Nashörner und Schimpansen im Schutzgebiet Ol Pejeta

Das private Schutzgebiet Ol Pejeta in Laikipia in Kenia ist die Heimat der letzten beiden noch lebenden Northern White Rhinos. 2018 ging die Nachricht um die Welt: Sudan, der letzte Bulle des nördlichen Breitmaulnashorn, verstarb. Nun gilt diese Art als ausgestorben, denn es gibt nur noch zwei Weibchen - die extrem geschützt werden. Doch nicht nur für Nashörner ist eine Rundum-Überwachung in Ol Pejeta, das auf dem Äquator liegt, zu finden. Hier gibt es auch die einzige Möglichkeit in Kenia, Schimpansen zu sehen. Allerdings nicht in freier Wildbahn. In einem größeren Waldabschnitt können sich die insgesamt 37 Tiere, die zuvor etwa als Haustiere gehalten wurden, bewegen.


Am Fuße des Mount Kenya, dem nach dem Kilimandscharo zweithöchsten Berg Afrikas, liegen nicht nur staatliche Nationalparks, sondern auch die einzigen größeren privaten Wildtierschutzgebiete Kenias. Ol Pejeta, rund vier Autostunden von der Hauptstadt Nairobi entfernt, ist vor allem bekannt für seine Arbeit im Schutz von Nashörnern. Hier lebten die letzten drei nördlichen Breitmaulnashörner weltweit - bis der Bulle Sudan 2018 starb und nun nur noch zwei Weibchen verblieben sind.

 

Ol Pejeta ist gleichzeitig der teuerste Park in Kenia. Satte 90 US-Dollar Eintritt müssen Touristen pro 24 Stunden zahlen. Dazu sind die Unterkünfte im Park hochpreisig - einige günstigere Alternativen stelle ich euch weiter unten vor.

 

Für mich war Ol Pejeta etwas gewöhnungsbedürftig, weil es sehr viele Zäune und Absperrungen im Park gibt. Bei einigen kann ich es sehr gut nachvollziehen, etwa bei den Schimpansen oder den beiden letzten Northern White Rhinos, aber insgesamt mag ich die offenen Flächen in den Nationalparks, wo Tiere sich ohne Zäune frei bewegen können, lieber.

Laikipia: Wildtiere auf dem Äquator

Ol Pejeta liegt auf der Nulllinie - quer durch das Reservat und auch durch den Nationalpark Mount Kenya verläuft der Äquator. Es gibt an einigen Stellen Schilder, die darauf hinweisen. Auf dem Weg zum Reservat überquert man den Äquator ein- bis zweimal und verschiedene Locals bieten ihre Dienste an  und wollen anhand von Wasserbechern vorführen, dass wir wirklich auf der Nulllinie sind.

 

Von den Wildtieren her kann Ol Pejeta mit den großen Parks locker mithalten. Laikipia, wozu beispielsweise auch das Lewa Consercancy gehört, hat nach der Masai Mara die höchste Tierdichte in Kenia. Und hier gibt es, wie schon erwähnt, die besten Chancen, Nashörner zu entdecken - allerdings dazu gleich mehr.

 

Elefanten, Löwen, Nashörner, Büffel, Leoparde, Geparde, Wildhunde, Gnus, Flusspferde, Zebras, allerlei Antilopen- und Gazellen-Arten, Giraffen und mehr leben hier zusammen. Generell hatten wir - ich war dieses Mal mit einer Freundin unterwegs - ein wenig Pech, was die Katzen angeht. Weder Leopard noch Gepard haben wir gesehen und auch nur eine Löwin.

 

Das war allerdings eine spezielle Sichtung, denn sie hatte gerade ein Zebra gerissen. Zunächst bewachte sie die Beute noch und wir konnten sie beobachten. Doch dann ließ sie plötzlich davon ab, als sie satt war, und spazierte gemütlich neben unserem Auto vorbei ins Gebüsch. Zugleich machte sich ein Adler an dem toten Zebra zu schaffen.

 

Sehr viel Glück hatten wir hingegen mit einer anderen Katzenart: Hyänen! Ja, ich dachte auch lange, dass sie zu den Hunden gehören, aber ich wurde kürzlich eines besseren belehrt. Zunächst entdeckten wir eine einzelne Hyäne und als wir zum Fotografieren näher heran fuhren, sahen wir zwei kleine Ohren und einen kleinen Kopf am Horizont. Wir fuhren also etwas weiter und siehe da: Zahlreiche Hyänen mit ganz viel Nachwuchs.

