Kumasi - im Königreich der Ashanti

Kumasi ist nicht nur die zweitgrößte Stadt Ghanas - immerhin mit fast zwei Millionen Einwohnern, sondern auch das kulturelle und historische Zentrum des Landes. Kumasi ist nämlich die Hauptstadt der Ashanti - und des dazu gehörigen Königreichs. Die Ashanti sind die größte Volksgruppe in Ghana und das einzige heute noch bestehende Königreich im Land. Der einstige Palast, der bis vor wenigen Jahren noch genutzt wurde und neben dem heute genutzten errichtet ist, erzählt von der Geschichte des Volkes und seiner Könige. Außerdem gibt es ein Museum, das sich mit dem letzten Krieg auf ghanischem Boden 1900 (Ashanti gegen England) und Ghanas Beitrag im Ersten Weltkrieg auseinander setzt.


Kumasi - die Stadt

Kumasi ist mit fast zwei Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Ghanas nach Accra und auch sowas wie die historische Hauptstadt. Als Ghana noch Gold Coast hieß und keine Landesgrenzen hatte, also vor der Kolonialzeit und der Einführung von Nationen in Westafrika, unterteilte sich Ghana in verschiedene Regionen, die größte davon liegt im heutigen zentralen Ghana: die Ashanti-Region.

 

Das Ashanti-Königreich hat eine enorme Geschichte, es hatte beispielsweise eine gewichtige Rolle im Sklavenhandel, aber das Ashanti-Königreich ist auch für seinen enormen Widerstand gegen die europäischen Besatzer bekannt. Erst mit Hilfe der umliegenden Nationen haben es die Engländer 1900 geschafft, diesen Teil des heutigen Ghanas zu kolonisieren - zuvor hatten die Ashanti jeden Angriff abgewehrt und alle Kriege gegen die Europäer gewonnen! Das Königreich besteht auch heute noch und hat die Kolonialzeit damit überlebt. Der König, der aktuelle heißt Osei Tutu II., hat repräsentative Aufgaben. Aber zu ihm sieht das Volk auch auf - er hat noch enorm viel Macht und greift auch mal politisch ein, wenn er es für notwendig erachtet. 

 

Foto: Dario Meyer
Foto: Dario Meyer

Ansonsten ist Kumasi eine recht trubelige Stadt, die erstaunlich viele Sehenswürdigkeiten hat. Die meisten haben natürlich im engeren oder weiteren Sinn mit den Ashanti zu tun,  etwa das Prempeh Museum, das Palast Museum oder auch Teile des Armed Forces Museum. 

 

Wer Zeit hat, lässt sich einfach ein wenig treiben und geht spazieren, so wie ich es gemacht habe. An vielen Ecken sind schöne Gebäude zu finden und generell ist die Stadt sicher, weshalb man sich keine Gedanken machen muss. Die Sehenswürdigkeiten sind auch eigentlich alle fußläufig erreichbar, für weitere Strecken gibt es Taxis oder Uber

 

Übrigens ist die Fußballmannschaft aus Kumasi so etwas wie der FC Bayern München Ghanas: Asante Kotoko SC gehört dem Ashanti König und hat bereits 24 Meistertitel geholt. Hearts of Oaks aus Accra ist der Dauerrivale, aber nicht ganz so erfolgreich. Dazu kommen zwei Champions League Titel (dem höchsten afrikanischen Wettbewerb) und fünf verlorene Finals. Im Gegensatz zu Accra, wo das Stadion nicht all zu oft ausverkauft ist, ist in Kumasi beim Fußball, vor allem bei internationalen Spielen, immer etwas los. 


Manhyia Palace

Der Manhiya Palace ist ein geschichtsträchtiges Gebäude. Früh war der Palast der Sitz des Königs der Ashanti - doch im Krieg um den Goldenen Stuhl 1900 ist der Palast von den Briten niedergebrannt worden. 1925 haben sie ihn in der Nähe wieder aufgebaut - doch die Ashanti wollten den Palast zuerst nicht annehmen, da sie davon ausgingen, dass die Briten das nicht aus reiner Nächstenliebe tun würden. Der damalige König hat deshalb verhandelt, dass die Ashanti die kompletten Baukosten übernehmen. 

