Von Müll bis Paradies: Strandleben in Accra

Accra liegt direkt am Atlantik, doch das Baden ist hier nicht ganz so einfach wie andernorts. Denn der Atlantik ist ein Meer mit Charakter: Wellen und Strömung sagen manchmal mehr als eindeutig, dass der Mensch hier nichts zu suchen hat. Auch wenn das mit dem Schwimmen schwierig ist, gibt es natürlich trotzdem einige Strände - direkt in Accra drei Stück: Labadi, Kokrobite und Bojo - und sie unterscheiden sich allesamt enorm voneinander. Der Labadi Beach ist am nächsten vom Stadtzentrum aus erreichbar und daher immerzu beliebt und gut besucht. Der Kokrobite eignet sich eher als Wochenend-Ausflug und der Bojo Beach, der auf einer Insel liegt, die nur per Boot erreichbar ist, eignet sich für die speziellen Momente.


Nahe, aber vermüllt: Labadi Beach

Der Labadi Beach ist des Accraers liebster Strand. Er ist zentral und von der Innenstadt fast fußläufig erreichbar. Und er ist auch mit den Minibussen (Trotros) sehr gut erreichbar.

 

Der Labadi Beach ist aber weniger ein Ort zum Entspannen am Strand und auf der Liege sonnenbaden und im Meer abkühlen, es ist eher ein Treffpunkt. Über das Maingate kommen nahezu alle Besucher herein, vorbei an ein paar Shops, die um Touristen werben, am Strand sind dann rechts und links Beachbars aneinander gereiht. Vor allem nahe am Main Gate findet sich eigentlich nur Bestuhlung, erst etwas abseits finden sich auch mal Bars mit Sonnenliegen.

 

Der Labadi Beach ist trubelig und alles andere als entspannend - Musik schallt aus jeder Richtung, überall sind Menschen und auch Verkäufer, die einem irgendwas andrehen wollen. Auch Pferde findet man hier viele, denn es ist immer noch eine Attraktion, auf dem armen Tier, das den ganzen Tag in der prallen Sonne steht, ein paar Meter hin und her zu reiten... Baden kann man hier aufgrund der starken Wellen und der Strömung auch nicht - bei dem Müll will man das aber auch gar nicht wirklich!

 

Denn das ist in meinen Augen das größte Manko des Labadi Beaches: die Umweltverschmutzung. Alle paar Meter finden sich Müllberge - weil Leute etwas hinwerfen oder weil Strandgut gesammelt, aber nie weggebracht wird. Man kann um Flaschen, Plastiktüten und Co Slalom gehen... Der Anblick hat mich echt schockiert - und mich auch dazu animiert, künftig immer eine Mülltüte mit zum Strand zu nehmen, um immerhin ein bisschen was einzusammeln, auch wenn es im Gesamten nicht viel bringt.

 

Anfahrt: Das Main Gate liegt an der La Road, etwas westlich von der Einmündung der Giffard Road. Ab verschiedenen Stationen in Accra, etwa 37 Lorry Station, fahren Trotros. Hinter dem Main Gate liegt zudem ein Parkplatz.

Eintritt: 20 Cedis, zu bezahlen am Main Gate

Liegen: Kostenfrei, wenn man in der jeweiligen Bar etwas trinkt

Cola: 7 Cedis

 

Private Beachbars am Labadi Beach

Westlich des eigentlichen Labadi Beaches, also noch näher am Stadtzentrum, finden sich etliche private Beachbars mit direktem Strandzugang, etwa die berühmte Sandbox oder direkt daneben Ozzies Beach Palace - an beiden Orten gibt es auch immer wieder abendliche Beachpartys mit Lagerfeuer und Live-Musik. Ich war bisher nur bei Ozzies Beach Palace - auch weil die Sandbox in der Off-Season nicht immer geöffnet hat, die anderen kannte ich gar nicht. Auch einige Hotel-Ressorts finden sich westlich und östlich des Labadi Beaches.

 

Generell fand ich es bei Ozzy wunderschön, er hat seine Beachbar wirklich fantastisch hergerichtet. Inspiration kommt aus Marokko, wo er länger gelebt hat, aber auch Einflüsse aus Griechenland lassen sich finden. Die Anlage ist super hübsch und sehr gepflegt.

