Affen, Canyoning, Kente und Regenwald in Amedzofe

Amedzofe ist die höchste Siedlung in Ghana, auf 750 Metern Höhe. Früher gehörte das Areal in der Volta Region zur deutschen Kolonie Togo. Aber das soll hier nur eine Randnotiz sein, denn die Gegend rund um Amedzofe hat es mir total angetan. Hier im Gebirge gibt es nicht nur wundervolle Ausblicke über die Landschaft, sondern auch jede Menge Regenwald und dazu tolle Wanderwege, die hin und wieder etwas Geschick erfordern. Wer es ruhiger mag, spaziert durch das Schutzgebiet der Mona-Äffchen oder lernt, Kente-Muster zu weben. Und dann gibt es da ohnehin noch etwas Mythisches in dem Ort: Denn er soll Seelenheimat sein, also der Ort, an dem der Mensch entstanden sein soll - und daher ein hoch religiöser Ort.


Amedzofe wird oft als Ausgangspunkt genannt. Die beiden Lodges, die in dem Zusammenhang immer wieder auftauchen, sind Mountain Paradise und Abraerica. Beide liegen nicht direkt im Zentrum von Amedzofe, haben aber beide einen wundervollen Ausblick. Ich liste hier einfach mal ein paar Dinge auf, die ich in der Gegend unternommen habe und was generell noch so möglich ist.


Amedzofe & Mount Gemi

Amedzofe ist, wie bereits gesagt, die höchstgelegene menschliche Siedlung in Ghana, in den Volta-Bergen an der Grenze zu Togo. Hier ist alles grün und die Landschaft ist wirklich atemberaubend schön. Mir als alter Kenia-Fan haben da nur noch die wilden Tiere gefehlt, das hätte es wahrlich perfekt gemacht. Von vielen Stellen im Dorf hat man einen fantastischen Ausblick auf das Tal und die Volta-Region. Mir hat es am besten kurz vor dem offiziellen Ortsschild gefallen, dort bietet sich zum einen der freie Blick auf den Mount Gemi, links davon der Blick aufs Tal und in die Tiefe hinunter.

 

Die meisten kommen nach Amedzofe, um hier den Ausblick zu genießen und um zu wandern. An der Touristen-Information gibt es Informationen zu den drei Wanderwegen. Die Tour zum Mount Gemi und zurück dauert etwa eine Stunde und ist 2,2 Kilometer lang. Vom Berg aus hat man auch wieder einen tollen Ausblick. Außerdem gibt es den 2,4 Kilometer langen Nature Trail, der bisweilen sehr zugewachsen ist und um das Dorf herum führt. Und dann gibt es noch die rund zweistündige Wanderung zu den Ote Falls und zurück, kleineren Wasserfällen. Die Tour ist 3,7 Kilometer lang. Alle Trails lassen sich mit oder ohne Guide gehen, eine kleine Gebühr dafür ist an der Touri-Information zu zahlen. Aufpassen: Wer ein Handy (mit Kamera) oder eine Kamera mitführt, muss extra bezahlen!

 

Wer in Amedzofe ist, sollte auch auf dem Markt vorbei schauen, der gegenüber der Touri-Information liegt und auf dem das ganze Leben spielt. Wer auf dem Weg nach oben am Willkommen-Denkmal statt nach links ins Dorf nach rechts abbiegt, erreicht nach einem kurzen Anstieg die Abraerica Lodge. Ich hatte gehofft, dort Lunch essen zu können, denn es ist ein Hotel und Restaurant, aber Essen gibt es hier nur auf Vorbestellung. Daher konnte ich nur die wundervolle Aussicht genießen.


Mountain Paradise Lodge

Die Mountain Paradise Lodge in Biakpa ist die zweite, die in der Gegend liegt, und die ebenfalls einen fantastischen Ausblick gen Amedzofe und Mount Gemi und das Tal dazwischen bietet. Bei der Lodge, die aufgrund ihrer Lage direkt an der Verbindungsstraße von Hohoe nach Ho super erreichbar ist, handelt es sich um ein Eco-Projekt, es gibt nur saisonale Bio-Kost und auch sonst wird wert auf die Umwelt gelegt. Bis nach Amedzofe sind es rund 10 Kilometer, ein Moto-Taxi dorthin kostet zwischen 7 und 10 Cedis  (1,20 bis 1,60 Euro).

