Schildkröten retten im Paradies: Dzita

Auf vielen Reisen gibt es diesen einen Ort, an dem ich vollkommen ankomme, an dem ich mich wohl und entspannt und einfach zufrieden und dankbar fühle. In Ghana war das für mich Dzita! Niemals wäre ich von alleine auf die Idee gekommen, nach Dzita zu fahren, dafür ist der Ort viel zu klein und unscheinbar. Die Keta Lagune ein paar Kilometer entfernt hatte ich auf dem Schirm, aber vor allem eine liebe Freundin, die immer wieder von diesem wundervollen Ort hier gesprochen hat, hat mich dazu gebracht, die Reise in die Gegend, wo der Volta River ins Meer fließt, anzutreten. Und ich bin statt der zunächst geplanten zwei Nächte gleich vier geblieben, weil es so wunderschön ist!


Dzita ist eher unscheinbar, das nur rund eine Stunde entfernte Keta ist schon aufgrund seiner namensgebenden riesigen Lagune (die einen Besuch lohnt!) deutlich bekannter. Hierhin fahren auch allerlei Busse und Sammeltaxis. Wer aus der Richtung Accra kommt, muss von Ada aus – ebenfalls ein größerer Ort – mit dem Boot über den Volta-Fluss und durch die Mangroven, um nach Dzita zu kommen. Und hier wartet es dann, das Paradies – das bisher nur die wenigsten Touristen entdeckt haben!

 


Trommeln, Sprachkurs, Baden im Meet Me There

Ausgangspunkt sollte und muss bei eurer Reise auf jeden Fall die Lodge „Meet me there“ sein, denn sie ist der wundervollste Fleck, den ich bisher in Ghana entdeckt habe. Sie liegt etwas am Rande von Dzita, direkt an einer kleineren Lagune. Hinter der Lagune beginnt der Strand und das Meeresrauschen hört man hier permanent. Die Lodge ist unglaublich liebevoll gestaltet, das Personal ist aufmerksam und das Essen super lecker – nebst der ghanaischen Küche lohnt sich auch eine Pizza, gebacken im Steinofen.

 

Es läuft oft chillige Musik, das ganze Flair ist einmalig. Am Strand zur Lagune stehen Liegestühle und es gibt zwei Hängematten. In der Lagune lässt es sich baden (das Wasser ist ziemlich warm), aber es gibt auch ein kleines Boot und einen großen Schwimmring zum Plantschen. Die etwas teureren Hütten (230 bis 260 Cedis pro Nacht, rund 40 Euro) sind freistehend, die normalen Doppelzimmer (160 Cedis, 27 Euro) gehören zu einem größeren Gebäude, sind aber nicht weniger gemütlich. Auch für Budget-Reisende gibt es Zimmer: Ein Dorm mit vier Betten, pro Bett 60 Cedis (10 Euro).

Die Lodge hat ganz viele Dinge, die es lohnen, darüber zu berichten. Zum Beispiel hängen an der Bar große Müllsäcke von 4Ocean und es liegen Handschuhe bereit, wer eine Tüte Müll am Strand einsammelt, bekommt einen Caipirinha (und der ist nicht zu klein!) aufs Haus. Der Strand hat es auf jeden Fall nötig, auch wenn es traurigerweise immer noch einer der saubersten ist, die ich in Ghana gesehen habe – und so ist die Motivation natürlich auch groß. Leider ist der Strand auch eher zum Anschauen, denn die Strömung ist hier zu stark, um bedenkenlos schwimmen zu gehen.

 

Sahara Sport-Akademie: Platz für Zuschauer und Heim-Team.
Sahara Sport-Akademie: Platz für Zuschauer und Heim-Team.

Außerdem handelt es sich bei der Lodge um ein Non-Profit-Projekt. Alle Einnahmen gehen an die britisch-ghanaische NGO Dream Big Ghana, die in den Dörfern drum herum schon mehr als 100 Toiletten gebaut hat und Mädchen mit Menstruations-Kits ausstattet. Zur Lodge gehört auch nochmal ein Teil mit einem Education Center, dort werden zum einen Locals in verschiedenen Dingen wie Social Entrepreneurship von Ghanaern unterrichtet, aber auch Gäste können hier von den Einheimischen lernen, beispielsweise Trommeln oder die lokale Sprache Ewe. Wer also hier die Seele baumeln lässt, tut gleichzeitig noch was Gutes!

