Die 10: Büchertipps für Weltenbummler

Wenn ich unterwegs bin, lese ich meistens mehr als zu Hause. Oft versuche ich, mich über Bücher einer Kultur oder einem Land zu nähern. Wobei es natürlich auch viele Bücher gibt, die sich generell damit beschäftigen, aufzubrechen, loszugehen und bestimmte Dinge hinter sich zu lassen - um neue Dinge und manchmal auch sich selbst zu finden. Ich bin mal in mich gegangen und habe überlegt, welche Bücher mich in Zusammenhang mit meinen Reisen am meisten geprägt haben und welche mir am besten gefallen haben. Et voilá, ich habe meine Top Ten gefunden. Die Geschichten reichen von Subsahara-Afrika über Kuba nach Polen und China. Und manche sind einfach ortsunabhängig.


Die 10: Rachel Joyce: Die unglaubliche Pilgerreise des Harold Fry

Darum geht's:

Harold Fry will eigentlich nur einen Brief an eine ehemalige Kollegin zur Post bringen, die in einem Hospiz im Sterben liegt. Doch auf dem Weg zur Post entscheidet er sich dazu, den gesamten Weg zu ihr zu wandern, ohne Ausrüstung, ganz spontan, einmal quer durch England.

 

Darum auf der Liste:

Es ist ein wunderbares Buch über Beziehungen, Spontanität und Abenteuerlust. Ein zunächst bieder und langweilig wirkender Mann, der sich auf ein Abenteuer einlässt, ohne zu wissen, was ihm diese Reise bringen wird. Eine Reise, die auch zu ihm und zu seiner Ehe führt.

 

Empfohlen für diese Länder:

Harold reist durch England, aber das Buch taugt für alle Weltenbummler weltweit, die sich selbst noch nicht so ganz gefunden haben.

Die 9: Gesa Neitzel: Frühstück mit Elefanten

Darum geht's:

Gesa Neitzel bricht aus Deutschland nach Südafrika auf, um dort eine Wildhüter-Ausbildung zu machen. In monatelangen Kursen lernt sie die Tierwelt kennen, Fährten und Fußspuren lesen und wie man ein Gewehr bedient. Sie kommt an ihre Grenzen und berichtet über wunderbare Erfahrungen mit der Tierwelt und der Natur.

 

Darum auf der Liste:

Gesa schreibt authentisch und ohne romantische Brille. Sie schreibt über Scheitern und den unbedingten Willen. Und vor allem kann man für die nächste Safari wahnsinnig viel Wissen mitnehmen, das sie mal eben nebenbei vermittelt.

 

Empfohlen für diese Länder:

Gesa schreibt hauptsächlich über Südafrika, Botswana und Tansania. Aber das Buch eignet sich für Urlauber auch in anderen Ländern wie Kenia, Sambia, Simbabwe oder Namibia, wo Safari hoch im Kurs stehen.

Die 8: Bernhard Grzimek: Serengeti darf nicht sterben

Darum geht's:

Jedes Jahr wandern Hunderttausende Gnus und Zebras zwischen der Serengeti in Tansania und der Masai Mara in Kenia umher. Bernhard Grzimek und sein Sohn Michael hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die Tierbestände aus der Luft zu beobachten und zu erforschen, wie sie sich bewegen - und warum. 

 

Darum auf der Liste:

Eigentlich handelt es sich bei "Serengeti darf nicht sterben" ursprünglich um einen Dokumentarfilm, aber das Buch erzählt ebenso von der wichtigen Pionierarbeit. Wer Hintergrund zu seinen Safaris möchte und verstehen will, wie ein Ökosystem mit Tieren funktioniert, muss das Buch lesen.

 

Empfohlen für diese Länder:

Die namensgebende Serengeti liegt in Tansania. Aber generell empfiehlt sich das Buch natürlich für alle, die Lust auf Safari haben und die Tierwelt in Kenia, Südafrika, Namibia oder Co entdecken wollen. Oder auch für alle, die sich für das komplexe Ökosystem Serengeti interessieren und wie der Hu

Die 7: Yaa Gyasi: Heimkehren

Darum geht's:

Effia und Esi sind Halbschwestern - doch die eine wird in jungen Jahren an einen europäischen Sklavenhändler verkauft, die andere landet als Sklavin im Keller. Beide leben gleichzeitig in Cape Coast Castle in Ghana, eine oben, eine unten, doch ihre Ängste sind verschieden. Yaa Gyasi erzählt ausgehend von den beiden die Geschichte über mehrere Generationen hinweg - und wie sich das freie und unfreie Leben von Effia und Esi auch auf die Nachkommen auswirkt.

