Die 10: Was du in Accra gemacht haben musst

Accra, die Hauptstadt von Ghana, ist eine besondere Stadt in vielerlei Hinsicht. Die Geschichte mit Ashanti-Königreich, mit Sklavenhandel und Kolonialismus ist einzigartig. Aber im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Städten ist Accra auch sicher. Hier gibt es Nightlife, Bars und vor allem eine sehr aktive Kreativen-Szene. Museen findet man nicht so viele, aber die wenigen, die es gibt und die sich mit der Geschichte Ghanas und Persönlichkeiten des Landes beschäftigen, sind absolut sehenswert. Auf jeden Fall musst du auch einen der trubeligen Märkte besuchen! Hier kommen meine zehn Tipps, was du bei einem Besuch in Accra nicht verpassen darfst.


Fast vier Monate habe ich im Sommer und Herbst 2019 in Accra verbracht - und dabei natürlich einige Highlights und Fails kennengelernt. Immer mal wieder habe ich euch in Blog-Beiträgen über einzelne Aspekte berichtet, etwa über die Strände um die Stadt herum oder das größte westafrikanische Street-Art Festival Chale Wote, doch nie über die Stadt selbst. Deshalb kommen hier Die 10 Dinge, die du in Accra nicht verpassen darfst!


Die 10: Kwame Nkrumah Memorial Park

Kwame Nkrumah ist der Nationalheld Ghanas. Er war Politiker und Freiheitskämpfer. Er wurde in den 50er Jahren verhaftet, weil er für Unruhen in Accra verantwortlich gemacht wurde, mit denen er die Unabhängigkeit Ghanas erreichen wollte. Er wurde verhaftet und in Ussher Fort (siehe weiter unten in der Liste) gefangen gehalten, bis er bei der Wahl mehr als 98 Prozent der Stimmen erhielt und die Briten ihn freiließen. 

 

Später verhandelte er die Unabhängigkeit von Großbritannien - Ghana, das dann nicht mehr länger Goldküste hieß, wurde als eines der ersten afrikanischen Länder unabhängig. Kwame Nkrumah, der seit seinem Studium in London auch als großer Panafrikanist gilt, also für die Einheit des afrikanischen Kontinents warb, wurde zum ersten Präsidenten Ghanas gewählt. Heute ist er in Ghana verehrt, in der Welt nicht ganz unumstritten, denn er regierte durchaus autoritär und soll Gegner auch einfach für fünf Jahre wegsperren haben lassen - ohne Prozess! So dauerte es auch nur wenige Jahre, bis Nkrumah vom Militär gestürzt wurde. 

 

So viel zum Hintergrund: Dem ersten Präsidenten ist im Zentrum Accras ein Memorial Park und ein Museum gewidmet. Auch ein Mausoleum gehört dazu. Durch den Park zu spazieren ist auf jeden Fall speziell, denn hier haben die verschiedensten Politiker Afrikas bei ihren Besuchen in Accra Bäume gepflanzt, um die Einheit des Kontinents zu demonstrieren. Außerdem kann man hier auch mal einem Pfau begegnen, hier leben nämlich einige der Vögel.

 

Ein kleines Museum erinnert an das Leben von Nkrumah und zeigt Bilder und wichtige Stationen seiner Karriere. Es ist nicht wirklich speziell, aber gibt einen ganz netten Überblick. Zu sehen sind auch Bücher, die er verfasste, etwa "Africa must unite", mit dem er für eine länderübergreifende afrikanische Regierung warb. 

 

Gegenüber des Museums findet sich das große Denkmal, das man schon von weiter Entfernung (und auch von außerhalb des Parks) sehen kann. Über Brücken kann man zum Denkmal, das auf einer Art kleinen Insel steht (in der Akan-Kultur, zu dessen Volk Nkrumah gehörte, steht das Wasser für Leben), hinübergehen. Dort ist der Sarg mit Nkrumahs Leiche sowie einer mit der Leiche seiner Frau Fathia aufbewahrt.

 

Insgesamt ist der Park ganz nett gemacht, nicht sehr besonders, aber wer Ghana und seine Geschichte verstehen will, sollte hier vorbei kommen, um mehr über den gefeierten Nationalhelden zu lernen. Der Eintritt beträgt 10 Cedis, also etwa 1,60 Euro und ist verschmerzbar. 


