Cape 3 Points: Schildkröten und Wale an Ghanas Südkap

Cape Three Points ist der südlichste Punkt Ghanas. Hier, weit im Osten der Küste, ragen drei Zungen ins Meer, auf der Mittleren wartet ein Leuchtturm mit grandiosem Ausblick. Es heißt, man könne hier Wale von Land aus beobachten. So viel Glück hatte ich nicht, aber die einzige Lodge in der Nähe, das Escape 3 Points, hat ein Schildkröten-Schutzprojekt und ich konnte beim Freilassen von Baby-Schildkröten helfen. Aber selbst wer nicht das größte Herz für Tiere hat, findet hier wunderbar Entspannung: Lange fast weiße Sandstrände, dahinter der Dschungel mit unzähligen Palmen und anderen Bäumen - und das beste: kaum Menschen! Ghanas Südkap ist nämlich von der Außenwelt abgeschnitten.


Lange habe ich überlegt, ob ich wirklich an diesen Ort möchte. Denn: Cape Three Points ist ganz schön weit ab vom Schuss. Gar nicht so sehr was die Kilometerzahl angeht, aber die Straße dorthin gilt als schlechteste Straße Ghanas (ich kenne nicht alle Straßen Ghanas, aber es war definitiv eine der schlechtesten!) und ich fand auch lange keinen Taxifahrer, der mich dorthin bringen wollte. Schließlich hat es aber doch noch geklappt, als ich schon ans Aufgeben dachte. Und es hat sich gelohnt! Ab Accra solltet ihr etwa acht Stunden einplanen - ein guter Ausgangspunkt ist sonst Takoradi, das sind etwa zwei Stunden Fahrt. 

Cape Three Points - Ghanas südlichster Punkt

Auf dem großen Bild oben lässt sich erahnen, weshalb dieser Ort heißt, wie er heißt. Es ist aufgenommen auf der mittleren der drei Meereszungen, wo der Leuchtturm am Ende trohnt. Auf dem Bild gesehen links geht es Richtung Princess Town, hier ragt die östliche Zunge ins Meer, und auf der rechten Seite findet sich die westliche Zunge - und an dieser tollen Bucht liegt die Lodge Escape 3 Points, von der ihr weiter unten noch mehr erfahrt. 

 

Das Dorf Cape Three Points ist sehr klein und auch sehr abgeschnitten von der Außenwelt. Es gibt zwar eine Minibus-Verbindung hierhin, aber die Fahrt dauert fast zwei Stunden, obwohl es nur rund 30 Kilometer sind. Der Vorteil: Es gibt kaum Menschen und man hat diese herrliche Aussicht fast für sich alleine! 

 

Angeblich muss man am Ortseingang einen Eintritt von 5 Cedis (80 Cent) bezahlen, bei mir hat aber niemand danach gefragt. Genauso viel kostet es dann, wenn man den Leuchtturm hinauf möchte - was ihr unbedingt tun solltet, denn der Ausblick ist wirklich fantastisch! Ein Wärter schließt auf, nachdem man sich ins Gästebuch eingetragen hat und seinen Eintritt bezahlt hat - und dann geht es drei steile Treppen hinauf bis zu diesem wundervollen Ausblick! 

 

Von oben aus kann man sehr deutlich die drei Zungen sehen, das Meer, das in allen Blautönen schimmert, den Dschungel im Hintergrund und die hellbraunen, fast weißen Sandstränden. Da ich nicht wirklich einen anderen Menschen gesehen habe, hatte ich das Gefühl, dass dieser Ort gerade nur mir gehört und das war großartig.

 

In ein paar hundert Metern Entfernung sind die Fischerboote zu sehen - man sagt, man könne von Oktober bis Dezember hier auch Wale vorbei ziehen sehen, ungefähr auf dieser Höhe. Das Gerücht hält sich hartnäckig, ich habe allerdings (außer dem Wächter, haha) niemanden kennengelernt, der von hier aus tatsächlich Wale gesehen hat. 

Escape 3 Points

Das Wort naturnah beschreibt die Lodge Escape 3 Points sehr gut: Es ist alles sehr basic hier. Die Hütten sind aus Holzlatten zusammen gehämmert, es gibt eine offene Dusche, die aus Wassereimern besteht, aus denen man sich Ladungen über den Kopf kippen kann und bei den Toiletten handelt es sich um Kompost-Toiletten. Dafür ist das Essen herrlich, die Atmosphäre einzigartig und der Strand wunderschön. Und ehrlich gesagt - ihr habt auch nicht wirklich eine Alternative, denn es gibt weit und breit keine andere Unterkunft!

