Die Seele der Ashanti: Chillen am Lake Bosumtwi

Nur rund 35 Kilometer von Kumasi, der zweitgrößten Stadt Ghanas, liegt der Lake Bosumtwi (auch Bosumtwe genannt). Der See entstand durch einen Meteoriteneinschlag und liegt dementsprechend in einem Krater. Es ist der größte natürliche See im Land und damit auch Ausflugsziel vieler Großstädter, die ein wenig Ruhe und Natur suchen. Doch auch kulturell hat der See eine große Bedeutung für die hier lebenden Menschen, den Ashanti. Das Ashanti Königreich stellt die größte ethnische Gruppe innerhalb Ghanas - und einer Sage zufolge, treffen sich hier am See die Seelen der gerade Verstorbenen mit der Fruchtbarkeits-Göttin Asase Ya zum Abschiednehmen von der Erde.


Der Ursprung: ein Meteoriteneinschlag vor einer Million Jahre

Über den See hatte ich vor einer Weile gelesen, als mich eine Frau auf Facebook darauf aufmerksam machte. Der See entstand vor mehr als einer Million Jahre, als ein Meteorit an dieser Stelle einschlug. Er hinterließ ein großes, fast 400 Meter tiefes Loch und einen Kraterrand. 10,5 Kilometer ist der Durchmesser des Kraters - die Ausdehnung des Sees liegt bei 8. Lange Zeit war unklar, wodurch der Krater entstand, aber neueste Forschungen haben die Theorie des Meteoriten-Einschlags bestätigt. 

 

Bedeutung für die Ashanti: Wo Seelen Abschied von der Erde nehmen

Ich habe dann erst einmal ein wenig zum See gegoogelt und über die historische Bedeutung für die Ashanti gelesen. Die Ashanti leben im Ashanti Königreich und sind nicht nur eine der ältesten, sondern auch die größte ethnische Gruppierung in Ghana. Ihre Hauptstadt ist Kumasi, dort findet sich auch der Sitz des amtierenden Königs. Die Ashanti haben eine unendlich reiche Geschichte, das Areal war beispielsweise das letzte, das die Briten kolonisieren konnten, denn das Königreich hatte sich sehr lange gegen die Europäer gewehrt. Erst mit Hilfe externer Kräfte konnten die Briten die Ashanti besiegen und 1900 doch noch kolonisieren.

 

Der Sage nach kommen die Seelen der verstorbenen Ashanti zum See, um sich dort von der Fruchtbarkeits-Göttin Asase Ya, die als Mutter Erde gilt, und damit auch von der Erde selbst und ihrem Leben auf der Erde zu verabschieden. Auch wenn ich mit Glauben und Aberglauben nicht viel am Hut habe, so hat mich das doch fasziniert - immerhin ist der See für viele Menschen damit ein heiliger Ort. 

 

Dass der See eine starke Bedeutung in der Ashanti Kultur hat, sieht man auch daran, dass es lange Zeit verboten war, im See mit Metall zu angeln, denn das hätte das Abschiednehmen der Seelen gestört. Deshalb nutzen die Fischer hier auf dem See Holzbretter, auf die sie sich setzen und mit den Armen paddeln sie dann hinaus aufs Wasser. Es sieht auf jeden Fall enorm ruhig und entspannend aus, aber ich nehme an, dass es enorm anstrengende Arbeit ist! Mit geschickter Balance werfen sie ihre Netze von Hand aus - und jeder Ungeübte würde hier sofort ins Wasser fallen! 

 

Auszeit für Großstadt-Bewohner: Chillen und Wohnen im Regenwald

Und daher jetzt auch genug von Geschichte und Kultur, sondern hin zum heutigen Erleben: Für Städter ist der Lake Bosumtwi ein herrlicher Ort für eine kleine Auszeit. Am Kraterrand hat sich in den vergangenen Tausenden Jahren Regenwald gebildet und alles dort ist grün und dicht bewachsen. Es sieht richtig klasse aus! 

 

Es gibt wenige Unterkünfte am See, aber diese dafür in verschiedenen Preisklassen, von Luxushotel bis zur einfachen Lodge. Ich habe  mich für die einfache Lodge entschieden: das Cocoa Village Guesthouse. Die Bilder haben mich total angesprochen und es gefiel mir auch enorm gut - allerdings mit Abstrichen. 

 

Die Lodge liegt am weitesten vom Ausgangsort Abono entfernt, weshalb die Anfahrt ein wenig länger dauert, dazu unten mehr. Die Lodge hat einige Mehrbett-Zimmer, davon auch einige Dorms. Als ich dort war, gab es keine eigenen Zimmer mehr, also habe ich ein Bett im Dorm gebucht, eigentlich im gemischten Sechser-Dorm, untergebracht wurde ich dann aber in einem Vierer-Frauen-Dorm, was mir auch ganz gelegen kam.

 

Allerdings war es nicht wirklich entspannt dort zu übernachten. Ich habe im Hochbett oben genächtigt und schon beim Hochklettern hat das ganze Bett gewackelt und geruckelt und lustige Geräusche gemacht. Als das Mädel, das im anderen oberen Hochbett geschlafen hat, hochgeklettert ist, brach eine Holzlatte heraus und fiel auf das Mädel, das darunter lag. Deshalb hatte ich quasi die gesamte Nacht Angst, dass mein Bett herunter bricht und ich das Mädel unter mir töte. Wenn man sich bewegt hat, hat aber ohnehin alles so dolle gequietscht, dass quasi alle wach waren. 


