Flamingo trifft Nashorn am Lake Nakuru

In keinem Nationalpark ist die Wahrscheinlichkeit höher, Nashörner zu sehen. Sie sind zweifelsohne die großen Besuchermagnete. Bei meinem Besuch habe ich teilweise sechs Nashörner auf einmal gesehen.

 

Aber auch eine weitere Attraktion hat der Park zu bieten: Im deutschen Spätsommer sammeln sich hier Tausende von Flamingos, die bisweilen wir ein rosa Teppich über dem stark alkalischen Sodasee liegen. Die riesige Population von einstigen Jahren mit zwei Millionen Tieren gibt es zwar nicht mehr, aber immer noch genug, um das klassische "Nashorn-vor-Flamingo-See" Foto zu knipsen.


Nakuru liegt rund 140 Kilometer nördlich der kenianischen Hauptstadt Nairobi und rund 80 Kilometer entfernt vom Lake Naivasha im Großen Afrikanischen Grabenbruch, dem Rift Valley. Von Nairobi oder Naivasha aus kommend, ist das nächst gelegene Tor das "Lanet Gate".

 

Man darf dort zwar einfahren, kann aber nicht bezahlen. Man muss also auf direktem Weg im Park zum Maingarte und dort bezahlen - allerdings laufen die 24 Stunden Parkeintritt schon ab dem Moment, in dem man am Lanet Gate den Stempel bekommt. Es lohnt sich also eher, durch die Stadt Nakuru zum Main Gate zu fahren.

 

Das neue Main Gate ist ein ganzes Stück gen Norden gewandert, weil das eigentliche bei einer großen Überschwemmungen vor einigen Jahren dauerhaft geflutet war - der See hat nämlich keinen Abfluss. Rund um das alte Gate ist es echt gespenstisch. Es führen noch Wege dorthin, es zeigen sich viele kaputte Bäume und das Gate steht verlassen mitten im Wasser. Drum herum zeigen sich beispielsweise Pelikane und Störche.

 

Generell solltet ihr ja eh immer vorsichtig fahren, in Nakuru aber sowieso. Denn auf den meisten Parkplänen sind noch die Straßen vor der großen Überschwemmung eingezeichnet und viele kann man gar nicht mehr langfahren, weil sie im See münden. Also rechtzeitig achten, ob ihr wenden könnt.

 

Zentral im Nationalpark ist natürlich der namengebende Nakurusee. Es handelt sich um einen stark alkalischen Sodasee, indem eine bestimmte Art von Krebsen und Algen leben, die wiederum als Nahrung für Flamingos, Pelikane und Co dienen. Deshalb gibt es hier so viele von ihnen. Wenn sie zu wenig Nahrung finden, was in den vergangenen Jahren leider häufig der Fall war, ziehen sie weiter, etwa an den Lake Elementaita oder an den Lake Bogoria.

 

Früher gab es mit einer Kolonie von 2 Millionen Flamingos so viele Tiere, dass sie quasi das gesamte Ufer einnahmen. Das ist heute leider etwas anders. Bei meinen ersten Blicken auf den See habe ich überhaupt nichts gesehen, was rosa aussah. Auch vom ersten Aussichtspunkt aus nicht. Am ersten Tag entdeckten wir sie dann etwas weiter weg, am zweiten Tag waren sie schon näher und so konnten wir dann auch die typische Szenerie sehen, mit drei grasenden Nashörnern, einigen Büffeln, Zebras und Warzenschweinen vor dem rosa Flamingoteppich.

 

Vom Main Gate aus sind die Chancen auf Nashörner vor allem auf der genau entgegen gesetzten Seeseite gut. Nahezu alle Nashörner habe ich dort gesehen.

 

Generell haben sich in der Ebene dort sehr viele Tiere versammelt, während ich im sonstigen Park leider nicht ganz so viele gesehen habe (außer Büffeln und Pavianen, die gefühlt überall waren).

 

Eine Löwin lief uns quasi direkt vors Auto. Ich war mit einer Freundin in ihrem Geländewagen unterwegs und wir sahen, dass auf der Straße einige Jeeps anhielten und die Leute ins Gras schauten. Das Gras war etwa so hoch wie unser Auto, deshalb konnten wir nicht wirklich etwas erkennen. Auf einmal tauchte eine Löwin auf, genau auf Höhe des (geöffneten) Autofensters. Das war ein wahnsinnig intensiver Moment.

 

Wer Zeit hat, besucht auch die Campsite an den Makalia Falls, einem Wasserfall, der zwar nicht mega spektakulär, aber doch auf jeden Fall sehenswert ist. Außerdem hat man es dann einmal durch den Park geschafft, denn der Wasserfall liegt genau am anderen Ende vom Main Gate aus gesehen.

 

Allerdings haben wir dort in der Nähe nicht viele Tiere gesehen. Auf dem Weg zum Baboon Cliff haben uns tatsächlich sehr sehr viele Paviane begleitet, teils mit wirklich noch ganz winzigen Babys. Und wir haben eine ziemlich große Landschildkröte entdeckt. Wir fuhren auch zum "Out of Africa"-Viewpoint, von dem man einen tollen Blick über den Nakurusee hat - allerdings habe ich von dort oben tatsächlich keinen einzigen Flamingo gesehen!

 

Leider auch nicht gesehen haben wir die seltene Rothschild-Giraffe, auch ein Highlight des Parks. Im Nakuru-Nationalpark gibt es nahezu alle großen kenianischen Tierarten, auch Leoparde, nur Elefanten gibt es nicht. Dafür habe ich etliche riesige Büffelherden gesehen, die kreuz und quer liefen und wir trafen zwei Eland-Antilopen beim Kampf an, was auch sehr faszinierend anzuschauen war.

 

Es gibt den ein oder anderen Picknick-Platz im Park, von dem aus man eine tolle Sicht hat. Oft sind sie direkt am Wasser und man muss ein wenig aufpassen, dass man keine Bekanntschaft etwa mit einem Flusspferd macht. Ich war jeweils zum Sonnenuntergang und zum Sonnenaufgang an einem Platz, Nyati Campsite, und es war wirklich herrlich.

 

Apropos Campsite: Wir sind eher spontan an den Lake Nakuru gefahren und hatten und wollten uns spontan eine Unterkunft suchen. Wenn wir an einer Lodge vorbei kamen, haben wir sie uns angeschaut, allerdings waren allesamt unfassbar teuer. Selbst für kenianische Verhältnisse. Das kam also nicht infrage.

 

Wir wurden dann fündig in einer günstigen, aber ganz okayen Unterkunft: Dem Gästehaus des Wildlife Clubs of Kenya. Für etwa 10 Dollar die Nacht pro Nase konnten wir dort nächtigen. Das Bad war zwar gewöhnungsbedürftig, aber es gab immerhin warmes Wasser und im gemütlichen Wohnzimmer saßen wir abends noch zusammen und haben gespielt. Es gab auch insgesamt drei Schlafzimmer. Allerdings muss man sich dort, genau wie in der zweiten bezahlbaren Unterkunft, dem Naishi Guesthouse, selbst versorgen. Wir hatten Glück, obwohl wir sehr spät waren, haben uns die Ranger am Gate erlaubt, noch zum Abendessen rauszufahren und dann wieder in den Park. Das ist eigentlich nicht erlaubt, nach 19 Uhr erfolgt normalerweise keine Einfahrt mehr in den Park.