 

Mein einziges Manko – und das ist ein sehr großes: Die Lodge hält sich einen Affen als Haustier. Auch eine Schildkröte und drei Kaninchen werden dort gehalten, letztere auch in keinem guten Käfig. Der Boden besteht komplett aus Gitter, sodass die Tiere sich nicht bewegen können ohne Schmerzen zu haben. Der Affe wurde wohl als Baby gefunden, sagt der Manager. Die Mutter sei getötet worden und sie hätten das Affenkind per Hand aufgezogen. Es sei frei rumgerannt und habe mit den Katzen und Hühnern auf dem Hof gespielt, bis sie vor kurzem einen neuen Hund bekommen hätten – der mit dem Äffchen nicht so viel anfangen kann. Deshalb lebt es nun in einem Käfig. Und das ganz allein, obwohl Meerkatzen sehr gesellige Tiere sind. Der kleine Kamerad kam immer angesprungen, wenn ich mich dem Käfig genähert habe, er hat seine Hände herausgestreckt und wollte mich lausen und ich sollte ihn streicheln. Das war mega süß, hat aber mein Herz echt zum Weinen gebracht.


Kulugua Trail

Der Kuluga Trail wurde vom Mountain Paradise aus angelegt. Dort ist auch der Start- und Endpunkt, aber auch Leute, die nicht dort übernachten, können den Trail gehen. Wer nett ist, bezahlt auch die 20 Cedis Eintritt, die sich leicht umgehen lassen. Die ganze Tour ist rund drei Stunden lang, anstrengend, aber wunderschön! Es geht zu zwei Wasserfällen und bisweilen muss auch geklettert werden.

 

Der Start ist wie gesagt an der Lodge. Zunächst geht es rund anderthalb Kilometer die Serpentinen der Hauptstraße gen Fume hinunter, ehe eine kleine Markierung in einer scharfen Kurve den Weg zeigt: Statt den Serpentinen zu folgen, geht es nun in den Wald hinein. Es geht ein Stück steil bergab und schon bin ich am ersten Punkt meiner improvisierten Trail-Map angekommen: einem Natur-Pool mit kleinem Wasserfall. Hier kann man baden und das habe ich auch getan. Und mir dabei die tolle Landschaft angeschaut. Es war wirklich herrlich, so ganz allein mitten im Wald zu sein und in dem kleinen Becken zu baden, ehe das Wasser weiter über Steine hinunter gen Tal fließt.

 

Der zweite Part ist der anstrengendste und ich habe mich mehrfach gefragt, ob ich noch richtig bin. Denn auf der Karte sah dieser Abschnitt eher kurz aus, aber es war der deutlich längste von allen. Die meiste Zeit ging es nach oben, manchmal allerdings plötzlich wieder bergab. Immer, wenn ich dachte, dass ich mich verlaufen haben musste, tauchte plötzlich doch wieder ein weißer Pfeil auf, der mir zeigte, dass ich richtig bin. Also lief ich weiter – ich dachte schon, dass ich die Abzweigung zum zweiten Wasserfall verpasst hatte, als ich plötzlich Seile entdeckte. Okay, ich war also doch richtig.

 

Entlang der Seile ging es ein Stück nach unten und da der Boden durch den Regen die Nacht davor recht aufgeweicht war, war ich dankbar über die Hilfe. Der Wasserfall war immer lauter zu hören und dann stand ich da – vor mir eine rund sechs Meter hohe, beziehungsweise tiefe, Steinwand. Hier sollte ich mich nun abseilen. Ich hab mir ein bisschen Mut zugesprochen und dann ging es hinunter. Es hat erstaunlich gut geklappt, obwohl ich mich immer wieder selbst disziplinieren musste, nicht auf den wunderschönen Wasserfall zu starren, sondern mich auf das Abseilen zu konzentrieren.

