Mein schönster Sonnenaufgang: Wenn Afrika erwacht

Der frühe Vogel und so - ich gehöre eher in die Kategorie "Kann mich mal". Denn ich bin ein riesiger Morgenmuffel. Ich kann problemlos um 22 Uhr einen Essay schreiben, aber nicht um 7 Uhr. Ich sehe also quasi nie Sonnenaufgänge - außer hin und wieder in Afrika. Denn auf Safari sollte man früh aufstehen. Während die Landschaft und viele Tiere erwachen, endet für andere die aktive Phase: Etwa für alle nachtaktive Tiere. Deshalb ist dieser Übergang so besonders. Vor allem in der Masai Mara habe ich wundervolle Sonnenaufgänge gesehen - der schönste hat auch mit sieben Löwenbabys zu tun. 


"Die bunte Christine" hat zu einer Blog-Parade aufgerufen. Sie sucht die schönsten Sonnenaufgänge. Kurz musste ich schmunzeln, denn ich bin defintiv eher Typ Sonnenuntergang. Aber dann fiel mir doch dieser eine Morgen ein, im Februar 2017 in der Masai Mara in Kenia - und danach noch ein paar andere wundervolle Sonnenaufgänge in Afrika. 


Es ist erstaunlich. Ich bin so ein großer Morgenmuffel, aber beim ersten Morgen auf jeder meiner Safaris ist das alles ganz anders. Natürlich bin ich müde, aber ich bin schon so aufgeregt, gleich all die Tiere zu erleben - und vor allem zu erleben, wie diese wundervollen Landschaften langsam erhellen, wie aus den dunklen Umrissen der Bäume, Elefanten und Antilopen klarere Zeichnungen werden und alles Farbe bekommt. Es ist ein Gefühl, das ich nicht beschreiben kann.

 

Nach dem Morning-Drive gegen 9 Uhr im Camp.
Nach dem Morning-Drive gegen 9 Uhr im Camp.

Der Morgen, der mir hier am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist aus dem Februar 2017. Eher spontan und weil es ein sehr gutes Angebot gab, entschied ich mich dafür, mit dem Safari-Anbieter meines Vertrauens, Phoenix Safaris, in die Masai Mara zu fahren, den größten Nationalpark Kenias. 

 

Schon am Abend hatte ich den bisher besten Safari-Tag meines Lebens. Innerhalb von nur zweieinhalb Stunden sahen wir die Big Five: Leopard, Löwe, Nashorn, Elefant und Büffel. Und bei den Löwen hatten wir besonders viel Glück: Es waren drei Weibchen und sieben etwa drei Monate alte Löwenbabys, die miteinander spielten. Ich war also glücklich und auch frühzeitig müde ins Bett gefallen und damit fit für den nächsten Morgen. 

 

Um 6.15 Uhr ging es los, rund eine viertel Stunde vor dem Sonnenaufgang. Als wir das Camp verließen, um Richtung Gate zu fahren, war es noch richtig dunkel, aber während wir den Berg hinunter fuhren, waren die Umrisse immer besser zu erkennen. Es war fantastisch. Es war noch kühl und ich dick eingepackt in meine Fleecejacke und in eine Wolldecke gekuschelt, die ich vom Camp bekam. Und ich war einfach unbeschreiblich glücklich, weil ich schon in dem Moment wusste, dass der Tag wunderbar würde - egal, welche Tiere wir sehen würden. 

 

George, unser Guide, fragte, ob wir nochmal die Löwen-Babys besuchen wollten. Nach einer Sichtung so spät am Abend können gute Guides die Wege einigermaßen vorhersehen. Und so fuhren wir dorthin, wo George die Familie vermutete. 

 

Unterwegs ging langsam die Sonne auf und der Himmel leuchtete in allen Rotfarben. Das größere Foto oben ist auf der Fahrt zu den Löwenbabys entstanden und mein absolut liebstes Sonnenaufgangs-Bild. Es strahlt so viel Ruhe aus, finde ich. Auch die Heißluftballons sind so ein typisches Zeichen für den Sonnenaufgang in Subsahara-Afrika: Für viel Geld starten morgens, teilweise schon um 4 Uhr, Safari-Touristen, um zum Sonnenaufgang für 30 bis 60 Minuten über die Nationalparks zu fahren. 

