Am Hardangerfjord mit Odda & Kinsvarvik

Die meisten Touristen kennen Odda als Ausgangspunkt für die Wanderung zur Trolltunga. Odda ist eine kleine Stadt am Hardangerfjord rund 120 Kilometer und drei bis vier Autostunden von Bergen entfernt.

 

Es gibt verschiedene Wege, um von Bergen nach Odda zu kommen. Und zumindest bei den beiden Varianten, die wir genommen haben, hat man immer wieder eine wundervolle Natur, sei es durch zahlreiche Wasserfälle, Fjorde oder Berge.


Wir haben auf dem Hinweg eine südliche Route gewählt, bzw. das Navi hat diese Route gewählt, sie ist deutlich kürzer als die nördliche Route. Wir fuhren also über Os und Mundheim.

 

Auf dieser Strecke liegen gleich zwei Fährüberfahrten. Bei der Fähre Venjaneset-Hattvik hatten wir Glück und sie kam direkt, als wir vorfuhren. Wir haben rund 60 NOK pro Person mit Auto für die Überfahrt bezahlt. Während der viertelstündigen Fahrt konnten wir aufs Deck und die Landschaft betrachten, wobei es natürlich sehr windig war. Es gab auch ein Café.

 

Bei der zweiten Überfahrt hatten wir dafür allerlei Pech. Als wir in Gjerdmundshamn ankamen, fuhr gerade eine Fähre los. Die nächste, die kam, nahm nur Passagiere und Autos nach Varaldsøy mit und die dritte machte Feierabend. So standen wir insgesamt zweieinhalb Stunden in Gjerdmungdshamn und da es auch dunkel wurde in der Zeit, konnten wir nicht einmal mehr die Aussicht genießen.

 

Immerhin gab es dort einen netten kleinen Laden, Kom Innom, der Handwerkskram und Kaffee verkaufte. Die Überfahrt dauerte etwa zwanzig Minuten und hat 90 NOK pro Person im Auto gekostet. Insgesamt hat es sehr lange gedauert, wir sind um 17.30 Uhr in Bergen los und waren gegen 23 Uhr in Odda.

 

Zurück sind wir über den Norden gefahren,  also den Hardangerfjord hoch nach Kinsarvik (darüber lest ihr unten mehr), über die Hardangerbro (150 NOK Maut für die Brücke, weitere rund 200 NOK auf dem Weg) und Vossevangen. Dort kehrten wir zum Abendessen ein und es war wirklich toll. Vossevangen Grill- & Steakhouse AS in der Vangsgata 52 serviert zum Beispiel super leckere Cowboy Burger. Nebenan liegen auch einige Restaurants und Bars sowie Shops und kleine Läden, etwa Modegeschäfte mit Wollkleidung für Kinder.

 

Bei einer dritten Route, die Google Maps ausspuckt, fährt man zuerst gen Norden und biegt dann bei Trengereid rechts ab statt links. Eine Fähre führt im Verlauf von Tørvikbygd nach Jondal.

 

Odda selbst hat nicht sehr viel zu bieten und ist rein auf den Tourismus ausgelegt - wobei auch die Schwerindustrie das Stadtbild prägt - schon bei der Zufahrt sieht man den aufsteigenden Dampf der Fabriken. Im Zentrum von Odda gibt es eine Touristeninformation und Restaurants. Außerdem führen Wanderwege in den Nationalpark Folgefonna mit dem gleichnamigen Gletscher auf der einen und weitere Wege in den Nationalpark Hardangervidda auf der anderen Seite. In Tyssedal ganz in der Nähe gibt es immerhin ein Museum, dass sich mit der Industrie beschäftigt: das Norsk Vasskraft og Industristadmuseum.

 

Da Odda sommers wie winters durch seine Lage viele Touristen anzieht, ist das Preisniveau entsprechend hoch. Es gibt viele Hotels und Gästehäuser, die sich voll auf den Trolltunga-Tourismus eingestellt haben. Wer hingegen etwas Ruhe mag, aber nicht unbedingt zelten möchte, findet auch in zahlreichen kleinen Hütten Unterschlupf. 

 

Wir haben uns etwas nordöstlich von Odda, direkt am Hardangerfjord, in Oddmund's Farmhouse eingenistet. Wir hatten dort für rund 30 Euro die Nacht eine eigene Hütte mit zwei Schlafzimmern, Ofen, Küche und allem, was man sonst noch braucht. Sogar eine Waschmaschine für die dreckige Wanderausrüstung war gegeben. Die Hütte liegt total idyllisch, direkt daneben suchen sich Dutzende Wasserfälle, einige davon riesig, den Weg die Berge hinunter.

 

Und wer nach Odda kommt und ein wenig in Form ist, möchte natürlich hoch zur Trolltunga. Das habe ich auch gemacht. Da es sich dabei um eine stark frequentierte Wanderung und doch sehr besondere Wanderung handelt, habe ich einen eigenen Blogbeitrag verfasst: 28 Kilometer zur Trolltunga


Kurze Randdaten: Im Sommer könnt ihr alleine hochgehen, ab Mitte September nur noch mit Guide, im Winter sollte man gar nicht mehr nach oben. Selbst im Sommer kann man plötzlich in einen Schneesturm geraten.

Am Hardangerfjord waren wir durch unseren Aufenthalt in Odda ohnehin. Uns wurden ein paar Orte empfohlen, etwa Rosendal mit seinem Schloss oder die Cider-Verköstigung in Utne, aber auch Orte wie Jondal, Herand, Eidfjord oder Ullensvang hatten wir vorher gehört.

 

Wir blieben aber lieber zwei Nächte in Odda und hatten daher einen ganzen Tag, um zurück nach Bergen zu fahren.

 

Wir machten uns auf den Weg gen Norden nach Kinsarvik, kauften unterwegs ein paar Äpfel - ein Muss im Herbst - und suchten einen Ort, wo wir noch eine kleine Wanderung unternehmen konnten. Fündig wurden wir in Kinsarvik selbst. Der beühmteste Wanderweg führt von dort nach Husedalen in den Nationalpark Hardangervidda zu insgesamt vier Wasserfälle (Ausgangspunkt etwa beim Kinso Kraftverk).

 

Wir entschieden uns für einen Teil des "Dronningstien", des Königinnenweges. Man biegt hierfür an der Esso-Tankstelle scharf rechts ab, der Weg ist ausgeschildert (Navi: Røte). Es gibt zwei Parkplätze (einen weiter unten, einen weiter oben), dann geht es entweder steil den Wald nach oben oder an einer Serpentinenstraße entlang zu verschiedenen Aussichtspunkten über den Hardangerfjord. Es war zwar anstrengend, aber auch wunderschön. Auf dem Rückweg haben wir uns leider etwas verlaufen, weil wir eine Abkürzung nehmen wollten und sind mitten auf einer Pferdekoppel gelandet. Der Wanderweg führte dorthin, auch innerhalb des abgetrennten Bereichs gab es noch Wegweiser. Wir liefen also zwischen den Pferdeäpfeln Slalom und kamen über eine matschige Koppel zurück auf den Weg.