Auf Entdeckungstour in der Märchenstadt Hanau

(c) Dennis Auger
(c) Dennis Auger

Hanau - vor wenigen Monaten war die Stadt plötzlich deutschlandweit bekannt, wegen eines ausländerfeindlichen Anschlags, bei dem zehn junge Menschen starben. Das Attentat ist furchtbar. Ich habe ein anderes Hanau kennengelernt: In den sieben Jahren, die ich in Frankfurt gewohnt habe, war ich öfter in der Märchenstadt. Denn ja, hier im Geburtsort der Gebrüder Grimm handelt sich viel um die Märchenwelt. Ob nun im interaktiven Märchen-Museum, auf dem Märchenpfad oder bei einem Ritt auf dem ältesten Karussell der Welt - Hanau hat einiges zu bieten. Auch wenn ich es liebe, Veranstaltungen im Schloss Philippsruhe zu besuchen, mag ich den Großkrotzenburger See am liebsten.


Mit dem Fahrrad von Frankfurt nach Hanau

Frankfurt liegt nur rund 30 Kilometer von Hanau entfernt - damit ist es ein guter Abstand für eine Radtour. Wer nicht hin und zurückfahren will, nimmt einfach auf einer Strecke die Regionalbahn.

 

In Frankfurt startet man am besten am Main, denn wer einfach dem Uferlauf folgt, kommt über Offenbach nach Hanau. Da der Main sich schlängelt, ist es nicht der direkteste Weg nach Hanau - es kommen ein paar Kilometer dazu. Der direkte Weg führt durch Frankfurt und Offenbach hindurch und ist nicht so schön wie der Uferweg.

 

Wer gerne unterwegs einkehren möchte, sollte sich das Bootshaus Bürgel in Offenbach anschauen. Das griechische Restaurant ist für seine gute Küche bekannt - auch armenische und deutsche Speisen finden sich auf der Karte! 

Schloss Philippsruhe und die Brüder Grimm

(c) Dennis David Auger
(c) Dennis David Auger

Mein erstes Mal in Hanau - da habe ich quasi nichts von der Stadt gesehen. Denn ich war bei einem Konzert auf Schloss Philippsruhe und kam auch erst abends an: Helge Schneider trat dort auf (und tut es immer wieder im Sommer). Generell gibt es gerade im Sommer immer wieder Open-Air-Konzerte im Schlossgarten, viele davon im Bereich Klassik.

 

Im Sommer verwandelt sich Philippsruhe in ein Märchenschloss: Denn hier finden die Brüder Grimm Festspiele statt - eines der größten Freilichtfestivals in Hessen.

 

Seit kurzem gibt es auch im Schloss Märchen: Dort hat nämlich 2019 Grimms Märchenreich eröffnet, ein Museum, das den beiden Brüdern Grimm gewimdet ist, die in Hanau geboren worden sind. Das Museum richtet sich gezielt an Kinder und Familien. Auch die Familie (dazu gehörte noch ein dritter Bruder, der aber Maler war) und ihre Lebensart lernen Besucher in dem interaktiven Museum kennen. Ich kenne das Museum leider noch nicht, mein letzter Besuch in Hanau war 2018 - aber beim nächsten Mal will ich mir das Museum unbedingt anschauen! Ein zweites Museum gibt es im Schloss übrigens noch: Im Historischen Museum geht es um regionale Geschichte und Kunstgeschichte.

Wilhelmsbad und das älteste Karussell der Welt

Wer sich von Philippsruhe aus Richtung Norden begibt, kommt am Wilhelmsbad mit seinem mächtigen Park heraus. Die einstige Kuranlage ist riesig und ein perfekter Ort zum Seele baumeln lassen. Hier lassen sich vor allem viele historische Bauten beobachten.

 

Für Kinder und Nostaglie-Liebhaber indes gibt es ein anderes Highlight: Das 1780 errichtete Karussell mit hübschen Pferden lag jahrelang brach - doch dann wurde es aufwendig restauriert und ist seit 2016 wieder in Betrieb. Das Karussell ist das älteste feststehende noch in Betrieb befindliche Karussell der Welt.

