Neves und eine Wanderung zur Cascata Angolar

Neves liegt im Nordwesten von São Tomé, nur rund 40 Minuten Fahrzeit von der Hauptstadt entfernt. Neves diente lange Zeit vor allem als Ausgangspunkt für Wanderungen in den Obo-Nationalpark und für mehrtägige Touren auf den Pico de São Tomé, den mit 2024 Meter höchsten Berg der Insel. Doch seit einigen Jahren hat sich das geändert, denn eine italienische Auswandererfamilie hat dort ein Hotel gebaut. Es gibt verschiedene kürzere und längere Wanderungen, Fahrräder und Quads stehen zum Mieten bereit und einen pechschwarzen Strand. Wir haben uns auf die fünfstündige Tour zu einem tollen Wasserfall gemacht - inklusive durch Tunnel kriechen im Urwald.


Unterkommen: Mucumbli

Mucumbli heißt die Lodge, die ein italienisches Paar vor einigen Jahren baute. Aus São Tomé Stadt kommend befindet sich die riesige Anlage hinter der Stadt Neves auf einer kleinen Anhöhe. Von eigentlich allen Bungalows aus und auch vom Restaurant hat man einen tollen Blick über das Meer.

 

Die Eco-Lodge hat eine eigene kleine Bananen-Plantage und hält zudem einen Esel, den man nachmittags auch besuchen kann. Tagsüber ist er mit anderen Eseln und Ziegen und Schafen.

 

Das Hotel hat einen ganz tollen Charme - das Essen ist auch super lecker. Es gibt italienisch inspirierte Küche. Es ist zwar nicht gerade günstig, aber bezahlbar und wirklich jeden Cent wert. Ich habe beispielsweise super leckeres Risotto gegessen.

 

Einen eigenen Strand gibt es auch - wobei es der unschönste war, den ich auf São Tomé gesehen habe. Da die Unterkunft auf einer Anhöhe liegt, muss man ein paar Minuten einen Pfad hinunter zum Meer gehen - Treppenstufen und ein Geländer erleichtern den Weg.

 

Bei dem Strand handelt sich um einen schwarzen Lava-Strand, was ich an sich ganz cool finde. Auf Island und auf La Palma haben mir die schwarzen Strände mit dem feinen Sand super gut gefallen. Aber hier lagen enorm viele Steine und so war es auch schwierig, ohne Badeschuhe ins Wasser zu kommen. Deshalb habe ich nur an einem Nachmittag dort Zeit verbracht.

 

Ansonsten hat sich die Unterkunft auf allerlei Outdoor-Aktivitäten spezialisiert, man kann beispielsweise Fahrräder und Quads ausleihen. Die Fahrräder sind sehr beliebt, denn die Küstenstraße gen Norden ist nicht so hügelig wie die meisten anderen Straßen. Wir haben uns auch einen Tag Fahrräder gemietet und sind damit die rund 11,5 Kilometer zur Blauen Lagune, Lagoa Azul, gefahren, worüber ich bereits einen eigenen Blog-Beitrag verfasst habe. Außerdem bietet die Lodge verschiedene Wanderungen an, die wir allerdings nicht gemacht haben. Wir sind auf eigene Faust los - dazu aber gleich mehr!

Neves

Neves ist ein Dorf und nahezu am Ende der Straße, die von São Tomé und Guadalupe hierher führt. Nur noch ein paar Kilometer geht sie weiter, ehe sie im Urwald versinkt.

 

In Neves kann man sich ganz gut versorgen, es gibt einen Supermarkt und eine Tankstelle und natürlich allerlei kleine Läden. Allerdings war es der mit Abstand anstrengendste Ort auf der Insel für mich. Generell wurden wir auf São Tomé nie belästigt und auch sonst nirgendwo angebettelt - außer in Neves. Ich blieb einmal im Auto sitzen, als mein Freund einkaufen ging - und innerhalb von 20 Sekunden fanden sich sicher 20 Leute um das Auto herum, es wurde gegen die Scheiben geklopft und so weiter. Auch als wir mit den Rädern unterwegs waren und mitten in Neves einen Platten hatten, liefen uns direkt fünf Kinder nach, die die Räder auch festhielten. Alles in allem also eher unangenehm, wie ich fand.


