Die älteste Moschee Ghanas & Co in der Northern Region

Der Norden in Ghana ist dünn besiedelt und kaum erschlossen. Aber rund um die Hauptstadt der Provinz Northern Region, Tamale, gibt es einiges zu entdecken. Gen Westen beispielsweise steht, im kleinen Dorf Larabanga, die älteste Moschee Ghanas und eine der ältesten in Westafrika. Nebenan wartet der mysthische Stein. Ansonsten ist die Northern Region geprägt von Landwirtschaft - und von Termitenhügeln. Noch nirgendwo habe ich so viele so krasse Exemplare gesehen wie auf dem Weg von Tamale nach Damongo - richtige Kunstwerke. Viele Touristen passieren die Gegend nur, wenn sie sich auf den Weg in den Mole Nationalpark machen - aber auch drum herum lohnen Stops.


Eigentlich hatte ich die Northern Region auch nicht so auf dem Schirm. Aber dann war ich auf der Arbeit plötzlich in ein Projekt in Damongo involviert - und fuhr zweimal in den Norden des Landes - beziehungsweise nutzte das Flugzeug, weil die Anfahrt von Accra nach Tamale ewig dauert. Hier kommen ein paar Eindrücke! 

Tamale - die Hauptstadt der Northern Region

Obwohl Tamale keine 450 Kilometer Luftlinie von Accra entfernt liegt, dauert die Fahrt rund zwölf Stunden (es sind auf den Straßen rund 650 Kilometer). Alternativ kann man für relativ wenig Geld fliegen. 

 

Ich habe in Tamale eigentlich keine Zeit verbracht. Ich war zum Übernachten dort und bin ein paar Mal im Hellen durch die Stadt gefahren, besichtigen konnte ich aber leider nichts. Aber ein paar Dinge erfährt man dann ja doch. 

 

Ein Freund hat mir das Savannah Centre for Contemporary Art empfohlen, das Ausstellungsort und auch Veranstaltungsort ist. Es gibt auch das Centre for National Culture, wo ebenfalls Kunst zu sehen ist und Künstler sich treffen. Hier wird auch Kunsthandwerk verkauft. Ich habe es leider nicht geschafft, auch nur eines der beiden Kunstzentren zu besuchen - in letzterem gibt es selten auch Veranstaltungen.

 

Ansonsten ist Tamale auch eine Stadt, durch die man gut schlendern kann. Es gibt Märkte an jeder Ecke, beeindruckende Moscheen ragen in den Himmel - und seit 2008 thront am Stadtrand auch das Sportstadion. In der modernen Anlage finden mehr als 20.000 Menschen Platz, gebaut wurde es zu 2008, als Ghana den Africa Cup im Fußball ausgetragen hat (das Äquivalent zur Europameisterschaft bei uns). Heute wird es noch für Sportveranstaltungen und Konzerte genutzt - allerdings eher selten. 

 

Tamale kann auf 380.000 Einwohnerzahl blicken - und die Größe der Stadt wird gerne mal unterschätzt. Die Stadt ist nämlich enorm weitläufig und ein wirkliches Zentrum habe ich zumindest nicht entdecken können. 

 

Große Sehenswürdigkeiten gibt es sonst aber nicht - ein paar Bars und Restaurants zum Zeitvertreib finden sich aber. Im Wooden gibt es nicht nur Brot und andere Backwaren, sondern auch Pizza. Im Chuck's trifft sich halb Tamale, zumindest die weißen Expats. Nebenan liegt das wirklich leckere indische Restaurant SWAD Fast Food. Der Name verspricht nicht so viel, aber ich habe dort einen Abend gegessen und es war großartig. Die Portionen sind riesig! 

Rund um den White Volta

Der Volta ist meist nur als ein Fluss bekannt, er setzt sich aber aus mehreren zusammen: White, Red und Black Volta. Wer von Tamale gen Mole Nationalpark fährt, überquert den White Volta, der in Burkina Faso entspringt und im Volta-Stausee mündet. 

