Belgrad: Ein Wochenende in der serbischen Hauptstadt

Auf viele verschiedene Arten hat Belgrad mich überrascht. Die serbische Hauptstadt steht nicht an erster Stelle, was Städtetrip angeht, dabei ist sie wahrlich einen Besuch wert. Es gibt viele tolle, historische Gebäude, leckeres Essen und viel Geschichtliches zu entdecken. Besonders der Dom der Heiligen Sava - ein unheimlich schönes Gebäude - hat mich fasziniert. Wer in der Stadt ist, sollte aber auf jeden Fall auch einen Blick von der Festung auf die Mündung der Save in Donau werfen. Außerdem lohnt ein Besuch im Tesla-Museum - mit E-Autos hat das aber nichts zu tun. Und dann wäre da natürlich noch das Essen: Vor allem in Künstlerviertel Skadarlija finden sich etliche Restaurants mit einheimischer Küche.


Anlass für meinen Besuch in der serbischen Hauptstadt war ein Fußballspiel, mein Freund ist FC-Köln-Fan und da kann man sich das Europa-League-Spiel natürlich nicht entgehen lassen. Wir haben den Trip aber um ein zwei Tage verlängert und uns noch die Stadt angeschaut.  

Wo Save auf Donau trifft: Die Festung von Belgrad

Von Sava zu Save: Die Save ist ein Fluss, der durch Belgrad fließt und an der Festung der Stadt in die Donau fließt. 

 

Die Belgrader Festung ist das Wahrzeichen der serbischen Hauptstadt und steht schon seit der Antike an dieser - strategisch günstigen - Stelle. Es gibt Nachweise, dass bereichts im 1. Jahrhundert hier ein Bau zur Verteidigung stand. Aus einem Castrum wurde ein Kastell  wurde eine Burg. Denn das Bauwerk wurde im Verlauf seiner Geschichte auch mehrfach zerstört. Der heutige Kern der Festung geht auf den Bau im 15. Jahrhundert zurück, wobei einige Bereiche aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind. 

 

Wenn du dich auf den Weg zur eigentlichen Burg machst, gibt es links immer wieder kleine Abzweigungen durch den Park - von der Mauer aus hast du einen tollen Blick über die Flüsse und die Große Kriegsinsel. 

 

Inzwischen gehören richtig viele Institutionen zu dem Areal, etwa der Zoologische Garten und das Naturkundliche Museum. Das habe ich allesamt nicht besucht. Wohl aber haben wir zwei Stunden damit verbracht, über die Festung und durch die zahlreichen Grünanlagen zu schlendern und mehr zur Geschichte zu lernen. An einer Stelle, in der Nähe des Militärmuseums, sind auch einige Panzer und Raketen so ausgestellt, dass man sie auf dem Rundgang sehen kann.

Dom des Heiligen Sava

Der Dom des Heiligen Sava steht etwas abseits der Belgrader Innenstadt - und ist trotzdem ein Ort, den du auf keinen Fall verpassen darfst! Immerhin handelt es sich hier mit einer bebauten Fläche von 4830 Quadratmetern um eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt. Und recht neu ist es noch dazu. 

 

Der Dom des Heiligen Sava wurde ab Beginn des 20. Jahrhunderts geplant, der Bau des neobyzantinischen Gebäudes begann schließlich 1935. Der Name erinnert an den ersten serbischen Erzbischof, den Heiligen Sava, der im 12. und 13. Jahrhundert gelebt hat. Durch das kommunistische Regime wurde der Bau zunächst unterbrochen, sodass die Kirche erst seit 1985 fertig gebaut wurde. 

 

Bei meinem Besuch waren drinnen auch noch Bauarbeiten im Gange - und laut Tafel handelte es sich dabei um Sanierungsarbeiten, obwohl der Dom erst 2004 so richtig genutzt wurde.  2019 sollte allerdings einiges fertig gestellt worden sein. Deshalb kann ich zur Innenausstattung leider auch nicht sehr viel sagen - aber ich finde das Gebäude schon von außen so beeindruckend, dass es auf jeden Fall auf deine Liste für den Belgrad-Trip muss!

