Meine zweite Heimat: Eine Liebeserklärung an Norwegen

Stille, Weite, Natur, geerdet sein. Wahrscheinlich ist es vor allem letzteres, was mich so zu Norwegen hinzieht: Ich fühle mich dort geerdet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist inzwischen 17 Jahre her, dass ich zum ersten Mal in Norwegen war. Damals fuhr ich mit dem Schiff hin und fand die kleinen bunten Holzhäuser am Wasser entzückend. Heute sind es noch viele weitere Dinge, die mich faszinieren - und dafür sorgen, dass ich immer wieder komme. Natürlich ist es auch die wundervolle Natur, mit den Fjorden, Gletschern und atemberaubenden Landschaften. Aber auch die Mentalität liegt mir - und ich liebe es, Norwegisch zu sprechen. Ich mag den Sinn für Humor, Natur, Kultur. Aber lest selbst.


Die liebe Michelle von "The Road Most Traveled" Blogger unter dem Stichwort "Faszination Skandinavien" nach besonderen Erlebnissen in den nordischen Ländern gefragt. Für mich ist es keine Frage, welches mein Lieblingsland ist - und auch wenn ich hier immer wieder Beiträge aus Norwegen veröffentliche, wird es doch auch mal Zeit, euch zu erzählen, warum genau ich Norwegen eigentlich so liebe. Hier kommt sie also, meine Liebeserklärung an dieses wundervolle Land.


Norwegen und ich - wie alles begann

Mit dem Schiff auf dem Oslofjord
Mit dem Schiff auf dem Oslofjord

Es gibt drei Wege, aus Deutschland nach Norwegen zu kommen: Mit dem Flugzeug via Luft, mit Auto/Fahrrad/Camper/Fuß über die Landesgrenze zu Schweden oder mit dem Schiff. Ich habe den Wasserweg gewählt - beziehungsweise wurde er für mich gewählt.

 

Mein erster Besuch in Norwegen war etwas anders als der der meisten Reisende. Die Jugendpresse Deutschland lud nämlich zum Jungjournalisten-Workshop Youth Media Convention, die auf der Colorline von Kiel nach Oslo und zurück stattfand. Im September 2003 war ich daher zum ersten Mal in Norwegen - immerhin kannte ich das Mädel, mit dem ich mir die Kabine auf dem Schiff teilte. Wir hatten uns Jahre zuvor beim Skispringen kennengelernt und sie war wie ich Norwegen-Fan und hat damals auch überlegt, Journalistin zu werden.

 

In Kiel ging es an Bord - es war auch gleichzeitig meine erste Schiffsreise über Nacht, rund 48 Stunden sollte die Tour dauern. Wir fuhren also am Vormittag in Kiel los, verbrachten den Tag mit Workshops auf dem Schiff und als wir am nächsten Morgen erwachten, fuhren wir schon im Fjord ein. 

 

2013 an Bord der Colorline.
2013 an Bord der Colorline.

Ich war schon damals einfach nur begeistert von der Schönheit. Die vielen kleinen bunten Holzhäuser direkt am Wasser, die vielen Bäume und Wälder - überall war es grün, das Wasser funkelte und ich hatte direkt das Gefühl der Ruhe und Entspannung. Vier Stunden Zeit hatten wir in Oslo - das hat genau gereicht, um mit der U-Bahn zum Holmenkollen zu fahren und die Aussicht zu genießen. Und schon damals war klar: Ich werde wiederkommen.

 

Das war dann im Sommer 2004, kurz nach meinem 18. Geburtstag. Die Reise nach Norwegen mit meiner Freundin Sabi führte nach Oslo und Lillehammer und auch wenn ich damals noch nicht die fantastische Natur Norwegens kennengelernt habe, so haben mir schon die beiden Städte super gut gefallen!

 

Seit meinem ersten Trip nach Norwegen auf der Colorline war ich - mit Ausnahme 2019 - jedes Jahr in Norwegen, oft mehrfach. Ich habe 2005 und 2006  mein Au-Pair-Jahr dort gemacht und 16 tolle Monate in Asker bei Oslo verbracht - und da ich nun die Ehre habe, Patenkind zum jüngsten Kind der Familie zu sein, sehen wir uns noch häufig.