 

Zwei Könige lebten noch in dem Palast, ehe er 1995 zum Museum umfunktioniert wurde, als der neue Palast nebenan, allerdings geschützt durch viel Grün, errichtet war. Leider ist es im Museum nicht erlaubt, zu fotografieren, was ein wenig schade ist, denn es ist eines der eindrücklichsten Museen, die ich in Ghana besucht habe! Deshalb seht ihr hier auch nur Aufnahmen vom Außengelände. 

 

Der Eintritt kostet 30 Cedis (5 Euro, Studenten 25 Cedis) und beinhaltet immer eine geführte Tour. Es beginnt mit einem Film, dann geht die Tour durch die verschiedenen Räume wie Empfangshalle, Esszimmer, Schlafgemach - was übrigens alles andere als pompös ist. Der gesamte Palast kommt total schlicht und fast wie ein normales großes Wohnhaus daher. 

 

Verschiedene Räume widmen sich verschiedenen Königen, die jeweils auch in lebensgroßen Holzstatuen - die täuschend echt aussehen (es ist wirklich unfassbar gut gemacht, noch besser als die Wachsfiguren von Madame Tussauds!) im Raum thronen - an der Seite ihrer Mutter. 

 

Der Besucher erfährt beispielsweise auch, wie die Krönung abläuft: Ein König herrscht, bis er stirbt, abtreten gibt es nicht. Stirbt der König, ist seine älteste noch lebende Schwester in der Pflicht, den Nachfahren auszuwählen - und zwar zwischen ihren Söhnen. Es wird also nie der Sohn des Königs selbst König, sondern immer ein Neffe. Die Schwester des Königs, die die Wahl hat, wird dann gleichzeitig zur "Queen Mother" und ebenfalls zum Royal. 

 

Habt ihr euch eigentlich oben gefragt, was es mit dem Krieg um den Goldenen Stuhl auf sich hat? Nun, der wurde 1900 ausgetragen und ist der letzte, der auf dem ghanaischen Boden stattfand. Die kleinen Holz-Stühle sind in Ghana ein Zeichen von Macht und Royalität, viele Chiefs und mächtige Familien haben eigene Stühle, mit eigenen Zeichen darauf. Der Goldene Stuhl ist ein besonderer, denn einer Sage zufolge, ist der Goldene Stuhl vom Himmel gefallen, direkt auf den Schoß von Osei Tutu, dem ersten König der Ashanti. Er wird also als Zeichen von Macht und Herrschaft gesehen. Die Seele und ganze Kraft der Ashanti soll ihrem Glauben nach in dem Stuhl liegen. 

 

Foto des Goldenen Stuhls im Armed Forces Museum.
Foto des Goldenen Stuhls im Armed Forces Museum.

Nun, 1900 kam einer der Briten auf die Idee, sich auf den Stuhl setzen zu wollen - und ließ seine Soldaten nach dem Stuhl suchen. Das fanden die Ashanti nicht ganz so cool und die Armee startete eine Rebellion. 1000 für England Kämpfende kamen ums Leben - und schließlich rund 2000 Ashanti, als die Briten sich nach ihrer Niederlage bei ihren Verbündeten Nachschub an Kämpfern besorgten. Die Ashanti unterlagen, der König Prempeh I. ging ins Exil, allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Briten den Stuhl nicht anfassen würden. Zwischenzeitlich war sogar eine Kopie des Stuhls aufgetaucht, um die Briten zu veräppeln, aber das war jetzt nicht mehr notwendig, denn die beiden Seiten einigten sich auf Exil gegen Goldener Stuhl.