Kopfsteinpflaster im Kunst-Viertel Skadarlija

(c) Erwan Martin / Wiki Commons
(c) Erwan Martin / Wiki Commons

Wer abends was essen gehen möchte, sollte unbedingt im Viertel Skadarlija in der Altstadt vorbeischauen, denn hier gibt es viele Restaurants, Bars und Cafés, die serbische (und internationale) Küche anbieten - und dazu gibt es Live-Musik. Jimi Hendrix und Alfred Hitchcock sollen schon hier gegessen haben. Die Gasthäuser hier heißen Kafana, angelehnt an die Kaffeehäuser - und davon gibt es eine große Anzahl.

 

Das Kunst- und Szene-Viertel hat einen ganz eigenen Charme und ihr solltet auf jeden Fall auch einmal im Hellen durchgehen. Denn hier findet sich noch das Kopfsteinpflaster aus dem 19. Jahrhundert, alles ist uneben und alles ist so anders als im restlichen Belgrad. Hauptsächlich spielt das Leben übrigens auch nur in einer Straße, der namensgebenden des Viertels, in dem früher sehr viele Künstler und Intellektuelle gelebt haben. Man vergleicht diese Gegend daher auch oft mit Montematre in Paris - wobei ich gestehen muss, dass es mir hier besser gefallen hat.

 

Das einzige Manko: In allen Kafanas darf noch  geraucht werden. Das war schon enorm anstrengend für mich mit meiner empfindlichen Asthma-Lunge. Leider ist das generell in Belgrad enorm verbreitet. Selbst wenn wir in unserem Hotel zum Frühstück gegangen sind, kam einem schon eine Rauchwolke entgegen.


Folgst du mir eigentlich schon? 

 

auf Instagram und Facebook?

Dort siehst du regelmäßig Reisefotos und wirst über
neue Blogbeiträge umgehend informiert! 

 



Geheimnissen auf der Spur im Nikola-Tesla-Museum

Im Nikola-Tesla-Museum sind wir tatsächlich nur gelandet, weil wir die Zeit noch rumbringen wollten und es mich ein wenig angesprochen hat. Tesla ist mir als Automarke ein Begriff und ich habe mich vorher nie mit der Person Nikola Tesla beschäftigt - und so kam es zu meinem Interesse. 

 

Das Museum kann ich euch nur absolut nahelegen! Es ist großartig und macht richtig viel Spaß.

 

Das Museum beschäftigt sich mit dem Erbe des Erfinders Nikola Tesla, der lustigerweise aber Kroate, nicht Serbe war. Trotzdem befindet sich in Belgrad sowohl seine Urne als auch sein Nachlass - weshalb das Museum auch zum Unesco Weltdokumenterbe gehört. 

 

Der Eintritt kostet 500 Serbische Dinar und damit etwas mehr als vier Euro. Inklusive ist eine geführte Tour (auf Englisch). Die geführte Tour ist auch deshalb sinnvoll, weil man allerlei Dinge selbst ausprobieren darf. Unter anderem geht es um den Zweiphasenwechselstrom und um Energietechnik - und etwa darum, Lampen zum Leuchten zu bringen. Während in einigen Räumen mehr über die Person und Motivation des Nikola Tesla erzählt wird, sind die Besucher in den meisten Räumen nämlich aktiv eingebunden. Sowas mag ich bei Museen ganz besonders gerne. Einen Videoraum gibt es natürlich auch. 

Mit den Tesla-Autos hat Nikola Tesla übrigens nichts zu tun, er ist bereits 1943 in den USA verstorben (das Museum wurde übrigens schon neun Jahre später eröffnet). Beziehungsweise nicht direkt. Denn natürlich bezieht sich der amerikanische Auto-Konzern von Elon Musk auf Nikola Tesla. Da in den Elektroautos unter anderem der Wechselstrommotor eingesetzt wird, wollten die Firmengründer den Erfinder (der weltweit 280 Patente erhalten hatte) mit dem Firmennamen ehren.