 

2014 bin ich sogar nochmal vorübergehend drei Monate eingezogen, als ich mit einem Stipendium bei einer norwegischen Tageszeitung gearbeitet habe. Mein damaliges Au-Pair-Kind ist inzwischen 18 Jahre alt und hat mich letztes Jahr erstmals ganz alleine in Deutschland besucht.


Fjorde, Gletscher, Wälder: Raus in die Natur

Mein Lieblingsort in Asker: der Hvalstrand.
Mein Lieblingsort in Asker: der Hvalstrand.

Gibt es in deinem Leben irgendwo diesen einen Ort, an dem die Gedanken völlig klar sind? Nun, ich habe diesen Ort für mich gefunden. Es ist erstaunlich, ich bin eigentlich kein Meister darin, Entscheidungen zu fällen - ganz im Gegenteil.

 

Aber wenn ich an diesem einen Platz am Oslofjord sitze, am Hvalstrand in Nesbru, meist auf einem Stein, und nach rechts den Bootshafen, nach vorne das Ufer und dahinter den Wald und nach links die Weite des Meeres, manchmal fährt ein Schiff, Boot oder eine Fähre vorbei, dann erscheint mir alles klar.

 

Ich habe dort sitzend schon so manch eine Entscheidung getroffen. Weil es sich dort in diesem Moment richtig angefühlt hat und irgendwie auch alles ganz klar erschien. Dieser Strand war sehr lange mein täglicher Begleiter. Vom Haus meiner Au-Pair-Familie sind es keine zehn Minuten zu Fuß hierhin, der Kindergarten lag direkt am Hang oben, mit Blick auf den Oslofjord. Ich habe hier die Jahreszeiten kommen und gehen sehen, bin mit meinem Au-Pair-Kind täglich dorthin gelaufen, später bei Besuchen habe ich ihren älteren Bruder abgeholt und noch etwas später mein Patenkind gebracht und geholt. Vielleicht sind es auch diese wundervollen Erinnerungen, die diesen Ort so speziell machen für mich.

 

Mein erstes Mal Wildcampen, mit dem Zelt in Grong, August 2005
Mein erstes Mal Wildcampen, mit dem Zelt in Grong, August 2005

Von Beginn an habe ich die Norweger für ihren Sinn für die Natur bewundert - und gleichsam hat es mich total irritiert. Ich meine, egal ob Regen oder -20 Grad - die Kids gehen zum Spielen raus. Und gegrillt wird auch bei jedem Wetter - und damit meine ich jedes Wetter. Ich saß inzwischen schon oft mit Schneeanzug auf einer Iso-Decke auf einem Schneeberg und habe Stockbrot gegessen.

 

Wahrlich musste ich diese Liebe zur Natur erst lernen - denn tatsächlich hatte ich dafür lange Zeit herzlich wenig übrig. Heute kann ich das kaum mehr nachvollziehen, aber meine Liebe für Natur und Landschaften kam mit meiner Liebe zu Norwegen und den Norwegern. Als ich versuchte, die Mentalität und Kultur zu verstehen, habe ich mich auch der Natur genähert und gelernt, sie zu verstehen.

 

Ich denke da an einen meiner ersten Trips in besagte Natur. Das erste Wochenende, nachdem ich mein Au-Pair-Jahr angetreten habe, fuhr ich mit meinem damaligen Freund und seiner Familie zum Angeln nach Grong, 300 Kilometer nördlich von Trondheim. Als ich meine Tasche gepackt habe, hat mich meine Gastmutter ausgelacht. "Zelten im August in Norwegen ist nicht wie Zelten im August in Deutschland", sagte sie und reichte mir Wollunterwäsche. Und ich tat mich auch in Grong echt schwer. Ja, die Natur war schön, aber es war kalt, man musste beim Angeln die Klappe halten, es gab keine Toilette und keine Dusche und sowieso war überall Dreck und Kriechtier.