 

Erst 1921 tauchte der versteckte Goldene Stuhl wieder auf - und ist seither im Stool Room im Palast untergebracht. Dort stehen neun Stühle, unter anderem der Goldene Stuhl, der nur alle vier Jahre einmal kurz der Öffentlichkeit gezeigt wird - damit alle wissen, dass es den Goldenen Stuhl noch gibt. Ansonsten stehen in dem Raum Stühle, die bisherigen Königen gehörten. Ist ein neuer König ernannt, bekommt er eine Augenbinde und muss in den Raum. Den ersten Stuhl, den er anfasst, bestimmt seinen Namen - er wird nach dem König benannt, dem der Stuhl einst gehörte. 

 


Centre for National Culture & Prempeh II Jubilee Museum

Das Centre for National Culture ist so etwas wie eine eigene kleine Stadt im Zentrum Kumasis und hat mich von der ganzen Art her ein wenig an Christiania in Kopenhagen erinnert. Auf dem weitläufigen Areal (es gibt zwei Gates, der Zugang ist kostenfrei) ist es enorm grün und es gibt viel Platz zum Entspannen und zum Flanieren. 

 

Aber hauptsächlich kommen die Meschen hierhin, weil es ein das kulturelle Zentrum ist. In einer Ecke spielt eine Band, in der nächsten sitzt ein Maler, in wieder ein anderer hämmert ein Bildhauer an einer Skulptur und hinter einem töpfert einer Geschirr. Wer nach Kunstschätzen in Ghana sucht, wird hier fündig - und meist sind die Werke auch erschwinglich. Viele Künstler haben offene Werkstätten, beziehungsweise ihre Werkstätten sind Teil des Shops, in dem sie ihre Waren verkaufen. So kann man auch bei der Arbeit zuschauen. Für mich war das allerdings ein wenig unangenehm, da ich nicht vor hatte, etwas zu kaufen und mich deshalb kaum getraut habe, wirklich zuzuschauen. 

 

Ungefähr in der Mitte des Kulturzentrums findet sich eine Info-Halle, allerdings kann man auch einfach so über das Areal schlendern, denn nach einer Weile hat man die Dimension in etwa überblickt. 

 

Ein Highlight innerhalb des Zentrums ist das Prempeh II. Jubilee Museum, das allerdings am Wochenende leider geschlossen hat. Somit konnte ich mir die Ausstellung nicht anschauen. Prempeh II war vier Jahre alt, als er mit seiner Familie gezwungen war, ins Exil auf die Seychellen überzusiedeln, nachdem sein Onkel, Prempeh I., wie ihr gerade gelesen habt, seine Freiheit gegen den Goldenen Stuhl eingetauscht hatte. Als der Onkel 1935, inzwischen zurück in Kumasi, starb, wurde Prempeh II. zum König ernannt - und war später der erste offiziell von den Kolonialmächten anerkannter Ashanti-König. 

 

Warum genau ihm das Museum gewidmet wurde, weiß ich tatsächlich gar nicht, denn alle Könige haben auf ihre Art etwas besonderes gemacht. Prempeh II. hat sich beispielsweise viel für Bildung eingesetzt und war maßgeblich daran beteiligt, dass es in Kumasi eine Universität gibt. Außerdem war er der erste Chef der Chefs, könnte man sagen: Der erste gewählte Präsident des "National House of Chiefs", einer politischen Institution, in der sich die Chiefs und andere Anführer lokaler und traditioneller Gruppen Ghanas zusammen geschlossen haben. 

 


Armed Forces Museum

Erwartet hatte ich etwas völlig anderes - und war vielleicht auch deshalb so enttäuscht von dem Museumsbesuch. Insgesamt zählt das Armed Forces Museum in Kumasi zu den schlechtesten Museen, die ich je besucht habe - daher auch keine Weiterempfehlung von mir. 

 

30 Cedis kostet der Eintritt (5 Euro; Studenten 25 - Fotografieren selbst mit Handy kostet 5 Cedis extra!) und das ist schon eine ordentliche Nummer! Ich dachte, dass ich in dem Museum mehr zum Krieg um den Goldenen Stuhl erfahre - das zumindest hatte ich vorab gelesen. Dem war aber absolut nicht so. Stattdessen sind vor allem Waffen aus dem 1. und 2. Weltkrieg ausgestellt. Ghana hat an der Seite der Briten unter anderem in Ostafrika gekämpft. 