 

Darum auf der Liste:

Yaa Gyasi hat ein unheimlich beeindruckendes und sehr gut recherchiertes Buch geschrieben. Es behandelt die Gräuel der Sklaverei ohne zu schönigen, gleichzeitig aber auch auf sehr persönliche Art und Weise. Mich hat vor allem beeindruckt, wie gut es Yaa Gyasi gelingt, niederzuschreiben, wie sich die Sklaverei auch auf die vierte, fünfte, sechste Generation ausgewirkt hat - auf jene, die in Afrika zurückblieben wie auch jene, die nach Amerika verschifft wurden.

 

Empfohlen für diese Länder:

Das Buch spielt im heutigen Ghana, allerdings ist die gesamte Westküste mit Togo, Benin, Elfenbeinküste, Nigeria und Co direkt in den transatlantischen Sklavenhandel betroffen. Generell ist das Buch für all jene empfehlenswert, die sich für weltgeschichtlichen Hintergrund interessieren. Denn außer Asien und Australien hatte jeder Kontinent Berührung mit dem transatlantischen Sklavenhandel, bei dem geschätzt mehr als zehn Millionen Menschen starben.

Die 6: Francois Lelord: Hectors Reise und die Suche nach dem Glück

Darum geht's:

Hector ist ein guter Psychiater, aber er merkt irgendwann, dass seine Patienten und den Menschen generell eines fehlt: das Glück. Also zieht er los auf Weltreise, um das Glück zu finden - und er merkt dabei, wie unterschiedlich in Kulturen Glück definiert wird.

 

Darum auf der Liste:

Ein herrliches Buch über eine Weltreise mit einem ganz bestimmten Fokus - und der Mahnung, öfter mal auf die kleinen Dinge zu achten, die Glück in unseren Alltag bringen.

 

Empfohlen für diese Länder:

Hector reist unter anderem nach China und in die USA, aber das Buch eignet sich für all jene, die nach Glück streben und auf ihren Reisen gerne anderen Menschen und Kulturen begegnen.


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Die 5: Toni Morrison: Menschenkind

Darum geht's:

Sethe lebt im Post-Sklaverei-Cincinnati mit ihrer Tochter, doch in ihrem Haus treibt auch der Geist ihrer älteren Tochter, die auf der Flucht von der Sklaverei starb, ihr Unwesen. Als plötzlich der ehemalige Mit-Sklave Paul D. im Wohnblock auftaucht, werden längst verdrängte Erinnerungen an die Zeit und die Qualen der Sklaverei wach.

 

Darum auf der Liste:

Toni Morrison wurde für ihr Werk "Beloved", so der englische Name, angelehnt an den Namen der verstorbenen Tochter, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und erhielt auch als erste afroamerikanische Schriftstellerin den Literatur-Nobelpreis. Das Buch ist ein Muss für all jene, die sich mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte auseinander setzen wollen.

 

Empfohlen für diese Länder:

USA Südstaaten, Brasilien, Kuba, Haiti - eben überall dort, wo die Nachfahren der einstigen Sklaven leben. Aber auch wer sich für afrikanische Geschichte und Kultur interessiert, sollte das Buch lesen.

 

 

Linktipp: Auf dem Blog "Teilzeitreisender" findet ihr eine Sammlung der schönsten Büchereien und Bibliotheken weltweit

Die 4: John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama

Darum geht's:

Bruno ist neun Jahre alt und lebt während des Zweiten Weltkrieges neben dem Konzentrationslager Auschwitz, da sein Vater dort Kommandant ist. Bruno freundet sich über den Zaun hinweg mit dem ebenfalls neunjährigen Schmuel an - der einen gestreiften Pyjama trägt, wie er es nennt. Es handelt sich dabei um die typische KZ-Häftlingskleidung. Als Schmuels Vater verschwindet, zieht sich Bruno ebenfalls einen gestreiften Pyjama an, klettert auf die andere Seite und versucht Schmuel bei der Suche zu helfen.