 

Mein erstes Mal in Syndin, August 2005
Mein erstes Mal in Syndin, August 2005

Kurze Zeit später fuhr ich mit meiner Gastfamilie auf eine ihrer Hütten in den Bergen bei Valdres. Heute liebe ich diesen Ort wie keinen anderen in Norwegen und ich bin unfassbar gerne da. Beim ersten Mal habe ich heimlich geheult und wollte heim. Es gibt kein fließend Wasser (man musste es damals noch vom See holen, also schleppen - im Winter auf Skiern...), keinen Handyempfang, kein Internet, nur ein Plumpsklo und auch keine Nachbarschaft.

 

Wer vor die Tür geht, steht mitten im Nirgendwo und kann mit etwas Glück die nächste Hütte sehen - je nach Wetter. Damals fand ich das befremdlich, heute liebe ich den Duft des Holzes, der Hütte, des Kamins. Und als auf der Hütte vor einigen Jahren Wi-Fi einzog, hat es für mich fast ein wenig Charme verloren. Nur dass es jetzt eine Pumpe gibt, das fand ich super. Früher hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn mein Gastvater eimerweise das Wasser hochtragen musste, damit ich meine Haare waschen konnte.

 

Ich kann gar nicht genau sagen, wann genau ich anfing, das alles zu mögen. Ich glaube, dass es im Winter war. Die Tage waren kurz, es wurde selbst bei uns in Asker bei Oslo schon um 15 Uhr dunkel. Wer nicht rausgeht, im Schnee spielt, die Sterne betrachtet, fühlt sich vielleicht sehr schnell eingeengt. Als ich ein halbes Jahr nach besagtem Trip wieder mit zur Hütte in den Bergen kam, hatte ich die schönsten und entspanntesten Tage überhaupt.

 

Stokmarknes auf den Vesterålen, September 2016
Stokmarknes auf den Vesterålen, September 2016

Inzwischen kann ich mir einen Norwegen-Aufenthalt ohne Natur überhaupt nicht mehr vorstellen. Ich bin zwar liebend gerne bei meiner Gastfamilie und fahre nie nach Norwegen ohne sie zu sehen, aber entweder wir gehen einfach gemeinsam los oder ich plane ein paar Tage Natur ein.

 

Als ich schon sicher zehn Jahre regelmäßig in Norwegen war, haben Freunde mir mal gesagt, dass ich Norwegen eigentlich gar nicht kenne, weil ich nie an den Fjorden im Westen war. Ja, ich kannte bis dahin tatsächlich nur ganz wenig: den Tyrilfjord und den Oslofjord hatte ich schon gesehen, aber das war es dann auch. Seit 2014 hat sich das geändert. Seither will ich mehr vom Land sehen, mehr entdecken und auch Gegenden erkunden, die ich bisher nicht gesehen habe. Das skurrile: Je mehr ich sehe, desto länger wird meine Bucketlist. Denn irgendwie hört es nie auf. Sogar einige von den ganz großen Touristen-Highlights wie Lofoten, Preikestolen, Geirangerfjord und Trollstigen fehlen mir noch, auch auf die Insel Runde, wo die Papageientaucher brüten, möchte ich irgendwann. Und dann gibt es natürlich noch Dutzende Orte, die ich unbedingt noch einmal besuchen möchte.


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Meine Magical Places in 17 Jahren Norwegen

Spitzbergen, Mai 2014
Spitzbergen, Mai 2014

Am Nordkap habe ich meine ersten Polarlichter gesehen und eine Eisbar besucht, auf Spitzbergen habe ich Gletscher entdeckt und war in einer Eishöhle, auf den Vesterålen habe ich mich in die wunderschöne Landschaft und die tollen Sandstrände mit dem türkisfarbenen Waser verliebt - ja, Norwegen hat einen Hauch Karibik - allerdings ist sowohl die Wasser- als auch die Lufttemperatur vielleicht nicht ganz so paradiesisch.

 

Habe ich einen Lieblingsort? Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht so genau. Es gibt einige Orte, die mich enorm berührt haben - auf ganz unterschiedliche Weise. Den Hvalstrand in Asker, meinen Hausstrand quasi, habe ich ja schon erwähnt. Ebenso wie die wundervolle Hütte in Valdres, im Syndin-Tal, wo es quasi keine Ablenkung außer der wundervollen Natur gibt.

 

Dennoch, vier Gegenden haben es verdient, dass ich sie hier noch einmal separat aufliste und euch kurz erzähle, warum es dort für mich so besonders ist.