 

Seit August gibt es auch ein Sportzentrum in Dzita, das über die Lodge gebaut und finanziert wurde. Ein Praktikant, Dominic, hat es neun Monate lang aufgebaut. Hier finden Spiele und Trainings in Fußball, Volleyball und Netzball statt – mit kleiner Zuschauer-Tribüne, es gibt einen wunderschön gestalteten Spielplatz und nach und nach soll hier eine Fußball-Akademie entstehen. Die ersten drei lokalen Spielerinnen wurden bereits gescoutet und leben nun mit einem Stipendium in einem Elite-Internat – sie spielen jetzt für die ghanaische Juniorinnen-Nationalmannschaft.

 

Es gibt übrigens für alle Schildkröten-Fans auch einen Weckservice. Die Lodge bezahlt ein paar Locals dafür, nachts am Strand Patrouille zu gehen, um Schildkröten vor Wilderei zu nutzen – dazu mehr im nächsten Unterpunkt. Wenn eine Schildkröte zur Eiablage an den Strand vor der Lodge kommt, werden die Angestellten informiert – und die wiederum wecken bei Bedarf den Gast, damit er sich die Schildkröte am Strand anschauen kann .


Schildkröten bei der Eiablage beobachten

Gerettete Eier der Oliv-Bastard-Schildkröte.
Gerettete Eier der Oliv-Bastard-Schildkröte.

Ghanas Küste an der Grenze zu Togo ist eines der ausgewiesenen Schildkröten-Gebiete, denn hier kommen zwischen September und Februar, manchmal auch außerhalb der Zeiten, drei verschiedene Schildkrötenarten (Lederschildkröte, Grüne Meeresschildkröte und Oliv-Bastard-Schildkröte) an Land, um Eier zu legen. Und das ist leider nicht ganz ungefährlich für die Tiere.

 

Das Fleisch der Schildkröten gilt als günstig und lecker, weshalb es immer wieder Wilderer gibt, die die geschützten Tiere am Strand aufsuchen und einfach mitnehmen und töten. Teilweise werden ganze Schildkröten für nur 30 Cedis, das sind 5 Euro, verkauft… Einige Menschen verstehen leider nicht, dass es nicht überall wie hier in Ghana ist, dass jede Nacht Dutzende Schildkröten an Land gehen…

 

Und wenn ein Weibchen es dann schafft, ihre Eier abzulegen – rund 100 pro Nest -, dann hat es zwar die Mama geschafft, aber die Kinder noch lange nicht. Abgesehen davon, dass von 100 Babys nur eines nach einem Jahr noch lebt (und sollte es ein Weibchen sein, kehrt es zur Eiablage an den Strand zurück, an dem es geschlüpft ist), warten auch am Strand viele Feinde. In den Siedlungen in Strandnähe leben, wie in vielen Ländern, Haus- und Nutztiere komplett frei und rennen herum, wo sie wollen. Deshalb trifft man hier nicht nur Ziegen und Hühner, sondern auch Hunde und Schweine am Strand. Vor allem die Schweine haben es auf die Eier abgesehen. Sie können die Eier auf eine große Distanz riechen und buddeln sie aus, um sie zu fressen.

Das sind nur zwei Gründe, weshalb es inzwischen lokale Schutzmaßnahmen gibt. Die Organisation Sea Turtles Conservation Volta Ghana kümmert sich in einem Ein-Mann-Betrieb um die Tiere – wobei der Gründer, Bright, von Freunden unterstützt wird. Nachts wird Patrouille am Strand gelaufen, um nach eierlegenden Weibchen Ausschau zu halten. Und werden welche gefunden – oder auch nur die Nester, werden die Eier eingesammelt und an einen geschützten, eingezäunten Strandabschnitt gebracht. Dort können die Kleinen zwei Monate wachsen, ehe sie schlüpfen und ihren Weg zurück ins Meer finden. Letzteres habe ich hier in Ghana nicht erlebt, aber in Costa Rica – und hier findet ihr meinen Blog-Beitrag dazu.