 

Der White Volta dient den Einheimischen vor allem für zwei Dinge: Fischerei und Waschmaschine. Während die Männer auf ihren Holzbrettern über den Fluss paddeln und Fische fangen (die von Frauen am Wegesrand verkauft werden), sieht man am Ufer Frauen, die ihre Wäsche im Fluss waschen. 

 

Die Überfahrt könnt ihr gar nicht verpassen, denn kurz vor dem White Volta ist eine Maut-Station, sodass ihr ganz langsam auf die Brücke hinauf wieder anfahrt. Wer ein wenig Zeit hat, kann anhalten und den Ausblick genießen. Wie ihr sehen könnt, sind wir nur etwas langsamer über die Brücke gefahren und das Foto entstand aus dem Auto heraus. 

 

Die Northern Region ist nicht nur die größte Region in Ghana, sondern auch wahnsinnig spannend an sich. Hier leben - im Gegensatz zum restlichen Land - vor allem Muslime. Die Trockenzeit ist länger und intensiver und binnen weniger Wochen verwandelt sich das saftige Grün der Landschaft in verbrannte Erde. Ich war zum ersten Mal Mitte November dort und alles war herrlich grün. Als ich Anfang Dezember zurückkam, hatte die Trockenzeit gerade begonnen und ich habe die Landschaft kaum wieder erkannt. 

 

Es gibt Gegenden in der Northern Region, etwa rund um Yagaba nördlich des Mole Nationalparks, da reiht sich Baobab an Baobab. Rund um Tamale und auf der Strecke von Tamale nach Damongo / Larabanga kann man leider kaum welche sehen.

 

Dafür gibt es aber ein anderes Naturschauspiel:  Hier stehen die größten Termitenhügel, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Ich habe die Fahrt nahezu ausschließlich damit verbracht, diese gigantischen Bauten, teils mehrere Meter hoch, zu bewundern. Immer wieder schauen die Zacken über den Baumkronen hervor und es ist wirklich erstaunlich, was so kleine Tiere errichten können! 

Landwirtschaftliches Leben in Damongo

Damongo war es, was mich zweimal in diese Region geführt hat. Denn die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), bei der ich für zwei Monate ein Praktikum gemacht hat, hat dort ein Projekt zur Förderung der Landwirtschaft - das Agricultural College wurde wiederbelebt und dort lernen Studenten, aber auch Lehrer, die in die Dörfer gehen, mehr über neues Saatgut, optimale Bodennutzung und vor allem den Umgang mit modernen Maschinen. 

 

Für mich waren die beiden Trips nach Damongo also vor allem ein Eintauchen in die Landwirtschaft - und das ist hier besonders wichtig, weil fast alle Menschen davon leben. Ansonsten gibt es in Damongo aber nicht viel zu sehen - ihr kommt hier aber auf dem Weg nach Larabanga oder in den Mole Nationalpark vorbei.  

Sagenumwobene Moschee in Larabanga

Nebst Mole Nationalpark und Tamale ist Larabanga sicherlich für Touristen am interessantesten - denn hier gibt es gleich zwei Sehenswürdigkeiten: Zum einen steht in der Dorfmitte die älteste Moschee Ghanas, zum anderen gibt es den mystischen Stein. 

 

Die Moschee im sudanesischen Stil, die seit rund 20 Jahren auch Weltkulturerbe ist, wirkt auf den ersten Blick nicht wie eine, für mich sah sie eher wie ein Märchenhaus aus. Sie ist aus Erde gebaut, weiß getüncht und hat überall Holzstäbe heraus stehen - angeblich quasi das alte Baugerüst. 

 

Es gibt verschiedene Varianten, warum es dieser Standort wurde. Die eine besagt, dass ein islamischer Händler 1421 neben dem Mystischen Stein (der eine besondere Kraft haben soll, ich habe ihn leider nicht besucht!) nächtigen wollte und seinen Speer warf, um den Ort genau zu bestimmen. Im Traum soll ihm jemand gesagt haben, er solle die Moschee errichten - und als er aufwachte, fand er das Fundament fertig vor. 