 

Senja

Es war diese kleine Hütte, die eigentlich so aussah, als würde sie keinem Windhauch standhalten können. Oben ein einziges Zimmer, größer angelegt, Küchenzeile, Wohnecke, Schlafecke. Unten ein Mini-Zimmer mit einem Bett, von dem aus eine offene Treppe nach oben führte, und ein großzügiger Flur, auf dem sich auch die Toilette befand.

 

Das Haus am See, nebenan lebt in einem eigenen Haus der Vermieter, drum herum fünf Kilometer keine Menschenseele. Hier habe ich die beeindruckensten Nordlichter meines Lebens gesehen. Stundenlang saßen wir mit einer Decke im Schnee und starrten in den Himmel. Erst mitten in der Nacht wurde es uns kalt, dann zogen wir um und setzten uns drinnen ans offene Fenster und starrten hinaus. Es war wahrlich schwierig, in dieser Nacht schlafen zu gehen. Diese Gefühle kann ich nicht beschreiben.

 

Die Insel Senja ist so ein wundervolles Fleckchen Erde mit unfassbar schöner Natur und weitaus nicht so überlaufen wie Geirangerfjord oder Lofoten. Hier findet man Ruhe, viele Elche, noch mehr Rentiere und tolle Steilküsten. Und wer im Winter hier ist, hat super Chancen auf eindrucksvolle Nordlichter-Sichtungen. Aber selbst wenn der Himmel keine Nordlichter hergibt, lassen sich an vielen Abenden dafür Sternschnuppen zählen.

 

Spitzbergen

Eigentlich zähle ich Spitzbergen gar nicht so wirklich zu Norwegen, auch wenn das Gebiet zu dem Land gehört. Hier ist doch alles sehr autonom und unabhängig von Norwegen. Und weit weg ist es auch, immerhin liegt Spitzbergen in etwa auf halber Strecke vom Nordkap zum Nordpol.

 

Die Landschaften, die ich auf Spitzbergen gesehen habe, habe ich nirgendwo sonst gesehen - wahrscheinlich gibt es sie auch sonst nicht. Außerdem mochte ich die Art des Reisens dort. Man geht einfach davon aus, dass die Touristen, die sich hierher verirren, abenteuerlustig sind. Deshalb werden sie eben einfach auf Schneescooter gesetzt oder ihnen werden Leinen in die Hand gedrückt und sie schnallen ihre Huskys vor die Schlitten, um damit loszudüsen. Ich mochte diese Art, mit dem Land umzugehen. Hier wird Outdoor gelebt und der Mensch ist nur das Beiwerk in einer fantastischen Natur. Und genau das zeichnet ganz Norwegen ja irgendwie aus - hier nur eben noch einmal ganz besonders - immerhin leben auf Spitzbergen mehr Eisbären als Menschen.

 

Vesterålen

Eigentlich sollte die Pressereise, unter dem Motto Nordlichter, damals auf die Lofoten gehen. Doch dann gab es eine Planänderung und wir erkundeten stattdessen Vesterålen. Erst war ich ein wenig enttäuscht, weil ich doch unbedingt auf die Lofoten wollte - der Ort, von dem alle Norwegen-Reisenden träumen. Doch schon von Tag 1 an war ich begeistert. 

 

Wir kamen damals mit dem Postschiff aus Tromsø an und so wachte ich quasi zu der wundervollen Fjordlandschaft auf. Vor dem Frühstück war ich zum Sport im Fitnessraum und habe das Laufen fast nicht gemerkt, weil ich so geflashed von der Schönheit der Natur war. Denn die Vesterålen waren meine erste Berührung mit dem, was man als Deutscher so unter Fjordlandschaft versteht: Viel Wasser, viel Grün, viele Bäume, viele Steine, viele Berge und steile Klippen. 

 

Zu der Zeit der Reise war ich gerade in der Vorbereitung für einen Halbmarathon, daher bin ich morgens laufen gegangen, von Nyksund aus am Fjord entlang - das war herrlich. Die Sonne glitzerte auf dem Wasser und es gab einige unglaublich beeindruckende Strände. Den schönsten aber habe ich auf der Halbinsel Andøya gesehen. Die kleine Bucht hat gar keinen Namen, so unerkannt ist sie. Aber die Einheimischen kennen sie als Børre Bucht - und die liegt direkt auf der Landschaftsroute, die nahezu jeder Vesterålen-Reisende kennt.