 

Darum auf der Liste:

Auch wenn das Buch unglaublich weh tut und bisweilen kaum zu ertragen ist, so gibt es auch Hoffnung. Die Kinder kümmern sich nicht um Religion und andere Dinge, sie sind einfach nur gleichaltrige Spielkameraden. Auch wenn es sich um eine fiktive Geschichte handelt, lehrt uns "Der Junge im gestreiften Pyjama" sehr viel über die Gräuel der NS-Zeit.

 

Empfohlen für diese Länder:

Das Buch spielt in Auschwitz, also Polen. Bruno und seine Familie kommen aus Berlin. Auch vor Israel-Reisen ist das Buch lehrreich. Gerade für Menschen, die sich für den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust interessieren, ein absolutes Muss.

Die 3: Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon

Darum geht's:

Raimund Gregorius verlässt mitten im Unterricht den Raum und steigt in einen Zug nach Lissabon. Auf seiner Reise, die ihn eigentlich zu einer Frau führen soll, lernt er viele Menschen kennen - und damit auch sich selbst. Er folgt den Spuren eines Autors und lernt Portugal damit auf eine ganz besondere Art kennen.

 

Darum auf der Liste:

Ein sehr gut geschriebenes Buch, das die Persönlichkeit reflektiert. Es erzählt darüber, wie nachdenklich eine Reise machen kann und wie man sich dabei ein Stück selbst wieder kennenlernen kann, frei von den Zwängen des Alltags.

 

Empfohlen für diese Länder:

Raimund lehrt in Bern an einem Gymnasium, der Hauptteil der Geschichte spielt allerdings in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Dennoch ist das Buch nicht nur für Portugal-Fans etwas, sondern für alle, die nach dem Sinn des Lebens suchen und sich dafür interessieren, was eine Reise mit einem macht.

Die 2: Cecilia Samartin: Damals in Havanna

Darum geht's:

Nora und Alicia sind Cousinnen und wachsen im Kuba der fünfziger Jahre auf. Doch nach der Revolution entzweien sich die Familien der Mädchen: Noras Familie flüchtet in die USA, während Alicias Vater die Rebellen unterstützt. Viele Jahre später schreibt Alicia an ihre Cousine und berichtet von ihrer blinden Tochter und ihrem verhafteten Mann. Also bricht Nora auf in ihre Heimat.

 

Darum auf der Liste:

In Norwegen hat gefühlt jeder dieses Buch gelesen, weil es einfach wunderschön, aber gleichsam traurig ist. Es lässt verzweifelt und wütend zurück und vermittelt doch etwas von der Geschichte Kubas. Ich habe das Buch auch in Norwegen kennengelernt und war verliebt.

 

Empfohlen für diese Länder:

Ganz klar natürlich Kuba. Allerdings ist es eine herrliche Geschichte über zwei Familien und was Politik und der Druck eines Staates mit ihnen machen kann. Der Roman hätte ähnlich auch im geteilten Deutschland spielen können.

Die 1: Fabio Geda: Im Meer schwimmen Krokodile

Darum geht's:

Enaiatollah ist etwa zehn Jahre alt, als seine Mutter fürchtet, die Taliban würden ihn im Afghanistan-Krieg rekrutieren. Sie bringt ihn zur Grenze und hinüber nach Pakistan, wo er zunächst bei einem Onkel unterkommt. Er verlässt seine Mutter mit nichts weiter als einigen Versprechen, die er ihr gibt - und ihrem Rat: Im Meer schwimmen Krokodile. Seine Flucht führt ihn quer durch den Osten bis nach Europa, über die Türkei und Griechenland erreicht er Italien - allerdings mit allerlei Problemen und Rückschlägen.

 

Darum auf der Liste:

Fabio Geda hat ein Buch verfasst, das meiner Ansicht nach jeder Mensch lesen müsste! Es schafft Verständnis für die Themen Flucht, Identität und Krieg und ist genau deshalb in der heutigen Zeit so enorm wichtig. Noch viel bedeutsamer wird das Buch durch die Tatsache, dass es auf einer wahren Geschichte beruht, der von Enaiatollah Akbari.

 

Empfohlen für diese Länder:

Wie gesagt, das Buch sollte jeder gelesen haben. Es sensibilisiert für Menschen und ihre Geschichten, für Kulturen und auch dafür, dass jede freiwillige Reise ein Privileg ist - und manche Menschen eben nicht freiwillig reisen, sondern gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen.


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