 

Die Bar an sich liegt etwas erhöht, man erreicht den Strand über eine kleine Steintreppe. Derzeit gibt es unten, also am Strand, auch ein paar Tische und Stühle, das ganze wird Stand August 2019 aber ausgebaut. Aktuell gibt es keine Strandliegen, man kann also leider nur an den Tischen sitzen. Der Strand ist aber ohnehin nicht sonderlich schön, denn auch hier finden sich Unmengen an Müll. Puppenköpfe, Stofftiere, Kleidungsstücke, Schuhe, Plastiktüten, Flaschen - hier wird wirklich alles angespült. Baden ist wegen der Strömung ohnehin nicht so angenehm und empfehlenswert, aber im Wasser kam auf dem Abschnitt auf gefühlt eine schwimmende Plastiktüte auf einen Quadratmeter Wasserobefläche...

 

Das macht den Aufenthalt oben in der Beachbar mit Blick auf das Wasser dann auch etwas angenehmer als direkt unten, mit Blick auf den vermüllten Strand und das vermüllte Wasser. Oben in der Bar allerdings ist es wirklich toll!

 

Anfahrt: Die nächste Haltestelle mit dem Trotro ist Polyclinic Busstop, von dort aus sind es etwa zehn Minuten zu Fuß. Sowohl Sandbox als auch Ozzies Beach Palace haben einige eigene Parkplätze.

Eintritt: frei

Liegen: nicht vorhanden

Cola: 8 Cedis

 


Strand mit Vibes: Kokrobite Beach

Der Kokrobite Beach ist bei vielen Hauptstädtern der beliebteste Strand - allerdings ist er auch etwas außerhalb, weshalb die Anfahrt aus Accra länger dauert als zum Labadi Beach. Kokrobite liegt etwa 40 Kilometer vom Zentrum entfernt, gehört aber noch zu Accra.

 

Hier finden sich vor allem viele private Strandabschnitte. Generell gibt es auch öffentliche Strände, dort wird aber hauptsächlich gearbeitet - Fischer sind hier am Werke und Sonnenanbeter stören dabei eher, wenn sie ihre Netze mühsam entknoten, auswerfen und später dann auch wieder mit voller Manneskraft einholen. Wer sich also schön an den Strand legen will, vielleicht sogar mit einer Liege, geht in einen der zahlreichen Beachclubs. Dort zahlt man je nach Anlage ein paar Cedis Eintritt, hat aber ein geschütztes Ambiente.

 

Die Bilder, die ihr hier seht, sind im Sankofa Beach House entstanden. Dort kostet der Eintritt 20 Cedis, wenn man dort auch etwas konsumiert (Essen oder Trinken) und 35 Cedis, wenn man sich komplett selbst versorgt. Wir konnten unser Obst und unsere Kekse mitnehmen - und auch unser Wasser. Im Gegenzug haben wir aber zugesagt, dass jeder von uns mindestens ein Getränk bestellen wird, was wir auch taten (und mit 5 Cedis für eine Cola auch mehr als fair war!).

 

Der Strand war gut gepflegt und auch hübsch anzuschauen. Im Hintergrund fanden sich einige Palmen und der Strand ist hier auch einige Kilometer lang, sodass man rechts und links weit schauen kann. Wir waren samstags dort, allerdings hatte es morgens leicht geregnet, und so fanden sich außer uns keine Besucher weit und breit. Das war echt speziell - und man findet das am Kokrobite eigentlich auch sehr selten, denn der Strand mit seinem fast weißen Sand ist zurecht sehr beliebt bei Einheimischen wie Touristen!

 

Am Strand fand sich schon ein wenig Müll, aber bei weitem nicht so schlimm wie in Labadi. Dafür war es im Meer aber sehr unangenehm. Zum einen ist der Atlantik auch hier stürmisch und die Strömung ist stark. Zum anderen ist aber auch der gesamte Meeresboden von Müll bedeckt und es weht einem permanent eine Plastiktüte, eine Hose oder sonstiger Müll gegen die Beine. Das ist nicht nur super unangenehm, wir sind auch das ein oder andere Mal erschrocken, dass uns irgendein giftiges Tierchen (Quallen gibt es hier beispielsweise) erwischt. Also kein schönes Badeerlebnis - der Kokrobite ist eher ein Ort zum Sonnenbaden und Anschauen als zum Baden im Meer.

