Schlesien, Streetart, Seilbahn - ein Tag in Kattowitz

Kattowitz, auf Polnisch Katowice, steht als Stadt immerzu im Schatten ihrer berühmten K-Nachbarschaftsstadt Krakau. Doch wer auf dem Weg gen Krakau ist, kann hier wunderbar einkehren und ein, zwei Tage verbringen. Denn Kattowitz ist zwar nicht so hübsch wie Breslau oder Krakau, kann aber auch einiges an Geschichte vorweisen - und ist bei weitem nicht so überlaufen.  Wer die schlesische Kultur und Geschichte entdecken möchte, ist hier genau richtig. Denn Kattowitz hat ein schlesisches Museum, einen schlesischen Park und ein schlesisches Stadtzentrum - und die schlesische Küche darf natürlich auch nicht fehlen. Aber lest selbst!


Sightseeing und Shoppen im Zentrum

Wie in vielen polnischen Städten versammelt sich das Leben um den Rynek, der das Zentrum bildet. Der Rynek, Marktplatz, wurde vor einigen Jahren saniert und ist wirklich hübsch anzusehen. Er schafft eine ganz gute Mischung aus den übrig gebliebenen alten Gebäuden und der Modernität, die Kattowitz auch ausmacht.

 

Auf dem Rynek selbst gibt es immer mal wieder spezielle Aktionen. Als ich zu Besuch war, stand in einem kleinen Bungalow ein Klavier, an das sich jeder Passant setzen konnte, um zu spielen. Als ich da war, musizierte ein junger Mann und es war wirklich schön anzuhören. Auch verschiedene Umweltprojekte gab es auf dem Platz schon. Und fürs historische Flair fährt alle paar Minuten eine alte historische Stadtbahn an einem vorbei.

 

Rund um den Kanal Rawa, der durch das Zentrum fließt, finden sich Holzliegen, teils unter Palmen, an denen man entspannen kann. Hier finden sich auch das Schlesische Museum und das Schlesische Theater.

 

Wer noch einen Überblick über die Stadt braucht - Kattowitz ist jetzt nicht unbedingt eine Stadt, für die man sich sofort einen Reiseführer kauft - kann in der Touristeninformation, die ebenfalls am Rynek liegt, einen kostenlosen Stadtplan mitnehmen. Dort sind allerlei Restaurants und Bars, aber auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten eingezeichnet.

 

Im Zentrum kann man auch wunderbar shoppen, es ist günstig, die Auswahl ist groß. Zum einen gibt es das Supersam, das ist ein großes Einkaufszentrum, in dem sich eigentlich alle Shops finden, die man in Deutschland auch kennt, selbst Kik gibt es hier. Gegenüber, an der Straße Stawowa, gibt es einen Markt mit Kleidung und Accessoires. Wer seinen Blick nicht gen Markt, sondern entgegen gesetzt richtet, entdeckt auch das wundervolle Gebäude der Schule III Liceum Ogolnoksztalcace, das richtig imposant hervorsticht.

 

Richtig toll zum Shoppen fand ich die Straße Mickiewicza, vor allem den orientalisch angehauchten Laden Lokaah. Der war mein absolutes Highlight in Kattowitz und alleine für den Laden würde ich nochmal dorthin fahren. Es gibt dort Kleidung, Taschen, Tücher, Accessoires und Schmuck zu sehr fairen Preisen. Ich habe mich direkt mit Armbändern und Ringen eingedeckt und meine Schwester hat ein Tuch gefunden.


Streetart, Food und Nachtleben

Willkommen im Stadtviertel Kato, das für sein Nachtleben, sein Streetfood und seine Streetart bekannt ist. Es grenzt direkt an das Zentrum und ist fußläufig in fünf bis zehn Minuten von Rynek aus erreichbar. Der Place to be ist die Straße Mariacka, um die sich das ganze Leben abspielt. Bars reihen sich an Restaurants reihen sich an Clubs. Hier ist immer was los, auch tagsüber.

 

Mal davon abgesehen, dass man hier wunderschön entlang schlendern kann, immer mit Blick auf die St. Marys Church, gibt es auch wirklich gutes Essen.

 

Wer auf der Suche nach Abkühlung ist, isst ein Eis (Lody auf Polnisch) bei Kajzer Cafe & Bar direkt am Beginn der Straße. Hier lässt es sich auch entspannt auf einem Liegestuhl entspannen. Direkt daneben gibt es eine der Kattowitzer Highlights: Bei "Z ogórem czy bez" gibt es belegte und überbackene Baguettes. Wer Richtung Mariacka unterwegs ist, dem begegnen zwangsläufig permanent Menschen mit dem Baguette in der Hand. Ansonsten findet hier jeder etwas nach seinem Geschmack: ob amerikanisch, polnisch oder doch asiatisch.