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Wanderung zum Wasserfall Cascata Angolar

São Tomé besteht zu einem großen Teil aus Regenwald - und damit finden sich natürlich viele Wasserfälle auf der Insel. Doch tatsächlich habe ich nur ein paar kleinere gesehen, weil wir sonst nicht so tief in den Regenwald vorgedrungen sind. Deshalb wurde der Stopp in Neves auch für eine Tour in den Dschungel genutzt, denn auch in unserem Reiseführer stand, dass die Wanderung zur Cascata Angolar ganz nett sei und der Wasserfall unterschätzt.

 

Entgegen dem Rat der Lodge, die für die Wanderung recht viel Geld wollte, entschieden wir uns, dem Reiseführer zu folgen und alleine loszuziehen. Wir parken das Auto an der Roça Ponta Figo und starteten dort unsere Tour. Es wäre auch möglich gewesen, noch ein, eineinhalb Kilometer weiter zu fahren und im Ort Ponta Figo zu parken, aber im Buch stand, man solle das nur mit Guide machen.

 

Im Dorf angekommen, hat unsere Karte uns leider ein wenig im Stich gelassen und wir fanden nicht auf Anhieb den Weg - der etwas versteckt links hoch an einem Brunnen vorbei geht und dann wieder nach rechts abbiegt - unsere Karte hatte nur eingezeichnet, dass wir nach rechts müssen.

 

Einige Bewohner zeigten uns den Weg - allerdings hatten wir dann auch vier Jugendliche an der Backe (die eigentlich hätten in der Schule sein sollen), einer davon trug auch noch ein Äffchen an einer Schnur mit sich herum, was ich ganz grauenhaft finde. Wir sagten ihnen mehrfach auf Englisch, Spanisch und Französisch und mit Händen und Füßen, dass sie uns in Ruhe lassen sollten, aber sie liefen uns einfach hinterher.

 

Die meiste Zeit war der Weg recht simpel und einfach - es gibt nämlich nur einen Weg - erst ist es nahezu eine richtige Straße, dann wird der Weg immer schmaler. An einer Stelle mussten wir uns an einer Gabelung rechts halten, aber auch das war mehr als ersichtlich.

 

Nach rund anderthalb Stunden wurde der Weg aber richtig schmal und teilsweise hätte ich gar nicht mehr geglaubt, dass das wirklich ein Weg ist - denn Trampelpfad ist noch ein zu nettes Wort. Die Gräser reichten uns teilweise bis zu den Knien und es ging über Steine und Baumstämme. Das war dann auch ein Moment, in dem wir doch ein wenig dankbar waren, dass die Teenies dabei waren und wir somit sicher waren, auf dem richtigen Weg zu sein.

 

Es ging immer bergauf und das war mega anstrengend. Manchmal war der Weg auch nur fußbreit und daneben ging es viele viele Meter den Abgrund hinunter. Das war dann doch etwas spooky, auch weil der Boden ja etwas rutschig war - ist ja Regenwald. Ein paar kleinere Wasserfälle konnten wir passieren, einige davon waren echt super schön.

 

Irgendwann kamen wir wieder auf einen etwas größeren Pfad und entdeckten eine Brücke. Von dieser hatten wir im Reiseführer gelesen - nur dass wir von unten kamen und nicht von dem Weg, der direkt zur Brücke führte. Wir mussten hoch kraxeln, was bei dem rutschigen Untergrund nicht ganz so einfach war, aber da es so steil hochging, war es wenigstens schnell vorbei.