Die 9: Ketteh Quarshie Art Market

Es gibt verschiedene Art Markets in Accra, doch einer gefällt mir dabei besonders gut und das ist der am großen Interchange in der Nähe der Accra Mall. Der Markt heißt deshalb wie der Interchange: Ketteh Quarshie Art Market. Hier findet man alles, was es an Kunst so gibt: Bilder, Skulpturen, billige Holz- und andere Schnitzfiguren, Deko-Artikel, Hand-, Laptop und Handytaschen, Geldbörsen, Bilder und viel mehr. 

 

Der Markt ist - im Gegensatz zum großen Accra Art Market - weniger touristisch und überlaufen und die Preise sind viel fairer. Es gibt quasi die genau gleichen Produkte, aber ohne großes Hickhack beim Preis und ohne mit Mondpreisen in die Verhandlungen zu gehen. Das macht das Shoppen dort deutlich angenehmer. Allerdings ist der Markt eben auch etwas abgelegen, während der zentralere Markt direkt im Stadtzentrum liegt, gleich neben dem Nkrumah Memorial Park. Wer also weniger Zeit hat, sollte lieber den in der Stadtmitte nehmen, wer etwas mehr Zeit hat und vielleicht auch schlendern will - oder ohnehin in der Nähe ist (etwa in der Accra Mall), der wird den Tetteh Quarshie mehr mögen, da bin ich mir sicher!


Die 8: Ghanaisch essen bei Asanka Local

Im Gegensatz zur kenianischen Küche liebe ich die ghanaische: Denn hier wird mit viel Gewürz gekocht! Die Grundzutaten sind eigentlich in beiden Ländern gleich, meistens basieren die Speisen auf Mais, Reis, Bohnen und Yam. Doch während man in Kenia oft ohne Gewürze isst, ist Ghana alles andere als sparsam, wenn es um Schärfe geht. Manchmal ist es mir sogar zu scharf!

 

Aber nun zum eigentlichen Punkt: Wer richtig gutes lokales Essen probieren möchte, besucht in Osu das Lokal Asanka Local (nicht zu verwechseln mit dem Lokal namens Asanka, das an einer anderen Stelle in Accra liegt). Im Asanka Local gibt es quasi alles, was die ghanaische Küche zu bieten hat. 

 

Außerdem solltet ihr zum Trinken auf jeden Fall einen Saft bestellen, beispielsweise Ananas-Ingwer-Saft oder Ananas-Moringa-Ingwer-Saft - sie sind günstig und werden immer frisch zubereitet. 

 

Viele der Gerichte findet man auch als Streetfood an jeder Ecke. Ich habe die meisten Sachen aber nur in Lokalen gegessen, dafür liebe ich beim Streetfood Dinge wie Bofrot (eine frittierte kleine Teigkugel), Veggie Pies, gegrillte Maiskolben, gegrillte Kochbananen und frittierte Kochbananen (so eine Art Chips).

Meine Favoriten (von links nach rechts):

Red Red

Bohnen-Kochbananen-Palmöl-Pampe mit frittierten Kochbananen

(rechts)

Jollow Rice

Reis in Tomatensoße gekocht mit Gemüse- oder Fleischbeilage

Kelewele

Frittierte und gewürzte Kochbananen


Palava Sauce

Eintopfgericht mit Bohnen, Spinat (oder spinatähnlichem Grünzeug) und Yam oder Maniok, meist enthält das Gericht auch Fisch, Beef oder Meeresfrüchte

Fried Rice

In Öl gebratener Reis mit Gemüse und/oder Huhn

(Foto: Flickr/OneVillage Initiative)

 

Waakye

Reis und Bohnen ohne weitere Gewürze, dazu gibt es Spaghetti, Gaari und Avokado oder Fleischbeilagen

 

 


Fufu

 

Maniok- oder Yambrei in Suppe, meist Groundnut-Soup (ähnlich wie Erdnuss-Suppe) mit Fleisch oder Fisch

Foto: aripeskoe2

Gari

 

Pulver aus Mais, Maniok oder ähnlichem, wird als Pulver serviert oder gekocht als "Klumpen".

