Die 10: Highlights in der Dreiflüssestadt Passau

Genau zehn Jahre ist es jetzt her, dass ich Passau verlassen habe. Für drei Jahre war ich zum Studium dort. Die Stadt ist wunderschön, keine Frage. Vor allem die Altstadt hat ein tolles Flair. Sie liegt auf einer Art Halbinsel, denn Donau und Inn umrahmen sie und fließen an der Ortsspitze zusammen - nur wenige Meter nachdem die Ilz in die Donau mündet. Hier zeigt sich ein herrliches Farbenspiel, denn die drei Flüsse haben unterschiedliche Farben: Die Donau ist blau (wobei oft eher bräunlich), der Inn ist grün und die Ilz schwarz. Eine Weile fließen die verschiedenen Ströme nebeneinander her, ehe sich die Farben vermischen. Einen tollen Blick darauf hat man von der Burg Veste Oberhaus.


Drei Jahre lang habe ich in Passau studiert und dort meinen Bachelor in Medien und Kommunikation gemacht. Zugegeben, das ist schon eine ganze Weile her - 2006 bis 2009, aber mit den Jahren werde ich ein wenig milder, was die Beurteilung der Stadt angeht. Denn auch wenn ich Passau zum Studieren nicht noch einmal auswählen würde, hat die Kleinstadt unheimlich schöne Ecken - die nicht nur für Rentner auf Donaukreuzfahrt interessant sind. Und deshalb bin ich mal ein wenig in mich gegangen und habe meine alten Fotoalben durchwühlt - und heraus gekommen sind meine zehn Tipps für euren Besuch in Passau. Der lohnt sich jetzt im Dezember übrigens ganz besonders, denn der Weihnachtsmarkt auf dem Domplatz in der Altstadt ist wunderschön!



Die 10: Dom St. Stephan besichtigen

Der Klassiker! Der St. Stephans Dom ist sicher das Merkmal Passaus - denn die Türme kann man von fast überall aus sehen. Die Bischofskirche wurde 1221 als gotisches Bauwerk erbaut (zumindest angefangen) und thront seither rund 13 Meter oberhalb der Donau - auf dem höchsten Fleck der Altstadt. Sein heutiges barockes Aussehen erhielt er 1668 nach den verheerenden Bränden, die die Altstadt weitgehend zerstörten. 

 

Ich bin ja kein großer Fan von Kirche und Kirchen - aber ein Besuch in diesem Dom, einem der größten in der Region, muss einfach sein. Vor allem das Mittelschiff mit den zahlreichen Fresken und Stuckverzierungen ist imposant. 

 

Außerdem ist natürlich die Orgel das Aushängeschild: Wusstet ihr, dass im St. Stephan Dom die größte Domorgel der Welt steht? Dazu gehören insgesamt fünf Orgeln, die allesamt noch nicht so alt sind und von der Passauer Firma Eisenbarth gebaut wurden, mit zusammen 17.974 Pfeifen und 233 Registern. 

Die 9: Zusammenfluss-Farbenspiel von Donau, Inn & Ilz

Passau nennt sich auch Dreiflüssestadt - das liegt daran, dass es hier drei Flüsse gibt: Donau, Inn und Ilz, wobei letztere bisweilen eher Bach als Fluss ist.  Während in den meisten Städten die Flüsse eher nebeneinander her existieren und maximal zwei Flüsse zusammenfließen, gibt es in Passau das Dreiflüsseeck, an dem sich Ilz, Donau und Inn treffen. Und das gibt ein herrliches Farbenspiel! Denn die Ilz hat eher schwarzes Wasser, der Inn grünes und die Donau, wie alle wissen, blaues. 

 

Am Dreiflüsseeck, das die Spitze der Altstadt bildet fließen Inn und Donau direkt zusammen. Doch nur wenige Meter zuvor fließt die Ilz in die Donau, weshalb sich von der Ortsspitze aus tatsächlich alle drei verschiedenen Farbnuancen sehen lassen. 

 

Ohnehin ist die Ortsspitze aber schön. Die Ecke ist grün gestaltet, es gibt zahlreiche Sitzbänke und einen Kinderspielplatz - mit einer Seilbahn. Da hab ich auch als Erwachsene öfter mal eine Runde gedreht! Nicht weit entfernt, am Inn entlang, gibt es zudem den Schaiblingsturm, eines der vielen Wahrzeichen Passaus. Dort an der Stelle steht der Turm übrigens schon sehr lange, seit 1250, und kann damit auch einiges an Stadtgeschichte erzählen. Wer am Innkai entlang geht, rund um den Schaiblingsturm, sollte zumindest im Sommer auch mal auf die Mauern zur Stadt achten - dort verstecken sich Dutzende Eidechsen. 