 

An ausgewählten Tagen steht das Karussell stundenweise den Besuchern zur Verfügung - für zwei Euro (Kinder) und vier Euro (Erwachsene) kann man in den Kutschen mitfahren - die Pferde stehen dafür nicht bereit. Wer nur schauen will, kann das das ganze Jahr über tun: Das Karussell ist zwar in einen Schutz gehüllt, doch der ist zur Hälfte transparent.

Altstadt mit Altem Goldschmiedehaus und Märchenpfad

(c) Harald Gärtner
(c) Harald Gärtner

Das Herz von Hanau ist der Altstädter Markt. Dort sammelt sich die Geschichte der Stadt - denn hier war schon im Mittelalter ein Zentrum.

 

Prachtbau ist das Deutsche Goldschmiedehaus, ein imposantes Fachwerkhaus aus dem Zeitalter der Spätgotik und Frührenaisscance. Laut Inschrift ist es im Jahr 1538 fertiggestellt worden. Es war einst Rathaus und zwischenzeitlich Historisches Museum, ehe es als Deutsches Goldschmiedehaus umfunktioniert wurde. Das Haus hat leider auch eine traurige Geschichte, denn es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört - die heutige Version ist eine Rekonstruktion aus den 60er Jahren, die wieder als Museum dient und vor allem Gold- und Silberschmuck zeigt.

 

Wer Märchen mag, sollte den Märchenpfad entlang wandern, der einmal durch die Innenstadt führt. Zwischen dem Schlosspark (Nähe Congress Park) und der Französischen Allee (Nähe Wallonisch-Niederländische Kirche sind insgesamt elf Statuen aus Märchen aufgestellt - von Rotkääpchen bis zum Gestiefelten Kater. In einem Flyer gibt es Infos über den besten Weg (Beginn am Schlosspark), zudem auch Hinweise, wo man in der Innenstadt auf den Spuren der Gebrüder Grimm wandeln kann.


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Stadtteil Steinheim: An der Deutschen Fachwerkstraße

(c) Lapping / Pixabay
(c) Lapping / Pixabay

Wer meinen Blog aufmerksam liest, der hat schon hier und da mal einen Beitrag über die Deutsche Fachwerkstraße entdeckt - etwa in Melsungen oder in Ladenburg bei Heidelberg.

 

Auf besagter Straße liegt auch der Hanauer Stadtteil Steinheim - auf der anderen Mainseite von der Innenstadt aus gesehen. Steinheim ist recht groß und war früher auch eine eigene Stadt. Sehenswert ist vor allem die Altstadt mit den vielen restaurierten Fachwerkhäsuern und dem Schloss - das auch ein Museum zur Geschichte Steinheims. Wer schwindelfrei ist und gerne von oben auf die Stadt schaut, steigt im Rahmen einer Führung auf den Schlossturm Bergfrieds.

Wildpark Alte Fasanerie

Im Stadtteil Klein-Auheim im Südwesten von Hanau liegt der Wildpark Alte Fasanerie. Bei unserer Radtour nach Hanau war das auch das Ziel. Vor allem für Fans von Eintracht Frankfurt lohnt ein Ausflug in den Main-Kinzig-Kreis, denn hier in der Alten Fasanerie lebt der Adler Attila, der Maskottchen der Eintracht ist.

 

In der Fasanerie gibt es verschiedene Tierarten, vor allem aber europäische Wildtiere. Rund 350 Tiere leben hier auf 107 Hektar (etwa zehnmal größer als der Frankfurter Zoo) und haben damit gut Platz. Hauptsächlich sind es Tiere, die auch in Deutschland vorkommen wie Hirsche, Rehe, Luchse, Füchse, Wildschweine oder Wölfe. Auch Schafe, Ziegen und Schweine wühlen im Waldboden. Daneben gibt es die wunderschönen weißen Polarwölfe, Wisente, Elche, Dachse, Waschbären, Wildkatzen und Marder. Wie der Name schon verrät, leben auch einige Vögel hier, etwa verschiedene Fasan-Arten, Uhus, Krähen und Eulen.