 

Da war eine Hyänen-Mama mit zwei Neugeborenen. Sie konnten sich kaum auf den Beinen halten und auch die Augen kaum öffnen. Sie waren auch noch ganz schwarz. Das war zu süß, sie sahen aus wie kleine Bärenkinder! Eine weitere Hyänen-Mama hatte minimal ältere Kinder. Sie waren noch weitestgehend schwarz, nur der Kopf verfärbte sich schon bräunlich, aber die beiden waren schon deutlich agiler.

 

Und dann gab es noch die älteren Hyänenkinder, die nur noch etwas dunkler waren als die erwachsenen und fast am süßesten waren - sie sahen schon am ehesten aus wie Hyänen. Alle spielten zusammen, die Mütter trugen die Kinder durch die Gegend, die Kinder ärgerten sich und tobten und mussten dann bei Mama Milch tanken.

 

Sehr amüsant war auch zu sehen, dass eine Warzenschwein-Familie so gar keine Angst davor hatte, gefressen zu werden. Ein Pumba setzte sich gar einfach in einen Hyänenbau hinein! Die Pumbas liefen zwischen den Hyänen umher als wären sie alle beste Freunde... Dabei jagen Hyänen - entgegen ihrem Ruf - auch selbst Beute. Und dazu gehören eigentlich auch Warzenschweine. Aber man schien sich miteinander arrangiert zu haben.

Besonders schutzbedürftig: Nashörner

Es gibt einen sehr traurigen Ort in Ol Pejeta: Den Nashorn-Friedhof. Hier liegen Tiere begraben, die eines natürlichen Todes gestorben sind, etwa der letzte nördliche Breitmaulnashornbulle Sudan oder eines seiner Kinder. Die meisten der 20 Gräber allerdings gehören Nashörnern, die durch Wilderei in Ol Pejeta getötet wurden. Meistens fand man den Kadaver ohne Hörner vor, sie wurden abgetrennt.

 

Mich hat der Ort sehr traurig, aber auch sehr wütend gemacht. Ich verstehe nicht, wie man solchen Tieren so etwas antun kann. Sie sind so friedlich und zurückhaltend und irgendwie für mich auch wie aus der Zeit gefallen, da sie mich doch stark an Dinosaurier erinnern. Aber der Mensch schafft es - obwohl im Horn nichts als Keratin ist, woraus auch der menschliche Fingernagel besteht -, diese Tiere für ihr Horn zu töten, weil sie glauben, dass es Potenz bringt oder irgendwelche Krankheiten heilt...

 

Seit dem Tod von Sudan 2018 gilt das nördliche Breitmaulnashorn als ausgestorben, obwohl noch zwei Weibchen leben. Und diese dürfen sich nicht wie die anderen Nashörner frei in Ol Pejeta bewegen, sie sind in einem speziellen Schutzgebiet innerhalb des Schutzgebiets, das eingezäunt und streng bewacht ist. Da es gelungen ist, Sperma von Sudan aufzubewahren, gibt es noch eine kleine Chance für die Spezies - ob eine künstlichen Befruchtung allerdings gelingt, ist ungewiss.

 

Ich jedenfalls finde es viel schöner, Nashörner ohne Zäune zu sehen, auch wenn ich es in dem Fall absolut nachvollziehen kann. Zum Glück gibt es davon in Ol Pejeta auch mehr als genug, denn das Gebiet ist für die hohe Nashorn-Population bekannt - und seit einer Weile gibt es auch kaum mehr Wilderei oder Versuche der Wilderei.

 

Im Park findet man sowohl das Breitmaulnashorn (White Rhino) als auch das Spitzmaulnashorn (Black Rhino). Die Namen kommen übrigens wohl durch einen sprachlichen Irrtum: Statt wide für weites Maul hat jemand white also weiß verstanden. Als Abgrenzung wurde die andere Nashornart dann als black bezeichnet.

 

Farblich unterscheiden sich die Typen nicht, aber in der Lebensweise: Black Rhinos leben eher versteckt in den Büschen und sind nur schwer zu entdecken. Wenn sie Nachwuchs haben, läuft er hinter ihnen her, das Muttertier kämpft sich den Weg durch das Dickicht frei. White Rhinos bevorzugen die offene Fläche und sind daher viel einfacher zu sehen. So gemütlich wie hier würde kein Black Rhino herumliegen. Zumindest normalerweise nicht. White Rhinos lassen ihren Nachwuchs immer voraus gehen, um sie im Blick zu behalten.