Die 8: Von der Veste Oberhaus auf die Stadt blicken

Einen der schönsten Ausblicke auf die Stadt hat man als Passau-Besucher von der Veste Oberhaus aus. Die Ursprünge der Burg reichen ins Jahr 1219 zurück. Das dürfte jetzt vielleicht etwas überraschend kommen, da der Schriftzug 1499 deutlich sichtbar in gelb-goldener Schrift an der Fassade gen Stadt prangt. Aber 1499 war nur eines von vielen Jahren, in denen die Burg erweitert wurde. 

 

Die Burg kann man heute besichtigen, zumindest Teile davon. Wer nicht nur auf dem weitläufigen Gelände herumspazieren möchte, besucht das Stadtmuseum, das Restaurant oder die Sternwarte. Seit vielen Jahren kann man auch in der Veste Oberhaus übernachten, es gibt dort nämlich eine Jugendherberge. Wem die Aussicht vom Areal aus noch nicht reicht, der klettert auf den Observationsturm mit einem tollen Ausblick über die Stadt. 

 

Außerdem solltet ihr auf jeden Fall die Terrasse Batterie Linde besuchen - denn von hier aus habt ihr den wahrscheinlich besten Blick auf das Dreiflüsseeck. Viele der typischen Bilder aus der Luft, wo der grüne Inn, die blaue Donau und die schwarze Ilz zusammenfließen und man die Farben deutlich erkennen kann, stammen von hier! 

 

Unterhalb der Veste Oberhaus findet sich übrigens die Veste Niederhaus, direkt am Zusammenfluss von Ilz und Donau und die ist sogar noch älter als die Veste Oberhaus, sie soll nämlich schon im 8. Jahrhundert entstanden sein. Eine Brücke verbindet die beiden Burgen.

 

Im Laufe der Zeit war die Veste Niederhaus Pilgerstätte und Herberge, Gefängnis und Kriegswall. Im Gegensatz zur Veste Oberhaus ist die Veste Niederhaus aber in Privatbesitz und daher nicht zugänglich - man kann sie nur von außen betrachten.  

Die 7: Kneipen in Inn- und Altstadt, tanzen in der Camera

Da Passau eine Studentenstadt ist - auf 50.000 Einwohner kommen 13.000 Studenten -, gibt es natürlich auch eine Szene zum Ausgehen und Feiern. Als ich noch studiert habe, waren wir oft in der Innstadt unterwegs. Auf der anderen Seite der Uni, am anderen Ufer des Inn gelegen (mit dem Auto über die Brücke am Stadttheater erreichbar, für Fußgänger gibt es einen Steg an der Uni), gab es dort viele Kneipen und Bars.

 

Es gab sogar die Innstadt-Tour: Wer in einer gewissen Zeit in jeder Bar einen Schnaps getrunken hatte (man hatte nicht nur einen Abend Zeit), bekam eine Innstadt-Jacke geschenkt - ich habe natürlich eine. Allerdings gibt es die meisten dieser Kneipen inzwischen nicht mehr. Doch die, die ich damals am liebsten mochte, hat überlebt: Wahns' Inn. Hier gibt es nicht nur allerlei Getränke zum Studenten-Budget-freundlichen Preis, sondern auch Spiele, die man sich ausleihen und zusammen spielen kann. Ein ähnliches Konzept hat das Kreuzweis in der Altstadt, also auf der anderen Inn-Seite, auch das ist eine Kneipe mit Spielen, die man sich ausleihen kann. Allerdings ist das Kreuzweis noch ein bisschen mehr Cafe oder Wirtshaus. 

 

Für die späte Stunde bietet sich die Camera an, zumindest war das früher so. Hier habe ich wahrscheinlich die meisten Partys meiner Studentenzeit gefeiert. Einmal im Monat war 90er Party und dann fand man uns alle in der Camera.

 

Der Schuppen ist dieser typische abgefuckte Laden, wo zu später Stunde der Schweiß von den Decken tropft und man sich manchmal fragt, wie die Zulassung genehmigt worden sein kann, so stickig wie es darin ist. Aber es ist eben auch Kult und meine Studentenzeit wäre ohne die Camera deutlich langweiliger gewesen. 

 

Das Cubana gab es früher auch schon, hier waren wir hin und wieder zum Cocktail-Trinken. Ein Laden, den wir hingegen eher gemieden haben, war die Disco Go, weil das Publikum dort echt nicht so dolle war. Mittwochs gibt es dort (ich habe nachgesehen, gibt es tatsächlich immer noch!) eine Wallstreet-Party, das heißt, Getränkepreise reagieren auf die Nachfrage. So kann man sich quasi den ganzen Abend für 1 Euro von Getränk zu Getränk hangeln. Das wiederum erklärt aber wahrscheinlich auch das Publikum. 