Foto: Joel Abroad

Banku

 

Sauerkloß mit Paprika-Soße

 

 



Die 7: Jamestown Walking Tour

Die Walking Tour in Jamestown wurde im Lonely Planet empfohlen und ich hatte richtig Lust darauf. Leider bin ich auf Betrüger reingefallen. Es gibt die offizielle Tour, sie startet aber nicht am Leuchtturm (wie ich dachte), sondern ein paar Meter weiter am Theater, jeden Samstag um 14 Uhr. Als ich samstags um 14 Uhr am Leuchtturm eintraf, empfing mich ein Mann und stellte sich als Collins vor. Collins heißt auch der Guide der richtigen Tour. 

Auf der Website wird schon vor den Betrügern gewarnt, aber da ich sonst keinen Tourguide oder eine Gruppe gesehen habe, war ich recht blauäugig und bin einfach mitgegangen. Da mir viele Dinge während der Tour aber komisch vorkamen, habe ich im Nachhinein eine Mail an die offizielle Tour geschickt und erfahren, dass es sich um einen bekannten Betrüger handelt. Schade, aber auch wenn diese spezielle Tour eher merkwürdig war, würde ich euch doch dazu raten, eine zu machen (aber dann hoffentlich mit den richtigen Anbietern!). 

 

Jamestown ist nämlich der Ursprung von Accra - hier ließen erst die Niederländer, dann die Briten ein Fort bauen, drum herum entstanden die Siedlungen. Deshalb gibt es auch heute noch "Dutch Jamestown" und "British Jamestown". 

 

Ein Großteil der Tour, die ich gemacht habe, führt auch an die Plätze der offiziellen Tour - so groß ist der Stadtteil nicht. Wir waren am Fischereihafen und haben uns die Boote angeschaut und waren auf dem Steg, wo der Fang gerade trocknete, und sind danach durch die Gassen der beiden Jamestowns gelaufen.

 

Komisch war für mich etwa, dass ich während der Tour darum gebeten wurde, dem "Schulleiter" einer Schule Geld zu geben - was ich verneint habe. Bei der offiziellen Tour zahlt ihr einmal 30 Cedis (5 Euro) am Beginn, ich habe auch erst hinterher zahlen müssen.  

Nach der Tour, die auch nur etwas mehr als eine Stunde (statt zwei) gedauert hat, bin ich selbst noch in einen Teil von Jamestown (Westen) gegangen, den wir ausgelassen haben und habe dort noch ein paar Bilder geknipst.  

 

Dafür hatte ich aber ein richtig tolles Erlebnis: Da es sich um einen Local handelt, nahm er mich mit auf die Beerdigung des Chief of the Fishermen: Der Chief ist eine Mischung aus Royal und Bürgermeister für einen Bereich und hat eine gewichtige politische und gesellschaftliche Stimme.

 

Wenn er stirbt, ist das ein sehr großes Ereignis - sowieso sind Beerdigungen ja hier etwas ganz anderes, wie ich euch schon einmal berichtet habe. Jedenfalls wurde der Mann in einem Sarg in Form eines Haifischs beerdigt, aber natürlich erst durch Jamestown getragen, eine Ziege wurde geschlachtet und alle haben getanzt und gesungen. Das war schon großartig. 

 


Die 6: William Edward Burghardt du Bois Museum & Markt

W.E.B. du Bois (1868 bis 1964) war einer der größten Panafrikanisten, das heißt er trat gegen Ende der Kolonialzeit für die Einheit des afrikanischen Kontinents ein, nur gemeinsam sei man stark und könne anderen Kontinenten wie Europa, Asien und den beiden Amerikas gegenüber treten. Was auch deshalb spannend ist, weil er selbst in Massachusetts, also in der afrikanischen Diaspora geboren wurde.

 

Du Boir muss eine enorm beeindruckende Person gewesen sein. Er war der erste Schwarzafrikaner, der an der noblen Havard Universität in den USA seinen Doktortitel machte - über den transatlantischen Sklavenhandel. Zwischendurch studierte er auch in Heidelberg und Berlin Geschichte und Philospohie.