 

Ich habe mich für eine Übernachtung im Dorm entschieden, denn die Chalets sind - für die Ausstattung - mit 35 bis 50 Euro recht teuer. Ich hatte das Glück, das ich als einzige im Dorm war und damit aus zehn Betten wählen konnte. Das Essen hier war fantastisch und die Lodge ist auch für ihr gutes Essen bekannt. Ich hatte nicht wirklich die Wahl, weil ich erst um 18 Uhr ankam und damit rund acht Stunden nachdem Gäste sonst so ihre Bestellung fürs Abendessen aufgeben (bedenkt, die Lodge ist eben sehr weit ab vom Schuss und damit auch von Läden!), aber es gab Spaghetti mit hausgemachter Tomaten-Basilikum-Paste und das war perfekt. 

 

Auch das Personal war super - für mich gab es aber eine kleine Sonderbehandlung, weil ich an dem Tag der einzige Gast war. Was ein Luxus! Abends saß ich mit einem der Angestellten, Francis, zusammen und habe Karten gespielt. Und er hat mir einen mega leckeren Hibiskus-Rum-Cocktail gemixt, für gerade einmal 2,40 Euro! 

 

Wer Entspannung sucht, kann hier auf jeden Fall ein paar Tage verbringen. Der Strand ist wunderschön und wie gesagt, fast menschenleer, weshalb es sich hier herrlich relaxen lässt. Die Strömung ist zwar immer noch recht stark, allerdings kann man hier doch öfter schwimmen - ein wenig aufs Gefühl achten, schadet dabei aber nicht. Rund um die einsame Palme, die ihr auf dem allerersten Bild des Beitrags seht, hat sich ein natürlicher Pool gebildet, bei Ebbe lässt es sich darin plantschen, da die Felsen drum herum die Wellen fernhalten. Vor allem Kinder findet man hier. 

 

Die Lodge hat auch verschiedene Wassersport-Angebote, wer also gerne Surfen möchte (oder surfen lernen möchte!), ist hier ebenfalls gut aufgehoben. Die Angebote sind auch recht preisgünstig, Ausrüstung kann man sich vor Ort leihen. Und dann gibt es auf dem Gelände noch einen größeren "Spielplatz", auf dem sich auch Erwachsene im Balancieren, Slacklining und Klettern ausprobieren können.  

Schildkröten retten

Ghana ist, man mag es kaum glauben, ein Eldorado für Schildkröten-Liebhaber. Sowohl im Osten - ich habe euch schon von Dzita und dem Schildkröten-Projekt dort erzählt - als auch im Westen rund um Cape Three Points kommen zwischen Oktober und Januar nämlich sehr viele Schildkröten zur Eiablage an den Strand. Von den fünf großen findet man hier drei: Grüne Meeresschildkröte, Oliv-Bastard-Schildkröte und die größte aller Meeresschildkröten, die Lederschildkröte. 

 

Leider gibt es in Ghana nach wie vor viel Wilderei. Da es so viele Schildkröten gibt, sieht so manch einer keinen Grund, dass diese Tiere geschützt sein sollen - außerdem ist das Fleisch günstig (kostenfrei, um genau zu sein) und angeblich soll es sehr zart schmecken. Während im Osten hauptsächlich die großen Schildkröten gewildert werden (auf dem Markt, hat mir ein Tierschützer erzählt, kann man schon für 5 Euro eine ausgewachsene Grüne Meeresschildkröte kaufen...), sind es im Westen auch die kleinen - denn die sollen extra zart schmecken... 

 

Deshalb hat die Escape 3 Points Lodge ein Rettungsprojekt gestartet. Auf ihrem Areal, aber am Strand, haben sie zwei Schutzzonen errichtet. Das sind eingezäunte Bereiche, auch mit Vogelschutznetzen gesichert. 