Die 6: Besuch im Scharfrichterhaus

Foto: Rosa-Maria Rinkl
Foto: Rosa-Maria Rinkl

Das Scharfrichterhaus ist die Adresse für alle Kultur-Interessierten in Passau! Hier hat sich über die Jahre ein Haus etabliert, das deutschlandweit einen Namen hat, vor allem im Bereich Kabarett und Satire, aber auch Jazz-Musiker sind hier gern zu Gast. Über die Jahre sind allerlei bekannte Kabarettisten ein- und ausgegangen, auch Ottfried Fischer und Hape Kerkeling. 

 

Das Zentrum ist auch deshalb recht speziell, weil es als eine Art Gegenpol zum sehr sehr konservativen Umfeld in Passau geschah, denn hier haben vor allem die CSU, die Kirche und die Bauern was zu sagen. Das Scharfrichterhaus sorgte in den 70ern für ein paar kleine angebliche Skandälchen, so wurden die Kabarettisten vom Bistum wegen Gotteslästerung angezeigt. Inzwischen ist das Scharfrichterhaus nicht nur kulturelle Live-Spielstätte, es gibt auch ein kleines, schnuckeliges Kino, in dem vor allem ältere Art-House-Filme gezeigt werden. Auch das lohnt einen Besuch!  

Die 5: Baden in der Ilz

Die Ilz im Stadtteil Hals. Foto: Aconcagua
Die Ilz im Stadtteil Hals. Foto: Aconcagua

In Passau gibt es zwar viel natürliches Wasser, aber nicht viele Möglichkeiten, auch in der Natur zu baden - die meisten Schwimmer nutzen das PEB, das Frei- wie Hallenbad zugleich ist. In der Donau und im Inn ist das Baden nicht erlaubt. In der Ilz hingegen ist es an manchen Stellen möglich, denn galt der Fluss 1993 noch als so verschmutzt und keimbelastet, dass auf den kompletten 40 Kilometern Flusslauf ein Badeverbot herrschte, ist die Renaturierung inzwischen abgeschlossen. 

 

Wer sich nicht mit den kleinen grünen Flecken zufrieden gibt, fährt noch etwas weiter hinaus aus dem Zentrum, in den Stadtteil Hals. Nach 20 Minuten Radfahren erreicht man den Unteren Ilzsee. Es ist kein offizieller Badesee und das Schwimmen erfolgt auf eigene Gefahr, aber man trifft hier im Sommer viele Menschen an. 

Die 4: Auf der Dult feiern

Na gut, dieser Tipp dient nur jenen, die zur richtigen Zeit in Passau sind - aber was dem Münchner sein Oktoberfest, ist dem Passauer seine Dult! Und die gibt es gleich zweimal: die Herbstdult traditionell im September, die Maidult im Mai. Jeweils für zwei Wochen wird gefeiert, mit Fahrgeschäften, Imbissbuden und natürlich Bierzelten! Hier wird zur Maß auf dem Tisch getanzt und natürlich zur Musik gegröhlt.

 

Kleiner Fun-Fact über mich: Hier auf der Dult habe ich mein erstes Langos gegessen und mich unsterblich in den fettigen frittierten Teig verliebt! Noch heute bin ich meiner Studienkollegin Anna dankbar dafür!

 

Wer nun nicht zu dieser Zeit in Niederbayern ist, muss nicht auf das bayerische Bier verzichten: Passau selbst hat noch drei Brauereien, im Sommer ist der Biergarten Bräustüberl Hacklberg sehr beliebt, im Winter das Brauhaus von Löwenbräu.

Die 3: 321 Stufen zum Kloster Mariahilf aufsteigen

Wie ein langer Tunnel von der Stadt hinauf zieht sich der Zugang zum Wallfahrtskloster Mariahilf. Im 17. Jahrhundert wurde die ursprüngliche Kirche mit zwei Kirchtürmen gebaut. Wer in der Stadt ist, kann entweder mit dem Auto hinauf fahren, oder aber zu Fußgehen, wie einst Kaiser Leopold I. nach seiner Flucht aus Wien vor den Türken.  

 

Bei meinem ersten Besuch war ich tatsächlich mit dem Auto oben und bin nur ein paar Stufen den Tunnel hinunter gegangen. Das fand ich richtig faszinierend, weil beide Wandseiten mit Bildern geschmückt sind. So fühlt sich der Weg nicht so lange an. Beim zweiten Mal habe ich mich dann ganz ursprünglich auf den Weg gemacht, mit dem Start in der Innstadt und eben hinauf. 

 

Die Wallfahrtskirche, die heute von den Paulinern (und nicht mehr von den Kapuzinern, wie einst) verwaltet wird, ist das Zentrum des Gebäudekomplexes. Drum herum finden sich noch weitere historische Bauten: Das kleine Schloss von Domdekan Marquard von Schwendi, der die Kirche 1622 erbauen ließ, das Kloster wsowie der Brunnen St. Anna befinden sich ebenfalls unmittelbar in der Nähe. 