 

Auch an diesem Wasserfall konnte man wieder baden. Ich habe also meine Sachen wieder schön an den Rand gelegt und mich auf ins Wasser begeben. Es war herrlich. Der Wasserfall war groß genug, dass ich darunter sogar duschen konnte.

 

Frisch abgekühlt ging es dann weiter. Die Steinwand und den ersten Teil mit den Seilen musste ich wieder hinauf. Auch das hat zum Glück alles problemlos geklappt, auch wenn meine Beine langsam genug hatten – ich hatte noch ein wenig Muskelkater von meinem Versuch zwei Tage zuvor, zu den Wli Falls zu gelangen…

 

Nun ging es kurzzeitig bergab und nur selten bergauf, zweimal musste ich den Kuluga River queren, einmal davon auf einer Baumstamm-Brücke. Über eine Cokoa-Plantage ging es schließlich noch einmal richtig in die Höhe, denn ich musste ja wieder auf die Höhe von Mountain Paradise kommen. Glücklich (und mit einigem Muskelkater, wie ich ein paar Tage später bestätige kann) kam ich dann wieder an der Lodge an.

 

Vor allem der Teil mit den Seilen und der Felswand hat richtig viel Spaß gemacht – und natürlich das Baden an den Wasserfällen. Ich konnte die Tour in meinem Tempo gehen und das war genau richtig. Trotzdem habe ich die veranschlagten drei Stunden nur wenig überschritten, allerdings habe ich auch ausgiebig gebadet. Die Tour ist also auf jeden Fall gut machbar, auch wenn man nicht super duper trainiert ist.


Tafi Atome Monkey Sanctuary

Ich war ein wenig skeptisch ob des Tafi Atome Monkey Sanctuarys, aber die Leute dort vor Ort machen echt gute Arbeit. Die Tiere leben in einem Wald, dort leben sie seit vielen hundert Jahren. Den Einheimischen war es per Religion untersagt, die Mona-Affen zu essen, woran sie sich auch lange hielten – genau gesagt bis in die 1980er, als es zu einer großen Hungersnot kam. Daraufhin gründete sich das Sanctuary. Mit den Einnahmen werden nicht nur die Tiere im Wald geschützt, sondern auch Dorfbewohner aufgeklärt, Schäden kompensiert und die Community wird unterstützt, etwa indem für die Dorfschule gespendet wird.

 

Der Eintritt kostet 25 Cedis, dazu kommen noch einmal 5 Cedis für Bananen. Ich wollte zunächst nicht füttern, weil ich es nicht mag, in die Natur einzugreifen, aber die beiden Herren waren derart beleidigt und empört, dass ich mich doch habe breitschlagen lassen.

 

Die Affen leben komplett frei in dem Wald, allerdings haben sie natürlich verstanden, dass es im Dorf Futter gibt und so kommen einige auch in die Nähe der Siedlung oder rennen auf der Hauptstraße durch das Dorf herum. Ein Tier wurde bisher überfahren, es hat ein Grab an der Straße und erinnert daran, dass auch Affen Lebewesen sind.

 

Direkt am „Eingang“ zum Wald, wo noch Häuser und Hütten stehen, kamen zwischen Ziegen und Hühnern auch die ersten Affen auf uns zugelaufen. Sie kennen das Prozedere natürlich. Der Guide zeigte mir, wie ich die Banane halten solle und schwupps – kaum hatte ich die Banane in der richtigen Position in der Hand, hing auch schon der erste Affe an mir. Das Spiel haben wir eine Weile gespielt und ich war mega dreckig, als ich dann aber doch gebeten habe, auch einen Abstecher in den eigentlichen Wald zu machen. Der Guide war überrascht und meinte, dass das aber Glückssache sei, aber ich wollte gerne. Und der Wald war so schön, es war herrlich, dort spazieren zu gehen und nach den Tieren zu suchen. Schließlich fand ich auch einen Affen, ganz in der Nähe der Straße. Und wo ein Affe ist, sind die anderen natürlich nicht weit. So kam auch noch eine zweite Truppe in den Genuss von Bananen.