 

Da ich solche Dinge nicht mag, haben wir uns die Greifvogel-Flugschau nicht angeschaut. Für mich reichte es, die Tiere so bestaunen zu können, sie müssen keine Tricks vorführen. Allerdings sei an der Stelle gesagt, dass die Tiere in der Alten Fasanerie wirklich gut Platz haben - allein das Rotwildgehege ist größer als der gesamte Frankfurter Zoo. Der Eintritt kostet übrigens 7 Euro. Durch Corona gelten aktuell noch spezielle Regeln, etwa Mund- und Nasenschutz in geschlossenen Gebäuden wie Toiletten und der Streichelzoo ist geschlossen, weitere Infos auf der Website von Hessen Forst.

Großkrotzenburger See

In Frankfurt selbst gibt es keinen Badesee, wer also in der Natur schwimmen möchte, muss aus der Stadt raus. Dafür geht es für viele Großstädter an den Langener Waldsee oder den Badesee in Walldorf.

 

Wir hingegen entschieden uns meist für den Großkrotzenburger See, auch wenn er ein Stück weit ist. Von der Haltestelle Großkrotzenburg (der Bahnhof ist super hübsch gestaltet, wie man unten in der Galerie sehen kann) erreicht man den See am besten mit dem Fahrrad - ansonsten gibt es auch einige Parkplätze.

 

Ausgangspunkt ist das Strandbad Spessartblick. Hier zahlt man auch den Eintritt von 4 Euro.

 

Rund um den See ist viel Platz zum Entspannen. Es gibt die übliche Gastronomie, dazu das Restaurant Seeblick. Es gibt einen Abschnitt mit Sandstrand und eine riesige Liegefläche, teilweise spenden Bäume Schatten. Wir waren mehrfach dort und hatten immer ein ungestörtes Eck gefunden - teils ist es dann eben ein wenig zu gehen, um ins Wasser zu kommen. Wer weiter hinausschwimmt, verlässt sogar das Land Hessen - denn der See liegt zum Teil in Hessen, zum Teil schon in Bayern und wie der Name schon sagt, geht der Blick gen Spessart.

 

Ein Nichtschwimmer-Bereich ist abgetrennt, wer gerne richtig schwimmt, sollte um die Absperrung herum. Es gibt auch einige Badeinseln - und ein Verleih von Stand-Up-Paddling. Ein Beachvolleyballfeld und einen Spielplatz gibt es ebenfalls.

Ausflug nach Seligenstadt

(c) Tilman2007 / Wikicommons
(c) Tilman2007 / Wikicommons

Nur rund zehn Kilometer von Hanau entfernt liegt Seligenstadt - und ich glaube, das Bild spricht für sich. Wer also etwas mehr Zeit für Hanau hat, schaut doch gleich mal noch in Seligenstadt vorbei.

 

Zwei Highlights will ich hier hervorheben. Zum einen die imposante Einhard-Basilika, die ihr auch hier auf dem Foto seht. Die Kirche heißt eigentlich St. Marcellinus und Petrus und war einst die Klosterkirche. Drum herum liegt deshalb auch der Klostergarten, der zumm Verweilen einlädt.

 

Außerdem findet sich in Seligenstadt ein Fastnachtsmuseum. Inzwischen gibt es ja einige davon, ob in Koblenz oder Mainz - das in Seligenstadt gibt es allerdings schon seit 1995. Es zeigt nicht nur die Prinzenpaare, die die Stadt bisher gesehen hat, sondern zeigt die Geschichte der Seligenstädter Fastnacht vom 19. Jahrhundert bis heute mit Fotos, Masken und Kostümen. Außerdem können Teilnehmer des Umzugs in Wechselausstellungen ihre Arbeiten präsentieren.

Der große Schauraum dokumentiert die Seligenstädter Fastnacht von 1897 bis heute mit historischen Dokumenten, Kostümen, Fotos, Masken und allerlei Zubehör wie Zugplaketten und Präsenten von Prinzenpaaren. Außerdem wird hier allen Seligenstädter Fußgruppen und Wagenbauern im Rahmen von Wechselausstellungen die Möglichkeit geboten, sich zu präsentieren. Ein weiterer kleiner Raum dient unterschiedlichen Sonderausstellungen.


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