 

Die Version, die ich bei der Führung hörte, lautete etwas anders. Demnach geht sie auf muslimische Händler während des Subsahara-Handels im 13. Jahrhundert zurück, die vor Beginn der Reise sagten, dass sie die Moschee nach dem dritten Fluss, den sie überqueren, bauen werden: Der dritte Fluss war der White Volta River. Leider habe ich vergessen, woher die Händler gekommen sein sollen und welche Flüsse sie vorher überquert haben sollen. 

 

Das Innere der Moschee darf leider nicht besichtigt werden, auch wenn die Moschee nach wie vor in Nutzung ist. Im Inneren findet sich wohl ein sehr wertvoller Koran aus dem 17. Jahrhundert.

 

Wer nach Larabanga kommt, sollte aber wissen, dass in erster Linie sein Geld willkommen ist. 1,70 Euro kostet die Besichtigung, dazu kommen nochmal 1,70 Euro für den Guide, der einem zehn Minuten was erzählt. Da es an der Moschee selbst (die übrigens direkt neben einem Baobab steht) nicht viel zu sehen gibt, wird der Besucher dann in eine Shea-Butter-Werkstatt gebracht. Das hat null mit der Moschee, für die ich kam, zu tun. Eine Minute wird eine Pampe gezeigt, danach wird erklärt, dass man doch bitte was kaufen solle. 

 

Gegenüber ist der angebliche Nachbau des Inneren der Moschee, was allerdings laut Bilder-Vergleich eher nicht so ist. Spannend fand ich dabei nur ein Loch im Boden - hier haben die Frauen früher ihre Kinder geboren.

 

Das war es leider aber immer noch nicht. Beim Eintrag ins Gästebuch wird der Besucher aufgefordert, etwas für die Community zu geben. Die Summe wird dann direkt neben den Eintrag geschrieben, damit jeder sieht, wie großzügig oder knausrig man ist. Auf meiner Seite standen Leute, die angeblich 50 Euro gespendet haben. Ich habe 3,50 Euro gegeben, weil ich dieses offensive Betteln nicht ausstehen kann. 

 

Ich habe übrigens viele Geschichten gelesen, dass Besucher mit Steinen beworfen und gejagt wurden, als sie Eintritt nicht zahlen wollten oder nicht spenden wollten. Meine Tour war auch abrupt zu Ende, "ich könne jetzt gehen", als ich nur 3,50 Euro gespendet habe. 

Elefantengucken im Mole Nationalpark

Der Mole Nationalpark ist nicht nur der größte Nationalpark in Ghana - sondern auch der einzige, in dem es ein bisschen Wildlife zu sehen gibt. Zwar gibt es auch in kleineren Gebieten beispielsweise Affen oder Paviane - etwa die Mona-Äffchen in Tafi Atome -, aber im Mole hat man sogar die realistische Chance, Elefanten zu sehen. Rund 600 leben in dem Park, der allerdings zu einem überwiegenden Teil nicht touristisch erschlossen ist. Eine Safari findet also nur in einem winzigen Teil statt, der an die Siedlungen von Larabanga und Damongo grenzt. 

 

Da der Mole auf viele Arten spannend ist, habe ich einen eigenen Blog-Beitrag verfasst, wo es mehr Infos gibt.


PS: Du möchtest mir etwas zu dem Artikel sagen? Du hast eigene Gedanken und Anregungen, oder auch Kritik, die du einbringen möchtest? Ich freue mich über deinen Kommentar. Du kannst auch als Gast kommentieren. Hierfür musst du in das Namensfeld klicken und deinen Namen eingeben, dann öffnet sich ein Reiter, in dem du "lieber als Gast kommentieren" auswählen kannst. 



Kommentar schreiben

Kommentare: 0