Schokolade, Kunst und Strand in São Tomé Stadt

Cidade de São Tomé ist die Hauptstadt des Landes São Tomé und Príncipe - und hier gibt es die weltbeste Schokolade! Bei einer Führung durch die Fabrik von Claudio Corallo, einem vor Jahrzehnten ausgewanderten Italiener, lernt man alles mögliche rund um die Schoki - vom Anbau bis zur Zusammensetzung, probieren inklusive. Aber auch sonst hat São Tomé einiges zu bieten: An den Stränden spielt das Leben, in der Festung wartet das National Museum und im Kulturzentrum CACAU wird gegessen, Kunst gezeigt und die Historie des Landes erläutert. Auf einer Reise auf die Insel sollte also definitiv ein Tag, eher zwei in der Hauptstadt eingeplant werden.


Ankommen, rumkommen, einkaufen

Unser Ausgangspunkt war, auf Empfehlung, die Villa Marilyn, etwas außerhalb vom eigentlichen Zentrum. Das Gelände ist super schön, in einem alten Kolonial-Gebäude finden sich verschiedene Zimmer. Es gibt einen Pool und einen aufmerksamen Service - wenn auch gleich beim Check In trotz genannter Zeit keiner da war (aber der Zuständige wohnt nur zehn Minuten entfernt, so hielt sich alles in Grenzen). Das Preis-Leistungs-Verhältnis war hier echt super, sodass wir sowohl die erste als auch die letzte Nacht auf der Insel hier verbracht haben.

 

Jeder, der nach São Tomé und Príncipe kommt, ist zwangsläufig in der Hauptstadt, denn hier sind Hafen und Flughafen. Es lohnt sich auch, Erledigungen hier zu machen, es gibt einige Supermärkte und auch Banken. Dort kann man gegen Vorlage der Kreditkarte Bargeld bekommen - denn Geldautomaten gibt es zwar, allerdings funktionieren die nur für einheimische Karten! Wir hatten unseren Mietwagen bei "Tortuga Car Rental" auch ab São Tomé gebucht und waren daher recht mobil. Allerdings ist die Stadt auch nicht so groß, es lässt sich alles recht schnell überblicken.

 

Wir haben auch anderthalb Tage in der Stadt selbst verbracht. Im Zentrum ist ein Markt, wo günstig Gemüse, Kleidung und Co verkauft wird. Auch ohne Portugiesisch-Kenntnisse hat das gut funktioniert und wir konnten ein bisschen Obst und Co kaufen.

 

Ein Tipp für Snacks zwischendurch oder ein Abendessen im lockeren Stil ist das Restaurant Jasmine in der Innenstadt. Zwischen Banken, Meer, Markt und Supermärkten gelegen ist das Restaurant echt süß. Der Innenbereich ist hübsch gestaltet, allerdings war es sehr heiß, als wir dort waren. Die Terrasse bot sich da eher für eine kleine Auszeit an. Die Preise sind für São Tomé auch erschwinglich. Pizza und Burger haben auf jeden Fall gut geschmeckt, war nichts super besonderes, aber auf jeden Fall nett für einen kleinen Abstecher.

 

Für Strandurlaub eignet sich die Hauptstadt nicht ganz so gut. Es gibt zwar einge nette Strände, an denen vor allem am Wochenende auch richtig viel los ist, weil die Stadtbewohner, vor allem Familien und Kinder, dort ihre Zeit verbringen. Aber durch die Nähe zur Stadt und zum Hafen und dadurch, dass hier bisweilen so viele Menschen baden, ist der Strand etwas vermüllt - was ich so bei anderen Stränden auf den Inseln nicht gesehen habe. Also lieber ein wenig raus aus der Stadt!

 

Kommen wir zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt - davon gibt es eigentlich nur drei nennenswerte: das Kultuzentrum CACAU, das Nationalmuseum in der Festung und die Schokoladenfabrik von Claudio Corallo. Das Nationalmuseum habe ich nicht besucht.

 

Das hatten wir eigentlich für den letzten Tag vor, aber dann war das Wetter so schön, dass wir doch lieber in der Villa Marilyn geblieben sind und den Pool und die Schiffschaukel genutzt haben! Wir sind am Abend nur noch zum Gebäude geschlendert und haben uns die Festung aus dem 16. Jahrhundert von außen angeschaut.

 

Rund um die Festung an der Nordspitze der Stadt war richtig was los. Hier fanden sich vor allem viele Jugendliche und junge Menschen, die auf der Straße, im nahegelegenen Park oder direkt rund um die Festung feierten und badeten und Spaß hatten. Es war schön und trubelig - so ganz anders als die restliche Zeit, die wir auf São Tomé verbracht haben.

 


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Die weltbeste Schokolade: Besuch bei Claudio Corallo

Ein Besuch in der Schokoladenfabrik von Claudio Corallo ist ein absolutes Muss - es ist wahrscheinlich der meistbesuchte Ort auf São Tomé. Nach Ansicht so manch eines Kritikers, unter anderem der New York Times, macht Claudio Corallo, ein vor Jahrzehnten ausgewanderter Italiener, nämlich die beste Schokolade der Welt!

 

Claudio wuchs in Italien auf und beschäftigte sich dort mit Landwirtschaft und wurde 1974 von der Regierung der Demokratischen Republik Kongo angeworben, um dort zu beraten. In DRC kaufte er sich dann Acker und begann mit dem Kaffeeanbau.