 

Wird eine Schildkröte am Strand bei der Eiablage gefunden, werden die Eier, die sie eingebuddelt hat, wieder ausgebuddelt, wenn die Schildkröte zurück im Wasser ist. Die Eier - je nach Schildkröten-Art sind das 80 bis 130 Stück - werden dann eingesammelt und in der Schutzzone wieder in die Erde eingegraben. Dort können die kleinen Tiere heranwachsen, ohne, dass sie von Hunden oder Schweinen - oder Menschen, ausgegraben und verspeist werden. Auch vor Raubvögeln sind die Eier und die Kleinen geschützt. 

 

Ideal ist das natürlich nicht: Beim Eingraben besteht immer die Gefahr, dass ein Ei verletzt wird oder dass das Nest beispielsweise zu tief oder nicht tief genug vergraben wird. Außerdem haben Schildkröten einen natürlichen Instinkt: Sind sie geschlüpft, kommen sie an die Erdoberfläche und von dort aus machen sie sich direkt auf den Weg zum Meer. Die Schildkröten im Schutzprojekt hören das Meer zwar, kommen aber nicht hin, weil sie gegen eine Wand laufen. Sie werden dann eingesammelt, meist in einem Eimer zum Strand gebracht und dort in der Nähe des Wassers ausgesetzt, damit der Weg nicht zu weit ist. Immerhin haben sie durch die Umsetzung die Orientierung verloren.

 

Das ist auch meine Bitte an euch: Ja, das Foto, wo ich die kleine Schildkröte in der Hand halte, ist mega süß! Und wer würde das nicht gerne tun!? Aber wenn ihr einmal das Glück haben solltet, eine Baby-Schildkröte ganz natürlich am Strand zu finden, nehmt sie bitte nicht auf die Hand. In Costa Rica habe ich das beispielsweise auch nicht gemacht - denn die Kleine verliert ihren Orientierungssinn und es ist möglich, dass sie den Weg ins Meer nicht mehr findet, wenn du sie wieder absetzt! Also bitte nicht nachmachen, beziehungsweise nur wie in diesem Fall, um die Tiere auszuwildern!

 

Die Lodge bietet verschiedene Möglichkeiten, sich mit Schildkröten auseinanderzusetzen. Ich war nachts auf dem Turtle Walk. Dabei geht man mit einem Mitarbeiter, der einem viel über Schildkröten und das Schutzprojekt erzählt, am Strand spazieren und mit viel Glück findet man ein Weibchen, das zur Eiablage an den Strand kommt. Besonders gut sind Zeiten, wo es stockfinster ist (also noch kein Mond da ist) und in denen Flut herrscht. Ich hatte leider auch dieses Mal wieder Pech. 

 


Außerdem kann man die Patenschaft für ein Nest übernehmen. Die Pflege kostet gerade einmal 1,80 Euro und ich habe mir gleich mal zwei Nester gesichert. Mit etwas Glück kann man dann aber auch die Kleinen schlüpfen sehen - und das Glück hatte ich zweimal bei meiner einen Nacht! Als wir vom Turtle Walk zurückkamen, waren zwei Babys schon sehr munter und wollten unbedingt raus aus ihrem Gefängnis. Also haben wir sie freigelassen. Es war echt süß. Eines der Tiere, das, das ich getragen habe, war so verwirrt von all dem, was da gerade passierte, er lief immer wieder im Kreis und kam immer wieder zu mir zurück. Selbst als wir ihn quasi direkt ins Wasser gesetzt haben, ist er gegen den Strom wieder an Land gepaddelt. Aber nach einer Weile hatte er es dann doch raus und schwamm davon!

 

Am Morgen gibt es zudem einen Weckservice. Da die Schildkröten normalerweise über Nacht schlüpfen, kontrollieren die Mitarbeiter um 6 Uhr morgens die Anlage. Gibt es Junge, werden die Gäste auf Wunsch geweckt und können dabei zusehen, wie die kleinen Tierchen ins Meer krabbeln und davon schwimmen. Was ein Traum! 

 


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Auf dem Rückweg von der Lodge hat mein Taxi-Fahrer einen anderen Weg genommen, er ist ein klein wenig besser, aber immer noch weit weg von einer ordentlichen Straße. Der Weg ist weiter, aber dafür führt er durch eine riesige Kautschuk-Plantage. Die Bäume sehen erstaunlich aus, der Wind hat sie alle in eine Richtung knicken lassen. Aber selbst das sieht wie angeordnet aus. An jedem Baum hängt eine Tasse, dort wird Flüssigkeit aufgesammelt, die der Verarbeitung dient. 



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