Segeln auf dem Eiselmeer

Ein einwöchiger Segeltörn auf dem Eiselmeer in den Niederlanden, das war schon eine ganz besondere Klassenfahrt. Und deshalb hat sie hier auch ihren Platz verdient, obwohl die Tour auch schon viele Jahre zurückliegt. Damals war ich in der neunten Klasse, also gerade 15 Jahre alt.

 

Wir reisen jetzt also nicht nur zusammen auf das Ijsselmeer, sondern auch zurück in das Jahr 2001. 18 Jahre, das ist der Wahnsinn - aber zum Glück habe ich damals schon für eine Lokalzeitung geschrieben und auch über diesen Segeltörn, so lässt sich dann doch vieles der Reise rekonstruieren.


Mit dem Bus ging es im Mai 2001 ab unserem Heimatort in Baden-Württemberg nach Lemmer, im Nordwesten der Niederlande, an der Ost-Küste des Ijsselmeers. Dort war Abfahrt mit unserem Schiff.

 

Almere hieß unser Segelschiff, das nun für eine Woche unser Zuhause war, und schon stolze 104 Jahre alt war. Unser Kapitän Wamme gab uns Einweisungen - denn keiner von uns hatte schon Erfahrungen auf dem Gebiet. Er erläuterte etwa Schiffs- und Hafenordnungen, sprach über das Schiff, das Meer - eisige 11,5 Grad - und die kommende Woche.

 

Wir schafften das Gepäck an Bord und jeder suchte sich sein Zimmer aus. Zu viert schliefen wir jeweils in einem Raum unter Deck.

 

Die Nacht verbrachten wir zwar schon auf der Almere, aber noch im sicheren Hafen von Lemmer. Erst am nächsten Morgen setzten wir zum ersten Mal die Segel, um nach Stavoren zu kommen. Dort hatten wir es dann auch direkt das erste Mal mit hohem Seegang zu tun. Durch den Wind angepeitscht (der es auch sehr kalt machte), wackelte das Schiff hin und her und wir mussten alle Rettungswesten tragen. Was für ein erster Tag an Bord!

 

Trotzdem schafften es einige meiner Kameraden, auf dem Schiff zu schlafen, während andere die Aussicht genossen oder sich von Wamme und Maat Tom erklären ließen, wie das mit dem Segeln so funktioniert.

 

Am Abend liefen wir in Stavoren ein, das rund 30 Kilometer nordwestlich von Lemmer liegt. Wir hatten Freizeit und erkundeten die Stadt sowie das Segelboot unser Partnerschule, die Elisabeth.

 

Die Elisabeth hatte am nächsten Tag auch einen Vorteil, denn während die Almere mit einem Motorschaden im Hafen von Stavoren bleiben musste, konnte unsere Partnerschule zum nächsten Ziel fahren, der Nordseeinsel Texel. Wir nutzten den Tag dann kurzerhand, um eine 18 Kilometer lange Fahrradtour in Stavoren zu unternehmen und die Natur zu erkunden.

 

Am Abend war die Almere auch wieder einsatzbereit und wir entschieden uns, die Fahrt von rund 50 Kilometern noch am Abend anzugehen. Und so kamen wir in den einzigartigen Genuss, den Hafen von Stavoren beim Sonnenuntergang zu verlassen und unter einem herrlichen roten Himmel auf das Meer hinaus zu segeln.

 

Schon unterwegs hatten wir beschlossen, dass wir auch die Insel Texel mit Fahrrädern erkunden wollen, immerhin war herrlicher Sonnenschein angekündigt.

 

Allerdings haben wir uns dieses Mal Tandemräder gemietet, um damit 24 Kilometer weit zu radeln. Das hat auch für einige Heiterkeit gesorgt, da ein paar meiner Schulkameraden nicht so gut mit dem Tandem auskamen und in einen Graben fielen.

 

Wir hielten am Robbenpark "Ecomare", um uns ein wenig umzusehen, und nach der Robbenführung fuhren wir an den Nordseestrand, um uns im sehr kühlen Wasser zu erfrischen. Ich habe mich, wie man auf dem Foto sieht, immerhin bis zu den Knien ins eisige Wasser getraut. Der Tag endete mit dem Erkunden des Nachtlebens auf Texel (natürlich unter Aufsicht unserer Lehrer), und um Mitternacht ging es ins Bett.

 

Am nächsten Morgen um 7 Uhr setzten wir wieder die Segel und machten uns auf den Weg nach Enkhuizen, der bisher weitesten Fahrt der Tour. Deshalb mussten wir auch zeitig los, weil wir am Nachmittag noch das Zuiderseemuseum besuchen wollten, ein Freilichtmuseum, das von der Geschichte der Menschen am Zuidersee erzählt. Wir konnten auch selbst anpacken und Seile basteln und auf Stelzen gehen lernen.

 

Der nächste Tag war auch gleich schon der letzte dieses tollen Klassenausflugs, der definitiv anders war als der typische Berlin-Museum-Besuch. Wir setzten über, um nach Kampen zu kommen, wo das Ende der Segeltour war und unser Bus wartete. Allerdings ging das nicht ohne Zwischenfall, denn ein Mädel aus der Klasse hatte sich in ihrer Kabine mit Haarspray eingesprüht - was auf einem Holzboot deshalb verboten ist, weil dann der Feuermelder angeht.

 

Kaum waren alle wieder beruhigt, ging die Dichtung eines Schlauches kaputt und das Deck stand auf einmal unter Wasser. Wamme und Tom reagierten natürlich sofort und behoben den Schaden. So kamen wir dann doch sicher nach Kampen. Auf der Heimfahrt gab es im Bus dann gleich noch ein Malheur - keine 10 Kilometer vom Zuhause entfernt, ging der Bus kaputt. Es kamen aber alle heile an.


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