Exportschlager: Auf einer Rosenfarm in Kenia

Wusstet ihr, dass die meisten Rosen, die auf dem deutschen Markt verkauft werden, aus Kenia stammen? Manche landen zwar über einen kleinen Umweg in Holland in Deutschland, aber viele Rosen stammen von einer von Dutzenden Rosenfarmen am Lake Naivasha rund 80 Kilometer nördlich von Nairobi.

 

Wer sich im Rift Valley und rund um Naivasha aufhält, kann die Farmen besuchen. Führungen kosten meistens nichts, wobei sich der/die Guide über Trinkgeld freut. Meistens lassen sich die Touren auch sehr spontan organisieren, ich rief erst drei Stunden zuvor an.


Rund um Naivasha gibt es eine große Auswahl an Rosenfarmen. Die meisten brüsten sich damit, fair zu produzieren, aber inwiefern das deutsche fair dem kenianischen entspricht und inwiefern es überhaupt stimmt, lässt sich natürlich nur schwer überprüfen.

 

Als ich meine Familie in Kenia dabei hatte, kam der Wunsch auf, eine Rosenfarm zu besuchen. Ich weiß, dass Oserian zwischen Lake Naivasha und Hell's Gate solche Führungen anbietet, wir haben die Tour jedoch bei Maridadi Flowers gemacht, da ich von ihnen am schnellsten einen Rückruf erhalten hatte.

 

Direkt am Eingang wurden wir von zwei Damen empfangen, die den Rundgang mit uns machten. Sie fragten vorher, was wir sehen wollen, wie viel Zeit wir haben und was uns am meisten interessiert. Es war auf jeden Fall schön, dass wir den Besuch so mitbestimmen konnten. Rund anderthalb Stunden waren wir schließlich vor Ort.

 

Zuerst wurden wir in die riesigen Treibhäuser geführt, wo uns die beiden Frauen alles Wissenswerte zum Anbau erzählten. Wir lernten Rosen nicht nur an Hand von Farbe, sondern auch an Hand von Länge zu unterscheiden. In jedem Treibhaus findet sich eine andere Sorte, die spezielle Pflege braucht, weshalb in jedem Treibhaus auch festes Personal arbeitet, das nicht einfach wechseln kann, wenn andernorts jemand krank ist.

 

Wir erfuhren, wie die Pflanzen bewässert werden (inzwischen wohl nicht mehr aus dem Lake Naivasha, nachdem der sehr viel Wasser verloren hat), was man gegen Schädlinge unternimmt (mal mit Chemie, mal auf natürliche Art) und dann durften wir auch einer Truppe beim Ernten und Sortieren (nach Stillänge) zuschauen.

 

In einen Bund kommen immer Rosen mit der gleichen Stillänge. Deshalb werden sie direkt noch im Treibhaus vorsortiert. Jede Blume wird einzeln in eine Messanlage gelegt und wandert von dort aus in einen Eimer. Ist der Eimer voll, kommt er auf eine Schubkarre und ist die Schubkarre voll, werden die Pflanzen abtransportiert.

 

Es ist schon erstaunlich, dass man hierzulande einen Bund Rosen mit acht Pflanzen für zwei, drei Euro kaufen kann, wenn man sieht und bedenkt, wie viele Menschen an der Produktion beschäftigt sind und noch alles per Hand machen: pflegen, schneiden, sortieren, binden, verpacken.

 

Vom Treibhaus aus machen wir noch einen kleinen Rundgang über die Anlage mit einem Wasserdepot und alle unsere Fragen werden beantwortet. Ob das immer wahr ist (etwa, wenn man uns erzählt, dass man nur acht Stunden Dienst hätte, aber die Pflückzeiten eigentlich schon darüber hinaus gehen), sei mal dahin gestellt.

 

In einer großen Halle schließlich werden die Rosen verarbeitet und auch hier dürfen wir zuschauen und Fragen stellen.

 

Auf einem Tisch werden die Stile zurecht geschnitten, nicht mehr schöne Blätter entfernt. An einem anderen werden immer acht oder zehn Rosen, je nach Sorte, zusammen gebunden. Meistens sind es die gleichen Farben, manchmal auch bunt gemischte Sträuße.

 

Ist der Bund erstellt, wird er mit Pappe verpackt, sodass die Pflanzen rundum geschützt sind. Die Papp-Bündel werden dann wiederum in größeren Kisten gelagert. Ein Fließband bringt die Ware schließlich in das riesige Kühlhaus.

 

Jeden Tag starteten gleich mehrere Cargo-Flieger mit Rosen an Bord nach Europa. Maridadi, die Farm, die wir besuchten, gehört einem Niederländer, die Blumen werden also erst einmal nach Amsterdam geflogen.

 

Bis sie abgeholt werden, lagern sie im Kühlraum, am Nachmittag kommt ein perfekt gekühlter Lastwagen, der die Blumen zum Flughafen bringt, wo sie ins ebenfalls bestens temperierte Flugzeug verladen werden. Wird es den Rosen nämlich zu warm, gehen sie kaputt. Und das wäre ein Millionenschaden.

 

Wer sich noch weiter für die Rosenfarmen in Kenia und den Transport interessiert, kann mal in eine Dokumentation vom Hessischen Rundfunk reinschauen, die den Weg der Rosen sehr spannend nachzeichnet.