 

In der Parallelstraße Tylna Mariacka wartet ein wenig Streetart auf euch. So wie es in der Landkarte angepriesen war, könnte man hier das Mekka der Streetart erwarten, weshalb ich dann doch ein wenig enttäuscht war. Aber ein paar tolle Kunstwerke haben wir auf jeden Fall gefunden. Die großflächigen zieren Häuserfassaden und Unterführungen, kleinere (und wirklich süße!) gibt es auch an der Wand zwischen Straße und Bahnschienen.


Mit der Seilbahn über den Schlesischen Park

Der Schlesische Park ist eine der größten Attraktionen von Kattowitz, obwohl der Park außerhalb des Stadtgebiets liegt, nämlich in Chorzów (darauf solltet ihr achten, wenn ihr im Navi beispielsweise nur Straßennamen eingebt, Straßen mit Namen wie Parkowa gibt es nämlich an beiden Orten jeweils an einem Park).

 

Der Schlesische Park ist allein einen Tagesausflug wert, wenn nicht gar noch mehr. Denn hier findet sich beispielsweise das Ethnologische Museum, das Planetarium, ein Zoo mit Dinosaurier-Park, den Freizeitpark Legendia mit Achterbahnen und Co, das Stadion, ein Rosengarten, ein Kletterpark und ganz viel Natur, um zu entspannen.

 

Da ich generell ein großer Fan von Freilichtmuseen bin und mir dadurch gerne anschaue, wie Geschichte und Tradition einer Region verbunden sind, haben wir einen Abstecher ins Oberschlesische Ethnographische Museum gemacht. Es wurde auch als Sehenswürdigkeit angepriesen. Dort war ich dann allerdings doch sehr enttäuscht.

 

Sämtliche Informationen fanden sich ausschließlich auf Polnisch. Es gab für uns keine Möglichkeit, auch nur im geringsten etwas zu verstehen. Deshalb war es doch mehr Spaziergang mit Blick nach rechts und links (immerhin waren die Häuser thematisch nach Regionen angeordnet, sodass wir das zuordnen konnten) als wirklich ein Ort, an dem ich etwas gelernt hätte.

 

Viel schöner fand ich da doch die Fahrt mit der Seilbahn über den Park. Jawohl, ihr lest richtig, das ist möglich. Rund 15 Minuten dauert eine einfache Fahrt, die vom Stadion zum Legendia Freizeitpark führt. Ihr könnt entweder direkt wieder zurückfahren oder aussteigen und laufen. Da bei uns die Zeit etwas knapp wurde, sind wir in beide Richtungen gefahren. Von oben hat man einen schönen Blick auf den See, den Rosengarten und den Freizeitpark - und die Weite des Parks. Die Fahrt ist einfach 2200 Meter lang und kostet hin und zurück keine fünf Euro.


Schlesische Spuren

Kattowitz ist die Hauptstadt von Schlesien (Silesia), die hauptsächlich vom Bergbau, Kohle- und Erzbauwerken lebt. Wer sich über dieses Gebiet informieren möchte, ist im Schlesischen Museum im Norden von Kattowitz genau richtig. Zu sehen sind archäologische und ethnologische Exponate, außerdem gibt es eine Galerie mit Malerei aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Das Museum liegt auf dem Gelände des stillgelechten Bergwerks Ferdinandgrube und so kann man auch hier noch zahlreiche Überbleibsel dieses für die Region wichtigen Wirtschaftszweiges bewundern, da das Museum, das 2015 an diesen Ort zog, in die Zeche integriert wurde.

 

Auch das Museum der Stadtgeschichte muss sehr schön sein. Wir haben es leider nicht dorthin geschafft, aber erfuhren, dass es viel über das schlesische, polnische und europäische Leben im 19. und 20. Jahrhundert erzählt. Die Exponate stammen allerdings aus einer Zeit vom 13. bis ins 21. Jahrhundert.

 

Im Nordwesten der Stadt liegt noch The Silesian City Center, in dem es vor allem Bars, Restaurants und Shops gibt. Auch einige Spa-Angebote gibt es hier. Ich war auch hier nicht, habe mich auch nur im Ansatz an die schlesische Küche gewagt: In dem Hotel, in dem ich genächtigt habe, gab es auch ein schlesisches Restaurant: Karczma pod Mlynem. Es war zwar ganz lecker, aber ich fand es jetzt nicht so gut, dass die Anfahrt aus dem Zentrum (ca. 3 km) lohnen würde.