 

Ich habe bei meinem Besuch nur White Rhinos gesehen, davon aber unzählige. Unter anderem entdeckten wir ein Muttertier mit einem Kalb, das auch gerade am Trinken war, was echt süß anzuschauen war. Außerdem fanden wir eine Gruppe mit vier erwachsenen Tieren und einem Baby sehr entspannt auf der offenen Fläche herumliegend. Das waren absolut fantastische und schöne Begegnungen - obwohl ich durch den Nairobi Nationalpark und den Lake Nakuru Nationalpark sowie die das private Gebiet Bongani Mountain in Südafrika verwöhnt bin, was Nashorn-Sichtungen angeht.

 

Der einzige Ort in Kenia, Schimpansen zu sehen

37 Schimpansen leben in Kenia, genauer gesagt hier in Ol Pejeta. Bei den Tieren handelt es sich meistens um gerettete Menschenaffen, die etwa als Haustiere in kleinen Käfigen gehalten wurden. Viele stammen auch aus dem Kongo, wo der Bürgerkrieg dafür sorgte, dass sich um die Schimpansen nicht mehr gekümmert wurde. Sie alle fanden ein neues Zuhause in einem abgesperrten Bereich in Ol Pejeta.

 

Täglich ab 10 Uhr kann man die Tiere besuchen. Die 37 Tiere verteilen sich auf zwei Gruppen, die durch einen Fluss getrennt sind. Die eine Gruppe auf der anderen Flussseite sollte man zwischen 10 und 11.20 Uhr besuchen. Danach werden sie gefüttert und verschwinden dann vom Flussufer. Meistens verziehen sie sich in den Wald und sie sind nicht mehr zu sehen. Die andere Gruppe ist auch zu anderen Zeiten zu sehen - allerdings hinter einem Zaun, da der Weg direkt daran vorbei führt.

 

Ich war sehr verärgert, weil ich unserem Guide mehrfach sagte, dass ich gerne vor der Fütterung dort wäre, um die Schimpansen zu sehen - und er trotzdem erst kurz vor 12 Uhr mit uns dorthin fuhr. So konnte ich nur die Schimpansen hinter dem Zaun sehen, was das Erlebnis für mich etwas weniger toll gemacht hat.

 

Aber auch diese Schimpansen haben viel Platz und können sich zurückziehen. Wir haben fünf verschiedene Tiere gesehen, die anderen waren im grünen Dickicht verschollen. Einige der Affen interagieren sehr stark mit den menschlichen Besuchern, machen Faxen, rennen auf und ab und solche Dinge. Andere hingegen sind sehr entspannt und liegen oder sitzen einfach herum. Bei einigen hatte ich den Eindruck, sie finden es ebenso spannend uns zu beobachten wie es für uns ist, sie zu beobachten.

 

Da Schimpansen normalerweise im Dschungel leben, können sie im Schutzgebiet nicht alle Nahrung (Pflanzen) finden, die sie brauchen. Deshalb werden sie zugefüttert. Um 12 Uhr ist Fütterungszeit. Wer möchte, kann für 60 US-Dollar extra auch die Fütterung besuchen und die Schimpansen dann sehr nah erleben. Uns hat es gereicht, die Tiere so anzuschauen. Fast eine Stunde waren wir dort und für mich hat sich damit auch ein kleiner Traum erfüllt - wenn auch mit dem kleinen Abstrich, dass wir aufgrund des Guides die Gruppe auf der anderen Seite verpasst haben.

 

Begleitet wird man übrigens vpn einem Guide, der sich mit den Schimpansen bestens auskennt. Die Guides warten am Parkplatz und führen dann in Kleingruppen durch das Wald-Gebiet (in dem übrigens auch andere Wilditere, etwa ein Leopard, wohnen). Wir hatten einen ganz wundervollen jungen Mann erwischt, der uns ganz viel über die Tiere erzählte und der selbst ganz vernarrt in die Schimpansen war. Ich habe auf jeden Fall sehr viel gelernt.

 

Am Parkplatz gibt es dann auch noch ein Informationszentrum, wo man mehr über die Geschichten der Tiere erfahren kann. Über die fünf, die wir gesehen hatten, wurden wir zwar vom Guide bestens informiert, aber es gibt ja noch andere Tiere. Auch Dinge wie ein Käfig, in dem ein Männchen neun Jahre lang gefangen gehalten wurden, werden ausgestellt.