 

Anfahrt: Trotros fahren ab der Haltestelle Kaneshie in Accra oder ab Lapaz, ihr solltet ausreichend Zeit einplanen (ein bis anderthalb Stunden)

Eintritt: öffentlicher Strand: kostenfrei, Beachbars (empfohlen): 20-50 Cedis
Liegen: am öffentlichen Strand gibt es keine, bei den Beachbars bekommt man oft kostenfrei eine gestellt
Cola: 5 Cedis im Sankofa Beach House

 


Traumhafter Insel: Bojo Beach

Schon die Anfahrt ist spektakulär. Vom Gate aus sind es noch rund fünf Minuten zu gehen, man kann sich aber auch direkt zum Hotel fahren lassen. Eine weiße Brücke führt vom Hotelgelände Bojo Beach Resort über einen kleinen Fluss auf einen weiteren Teil des Geländes. Hier geht das Abenteuer Bojo Beach los, denn weiter geht es nun mit dem Boot! Die Gebühr für die Überfahrt ist beim Eintrittspreis von 20 Cedis schon enthalten. Leider ist die Überfahrt über eine Art Lagune bis zum Strand nur sehr kurz, ich hätte noch gut ein wenig rumschippern können! 

 

Der Strand ist quasi eine Insel, auf der einen Seite von der Lagune umschlossen, auf der anderen Seite vom Atlantik. Der Strand ist privat und gehört zum Hotel, weshalb man schon vorab darauf hingewiesen wurde, dass man keine Getränke oder Speisen mitnehmen darf. Dass wir dennoch Wasser, Obst und Kekse im Rucksack hatten, hat aber niemanden gestört. Es wurde nicht kontrolliert und auch die Mitarbeiter am Strand haben uns gewähren lassen. Allerdings haben wir uns dennoch das ein oder andere Getränk an der Bar gegönnt. Da es ein privater Strandabschnitt ist, kommt hier auch leider niemand vorbei und verkauft Obst, es gibt sonst nur, was die Beachbar hergibt.

 

Der Sand ist fein und mehr weiß als braun, das Meer rau und stürmisch, wobei es dennoch möglich ist, zumindest bis zur Hüfte problemlos ins Wasser zu gehen. Es trauten sich aber auch einige schwimmen, doch mir war die Strömung zu stark - und ich bin eigentlich kein Angsthase bei solchen Dingen.

 

Am Strand gibt es nicht nur eine Beachbar, die dauerhaft Musik spielt und so für einen ganz besonderen chilligen Vibe sorgt, sondern auch Beachvolleyball. Es gibt einige Tische  mit Sonnenschirm und je drei Plastikstühlen, diese kann man kostenfrei nutzen. Wer auch eine Sonnenliege möchte, muss diese anfragen und 10 Cedis (1,70 Euro) dafür bezahlen.

 

Der Strand war leider auch vermüllt, allerdings bei weitem nicht so schlimm wie Labadi. Es gibt hier tatsächlich Mülleimer, das habe ich in Ghana selten gesehen - was allerdings nicht jeden Gast davon abhält, seinen Müll einfach auf den Boden zu werfen... Es fanden sich einige Mülltüten am Strand und man sah auch einige auf den Wellen, als Europäer ist man da von Hotelanlagen einfach anderes gewohnt, - allerdings war es auch anders als beim Kokrobite Beach so, dass auf dem Meeresgrund keine Plastiktüten lagen und man sich so recht frei bewegen konnte.

 

Generell hat mir dieser Strand von allen dreien am besten gefallen. Das Flair ist einzigartig, im Hintergrund die Lagune und die Palmen der eher versteckten Hotelanlage, die Fischer drum herum, die ihrer Arbeit nachgehen, die chillige Musik und vor den Augen der tosende Atlantik - all das hat den Bojo Beach für mich zu einem wirklich besonderen Erlebnis gemacht.

 

Anfahrt: Mit dem Trotro bis Kokrobite, Old Barrier oder Lapaz (weiter weg) und dann mit dem Shared Taxi oder Uber weiter.

Eintritt: 20 Cedis
Liegen: 10 Cedis
Cola: Cola war aus, Limo hat 8, Saft 10 Cedis gekostet 

 



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