 

Früh begann er sich für die afrikanische Einheit einzusetzen und wurde zu einem Sprecher seiner Zeit - und zu einem anerkannten Menschenrechtler, der sich vor allem im sozialisischen Umfeld bewegte (und so auch nach China und Russland reiste). An mehr als 2000 Büchern war du Bois zu Lebzeiten beteiligt.

 

Die letzten beiden Jahre seines Lebens verbrachte du Bois mit seiner zweiten Ehefrau in Ghana. Das Haus im heute noblen Stadtteil Cantonments wurde ihm von Kwame Nkrumah zur Verfügung gestellt und er arbeitete dort an einer Afrika Enzyklopädie - die er nie fertig gestellt hat.

 

Das Haus, in dem du Bois starb, ist heute ein Museum. Sein Schlafzimmer, das Arbeitszimmer seiner Frau, seine Bibliothek und sein Arbeitszimmer und die Wohnräume sind heute zu besichtigen. Das Museum kostet nur 7 Cedis Eintritt (etwa 1,20 Euro) und dafür ist es schon in Ordnung - man bekommt auch immer eine private Führung.  Ausgestellt sind noch einige der Möbel aus der Zeit, Kleidungsstücke wie seine Graduation Robe von Harvard, einige seiner Schriften, Briefe und Bücher und auch Geschenke, die er aus China oder Russland bekam.

 

Das ehemalige Büro seiner Ehefrau, Schriftstellerin Shirley Graham, ist heute wichtigen Frauen aus der Menschenrechtsbewegung gewidmet. Fast allesamt verloren sie im Kampf um die Rechte von Menschen und Frauen ihr Leben. Das ist durchaus eine sehr beeindruckende Wand!

 

Am beeindruckensten für mich war allerdings die Bibliothek. Hier stehen einige Originalausgaben von historischen Werken, etwa Karl Marx "Das Kapital" oder Frederick Douglass "Narrative of the Life of Frederick Douglass - an American slave" - und einige davon habe ich sogar auch gelesen, natürlich nicht im Original!

 

Die Tour endet im Mausoleum, einem extra Gebäude direkt gegenüber des Eingangs. Hier fanden du Bois und Graham ihre letzte Ruhe. Geschmückt ist der Raum zum einen mit (unechtem) Blumenschmuck von bedeutenden Persönlichkeiten, zum anderen mit traditionellen ghaniaschen Stühlen, die Chiefs und Royals zu ganz besonderen Ehren verschenken.

 

Leider erfährt man nur wenig über das Leben und Werk von du Bois, deshalb ist das Museum auch nicht höher gerankt. Wer ganz ohne Vorkenntnisse in das Museum kommt, wird wahrscheinlich etwas enttäuscht sein und wenig lernen. Meine Bekannte, mit der ich da war, und ich hatten ein wenig zu ihm gelesen vorher und konnten deshalb gezielter Fragen stellen. Allerdings bleibt die Bedeutung von du Bois und seine Errungenschaften im Dunklen.

 

Spezialtipp: Green Market am du Bois Museum

Wenn ihr das Museum besucht, rate ich euch, den erstem Samstag im Monat dafür auszuwählen! Denn dann ist Green Market hinter dem Museum und auf dem Gelände des Memorials.

 

Auf dem Green Market verkaufen verschiedene lokale Firmen und Künstler ihre Waren: es gibt Kleidung, Taschen, Körbe, Schmuck, Schuhe, Notizbücher und allerlei Naschkram - von Schokolade und Pasta zum Mitnehmen bis zu Falafel und Churros zum sofort Essen. Der Markt ist etwas teurer als andere, dafür sind die Preise aber ausgezeichnet und man spart sich das lästige Verhandeln. Ich habe deshalb gerne hier gekauft.

 

Es gibt noch einen kleineren Markt, der ist am letzten Samstag des Monats. Hier gibt es ähnliche Produkte, allerdings ist der Markt deutlich kleiner.


