Wellen und kleine Wölbungen zu ziehen, was im Sonnenlicht großartig aussah. 

 

Der Sandstrand ist künstlich angelegt, dennoch gibt es drum herum auch wundervolle Natur. Ich persönlich mag es ja auch sehr gerne, wenn im Hintergrund Windräder zu sehen sind - für mich macht das auch den Nordsee-Charme aus. 

 

Es gibt wohl auch Stege und Treppen, die zum Strand führen, wir sind aber über die Dünen gegangen, dort gab es auch einen Weg mit Geländer. 

 

Als wir dort waren, war wenig Betrieb und es gab auch kaum Buden. Im Sommer soll hier aber mehr los sein, immerhin kommen auch die Städter aus Rotterdam hierhin, wenn sie an die Nordsee wollen (nebst dem beliebteren Strand in Scheveningen). Der Strand ist 7 Kilometer lang und natürlich lag es auch an der Ebbe, dass wir keine Wassersportler gesehen haben. Aufgrund des Winds soll es hier aber viele Surfer geben. Wie an vielen Stränden gibt es einen separaten FKK-Bereich und Hunde sind am Strand erlaubt, allerdings hier nur an der Leine. 

Wassersport in Oostvoorne

Oostvoorne kennt vielleicht der ein oder andere Autofahrer  - denn es war der einzige Strandabschnitt in den Niederlanden, in denen man mit dem Auto am Strand fahren durfte. Zumindest bis Anfang der 2000er. 

 

Für mich war Oostvoorne gleich aus mehreren Gründen ein spezieller Ort - er liegt nämlich am Oostvoornse Meer, einem Salzwassersee, ganz in der Nähe des Meeres. Weil es hier so viele Fische, unter anderem Forellen und Aale gibt, sieht man überall Angler stehen. Auch bei Schnorchlern ist das Areal beliebt. 

 

Doch Fischen ist nicht der einzige Wassersport, der hier möglich ist. Vor allem für Beginner ist das Oostvoornse Meer der ideale Ort zum Windsurfen. Hier gibt es keine hohen Wellen, man ist immer in Ufernähe und trotzdem gibt es genug Wind, um sich auszuprobieren. Das Beach Hotel, das mir eher wie eine Bar und ein Aktivitätszentrum als ein Hotel vorkam, verleiht alle Ausstattung, sowohl für Surfer als auch Schnorchler und Angler. 


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