 

Außerdem gibt es Waffen, Abzeichen und Uniformen von den NATO-Einsätzen Ghanas etwa im Kongo oder in Ruanda zu sehen. Also wer jetzt nicht der absolute Waffennarr ist, wird hier einiges an Hintergrundinfos vermissen. Spannend war für mich lediglich, an wie vielen Missionen Ghanas Armee beteiligt war - auch wenn der letzte Krieg auf ghanaischem Boden 1900 stattgefunden hat. 

 

Das Gelände und das Gebäude des Museums, ein Fort, ist zwar hübsch, aber die kleinen Räume sind völlig überladen. Von Aussortieren und Fokussieren hält man hier offenbar nichts. Da stehen schon einmal 300 Fotos in Rahmen in einem Raum. Die Führung hat dann nur zwei, drei benannt, aber auch nicht wirklich auf die Rolle hingewiesen. Daher: Nee, nutzt eure Zeit für was anderes, wenn ihr in Kumasi seid! 

 


Kejetia Central Market

Ich bin aus Accra ja einiges an Märkten gewohnt und so, aber der Kejetia Central Market hat mich echt an meine Grenze gebracht. Es ist so unfassbar voll und dann fahren noch Tro Tros und andere Autos mittendurch und man kommt einfach überhaupt nicht vom Fleck. 

 

Ich hörte, man könne hier ganz gut shoppen, auch wenn es etwas viele Eindrücke auf einmal sind. Selbst für mich als erprobte Afrika-Reisende und Marktgängerin war das aber echt zu viel. Der Markt wurde vor ein paar Jahren auch noch einmal erweitert und ist jetzt noch größer.

 

Generell kann man hier aber alles kaufen, von Nahrungsmitteln über Werkzeug und Stoffe. Man muss nur die richtige Ecke finden - denn so ein wenig sind die Angebote tatsächlich nach Standorten sortiert. 


Hin und weg

Kumasi hat einen eigenen Flughafen - wer also keine Lust auf die rund fünfstündige Fahrt ab/nach Accra oder ab/nach Tamale hat, kann sich für rund 30 Minuten in den Flieger setzen. 

 

Generell gibt es aber zahlreiche Möglichkeiten, um günstig nach Kumasi zu kommen. Ab Accra fahren Minibusse (Trotros) ab den Stationen Tema und Kaneshie, sie fahren los, sobald sie voll sind - was hier recht schnell geht. 

 

Außerdem gibt es sehr bequeme Reisebusse von STC oder VIP. Ich bin mit dem VIP Bus gefahren. Es gibt einen 24/7 Service, das heißt, die Busse fahren durchgehend. An der Station kauft man sich für 50 Cedis (8,50 Euro) ein Ticket, darauf ist auch eine Platznummer verzeichnet. Ich fand es total toll: Auf der Hinfahrt war ich die letzte der 32 Passagiere, die eingestiegen ist, es ging also sofort los. Auf der Rückfahrt war ich Nummer 3, musste aber dennoch nur rund zehn Minuten warten, bis der Bus voll war. Dafür gibt es im Bus eine Klimaanlage, in den neuen Bussen auch USB-Ports und vor allem: Beinfreiheit. Es sind in dem Bus nämlich nur 32 Sitze untergebracht und damit hat jeder echt viel Platz! Nach zwei Stunden haben wir eine Toiletten-Pause gemacht, an dem Rastplatz gab es auch zahlreiche Bistros und Straßenverkäufer. 

 

Übernachtet habe ich nicht in Kumasi, sondern am 35 Kilometer entfernten Lake Bosumtwi - allerdings ist 35 Kilometer hier relativ - denn die Fahrt dauert rund anderthalb Stunden. 



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