Die 5: Entspannen am Bojo Beach

Von den drei größeren Stränden in Accra - Labadi, Kokrobite und Bojo - ist mir letzteres mit Abstand am liebsten! Schon die Anfahrt zum Strand ist spektakulär. Vom Hotelparkplatz aus führt eine weiße Brücke über einen kleinen Fluss führt zum Bojo Beach Resort. Hier geht das Abenteuer Bojo Beach los, denn weiter geht es nun mit dem Boot! Die Gebühr für die Überfahrt ist beim Eintrittspreis von 20 Cedis schon enthalten. 

 

Der Strand ist quasi eine Insel, auf der einen Seite von einem Süßwasser-See umschlossen, auf der anderen Seite vom Atlantik. Der Sand ist fein und mehr weiß als braun, das Meer rau und stürmisch, wobei es dennoch möglich ist, zumindest bis zur Hüfte problemlos ins Wasser zu gehen. Es trauten sich aber auch einige schwimmen, doch mir war die Strömung zu stark - und ich bin eigentlich kein Angsthase bei solchen Dingen.

 

Am Strand gibt es nicht nur eine Beachbar, die dauerhaft Musik spielt und so für einen ganz besonderen chilligen Vibe sorgt, sondern auch Beachvolleyball. Es gibt einige Tische  mit Sonnenschirm und je drei Plastikstühlen, diese kann man kostenfrei nutzen. Wer auch eine Sonnenliege möchte, muss diese anfragen und 10 Cedis (1,70 Euro) dafür bezahlen. Mehr zum Bojo Beach und zu anderen Stränden in Accra findet ihr einem eigenen Blog-Beitrag


Die 4: Shoppen auf dem Makola Market

Die Märkte in Accra sind nichts für schwache Nerven. Wohl aber für Menschen, die günstig einkaufen wollen und ein wenig das Lebensgefühl von Accra und Ghana spüren wollen. 

 

Der Makola Market ist der größte Markt und eigentlich bin ich immer wieder fasziniert von diesem Markt. Die Preise hier sind tatsächlich untereinander abgesprochen, sodass das lästige Handeln wegfällt, was den Makola trotz des Trubels und der Menschen zu meinem Lieblingsmarkt macht. Außerdem sind dort so viele Menschen unterwegs, dass man nicht wirklich häufig explizit angesprochen wird - andernorts wird man sofort als Weißer (Obroni) und damit mögliche Geldquelle identifiziert, was doch sehr anstrengend sein kann. 

 

Auf dem Makola Market bekommt man wirklich alles: Stoffe und Schuhe, Obst und Gewürze, Schaufensterpuppen und Elektrokram, Seife und Perücken. Aber der Markt ist auch wirklich riesig - er erstreckt sich über mehrere Blöcke und Straßenzüge (ein guter Startpunkt ist in der Nähe des Mövenpick Hotels). Als ich das erste Mal auf dem Makola war, habe ich nichts gekauft, ich war völlig überfordert mit all den Dingen und Menschen und sowieso. Beim zweiten Mal bin ich dann gezielt zum Shoppen hin, ich wollte Schuhe und Stoff kaufen. Und das war tatsächlich recht simpel und ohne großes Gequatsche. 

 

Aber auch andere Märkte sind sehens- beziehungsweise besuchenswert. Es gibt im Zentrum Accras noch zwei weitere größere Märkte dieser Art, beide auch sehr groß, aber nicht ganz so wie der Makola. Das wäre zum einen der Kaneshie Market, zum anderen der Market rund um den Kwame Nkrumah Circle (nur Circle genannt), beides sind neben Tema Station auch die größten Trotro-Haltestellen. Etwas außerhalb liegt der Markt in Lapaz, direkt an der N1, ebenfalls ein beliebter Einkaufsort. Dort bin ich öfter mal, wenn ich zum Strand nach Kokrobite oder Bojo Beach fahre. 


Die 3: Klettern, Natur und Aussicht im Botanical Garden

Den "Legon Botanical Garden" habe ich erst recht spät entdeckt - und an einem meiner letzten Tage in Accra habe ich es dann zum Glück noch dorthin geschafft. Sonst wäre mir ein wundervoller Ort verborgen geblieben! 