 

Im Reiseführer stand, dass die Tour einfach etwa zweieinhalb Stunden dauert und wir waren etwa bei zwei Stunden und 10 Minuten. Und im Reiseführer stand auch, dass wir durch acht Tunnel müssten, und wir waren noch durch keinen einzigen gegangen. Doch nun lag einer vor uns. Ein kleines Loch, das sah eher so aus, als würden nur Zwerge hindurch passen. Mein Freund und ich beratschlagten uns und wollten schon umkehren, doch die Jungs machten uns verständlich, dass der Wasserfall hinter diesem Tunnel sei. Also doch. 

 

Der Tunnel war wirklich eine ganz spezielle Erfahrung und eigentlich bin ich auch froh, dass es tatsächlich nur der eine war. Auf dem Bild könnt ihr gut sehen, dass rechts ein höherer Kanal ist, dort wird das Wasser für ein Wasserkraftwerk umgeleitet. Links daneben ist Matsch-Boden.

 

Auf dem Hinweg nahmen wir - nur mit einer Handy-Taschenlampe ausgestattet - den Weg durch das Wasser. Der Strom war kalt, aber unseren Beinen tat das ganz gut. Hin und wieder flogen uns Fledermäuse um die Ohren, die wir aber ganz gut verscheuchen konnten.

 

Das Wasser reichte teilweise bis über die Knie und es war auch nicht ganz so einfach, dort zu gehen und die Haltung zu bewahren, da auch kleinere Steine in dem Kanal waren und wir hatten die Schuhe vorher ausgezogen, um barfuß durchzugehen. Mit Schuhen und Handy in der Hand waren wir dann auch darauf bedacht, möglichst nicht zu stolpern - es war nicht einfach. Aber definitiv ein Erlebnis!

 

Hinter dem Tunnel war es dann tatsächlich auch so weit, wir hörten schon am Tunnelende das Wasser vom Wasserfall plätschern. Der Wasserfall, Cascata Angolar genannt, weil hier in der Gegend viele enschen angesiedelt wurden, die ursprünglich aus Angola kommen, war wirklich schön anzusehen. Er war ein wenig schwierig zugänglich, weil drum herum viele Steine lagen, aber die Tour hatte damit auf jeden Fall ein Highlight.

 

Zurück gingen wir durch den Matsche-Wege im Tunnel, weil es gegen den Strom zu anstrengend gewesen wäre. Das war richtig eklig, meine Turnschuhe waren noch nie so dreckig, teilweise habe ich über knöcheltief im Schlamm gesteckt.

 

Leider fingen die Jungs schon auf der Brücke an, wegen Geld zu nerven. Wir gaben ihnen dann ein wenig Kleingeld, aber das war ihnen nicht genug und sie jammerten und bettelten ununterbrochen. Irgendwann wurden wir sehr deutlich und auch wenn wir nicht die gleiche Sprache sprachen, saß das erst einmal. Aber nach etwa einer Stunde fingen sie an richtig aggressiv zu werden, vor allem der Anführer der Gruppe mit dem Äffchen. Da wir sein Äffchen nicht strecheln wollten zu Beginn, dachte er, dass wir vor dem Tier Angst hätten und deutete dann immer wieder an, den Affen auf uns loszulassen. Das hat uns noch eher amüsiert. Aber irgendwann eskalierte die Situation total und der Junge nahm einen Ast und wollte meinem Freund auf den Kopf schlagen. Doppeltes Glück: Er reagierte schnell genug und hielt den Arm davor und der Ast war morsch, sodass er in der Hand meines Freundes zerschlug.

 

Mein Freund war dann richtig wütend, hat die Jungs angebrüllt - und tatsächlich haben sie uns danach in Ruhe gelassen. Sie blieben erst einmal zurück und überholten uns irgendwann. Wir dachten noch, dass noch irgendwas kommt, a la dass sie aus dem Gebüsch springen, aber zum Glück nicht. Der Rückweg war daher alles andere als toll, wir beeilten uns ziemlich und wollten einfach nur das Dorf erreichen, wo andere Menschen waren - daher konnten wir die Natur nicht mehr genießen. Aber immerhin haben wir es beide heil zum Auto und nach Hause geschafft - und das nächste Mal dann doch mit Guide!


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