 

Außerdem geht es um die Ähnlichkeit von Menschenaffen zu Menschen - wusstest du, dass unsere DNA zu mehr als 98 Prozent identisch ist?

 

Und dann gibt es da noch ein kleines Highlight: Es gibt zwei Aufgaben, die zu lösen sind. Schimpansen schaffen beide. Ich habe bei einer aufgegeben und bin damit wohl offiziell weniger intelligent als eine Schimpansen-Dame!

 


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Reitsafari, Nacht-Safari, Walking Safari: Ab in die Natur

Da es sich bei Ol Pejeta und auch den anderen Schutzgebieten drum herum um private Einrichtungen handelt, gelten dort weniger strenge Regeln als in den Nationalparks: In den meisten ist es verboten, das Auto außerhalb der Picknick-Plätze zu verlassen. In Ol Pejeta hingegen kann man Reitsafaris, Walking Safaris und Night-Jeep-Safaris machen.

 

Meine Freundin ist ein großer Pferdefan und wollte daher unbedingt eine Reitsafari machen. Wir waren an dem Tag allerdings noch außerhalb des Parks, weshalb die Safari auch außerhalb stattfand. Leider hat sie keine Wildtiere gesehen und es war eher ein Ausritt. Wer also ein wirkliches Erlebnis von Reitsafari haben möchte, sollte es auch im Reservat machen - auch wenn dann zusätzlich zur Reitgebühr der Parkeintritt anfällt.

 

Ihre Reittour hatten wir über unsere Unterkunft gebucht. Das Penguin House, dazu gleich mehr, bietet selbst auch Reitsafaris an, allerdings waren alle Pferde gerade vergeben. Daher wurden wir ans Maiyan vermittelt, eine eher luxuriösere Unterkunft, allerdings auch außerhalb des Parks. Zwei Stunden Reiten haben dort 4000 Schilling gekostet.

 

Während ich die Zeit auf der Anlage des Maiyan verbrachte (auch Speisen und Getränke sind dort recht teuer) und entdeckte, dass zwar vordergründig alles toll aussieht, aber man keinen Schritt um eine Ecke machen konnte, ohne auf offene Rohre oder Müll oder ähnliches zu stoßen, war meine Freundin unterwegs.

 

Ausgangspunkt Nanyuki: Günstiger übernachten

Ol Pejeta ist wie bereits erwähnt einer der teuersten Orte in ganz Kenia, um eine Safari zu machen. Im Park selbst gibt es nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten und die meisten sind sehr hochpreisig. Vor kurzem hat der Betreiber "The Stables" eröffnet, alte Ställe wurden in Unterkünfte umgewandelt. Es gibt ein Gemeinschafts-Badezimmer und die Ausstattung ist sehr basic, ausgelegt auf Budget-Touristen.

 

Wen es nicht stört, außerhalb des Parks zu wohnen, findet in der nächsten Stadt Nanyuki, 20 Fahrminuten vom Gate zu Ol Pejeta entfernt, einige günstigere Varianten. Nanyuki liegt ebenfalls auf dem Äquator und hat daher einige Stellen, an denen es Schilder diesbezüglich gibt. Wir hielten auch an einem, allerdings waren die Leute dort derart aufdringlich, dass wir lediglich ein Foto gemacht haben, Äquator-Schild mit Mount Kenya im Hintergrund, und dann wieder ins Auto gestiegen sind.

In Nanyuki gibt es auch eine gute Infrastruktur, es gibt ein kleines Shopping-Center mit einem Tuskys-Supermarkt und einigen Geldautomaten, auf dem Markt gibt es günstig Früchte zu kaufen und auch sonst kann man sich sehr gut selbst versorgen.

 

Wir hatten zwei Unterkünfte in der näheren Auswahl: One Stop Nanyuki mit ganz süßen Holzhütten. Und das Penguin House, für das wir uns dann letztendlich auch entschieden haben. Das Penguin House liegt am Ortsrand von Nanyuki, umgeben von der Natur, an einem kleinen Fluss. Das Personal war unglaublich freundlich und zuvorkommend und wir haben uns pudelwohl gefühlt. Das Essen war zwar nicht günstig, aber überdurchschnittlich gut, vor allem der Schokoladenkuchen als Nachtisch war super lecker. Die Zimmer waren auch toll, sehr geräumig und es war ruhig. Haushund Bobby passt auf die Gäste auf und liebt es, geknuddelt zu werden. Ich würde jederzeit wieder ins Penguin House gehen und kann es uneingeschränkt empfehlen!


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