 

Der Botanical Garden ist nicht so, wie ich Botanische Gärten aus anderen Ländern kenne. Es ist mehr ein großer, grüner Park mit einem See und allerlei Angeboten für Aktivitäten in der Natur. Es gibt die Woodlands, eine Baum-Landschaft, dort auf der Wiese ist es erlaubt, Picknick zu machen und man sieht überall Kinder herumtoben. Dort gibt es tatsächlich auch Info-Tafeln zu den einzelnen Bäumen, wie diese heißen, welcher Familie sie angehören usw. Ansonsten gibt es einige Wege, die durch das nicht allzu große Gelände führen. Ich habe einen kleinen Weg durch die Woodlands genommen, der plötzlich nicht mehr weiter begehbar war, weil der Weg durch den Regen (es hatte allerdings einige Tage nicht geregnet in Accra!) stark aufgeweicht und mega matschig war. 

Im Park kann man auch allerlei Dinge unternehmen. Der Eintritt insgesamt kostet 10 Cedis (etwa 1,60 Euro), alle Aktivitäten kosten allerdings extra, die Preise hierfür findet man auf der Website. Angeboten werden etwa Bird Watching, eine Bootsfahrt über den Teich oder Fischen im kleinen Zufluss. Für Kinder gibt es zudem einen großen Spielplatz. 

 

Ich habe mich für den Canopy Walk entschieden, der 25 Cedis (4,20 Euro) kostet.  Über drei oder vier Hängebrücken geht es dabei über den Park un dman kann die Baumwipfel bestaunen. Der Ausblick über den See ist fantastisch und gerade in Kombi mit dem sehr günstigen Eintritt in den Park war es das Geld auf jeden Fall wert. Der Canopy Walk ist noch recht neu und der zweite in Ghana - den bekannteren (und längeren) gibt es im Kakum Nationalpark in der Nähe von Cape Coast

 

Sehr gerne hätte ich auch den Hochseilgarten erkundet. Leider stand auf der Website, dass man seine eigenen Handschuhe mitbringen muss und deshalb hatte ich ausgeschlossen, dass ich dort herumklettern kann. Im Park selbst zeigte sich dann, dass das mit den Handschuhen völlig egal ist - keiner der Kletterer hatte welche an! Allerdings hatte ich leider nur Sandalen an - und damit ist es tatsächlich nicht erlaubt. Hätte ich gewusst, dass die Handschuhe nicht von Nöten sind, hätte ich Sportschuhe oder Sneaker angezogen und wäre auch herum geklettert! Für Kinder gibt es übrigens einen eigenen kleineren Hochseil-Parcours!


Die 2: Kokoroko trinken im Republic

Das Republic im angesagten Stadtteil Osu ist die Adresse schlechthin, wenn es ums Ausgehen in Accra geht. Hier trifft sich gefühlt die ganze Stadt. Manchmal sitzen die Menschen draußen auf der Straße, nippen am Getränk und plaudern oder lauschen der Live-Musik (immer mittwochs), und drinnen findet gerade ein Mal-Kurs statt. Die Wände sind geschmückt mit Schallplatten und Fotos von Prominenten und hier ist auf jeden Fall immer etwas los. 

 

Auf eurem Accra-Besuch dürft ihr den Gang zum Republic auf keinen Fall verpassen - und dort müsst ihr auf jeden Fall einen Kokoroko probieren. Das ist ein Cocktail, den es nur hier gibt, Rum wird hierfür mit Hibiskussaft und Ingwersaft gemischt, das ganze wird als eine Art Slush-Eis serviert - und ist mega lecker! 

 

Das ist tatsächlich einer der großen Vorteile an Accra gegenüber anderen afrikanischen Städten: Es ist sicher hier. Deshalb gibt es auch eine große kulturelle Szene und einige tolle Bars und Ausgehmöglichkeiten. Vor allem in Osu spielt das Leben, ich bin beispielsweise auch gern bei The Studio Accra, die Talks mit Künstlern anbieten. Etwa einmal die Woche kommt ein Künstler zu Besuch und spricht über sein aktuelles Projekt - super inspirierend - und danch kann man die zehn Minuten bis zum Republic laufen! Aber es gibt auch abseits ein paar coole Locations für Kunst und Kultur, etwa Film- und Poetryabende im Goethe Institut in Cantonments oder die vielen Konzerte und Filmabende in Alliance Francaise in der Airport Residential Area.  