Außerdem sind die Dorms in einem Holzgebäude untergebracht, das zwar Wände zwischen den einzelnen Räumen hat, aber die gehen nicht bis hoch zur Decke. Sprich: Man kann jedes einzelne Geräusche aus jedem der Dorms hören. Wenn einer zwei Zimmer weiter schnarcht, ist es, als würde der direkte Bettnachbar schnarchen. Außerdem sind auch die Wände nach draußen nicht bis zur Decke hochgezogen, sodass Moskitos frei herein kommen können - die Netze am Bett sind viel zu klein und teils auch kaputt. Richtig nervig war auch, dass die Angestellten morgens um 5 Uhr zur Vorbereitung aufgestanden sind - und dabei die Musik voll aufgedreht haben. Da war an Schlaf nicht mehr zu denken. 

Ich hatte mich vorher ein wenig gestresst, weil ich nichts mehr gegessen hatte und dann gegoogelt hatte, dass es sich um ein "Bed and Breakfast" handelt, aber die Sorge war unbegründet: Es gibt ein Restaurant. Die Preise sind zwar für Ghana stattlich (das teuerste Gericht kostete 11 Euro, das günstigste etwa 5 Euro!), aber das Essen war sehr gut. Es gibt Pasta, Gegrilltes und ghanaische Gerichte sowie Burger und einfache Reisgerichte. Auch das Frühstück hat ordentlich gekostet: Pfannkuchen mit Schokosoße und Banane und einem Apfeltee für 7 Euro. Aber auch hier: Es war lecker. 

 

Dann kommen wir aber zum eigentlichen Tag. Ich habe so wirklich nur den Sonntag dort verbracht, weil ich samstags erst abends aus Kumasi ankam und es schon dunkel war. Da ich nicht so gut geschlafen haben und eh früh wach war, bin ich um halb acht aufgestanden und habe mich dann direkt nach dem Frühstück schon an den See gelegt. Es gibt mehrere Hängematten, Holz-Stühle und Liegen mit Blick auf den See. Es war einfach herrlich! Der Ausblick hat mich enorm beruhigt und mir unglaublich viel gegeben. Der Spirit des Sees ist echt ganz speziell. 

 

Im Gegensatz zu den meisten Seen in Afrika ist der Lake Bosumtwi (manchmal auch Bosumtwe genannt) frei von Parasiten, Keimen und Bilharziose. Man kann hier also - genau wie im Togosee - sehr gut schwimmen. Das habe ich natürlich auch gleich gemacht, denn es war wirklich super heiß draußen - allerdings ist der See selbst auch enorm warm. Man schwitzt quasi im Wasser, ohne, dass man sich dort bewegt. Das war schon ein wenig komisch. Die Fischer ziehen vorbei und leider ist der See auch mit vielen toten Fliegen bedeckt, aber wenn man sich weniger aufs Wasser, sondern mehr auf diese wundervolle Umgebung konzentriert, ist es wunderschön! Ich habe genau das auch gemacht, vom Wasser aus diesen Rundblick zu genießen, sich mitten in diesem historischen und kulturell wertvollen Krater zu befinden, das war schon phänomenal. 

 

Auch wen die Anreise aus Accra doch sehr lange dauert (5 Stunden bis Kumasi, 1,5 Stunden bis zum Cocoa Village) und die Nacht nicht so entspannt war, hat sich der Trip mehr als gelohnt! Die Natur hier ist ganz fantastisch und selbst am Sonntagabend, als ich nach acht weiteren Stunden Taxi und Bus wieder zurück in Accra war, habe ich mich noch entspannt gefühlt.  


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Hinkommen: Über Stock und Stein am Kraterrand entlang

Die Anfahrt von Kumasi aus zum Gästehaus dauert rund anderthalb Stunden. Vor allem die letzten sechs Kilometer sind enorm spannend, weil es nur noch über Stock und Stein geht - eben hinauf zum Krater, eine Weile oben entlang und auf der anderen Seite wieder hinunter. Mein Taxifahrer hat ziemlich geflucht! 

 

Gäste können sich mit dem Taxi fahren lassen. Ich habe mit Uber 90 Cedis bezahlt, allerdings hauptsächlich, weil mein Fahrer dem Navi nicht folgen wollten und wir riesige Umwege gemacht haben (und mehr als eine Stunde länger unterwegs waren). Zurück habe ich mir mit anderen Gästen ein Taxi geteilt, das die Lodge bestellt hatte, das hat 150 Cedis gekostet (25 Euro). 

 

Ansonsten ist eine Anreise auch mit dem Trotro möglich, von Kumasi aus fahren die Minibusse nach Kuntanse (4 Cedis, 70 Cent) - wer aus Accra kommt, kann sich auch vor Kumasi absetzen lassen und ein Trotro nach Kuntanse nehmen. Von dort aus fahren entweder Sammeltaxis nach Abono, wo sich auch das luxuriösere Paradise Resort befindet. Oder ihr nehmt direkt ein Taxi zum Cocoa Village oder zur Green Ranch. Das Sammeltaxi fährt nämlich nicht weiter - der Fußweg von Abono aus dauert etwa eine Stunde, ist aber unproblematisch machbar. 


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