 

Immer wieder gibt es von dem Areal aus wunderschöne Ausblicke hinunter auf Passau - auf die Altstadt mit Dom, das Dreiflüsseeck, und auf die Anhöhe auf der anderen Seite der Stadt mit der Veste Oberhaus. Passau wirkt quasi umzingelt. 

Die 2: Kajak fahren auf dem Inn

Baden ist im Inn zwar nicht, dafür aber Kajak und Kanu fahren! Wir sind gerne von der Uni aus flussaufwärts bis zum Wasserkraftwerk gefahren. Manchmal haben wir dann noch den Abstecher über die Donau genommen und sind ein Stück die Ilz hoch. In den meisten Zeiten ist es erlaubt, auf der Ilz zu fahren, allerdings solltet ihr das vorab checken, das hängt unter anderem mit dem Wasserpegel zusammen. Dort kann man aber sehr gut im Biergarten Hacklberg anlegen und eine Pause machen - und sich vom vielen Paddeln erholen. 

 

Ich war damals jede Woche von der Uni aus Kajak und Kanufahren. Allerdings gibt es auch verschiedene Angebote von Kanu- und Kajak-Verleihern für einen Tag. Beim Inn solltet ihr nur kurz vor dem Wasserwerk aufpassen, dass ihr nicht versehentlich zu nah ran fahrt. Und auf der Donau - vor allem beim Kreuzen - gut nach den größeren Schiffen schauen. Die sehen euch im Zweifel nicht oder schlagen so hohe Wellen, dass ihr kentert. 

Die 1: Durch die Altstadt schlendern

Zum Abschluss noch ein Klassiker: Aber die Altstadt in Passau ist auch schlicht das Sehenswerteste in der Stadt! Oft heißt es, Passau sei ein typischer Ort für Rentner und in der Tat findet man hier viele ältere Menschen zwischen den Alstadt-Gassen. Aber die Altstadt ist wirklich unglaublich schön und kann auch jüngere begeistern. 

 

Ein paar Highlights der Altstadt habe ich euch schon vorgestellt: Der Dom ist das Zentrum der Altstadt und auch die Ortsspitze mit dem Dreiflüsseeck gehört zum Stadtteil. Die Ortsspitze ist auch der Ausgangspunkt der ersten Siedlung, die hier bereits vor rund 2100 Jahren entstand und sich nach und nach ausdehnte. 

 

Aber hier will ich den Fokus auf etwas anderes legen: die kleinen Gässchen, durch die man herrlich schlendern kann. Die Pfaffengasse taugt hier gut als Beispiel, sie ist schmal und eng - und steigt steil an. Wer übrigens die Altstadt erkundet, sollte keine High Heels tragen, denn hier gibt es noch überall Kopfsteinpflaster.  

 

Das heutige barocke Erscheinungsbild der Altstadt kommt durch eine Katastrophe: Denn der Wiederaufbau der Altstadt begann Ende des 17. Jahrhunderts, nachdem zwei verheerende Brände weite Teile des heutigen Zentrums Passaus zerstört hatten. Aber auch die für die Gegend typischen Bürgerhäuser im Inn-Salzach-Stil mit ihren einheitlichen, pompösen Fassaden, prägen heute das Bild. 

 

Was ich an der Altstadt neben den schmalen Gassen, die meist zu Donau und Inn hin abfallen, so gerne mochte, waren oder sind die vielen kleinen Geschäfte, die sich dort finden. Hier kann man beispielsweise frisch geblasenes Glas oder auch anderen Kram kaufen. Seit ein paar Jahren gibt es in der Altstadt auch einen Store von MyMuesli - das beliebte Müsli, das schon mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde, wurde in Passau erfunden! 

 

Für alle Sisi-Fans gibt es auch ein kleines Highlight, inzwischen gibt es sogar "Sisi"-Stadtführungen. Schon lange populär ist allerdings ein Besuch im Hotel Wilden Mann, dort kann man das original Hotelzimmer der ungarisch-österreichischen Kaiserin betrachten. 

 

Besonders schön ist die Altstadt übrigens in der Vorweihnachtszeit. Der Christkindlmarkt findet vor dem Dom statt und hat eine sehr schöne Atmosphäre. 



PS: Du möchtest mir etwas zu dem Artikel sagen? Du hast eigene Gedanken und Anregungen, oder auch Kritik, die du einbringen möchtest? Ich freue mich über deinen Kommentar. Du kannst auch als Gast kommentieren. Hierfür musst du in das Namensfeld klicken und deinen Namen eingeben, dann öffnet sich ein Reiter, in dem du "lieber als Gast kommentieren" auswählen kannst.