Die 1: Führung durch Ussher Fort

Ussher Fort ist ein Ort großer Bedeutung: Denn hier wurde die heutige Hauptstadt Ghanas, Accra, quasi gegründet. Die Niederländer hatten Ussher Fort 1642 als Fort Crèvecœur gebaut, die Briten nur ein paar hundert Meter weiter 31 Jahre später James Fort. 

 

Beide Forts hatten für Accra eine große Bedeutung, nicht aber was den Welthandel angeht, denn die beiden Forts waren nicht groß genug, um mit Elmina Castle oder Cape Coast Castle rund 150 Kilometer weiter im Westen mitzuhalten. 

 

Ussher Fort wurde auch als Handelszentrum für Waren errichtet, später wurden hier auch einige Hundert Sklaven durchgeschleust. Direkt gegenüber, im heutigen Jamestown, fand der Sklavenmarkt statt, wo die Menschen halbnackt inspiziert und verkauft wurden. Bis zur Abfahrt der Schiffe mussten sie dann in Ussher Fort (oder James Fort) ausharren. 

 

Ussher Fort ist keine große Touristen-Attraktion wie Cape Coast Castle oder Elmina Castle, aber man kann tagsüber auch Touren machen. Am Eingang kommt einem in der Regel ein Guide entgegen, der einen für 20 Cedis, Studenten für 10 Cedis (ca. 1,80 Euro) herumführt und mehr zur Geschichte erzählt.

 

Sanitäre Anlagen des einstigen Gefängnisses.
Sanitäre Anlagen des einstigen Gefängnisses.

Der Ort hat nämlich wahrlich Geschichte: Fort Ussher wurde als Handelszentrum gebaut, diente dann dem Sklavenhandel, wurde später in ein Gefängnis umgewandelt (zuerst von den Briten, dann von Mitte des 20. Jahrhunderts bis in die 199er Jahre von den Ghanaern selbst - auch Nkrumah, den ihr weiter oben kennengelernt habt, war hier inhaftiert) und im 21. Jahrhundert diente es als Flüchtlingsunterkunft, als 2005 Millionen von Sudanesen die Flucht antraten, nachdem in ihrem Heimatland Krieg ausgebrochen war. 

 

Es war ein wenig schwierig, dem Guide zu folgen, weil er in jedem Raum aus einer anderen Epoche erzählte. So war nicht immer klar, wie die Räume zu welcher Zeit genutzt waren. Da wir die Tour nur zu viert gemacht haben, konnten wir jederzeit intervenieren und nachfragen, aber hinterher habe ich doch bemerkt, dass ich bei manchem den Zusammenhang nicht ganz verstanden habe.

 

Arabische Inschriften von den Flüchtlingen.
Arabische Inschriften von den Flüchtlingen.

Ich fand es auf jeden Fall etwas befremdlich, dass dort, wo einst versklavte Menschen ihrem Schicksal entgegen blicken mussten und zusammengepfercht in einer dunklen Zelle lebten, später Menschen inhaftiert wurden - und wieder später Flüchtlingsfamilien auf Feldbetten unterkamen. Das ist definitiv kein Ort, an dem ich wenn auch nur übergangsweise leben wollen würde. Von der Zeit der Flüchtlinge zeugen noch einige Wandmalereien, dort finden sich beispielsweise islamische Botschaften und arabische Schriften. 

 

Sehr beeindruckt hat mich auch hier die Todeszelle. Wer zum Tode verurteilt wurde (hier ging es wohl um Häftlinge, nicht um Sklaven), durfte auswählen, wie er sterben wollte. In der Zelle gab es die Möglichkeit, gehängt zu werden - und die Möglichkeit, durch Stromschläge zu sterben. Die meisten ließen sich hängen - das war die sicherere Variante, auch tatsächlich zu sterben.

 

Ebenfalls sehr emotional war der Anblick der "Door of no return", die Tür, die jahrhundertelang für die Sklaven der Ausgang aus Afrika war: Von hier aus wurden sie über den Strand von Jamestown in die Boote gebracht und zu den großen Schiffen gefahren, die sie nach Amerika brachten. 


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