 

Er selbst sagt, er sei immer auf der Suche nach dem besten. Er ging nach Bolivien und baute dort Kakao an, aber mit den Bohnen war er nicht zufrieden, also versuche er es auf São Tomé und Príncipe, wo er nun seit mehr als 35 Jahren Kaffee und Kakao anbaut.

 

Was seine Bohnen so besonders macht? Er hat ein minikitzekleines Stäbchen in der Kakao-Bohne gefunden, die die Bohne bitter macht. Das wird aus jeder Bohne herausgeholt, sodass seine Schokolade, selbst wenn sie zu 100 Prozent nur aus Schokolade besteht, ohne Zusatz von Zucker oder Milch, nicht bitter schmeckt.

 

Bei der Fabriktour, die man vorbuchen sollte und die rund 5 Euro Eintritt kostet, erzählt Claudio persönlich seine Geschichte und seine Liebe zu Kakao und Kaffee - er mag übrigens keine Schokolade, aber das nur am Rande erwähnt! Die große Plantage, die er auf Príncipe bewirtschaftet, ist für Besucher allerdings tabu.

 

Bei dem Besuch lernt der Gast dann alles über Schokolade, vom richtigen Anbau der Kakao-Pflanzen über das ernten der Früchte, das Auseinandernehmen der Bohnen und das Verarbeiten eben jener. Die Bohnen dürfen auch im rohen Zustand probiert werden.

 

Danach geht es an das Testen von Schokolade: Ich hatte zuvor noch nie 100 Prozent Schokolade gegessen - und auch wenn es nicht so ganz mein Fall war, war es doch auf jeden Fall speziell - und hat tatsächlich nicht bitter geschmeckt, wohl aber sehr sehr herb. Es ist aber nichts, was sich für abends aufm Sofa vor dem Fernseher eignet.

 

Danach präsentiert Claudio noch weitere Schokolade, meistens mit einem Kakaoanteil von 70 bis 80 Prozent, dazu kamen dann Dinge wie Ingwer, Orangen, Kaffeebohnen oder Rum, außerdem ist dann auch reiner weißer Zucker enthalten. Die Schokolade ist ganz fein, hat trotzdem einen leicht herben Geschmack und ist auf jeden Fall was ganz besonderes. Man merkt, wie viel Liebe und wie viel Geduld Claudio investiert, um die in seinen Augen perfekte Schokolade herzustellen. Nach wie vor ist er übrigens auf der Suche nach einer Methode, die Schoki noch besser zu machen. Allerdings ist die Schokolade insgesamt eher etwas für Genießer, weniger für die Fraktion Milka. Aber so eine Tafel einfach wegzuessen, würde Claudio nicht gerecht - und ginge auch ganz schön ans Geld. Man kann die Schokolade übrigens auch in Deutschland bestellen, in Venlo ist der Vertrieb für den europäischen Markt.

Kunst, Geschichte und Gastro im CACAU

CACAU ist eine Abkürzung für Casa das Artes Criação Ambiente e Utopias und ist eine einmalige Einrichtung auf der Insel. In der alten Bahnhofshalle treffen Kunst, Galerie und historisches Museum aufeinander.

 

Die Halle ist weitestgehend für Kunst genutzt, an den Wänden finden sich zahlreiche Malereien und Gemälde. Vor allem im Außenbereich finden sich zudem Skulpturen, auch die Tische und Stühle sind ganz speziell hergestelt. Definitiv ein Ort, der Lust macht, auf Erkundungstour zu gehen!

 

Die Werke sind meist von lokalen Künstlern und einige der Malereien kann man auch kaufen. Es gibt auch noch einen Art-Shop in der Halle, allerdings hatte der zu, als wir dort waren - obwohl laut Reiseführer und Aushang in der Halle geöffnet sein sollte. Darauf sollte man sich also nicht unbedingt verlassen. Dafür lohnt es sich, vor dem Besuch einen Blick auf die Facebook-Seite zu werfen, denn dort werden Daten für Konzerte, Ausstellungs-Talks und mehr veröffentlicht.

 

Außerdem ist CACAU aber auch ein Restaurant. Wir waren nachmittags dort, es gab keine anderen Gäste, aber wir konnten problemlos a la carte bestellen - und das ist auf São Tomé gar nicht so oft der Fall! Donnerstags gibt es wohl abends ein Bufett mit allerlei Auswahl - das Angebot ist vor allem bei Expats, also ausländischen Bewohnern der Hauptstadt, beliebt, weil es nicht ganz günstig ist.

 

In einem weiteren, abgetrennten Teil der Halle, gibt es zwei Räume, in denen jüngst ein historisches Museum eröffnet wurde. Als wir dort waren, war es nahezu fertig und man konnte schon einen guten Eindruck gewinnen. Der Eintritt ist kostenlos - und es lohnt auf jeden Fall, eine halbe Stunde bis Stunde seiner Zeit hier zu investieren.

 

Obwohl der Besuch an meinem letzten Tag auf São Tomé war, habe ich noch viel Neues gelernt - etwa dass die Eisenbahn kurz nach der Fertigstellung auch schon wieder eingestellt wurde. Außerdem gibt es Interessantes zu verschiedenen Kapiteln der Geschichte - zum Beispiel, dass es auf São Tomé keine Anwohner gegeben haben soll, bis der transatlantische Sklavenhandel in Gang kam und die Portugiesen Menschen hierhin gebracht haben. Außerdem gibt es eine Erklärung, warum heute so viele Plantagen verfallen sind: Durch Sklaverei und Zwangsarbeit hat diese Tätigkeit so einen schlechten Ruf, dass auch heute keiner mehr freiwillig dort arbeiten möchte. Das hat mich sehr berührt.


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