Rundgang durch die Stadt

Ich muss gestehen, dass mir die Innenstadt von Belgrad nicht wahnsinnig imponiert hat. Es gibt immer wieder enorm schöne Ecken, aber vielerorts sieht es doch recht typisch nach ehemaliger Jugoslawien-Bauweise aus - immerhin war Belgrad auch die Hauptstadt von Jugoslawien.

 

An manch einer Ecke finden sich sehr schöne historische Gebäude - dann zeigt sich, dass die serbische Hauptstadt schon lange repräsentative Bauten brauchte. Der Großteil der Innenstadt stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, aber es haben sich in der Altstadt auch einige Bauten aus der türkischen Epoche und dem Mittelalter erhalten. Früher war Belgrad übrigens deutlich orientalischer als heute - und damit auch weniger "europäisch". Heute hingegen finden sich auch einige Bauten aus der Zeit des Europäischen Klassizismus.

 

Ich muss gestehen, dass mich Belgrad aufgrund dieser Diversität zum einen echt fasziniert hat, zum anderen aber auch etwas überfordert hat. Hat man gerade eine schöne Ecke entdeckt und ist entzückt, steht schon der nächste hässliche Betonklotz daneben. Viele Leute finden solche Abwechslung ja gerade spannend, mich hat es eher ein wenig enttäuscht.

 

Innerhalb der Innenstadt habe ich mich weitestgehend ohne Stadtplan fortbewegt - wie ich es meistens mache. Ich schlendere dann durch die Gassen und schaue, was mich so erwartet. Vor allem die Altstadt, Stari Grad genannt, dort, wo Belgrad einst gegründet wurde, eignet sich hierfür hervorragend.

 

Wer gerne shoppen möchte, sollte sich auch im Zentrum in den Bereich der Fußgängerzone begeben - und der ist riesig! Die Kneza Mihailova ist die Haupt-Fußgänger-Trasse, aber drum herum gibt es noch weitere Gassen, die ähnlich sind. Auch hier gibt es übrigens abseits der üblichen Geschäfte einige spannende Gebäude, etwa das Hotel Srpska Kruna, das einst die Nationalbibliothek Serbiens beherbergte (und heute die Stadtbibliothek). Srpska Kruna ist bereits im Jahr 1869 entstanden.

Besuch bei Roter Stern Belgrad

Ein Stadionbesuch ist für einen Fußballfan nicht wirklich etwas außergewöhnliches. Aber manchmal kommt es dann doch zu außergewöhnlichen Spielen oder außergewöhnlichen Spielorten. Mein Freund ist Fan des 1. FC Köln und als dieser zuletzt in der Europa League gespielt hat, waren wir auch dabei. Das war übrigens auch der Anlass für unseren Trip nach Belgrad.

 

Vor allem die Sicherheitsvorkehrungen waren absurd: Um 17 Uhr fuhren die Busse zum Stadion, von der Polizei eskortiert, obwohl das Spiel erst um 21 Uhr anfing. Auch durften wir das Stadion erst verlassen, als alle Roter-Stern-Fans das Gelände verlassen hatten, was nach Mitternacht war. 

 

Dennoch habe ich selten so viel Stimmung in einem Stadion erlebt wie hier. Wirklich alle Menschen standen und obwohl das Stadion echt selten voll ist (eigentlich nur bei internationalen Spielen und dem Stadtderby), haben alle Fans permanent gesungen. 90 Minuten lang. Das war schon beeindruckend. Zu diesem Auswärtsspiel habe ich auch einen eigenen Blog-Beitrag verfasst.

 


PS: Du möchtest mir etwas zu dem Artikel sagen? Du hast eigene Gedanken und Anregungen, oder auch Kritik, die du einbringen möchtest? Ich freue mich über deinen Kommentar. Du kannst auch als Gast kommentieren. Hierfür musst du in das Namensfeld klicken und deinen Namen eingeben, dann öffnet sich ein Reiter, in dem du "lieber als Gast kommentieren" auswählen kannst. Wenn du deinen Kommentar nicht sofort siehst, liegt es daran, dass er erst freigeschaltet werden muss.