 

Hardangerfjord

Gleich noch ein Fjord in meiner Auflistung: 2017 habe ich Westnorwegen kennengelernt - übrigens die bisher einzige Norwegen-Reise, bei der ich meine Gastfamilie nicht gesehen habe. Mit zwei Mädels, die ich nicht kannte, ging es nach Bergen, Odda (zur Trolltunga) und auf eine kleine Insel bei Bergen, Fjell. Es war wunderschön.

 

Die Wanderung zur Trolltunga war anstrengend, die Natur war wunderschön, dennoch war es mir einen Tick zu überlaufen. Zwei Stunden für ein Foto anstehen - das ist schon echt krass. Und auch wenn man bei der Wanderung oft halbwegs alleine ist, weil es sich über die 28 Kilometer doch gut verteilt, so hat mir doch die Einsamkeit und Weite gefehlt, die ich sonst so spüre.

 

Ganz anders war es am Hardangerfjord. Wir sind ein Stück entlang gefahren und haben in Kinsarvik einen Stopp zum Wandern eingelegt. Dort starten einige Routen und es war wundervoll! Die Aussicht auf den Fjord war fantastisch, wir trafen keine Menschenseele - was uns dann letztlich auch zum Verhängnis wurde, denn wir haben uns ziemlich verlaufen.


Norwegen - was ich so liebe

In der Nähe der Trolltunga, September 2017
In der Nähe der Trolltunga, September 2017

Stille, Weite, Natur, geerdet sein. Wahrscheinlich ist es vor allem letzteres, was mich so zu Norwegen hinzieht: Ich fühle mich dort geerdet. Im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Ich habe in Norwegen meine zweite Heimat gefunden, ein Land, in dem ich vom ersten Moment an willkommen war, eine Sprache, die mir unglaublich viel Freude bereitet zu sprechen (es klingt immer wie eine Kinder-Sprache, so ein richtiges Sing-Sang), eine Kultur, die ich enorm schätze. Ich mag die Mentalität der Norweger, das zunächst etwas zurückhaltende, aber dabei durchaus einladende und freundliche. Wohin ich kam, ich war immer als Gast willkommen, wurde eingeladen, dazu geholt. Ich hatte nie das Gefühl, außen vor zu sein.

 

Mir imponiert, wie die Norweger in Sachen Bildung und auch in Sachen Geschlechtergerechtigkeit vorangehen. Nahezu alle Norweger haben Abitur und sprechen fließend Englisch, viele haben ein Gespür für Kultur. Hierzulande habe ich öfter den Eindruck, dass Sport und Kultur als Gegensätze verstanden werden - in Norwegen habe ich das nie so erlebt. Ich finde es großartig, wie es im Land einfach kein Elterngeld gibt, wenn der Mann nicht mindestens zwei Monate daheim bleibt und wie normal es ist, dass Frauen Karriere machen und wichtige Positionen inne haben. Dazu trägt auch bei, dass Kinder gut versorgt sind und früh in die Kita gehen - auch dort lernen sie die Naturbezogenheit.

 

Es gibt nur ein Land, in das ich auswandern würde - beziehungsweise das neben Deutschland für mich dauerhaft als Wohnort infrage kommen würde. Mich stören übrigens auch viele Dinge, so ist das wohl überall auf der Welt, etwa, dass Norwegen noch immer Walfang zulässt, es einen großen Bildungsdruck gibt oder schon sehr kleine Kinder bisweilen sehr sehr lange in die Kita gegeben werden (es gibt 24-Stunden-Kitas und es musste eine Regel einführt werden, dass ein Kind maximal zehn Stunden am Stück bleiben darf, weil manche Eltern ihre Kinder quasi ausquartiert haben). Dennoch - die vielen positiven Seiten, Mensch wie Natur wie Umstände, überwiegen für mich. Norwegen ist mein Herzensland. Und bisher kam kein anderes heran.



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