 

„Das hier ist einer der wenigen Orte, an dem Menschen und Affen in Freundschaft zusammenleben“, hatte der Guide gesagt – und es macht den Anschein, dass das stimmt. Gerade weil die Tiere freileben und weil sich das Sanctuary so für die Aufklärung über die Affen und das Wohlergehen der Community einsetzen, lohnt ein Besuch hier.

 

Was Rettungsstationen angeht, bin ich inzwischen echt kritisch, aber das Team hier kann unterstützt werden. Mit einer Freundin, die sich dem Schutz von Primaten verschrieben hat, habe ich über die Fütterungen gesprochen, die mir etwas Bauchschmerzen bereitet haben. Immerhin werden die Tiere so auch an Menschen gewöhnt. Sie meinte aber, dass bei so dichtem Aufeinanderleben die Affen ohnehin ins Dorf gehen würden, um sich Früchte zu klauen.


Tafi Abuipe Kente Weaving Village

Tafi Abuipe nennt sich selbst auch das „Kente Weaving Village“. Eigentlich gehört es zu Tafi Atome, aber die beiden Orte liegen doch ganz schön weit auseinander, mit dem Moto-Taxi oder Auto 30 bis 45 Minuten, zu Fuß gibt es einen Shortcut, der die beiden Orte in rund einer Stunde Fußweg verbindet.

 

Die Führung durch die Kente Weberei kostet 25 Cedis (rund 8 Euro) und ist auf jeden Fall gut investiertes Geld. Kente sind Stoffe – Grundlage ist Baumwolle – in Elfenbeinküste und Ghana, die früher nur von Königen getragen wurden. Schon im 12. Jahrhundert stellten die Volksgruppen der Ashanti und Ewe diese Gewänder her.

 

Die Kente Webereien sind rund sechs Meter lange und rund zehn Zentimeter breite Streifen, die verschiedene Muster haben. Die Muster haben eine Bedeutung und meistens werden sie genau so bestellt. Aus den Streifen werden dann beispielsweise Kleidungsstücke zusammen genäht – oder die Sachen werden für Deko-Kram genutzt. Der Basis-Faden besteht aus rund 20 Fäden, die alle zusammen in sechs Metern Entfernung an einem Stein befestigt sind. Während des Arbeitens gibt es eine Methode, den Stein näher kommen zu lassen. Ohnehin sehen die Webmaschinen sehr speziell ist.

 

Der Guide erzählt ein wenig zu der Arbeitsweise, zu den Motiven und Mustern und man kann den Männern beim Arbeiten zusehen – und das ist wirklich beeindruckend, weil die super schnell weben! Es arbeiten nur Männer in den beiden großen Fabriken, weil es in der Trockenzeit so heiß wird, dass sie nur in Shorts arbeiten – das geht bei Frauen ja nicht, deshalb haben diese nochmal eigene kleinere Webereien im Freien, meistens vor einem der Häuser. Einige haben auch nur ein einzelnes Webgerät im oder am Haus.

 

Als Besucher darf man sich auch mal ausprobieren und ich wäre wohl eine der teuersten Arbeitskräfte überhaupt, denn ich bin natürlich viel zu lahm. Die Männer in der Fabrik schaffen ein anspruchsloses Muster in 8 Stunden und ein anspruchsvolles in 12 Stunden – ein Arbeitstag hat je 12 Stunden.

 

Die Tour führt nach der großen Fabrikhalle auch an die kleineren privaten Web-Plätze – dort kann nur gearbeitet werden, wenn es das Wetter zulässt, denn Regen würde die Fäden und die Wolle nass und damit kaputt machen. Die Führung endet dann – wie sollte es anders sein – in einem Besucherzentrum, wo man die typischen Streifen kaufen kann – oder Taschen (100 Cedis, 17 Euro) oder Geldbörsen (15 Cedis, 2,50 Euro). 



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