 

 

Eingezäunter Bereich, in dem die Eier verbuddelt werden.
Eingezäunter Bereich, in dem die Eier verbuddelt werden.

Es gibt die Möglichkeit, mit Bright oder aber auch von der Lodge aus, Nachtspaziergänge zu unternehmen und die Schildkröten-Schützer zu begleiten. Bei Bright kostet die Tour 50 Cedis (8,50 Euro) und es war auf jeden Fall sehr spannend. Leider kamen wir bei einem Nest zu spät – es war ganz frisch, aber die Schweine hatten schon alle Eier zerstört. Wir haben noch gebuddelt, ob wir noch ein paar intakte Eier finden, aber leider nicht. An einer Stelle fanden wir ein angefangenes Nest und menschliche Fußspuren drum herum: Die Wahrscheinlichkeit, dass hier Wilderer zugeschlagen haben, ist leider sehr groß.

 

Auch wenn ich bei der Tour keine Schildkröte gesehen habe, so würde ich sie absolut noch einmal machen, denn Bright kann ganz viel zu den kleinen Wesen erzählen und es ist einfach toll, wie sich vor Ort eine kleine Community gefunden hat, die sich für die Schildkröten einsetzt.

 


Kajak fahren auf dem Volta River

Wer das Schildkröten-Projekt von Bright unterstützen möchte und gleichzeitig selbst noch etwas Action erleben möchte, kann über seine Agentur Anyanui Tourism Information verschiedene Touren buchen, etwa einen Bildungs-Bootstrip auf dem Volta River, Hochseefischen, Bird Watching, Jetski Fahren oder aber eben eine Kajak-Tour auf dem Volta River. Letzteres habe ich gemacht. Für 80 Cedis (13 Euro) geht es drei Stunden lang durch die Mangroven des längsten ghanaischen Flusses – und das ist wirklich herrlich entspannend.

 

Wir paddelten erst eine Weile den Hauptfluss hinauf Richtung Inland, nahmen dann einen Shortcut durch die Mangroven und kamen in einer Lagune heraus, die am Strand liegt. Am Strand machten wir eine Pause bei einem Kumpel von Bright, der dort eine Beachbar hat. Hier könnt ihr nicht nur entspannen, sondern auch die Schildkröten-Problematik sehen: Hier an diesem Abschnitt kommen die Schildkröten am häufigsten an Land – und hier rennen überall Schweine und Hunde herum. Auf dem Gelände von Papas Beachbar, so heißt die Bar, findet sich auch der geschützte und eingezäunte Bereich, wo die Eier hingebracht werden. Ab November hat man hier also sehr gute Chancen, ganz viele kleine Schildkröten schlüpfen zu sehen!

 

Nach einem Bier (8 Cedis) oder einfach nur etwas Ausruhen geht es weiter an der Lagune am Strand entlang, bis zu der Stelle, wo die Lagune auf den Hauptfluss trifft. Wir paddelten also wieder ein Stück den Volta River hinauf zur Ausgangsstelle. Dort hat Bright übrigens auch sein Büro. Rettungswesten werden gestellt, ebenso gibt es im Kajak die Möglichkeit, seine Sachen wasserfest zu verstauen.  

 

Aus eigener Erfahrung: Nehmt Moskitospray mit und spart nicht daran. Die Touren starten meist je nach Belieben, im Moment hat Bright nur ein bis zwei Touren pro Woche, sodass der Besucher die Zeit auswählen kann. Ich war aufgrund dessen, dass er vormittags am Education Center zum Lehren war, erst nachmittags mit ihm unterwegs, und auch wenn es um 14.30 Uhr keine Moskitos gibt, als ich kurz nach 18 Uhr wieder an Land ging, hatte ich rund 15 Stiche… Durch das Wasser und die längere Zeit zwischen Einsprühen und Landgang war das Moskitospray unwirksam geworden. Autsch.



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