 

Die ersten einzelnen Tiere kamen uns auch schon entgegen, hier ein paar Elefanten, dort ein paar Giraffen, auch die Zebras und Antilopen streckten sich. Auch etwas, was George mir an diesem Morgen beigebracht hat: Zebras haben eine Morgenlatte. Nur, falls ihr das mal irgendwann als Party-Kracher in eine Unterhaltung einwerfen wollt! 

 

Wir fuhren zu einem kleinen Canyon, nicht weit entfernt hatten wir am Abend zuvor die Löwenfamilie gesehen. George war sich sehr sicher und hielt uns an, Ausschau zu halten. Es war gar nicht so einfach, es war noch sehr dämmrig und die ersten Sonnenstrahlen sorgten dafür, dass der Canyon und ein Löwenbaby in etwa die gleiche Farbe haben. Ich war fast ein wenig abgelenkt von der schönen Landschaft, als George in eine Ecke zeigte. 

 

Die Löwen-Familie war gerade dabei, den Canyon zu durchqueren! Die ersten Kinder waren schon unterwegs, ein paar waren noch zu beschäftigt, sich gegenseitig zu ärgern, um der Truppe zu folgen. 

 

Und dann war er da:

Mein schönster Safari-Moment jemals. 

 

Eines der sieben Jungen kam plötzlich, keine zehn Meter von unserem Auto entfernt, hinter einem Busch vor und starrte uns ganz neugierig an. Wir waren zu viert im Auto, aber ich hatte das Gefühl, dass das kleine Kätzchen nur mich anschaut. Ganz intensiv. Das Junge war so neugierig, das hat mich einfach fasziniert. Als ich daran dachte, die Kamera zu ergreifen, habe ich leider nur ein verwackeltes Bild hinbekommen. Aber dieser Moment wird für immer in meinem Herzen sein. Das Löwenbaby und ich - in dieser unendlichen Weite der Masai Mara! 

 

Es ist fast merkwürdig, über diesen Moment zu schreiben, weil er mich immer noch mit so viel Dankbarkeit und so viel Zufriedenheit strahlen lässt. Ich glaube, wer nie einen ähnlichen Moment erlebt hat, hält mich jetzt für verrückt. Aber ich habe mich gleichzeitig winzig klein und wie der Teil etwas ganz Großem auf dieser Erde gefühlt. 

 

Kurz nachdem das Löwenkind sich auf gen den Canyon machte, kamen auch die ersten anderen Autos angesaust. Nicht nur George hatte die Idee, die Jungtiere hier zu suchen - aber wir waren zuerst da und das hat mir diesen wundervollen Augenblick geschenkt. 

 

Als die Löwen uns den Rücken zukehrten und die anderen Safari-Gäste noch ganz aufgeregt waren, weil sie die Löwenbabys wenigstens von hinten sehen konnten, machten wir uns auf den Weg auf die andere Seite des Canyons. George hatte da nämlich etwas gesichtet - und wenn er was sichtet, ist das immer ein sehr gutes Zeichen. 

 

 

Inzwischen ist mein Gespür auf Safari auch ganz gut ausgeprägt - und schon bald sah ich einen dunklen Fleck auf der anderen Seite des Canyons im Gras liegen. Es war der Vater! 

 

Und wieder hatten wir das Glück, dass wir (also George) ihn als erstes bemerkt hatte, und so konnte ich das Foto aufnehmen, das bis heute mein liebstes Safari-Bild ist: Der Löwe, voller Stolz, voller Anmut, unter der Akazie ruhend. 

 

Als der Rest der Familie näher kam (leider auch die anderen Autos), habe ich zum ersten Mal Löwenmännchen und Löwenweibchen gemeinsam gesehen. Was für ein Morgen. Und es war gerade einmal 7 Uhr! 

 

Da dann doch recht viel los war und immer mehr Autos kamen, entschieden wir uns, den anderen Platz zu machen. In der Masai Mara dürfen nur maximal fünf Autos bei einer Tier-Sichtung warten - die anderen müssen Abstand halten. Daran halten sich zwar nicht alle, aber es wird doch kontrolliert und gerade bei solch einer tollen Sichtung waren die Ranger auch schon zeitig dazu gekommen. Also hieß es für uns weiter die Mara zu erkunden und die Löwen zurück zu lassen! 

 

Ja, der Sonnenaufgang ist jetzt schon vorbei - ich erzähle euch aber trotzdem noch kurz, dass auch der restliche Tag so fantastisch war. Wieder haben wir die Big Five gesehen und ich konnte an diesem Tag mein erstes Leoparden-Foto machen (sonst war ich einfach immer zu spät, die sind aber auch schnell und oft so weit weg - und wenn man näher kommt, laufen sie weg). Außerdem haben wir auch noch einen Gepard gefunden - man sagt auch, der Gepard sei Teil der Big 5 1/2. 

 

(Text geht unterhalb der Bilder weiter)

Aber wer wie ich mehr als 40 Tage auf einer Safari verbracht hat, hat natürlich noch mehr wundervolle Sonnenaufgänge erlebt. Wenn ich an die denke, die ich bewusst als wunderschön in Erinnerung habe, spielen sie fast ausschließlich in Afrika. Mit einer Ausnahme - daher hier noch einmal eine kleine Übersicht mit anderen wundervollen Sonnenaufgangs-Momenten. 

 

Elefanten im Sonnenaufgang 

 

Das Bild entstand ebenfalls in der Masai Mara - tja, was soll ich sagen, dieser Ort ist nicht umsonst mein Lieblingsort in Kenia! 

 

Es war im September 2018, als meine Familie zum ersten Mal mit nach Kenia kam. Am dritten Morgen ging die Sonne in Farben auf, wie ich sie noch nie gesehen habe. Es war wundervoll. Und dann spazierten da diese drei Elefanten herum. Ein Traum oder ein Traum?


Sonnenstrahlen küssen die Wüste: Dune 45

 

Das ist der wahrscheinlich berühmteste Sonnenaufgang Afrikas, auf der Dune 45 in Namibia. Schon gegen 5 Uhr morgens fuhren wir mit dem Jeep von unserem Zeltplatz direkt am Eingang des Nationalparks zu der Dune und begannen noch im Dunklen den Aufstieg. Das Coole: Wir waren die ersten! Und so hatte ich eine lange Schlange hinter mir, aber freie Sicht nach vorne. Langsam wurde es ein wenig heller und als wir oben waren, strahlte der Sand in allen möglichen Rot-Tönen!


Sonnenaufgang bei den Beduinen

 

Unendliche Weite - das kann nicht nur Afrika, das kann auch Asien, in dem Fall die arabische Halbinsel und Jordanien! Zwei Nächte habe ich im November 2017 in der Wüste des Wadi Rum verbracht und es war fantastisch. Eine Nacht schliefen wir im Beduinen-Zelt - und sahen nur den Sonnenuntergang, nicht den Aufgang. Aber die zweite Nacht verbrachten wir unter freiem Sternenhimmel, zählten Sternschnuppen - und wachten morgens mit den ersten Sonnenstrahlen auf.


Sonnenaufgang am Kilimandscharo 

 

Das Foto entstand kurz vor dem Gate zum Amboseli Nationalpark - ebenfalls in Kenia, im Februar 2017. Unsere kleine Reisegruppe war aufgeteilt in zwei Unterkünfte, die Low Budget (meine Freunde ich und) und die, die in einer etwas besseren Unterkunft schliefen. Und während wir die anderen Gäste abholten, strahlte der Himmel in diesen Farben. Es war der Wahnsinn! Leider liegt der Kilimandscharo entgegen gesetzt - er taugt besser zum Sonnenuntergang. 



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